Die Udet U 8, auch als Udet-Limousine bezeichnet, war ein kleines deutsches Reiseflugzeug der 1920er Jahre.

Entwicklung Die U 8 entstand im Auftrag des Deutschen Aero-Lloyd, wobei sich der Chefkonstrukteur und gleichzeitig Teilhaber der 1922 gegründeten Udet Flugzeugbau GmbH Hans Herrmann an dem Vorgänger U 5 orientierte und dessen Maße weitgehend übernahm, aber die Zahl der Fluggastplätze von zwei auf drei erhöhte und einen stärkeren Antrieb vorsah. Ende 1924 war das erste Exemplar fertiggestellt, denen noch zwei weitere folgten, die im Auftrag des Lloyd aufgelegt wurden. Diese Flugzeuge mit den Kennzeichen D–417 (WNr. 227), D–483 (WNr. 236) und D–502 (WNr. 237) wurden mit einem Sh-6-Sternmotor von Siemens & Halske ausgestattet, von dem nur etwa zehn Stück gebaut wurden, und kamen als Zubringer auf inländischen Routen wie z. B. Hamburg–Hannover, Hannover–Bremen, München–Garmisch oder München–Berchtesgaden zum Einsatz. Bei Gründung der Deutschen Luft Hansa AG im Januar 1926 gingen sie in deren Bestand über, wo zumindest die beiden ersteren noch bis 1928 Dienst taten.

Eine weitere U 8 mit dem Kennzeichen D–670 erhielt einen britischen Lucifer-MotorRies, S. 53 und nahm am Deutschen Rundflug um den BZ-Preis der Lüfte von 1925 teil und erzielte in ihrer Kategorie C die beste Gesamtzeit. Im anschließenden Otto-Lilienthal-Wettbewerb errang der Flugzeugführer Willy Polte mit der U 8 in ihrer Klasse die ersten Preise für die größte Geschwindigkeit und höchste erreichte Gipfelhöhe.

Ebenfalls 1925 entstand noch ein weiteres Flugzeug (D–839)Ries, S. 64, mit dem erstmals in Deutschland ein von Gustav Lachmann entwickelter verstellbarer Spaltflügel zur Reduzierung der Landegeschwindigkeit getestet wurde. Es wurde als U 8a bezeichnet (registriert wurde es allerdings als U 8b) und besaß ein etwas stärkeres Sh-12-Triebwerk, eine vergrößerte Flügelfläche und ein vergrößertes Seitenleitwerk. Die Klappen verliefen über die gesamte Spannweite an der Flügelvorderkante und wurden in Kombination mit den Landeklappen betätigt. Die Erprobung erfolgte ab dem 7. April 1925Marton Szigeti: Udet U 12 Flamingo. In: Klassiker der Luftfahrt. Nr. 3/2015. Motor Presse, Stuttgart, S. 50. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Verkehrsfliegerschule, wobei sich der Erfolg der Konstruktion angesichts ihres Gewichts in Bezug zu der doch eher leichten U 8a und ihrer sowieso schon vorhandenen geringen Landegeschwindigkeit eher in Grenzen hielt.

Aufbau Die U 8 ist ein freitragender Hochdecker in Gemischtbauweise mit einem ovalen Rumpf aus Sperrholz. Das Flugzeug war so konstruiert, dass einzelne Baugruppen wie das Leitwerk, die Motoraufhängung und das Fahrwerk in einem Stück demontiert werden konnten. Die Flugzeugführerkabine befand sich hinter dem Motor und war offen. Hinter ihr schloss sich die Passagierkabine an, die durch eine 1,5 m hohe Tür auf der linken Seite betreten werden konnte. Ihre Decke bildete eine Jalousie, die für die Zufuhr von Frischluft geöffnet werden konnte. Dahinter befand sich der Gepäckraum. Die einteilige Tragfläche mit elliptischen Grundriss war mit zwei Flachträgern auf dem Rumpf aufgesetzt und bestand aus einem Leichtmetallrahmen aus Aludur mit Innenverspannung, zwei Kastenholmen und Rippen aus Sperrholz. Sie war mit Stoff bespannt, besaß eine Vorderkante aus Sperrholz und beinhaltete den Kraftstoffbehälter mit 145 Litern Fassungsvermögen.

Das Leitwerk bestand vollständig aus mit Stoff bespannten Holzrahmen, war freitragend und besaß ein zweigeteiltes Höhenruder. Das nichteinziehbare Fahrwerk wurde aus den mit einer Achse verbundenen Haupträdern und einem Schleifsporn am Heck gebildet.

Technische Daten

Kenngröße Daten (U 8)Wagner, S. 271 (U 8 a) Besatzung 1 Passagiere 3 Kabine (l × b × h) 2,50 m × 0,96 m × 1,24 m Spannweite 12,00 m Länge 7,28 m Höhe 2,67 m Flügelfläche 18,00 m² 25,00 m² Flügelstreckung 8,00 m Flächenbelastung 47,77 kg/m² 44,00 kg/m² Leistungsbelastung 12,29 kg/kW (8,60 kg/PS) 12,00 kg/kW (8,80 kg/PS) Flächenleistung 3,89 kW/m² (5,55 PS/m²) 3,68 kW/m² (5,00 PS/m²) Rüstmasse 450 kg 640 kg Nutzlast 205 kg 237 kg Zuladung 370 kg 460 kg Startmasse 820 kg 1100 kg Antrieb ein luftgekühlter Neunzylinder-Viertakt-Sternmotor Typ Siemens & Halske Sh 6 Siemens & Halske Sh 12 StartleistungDauerleistung bei 1600/minmaximal bei 1500/min bei 1750/minmaximal bei 1500/min Kraftstoffverbrauch 25,00 kg/h 30,00 kg/h Kraftstoffvolumen 145 l Höchstgeschwindigkeit 170 km/h in Bodennähe 145 km/h in Bodennähe Reisegeschwindigkeit 155 km/h in Bodennähe 130 km/h in Bodennähe Landegeschwindigkeit 75 km/h 65 km/h Steiggeschwindigkeit 2,00 m/s Dienstgipfelhöhe 3500 m 3300 m Reichweite maximal 465 km maximal 520 km Flugdauer maximal 3 h maximal 4 h Start-/Landestrecke 170 m/120 m 100 m/70 m Verhältnis Zuladung/Flugmasse 45 % 42 %

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ziviler Flugzeugtyp Kategorie:Einmotoriges Flugzeug mit Kolbenmotor Kategorie:Erstflug 1924