mini|hochkant=1.5|

Geislingen an der Steige ist eine Stadt in Baden-Württemberg, im Südosten der Region Stuttgart etwa 15 km südöstlich von Göppingen bzw. 27 km nordwestlich von Ulm. Sie ist nach der Kreisstadt Göppingen die zweitgrößte Stadt des Landkreises Göppingen und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Geislingen an der Steige ist seit 1956 mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Bad Überkingen und Kuchen hat Geislingen eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Geographie Geographische Lage mini|links|Blick vom Ödenturm auf Geislingen

Geislingen an der Steige liegt am Rand der Mittleren Schwäbischen Alb, bereits hinter den Albtrauf zurückgesetzt im Tal der Fils. Die Stadt und ihr Vorort Altenstadt liegen in einem Talkessel, der durch das Zusammentreffen verschiedener Täler entstanden ist. Geislingen nennt sich deshalb auch Fünftälerstadt (Täler der oberen und unteren Fils, Eyb, Rohrach und des Längentalbaches). Die im Filsursprung entspringende Fils tritt von Bad Überkingen kommend (Oberes Filstal) im Südwesten in das Stadtgebiet ein, wendet sich dann bei Altenstadt nach Nordwesten und verlässt es wieder in Richtung Kuchen (Unteres Filstal).

Geologie mini|hochkant=1.5|Panorama von der Ruine Helfenstein aus gesehen Geislingen ist durch seine Lage am Albtrauf und damit durch den Weißjura der Alb mit ihren Karsterscheinungen geprägt. Die Stadt liegt an der Schnittstelle bedeutender geologisch-fluvialer Entwicklungen der letzten 25 Millionen Jahre.

Vor rund 24 Millionen Jahren (Oberes Miozän) entwässerte eine sogenannte Ur-Lone etwa entlang der heutigen Täler des Neckars, der Fils, der Rohrach und der Lone entgegen den heutigen Richtungen nach Süden bis zu einem Meer, das bis nach Westerstetten (elf Kilometer südlich nach der Geislinger Steige) reichte (vgl. Klifflinie). Eine Ur-Fils (Hasental-Wiesensteig-Geislingen) mündete bei Geislingen in dieses Flusssystem. Erosionsabbau des Albtraufs nach Süden und verstärkte Krustenaufwölbungen vor ca. elf Millionen Jahren (Oberes Miozän) trennte weit nördlich von Geislingen die Ur-Lone in einen südlichen Teil (Ur-Eyb, Ur-Fils, Ur-Lone) und eine Rheinische Ur-Fils. Die Rheinische Ur-Fils drang durch ständige rückschreitende Erosion bis nach Geislingen vor, wo es im „erdgeschichtlichen Gestern“ (Riß-Kaltzeit) schließlich zur Flussanzapfung der Ur-Eyb und der Ur-Fils kam. Eyb und Fils entwässern seitdem nach Norden zum Neckar. In der Folge fiel das Tal der Ur-Lone südlich von Geislingen trocken. Der Abschnitt Steighof – Urspring ist mit bis zu 400 Metern auch heute noch ein verhältnismäßig breites Trockental. Geislingen liegt mit seiner Höhe von 400 bis 465 Metern rund 170 Meter unterhalb des Niveaus des Lonetals. Fortschreitende Verkarstung hat auch den obersten Talabschnitt der Ur-Fils (das Hasental oberhalb der Fils-Quelle) trockenfallen lassen.

Zu den genannten geologischen Entwicklungen siehe auch Filsursprung.

Der heute ca. acht Kilometer lange, südlich von Geislingen bei Steighof entspringende Bach Rohrach gräbt durch rückschreitende Erosion den Teil der Ur-Lone bei Amstetten und dem Langental weiter an. Das untere Tal des Baches mit der Altstadt, durch das die Geislinger Steige führt, und weite Teile des heutigen Talkessels von Geislingen sind vom Erosions-Hangschutt und von bis zu 20 Meter dicken karsttypischen Kalktuffablagerungen geprägt. Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung konzentrierte sich auf diese alten Kalktuffbarren. Auch die Lage der Altstadt ist davon geprägt.

Schutzgebiete Teile des Geislinger Stadtgebiets gehören zu den FFH-Gebieten 7423-342 Filsalb, das eine Größe von 5.430 Hektar hat und 7324-341 Eybtal bei Geislingen mit 1.826 Hektar, sowie auch zum Vogelschutzgebiet 7422-441 Mittlere Schwäbische Alb, das 39.597 Hektar groß ist. In diese europaweit bedeutsamen Schutzgebiete sind sowohl die Naturschutzgebiete 1105-Rohrachtal, 1212-Eybtal mit Teilen des Längen- und Rohrachtales und 1248-Vögelestal und Oberes Lontal als auch die Landschaftsschutzgebiete 1.17.044 Wagrain, 1.17.047 Hungerbrunnental, 1.17.050 Vögelestal mit Umgebung und 1.17.063 Hungerberg-Schildwacht weitgehend integriert.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Geislingen an der Steige. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Gerstetten (Landkreis Heidenheim), Amstetten (Württemberg) und Nellingen (Alb-Donau-Kreis) sowie Deggingen, Bad Überkingen, Kuchen, Donzdorf und Böhmenkirch (alle Landkreis Göppingen)

Stadtgliederung mini|hochkant|Funkturm Aufhausen Das Stadtgebiet Geislingens besteht aus der Kernstadt, zu der auch die 1912 eingegliederte und inzwischen vollständig mit dem Stadtzentrum verwachsene Gemeinde Altenstadt (historisch betrachtet die Vorgängersiedlung der Stadt) gehört, sowie aus dem 1966 eingemeindeten Weiler ob Helfenstein und den im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden Aufhausen, Eybach, Stötten, Türkheim und Waldhausen, die heute als Stadtbezirke bezeichnet werden. Jeder dieser Stadtbezirke ist zugleich eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben einen Ortschaftsrat, dessen Mitglieder von den Wahlberechtigten der Ortschaft bei jeder Kommunalwahl neu gewählt werden. Vorsitzender des Ortschaftsrats ist der Ortsvorsteher. Die Anzahl der Ortschaftsräte beträgt je nach Größe der Ortschaft zwischen sieben und elf.

Zu einigen Stadtteilen gehören weitere teilweise räumlich getrennte Wohnbezirke oder Wohnplätze mit eigenen Namen. Die Wannenhöfe gehören zu Aufhausen, Christofshof, Oßmannsweiler und Untere Roggenmühle mit dem Burgstall der Burg Roggenstein zu Eybach, Wittingen zu Türkheim und Battenau, Hofstett am Steig und Lindenhof zu Weiler ob Helfenstein. In der Kernstadt werden neben Altenstadt weitere Wohngebiete mit eigenen Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Zuge der Bebauung ergeben haben, deren Grenzen jedoch meist nicht festgelegt sind.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Geislingen an der Steige.

Raumplanung Geislingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum die Stadt Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Geislingen gehören die Städte und Gemeinden im oberen Filstal sowie einige Orte auf der Albhochfläche. Im Einzelnen sind dies Bad Ditzenbach, Bad Überkingen, Böhmenkirch, Deggingen, Drackenstein, Gruibingen, Hohenstadt, Kuchen, Mühlhausen im Täle und Wiesensteig.

Geschichte mini|hochkant|Reste eines bereits durch Leitungsgräben weitgehend zerstörten merowingerzeitlichen Grabes in der Kantstraße, Notbergung 1994 Bis zum 19. Jahrhundert Geislingen an der Steige wurde in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1108 erstmals als Giselingen erwähnt. Allerdings wurde damit eine Ansiedlung im Stadtteil Altenstadt mit einer hochmittelalterlichen Befestigung und einer Basilika auf dem Lindenhof bezeichnet und nicht die heutige Kernstadt. Der Talkessel am Rande der Schwäbischen Alb war allerdings spätestens seit der späten Bronzezeit besiedelt.Kley/Schreg 1992. Aus der Merowingerzeit sind mehrere Gräberfelder und Siedlungsplätze bekannt. Einzelne Funde deuten darauf hin, dass sich dort auch auffallend reich ausgestattete Gräber befanden, die auf herrschaftliche Strukturen verweisen. Dies mag mit der verkehrsgeographischen Situation an einem Albaufstieg zusammenhängen.

Diese Situation war wohl auch ausschlaggebend, dass dort die Grafen von Helfenstein zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Stadt gründeten, die im engen Rohrachtal den wichtigen Handelsweg vom Rhein zum Mittelmeer kontrollierte. Oberhalb der Stadt lag die Burg Helfenstein. Schon bald wurde die Kernstadt mit zwei Vorstädten erweitert. Die alte Siedlung „Altenstadt“ entwickelte sich parallel und blieb eine selbständige Gemeinde, die erst 1912 mit der Stadt Geislingen vereinigt wurde.siehe auch Burg Hoheneybach, Burg Türkheim

mini|Geislingen, Kupferstich von Merian, um 1650 Zwischen 1396 und 1802 gehörte Geislingen der Freien Reichsstadt Ulm und ab 1500 auch zum Schwäbischen Reichskreis. 1803 fiel die Stadt durch den Reichsdeputationshauptschluss zunächst an das Königreich Bayern und mit dem Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg 1810 an Württemberg. Danach war Geislingen Sitz eines Oberamtes.

mini|Geislingen mit Burg Helfenstein um 1840 nach einer Zeichnung von E. Mauch

Am 29. Juni 1850 wurde mit der Geislinger Steige und der Fortsetzung der Ostbahn bis Ulm das letzte Teilstück der ersten durchgehenden Strecke der Württembergischen Eisenbahn von Heilbronn nach Friedrichshafen dem Verkehr übergeben. Damit setzte die Industrialisierung Geislingens ein.

Im 19. Jahrhundert hatte sich die Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen St. in der Stadt gegründet. Sie produzierte unter anderem nach einem eigenen Patent versilberte Argentan-Bestecke und Tafelgeschirr und war damit sehr erfolgreich am Markt. Im Deutschen Reich gab es Ende des Jahrhunderts WMF-Niederlassungen in Altona, Berlin, Breslau, Cöln, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Königsberg, Leipzig, München, Nürnberg, Straßburg, Stuttgart, Ulm u. a.Werbeanzeige WMF im Berliner Tageblatt, 23. März 1897.

20. und 21. Jahrhundert Bei der Kreisreform 1938 wurde das Oberamt Geislingen aufgelöst. Das Gebiet kam überwiegend zum Landkreis Göppingen. Bei der Kreisreform 1973 veränderte sich diesbezüglich nichts, doch konnte die Stadt im Rahmen der Gebietsreform einige Nachbargemeinden eingliedern und erreichte somit 1975 ihre heutige Ausdehnung.

Im Juli 1944 wurde das KZ-Außenlager Geislingen des KZ Natzweiler-Struthof errichtet, von dem 1000 überwiegend jüdische Ungarinnen zur Zwangsarbeit für die Firma Württembergische Metallwaren-Fabrik (WMF) eingesetzt waren. Mindestens zwölf von ihnen überlebten die mörderischen Arbeitsbedingungen nicht. Eine Lagerbaracke ist noch in der Karl-Benz-Straße 13 zu sehen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 38.

1946 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000; 1948 wurde Geislingen zur Unmittelbaren Kreisstadt und mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 zur Großen Kreisstadt erklärt.

1948 übernahm die Stadt die Patenschaft über Südmähren und nahm sich damit der Heimatvertriebenen dieser Region an. Seitdem finden in Geislingen-Altenstadt jedes Jahr am ersten Wochenende in den Sommerferien die Bundestreffen der Südmährer statt. 1950 wurde südlich der Stadt, auf der Schildwacht, das weithin sichtbare Ostlandkreuz errichtet. Es erinnert an die Leiden, welche die einst in Böhmen und Mähren lebende deutsche Bevölkerung bei ihrer Vertreibung erlitten hat. 1992 und 2003 wurde es erneuert und mit einer Lichtanlage versehen.

Die beengte Lage der Stadt im Tal bewirkt, dass angestammte Betriebe aufgrund mangelnder Erweiterungsmöglichkeiten abwandern.

Religionen mini|Pfarrhaus, im Hintergrund der Ödenturm mini|hochkant|Geislingen, Kirche, Zeichnung von Margret Hofheinz-Döring, 1978 mini|hochkant|Aufhausen, Zeichnung von Margret Hofheinz-Döring, 1978