mini|hochkant=1.3|Donald Campbell, Illustration nach einem alten SW-Zeitungsfoto (ca. 1960er), kombiniert mit seiner Unterschrift und den Daten des Doppelrekords Donald Malcolm Campbell CBE (* 23. März 1921 in Canbury House, Kingston upon Thames (Surrey), England; † 4. Januar 1967 auf dem Coniston Water, Lancashire) war der Sohn von Malcolm Campbell und wie er ein britischer Motorboot- und Automobilrennfahrer. In den 1950er und 1960er Jahren stellte er acht absolute Geschwindigkeitsweltrekorde zu Wasser und zu Land auf. Er ist bis heute der Einzige, der innerhalb eines Kalenderjahres (1964) sowohl den „Land speed record“ als auch den „Water speed record“ aufgestellt hat. Während eines weiteren Rekordversuchs auf Coniston Water, einem See im englischen Lake District, verunglückte er tödlich.
Leben Kindheit und Jugend Donald Campbell wurde in Canbury House, Kingston upon Thames (Surrey), als Sohn von Malcolm Campbell und dessen zweiten Frau Dorothy Evelyn geboren. Seine Ausbildung begann an der Manor House School in Sussex, es folgten die St. Peter’s Preparatory School und die Uppington Public School, eine Lehranstalt, die bereits sein Vater besucht hatte. Eine Jahrgangsstufe musste er wiederholen, da ihn Sport und Werkunterricht mehr als die theoretischen Fächer interessierten. Leo Villa, der Chefmechaniker seines Vaters, erklärte ihm die Funktionsweise und die Arbeit an einem Motorradmotor.
Als Malcolm Campbell 1929 auf dem südafrikanischen Verneuk Pan einen weiteren Landgeschwindigkeitsrekord aufstellen wollte, begleitete ihn sein damals achtjähriger Sohn. Auf der Rückreise wurde festgestellt, dass Donald sich mit Typhus infiziert hatte, an dem er in der Folge fast gestorben wäre. Mit 16 Jahren infizierte er sich mit Röteln, aus denen sich ein rheumatisches Fieber entwickelte, weswegen er für Monate auf einen Rollstuhl angewiesen war. Im Alter von 17 stürzte er mit dem Motorrad; zwei Schädelbrüche waren die Folge. Bald darauf stieß er auf dem Motorrad mit einem kanadischen Armee-Lastwagen zusammen und brach sich Arm und Schulter sowie zwei Rippen.
Militärzeit, Ehe und Beruf 1939, bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldete sich Donald Campbell freiwillig bei der Royal Air Force, um Kampfpilot zu werden, wurde aber wegen des zurückliegenden rheumatischen Fiebers, das die Herzklappen bleibend schädigen kann, für untauglich befunden. So ging er als Assistent des Verkaufsleiters im Bereich Luftfahrt zu Briggs Motor Bodies Ltd und nahm später in diesem Unternehmen die Position eines Wartungsingenieurs ein.
Campbell war insgesamt dreimal verheiratet: bei Kriegsende, 1945, heiratete er Daphne Harvey; ihre gemeinsame Tochter Georgina kam am 19. September 1946 zu Welt. Campbells Rennbesessenheit führte zu Eheproblemen und schließlich zur Scheidung. Auch seine zweite 1952 geschlossene Ehe mit Dorothy McKegg litt darunter und endete in Scheidung. Im Dezember 1958 heiratete Campbell die belgische Unterhaltungskünstlerin Tonia Bern. Sie kam mit der Situation von Campbell besser zurecht und die Ehe bestand bis zu seinem Tod 1967.
Donald Campbell hatte beruflich bescheiden angefangen: für 1 £ pro Woche arbeitete er als Bürohilfe bei Lloyd’s, wo sein Vater, der die Anstellung arrangiert hatte, als erfolgreicher Versicherungsmakler zu Vermögen gekommen war. Während des Krieges hatte sich Campbell 1200 £ zusammengespart, mit denen er sich an Kine Engineering beteiligte. War Sir Malcolm Campbell als wohlhabend anzusehen und konnte sich den Rennsport als Steckenpferd leisten, lagen die Dinge bei Donald anders: Er musste das Geld für seine Aktivitäten erst bei Sponsoren auftreiben. Für den Angriff auf den Geschwindigkeitsrekord zu Wasser verkaufte er seine Anteile an Kine Engineering und nahm eine Hypothek auf sein Haus auf.
Persönlichkeit Donald Campbell war sehr abergläubisch, hasste die Farbe Grün, die Zahl 13 und glaubte, dass an einem Freitag nie etwas Gutes passiert. Er hatte auch ein gewisses Interesse am Paranormalen, das er als Mitglied des Ghost Clubs pflegte. Campbell wurde als „unruhiger Geist“ beschrieben und schien getrieben zu sein, die Leistungen seines Vaters nachzuahmen, wenn nicht sogar zu übertreffen. Er galt im Allgemeinen als unbeschwert und zumindest bis zu seinem Unfall 1960 auf den Bonneville Salt Flats optimistisch in seiner Einstellung.
Rekordjagd Zu Wasser mini|Bluebird K7 in einer frühen Version (mit niedriger Heckflosse), ausgestellt im Juli 1960 an der Rennstrecke von Goodwood
Campbell senior hatte nach dem Krieg erfolglos mit einem Strahltriebwerk in seinem Rekordboot Blue Bird K4 experimentiert. Donald kaufte das Boot, gab ihm zur besseren Unterscheidung den Namen Bluebird K4 – und mit Hilfe von Leo Villa und Peter du Cane von Vosper wurde es in den Vorkriegszustand mit Schraubenantrieb zurückversetzt. Donald hatte nie direkt mit seinem Vater konkurriert, aber die Meldung, der Amerikaner Henry Kaiser beabsichtige einen Angriff auf dessen Geschwindigkeitsweltrekord auf dem Wasser, gab den Ausschlag für den Beginn einer eigenen Karriere als Rekordjäger. Das alte Boot erfuhr von 1949 bis 1951 etliche Veränderungen und ermöglichte den Gewinn des Oltranza Cups 1951. Es sank in jenem Jahr, wobei nicht klar war, ob es mit Treibholz kollidiert war oder das Getriebe aus seiner Halterung gerissen wurde und den Bootsrumpf durchschlug.
Campbell und sein Team kamen zu der Überzeugung, dass nur ein mit einem Strahltriebwerk ausgestattetes Boot Rekordwerte erreichen kann, und Samlesbury Engineering Ltd lieferte im November 1954 das entsprechende Gerät: Bluebird K7. Stanley Sayres mit seinem Slo-Mo-Shun IV hielt damals den Rekord, den ihm Campbell am 23. Juli 1955 mit 325,6 km/h erstmals entriss. Bis 1964 wurde das Boot stetig weiterentwickelt und Campbell verbesserte den Wert mehrmals, bis er schließlich auf eine Bestmarke von 444,71 km/h kam, die er auf dem Lake Dumbleyung in Australien erzielte. Campbell gelang es mit Bluebird K7, den zu Anfang bestehenden Geschwindigkeitsrekord auf dem Wasser (178 mph/286 km/h) über die Jahre um fast 100 Meilen pro Stunde (160 km/h) zu verbessern.
Zu Lande mini|Blubird CN7, ausgestellt im National Motor Museum, Beaulieu. Daneben der Sunbeam 350HP Blue Bird von Campbells Vater Malcolm siehe Hauptartikel: Bluebird CN7 Parallel hierzu lief die Entwicklung eines Automobils für Campbell, das fähig sein sollte, den Landgeschwindigkeitsrekord aufzustellen: der Bluebird CN7, mit zirka 12 Millionen Mark Herstellungskosten zweifellos das teuerste Auto jener Zeit. Sehr gründlich und mit wissenschaftlichen Methoden war das Projekt über fünf Jahre hin verfolgt worden. Dahinter stand eine Interessengemeinschaft von rund 70 einheimischen Unternehmen, was die Angelegenheit zu einem „Projekt des britischen Prestiges“ werden ließ. Campbell war beseelt von einem glühenden Patriotismus, der sich gelegentlich auch in Arroganz – gerade gegenüber seinen amerikanischen Konkurrenten – äußerte, aber trotzdem offen und charmant. Am Freitag, dem 16. September 1960 (einem Datum, das ihm wegen seines Aberglaubens nicht behagte), verlor er auf den Bonneville Salt Flats die Kontrolle über Bluebird CN7 und überschlug sich. Donald Campbell zog sich dabei einen weiteren Schädelbruch und ein kaputtes Trommelfell zu. Unmittelbar danach kündigte Campbell an, es mit seinem Fahrzeug erneut versuchen zu wollen, bezeichnend für seine zähe Verbissenheit, die ihn in den folgenden vier Jahren, zunehmend durchsetzt von schierer Verzweiflung, antrieb.
Sir Alfred Owen, der Besitzer von Motor Panels Ltd und Erbauer von Bluebird CN7, trieb die Reparatur des stark beschädigten Wagens voran, British Petroleum schlug den australischen Eyre-See für den nächsten Rekordversuch vor, und Dunlop entsandte dorthin Andrew Mustard zur Überprüfung der Oberflächenqualität der Salzebene. Mustard war anschließend auch für die Präparierung der Rekordstrecke zuständig. Da es jedoch wider Erwarten 1963 zu Regenfällen kam, die das Salz aufweichten, musste Campbell wieder abziehen. Im folgenden Jahr gab es das gleiche Bild. Einen erneuten Fehlschlag vor Augen, wurden einige Beteiligte nervös und besorgt: Im Parlament in Canberra erhitzten sich Abgeordnete über jene Art von Zirkusrummel, der zudem von Seiten der Regierung durch die Bereitstellung von Straßenbaugerät unterstützt wurde. Sir Alfred Owen warf die Frage auf, ob Campbell überhaupt in der Lage sei, alles aus dem Fahrzeug herauszuholen; auch die Presse schien ihn nicht länger für geeignet zu halten – der schnellste Unfall, den ein Mensch je erlebt hatte, schien ihn noch zu belasten.Kenneth Rudeen: Speed King? Or Just Son Of Speed King?, Sports Illustrated, 29. Juli 1963, auf „si.com“ (Abgerufen am 9. November 2014) Schließlich begann Andrew Mustard, offizieller Reservefahrer im Projekt, sich öffentlich als derjenige anzubieten, der den Job sofort machen würde. Die Zweifel an Campbells Eignung gingen so weit, dass die „Confederation of Australian Motorsport“ von ihm verlangte, sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen, die seine Tauglichkeit klären sollte.
Am 17. Juli 1964, einem Freitag (siehe Persönlichkeit), startete er seinen Versuch und erzielte im Mittel aus zwei Läufen 648,73 km/h, was den Rekord für radgetriebene Landfahrzeuge bedeutete. Ein Telegramm, das ihn aus dem Buckingham Palace erreichte, stand letztlich für die Bedeutung seiner Unternehmung: „DELIGHTED TO HEAR OF YOUR SUCCESS – PHILIP“ (Erfreut, von Ihrem Erfolg zu hören). Im gleichen Jahr erreichte er am 31. Dezember mit seinem Rennboot Bluebird K7 mit 444,65 km/h eine neue Bestmarke auf dem Wasser, die siebte Verbesserung des eigenen Rekords ohne Unterbrechung.
Einzigartig war und ist die Leistung, den Geschwindigkeitsrekord zu Wasser und zu Lande innerhalb eines Kalenderjahres errungen zu haben.
Übersicht der Rekorde Die von Donald Campbell aufgestellten Rekorde, in tabellarischer Übersicht Jahr Datum Ort Land Meilen pro Stunde km/h1955 23. Juli Ullswater GBR Bluebird K7 202,32 325,60 6. November Lake Mead GBR Bluebird K7 216,20 347,94 1956 19. SeptemberConiston WaterGBRBluebird K7 225,63 363,12 1957 7. November 239,07 384.75 1958 10. November 248,62 400,12 1959 14. Mai 260,35 418,991964 17. Juli Lake Eyre AUS Bluebird CN 7 403.10 648.73 31. Dezember Lake Dumbleyung AUS Bluebird K7 276,33 444,71
Projekt Bluebird Mach 1.1 (nicht realisiert) mini|Promotion-Modell von Bluebird Mach 1.1, ausgestellt im Frühjahr 1966 vor Campbells Haus Bluebird Mach 1.1 (auch Bluebird CMN-8) war als raketengetriebenes Rekordfahrzeug konzipiert, mit dem Campbell die Schallmauer zu durchbrechen plante. Ken Norris hatte berechnet, dass die Verwendung von Raketenmotoren zu einem Fahrzeug mit sehr geringer Frontfläche, höherer Stabilität und geringerem Gewicht führen würde, als wenn er ein Strahltriebwerk einsetzen würde. Bluebird Mach 1.1 war relativ kompakt und einfach gebaut. Norris wählte zwei handelsübliche Raketentriebwerke von Bristol Siddeley BS.605. Das BS.605 war als raketenunterstützter Startmotor für Militärflugzeuge (JATO) entwickelt worden und wurde mit Kerosin unter Verwendung von Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel betrieben. Für jeden Motor wurde ein Schub von 36 kN (3628,7 kg) berechnet. Bei einer Verwendung in Bluebird Mach 1.1 sollte der kombinierte Schub von 71 kN (7257,4 kg) den Berechnungen nach 36.000 PS (27.000 kW) erzielen und Geschwindigkeiten um 1.350 km/h (840 mph) ermöglichen.
Bei einer Pressekonferenz am 7. Juli 1965, für die er ein Modell anfertigen ließ, sagte Campbell: