mini|hochkant=1.3|Kurpfälzischer Flussgolddukat von 1763 (Rheingold, Durchmesser 21,5 mm)

Flussgolddukaten sind Münzen, die aus dem Gold der Flüsse Donau, Rhein, Eder, Isar, Inn und Schwarza geprägt wurden. Sie zeigen meist durch Bild und Schrift die Herkunft des Goldes an. Die Goldwäschereien für Dukatenprägungen wurden vom 17. bis 19. Jahrhundert betrieben. Sie lieferten nur geringe Mengen an Gold, die zu Münzen ausgeprägt wurden. Wegen der geringen Vorkommen und aufwendigen Gewinnung des Rohmaterials besitzen historische Flussgolddukaten einen hohen Seltenheits- und Sammlerwert.Heinz Fengler, …: transpress-Lexikon Numismatik (1976), S. 95

Dukaten trugen keinen festen Nennwert, sondern unterschieden sich nur durch ihr Fein- und Raugewicht. So entstanden einfache, doppelte und mehrfache Dukaten ohne Landeswährungsangabe oder Wertstempel, die vor allem als Handelsgold dienten. Ihr Wert wurde häufig auf Münzwaagen geprüft, die vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert in Europa verbreitet waren. Seit 1989 werden gelegentlich wieder „moderne“ Flussgolddukaten geprägt, darunter aus Gold bekannter Flüsse wie Rhein, Donau, Isar, Inn und Eder, aber auch aus dem Gold neuer Flüsse wie der Salzach, Elbe, Saale oder des Mains. Sachs, O. (2025): Die Suche nach dem Inngold.- Der Bundschuh, Schriftenreihe des Museums Innviertler Volkskundehaus, Band 28, Seiten 12–25, ISBN 978-3-903646-00-1 Schumacher, L. (2022): Flussgold- und goldene Bergbaugepräge: aus dem europäischen Raum mit Prägevarianten unter Berücksichtigung montannaher Gewerbezweige.- Freiberger Münzfreunde e.V, 428 Seiten.

Münzgeschichte mini|300px|Goldwaschen am Rhein, hier bei Karlsruhe im Großherzogtum Baden um 1825

In Kleine Beiträge zur … Münzwissenschaft von Johann Jakob Spieß (1768) sind die Bedingungen für das Goldwaschen am Rhein im Kurfürstentum Pfalz genannt. Demnach wurde die Goldwäsche eigens verpflichteten Untertanen, „so man Goldwascher nennet“,Johann Jakob Spieß: Kleine Beyträge zur … Münzwissenschaft (1768), S. 68–72

Das Goldwaschen geschah dort, so J. J. Spieß, „wo der Rheinstrom sich etwas breiter in dortige Fläche ausdehnet“. Das Flussgold wurde aus dem schwarzen Sand gewaschen,

Das heißt, dass durch Zuführung von Quecksilber (Amalgamation) das Gold herausgelöst bzw. gereinigt wurde, um es zu erschmelzen. Die geringe Ausbeute ließ eine Mechanisierung des Goldwaschens nicht zu.Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG - Auktion 315, Nr. 8222 Das Ergebnis war Gold mit einem Feingehalt von achtzehn bis neunzehn Karat mit zwei bis drei Karat Silber vermischt.

Flussgolddukaten gibt es von Kurpfalz, Bayern, Baden, Mainz und Hessen. Sie wurden hauptsächlich in Bayern von 1756 bis 1863 und Baden von 1767 bis 1854 geprägt.Heinz Fengler, …: transpress-Lexikon Numismatik. (1976): Prägezeitraum S. 95 Der erste als solcher gekennzeichnete Dukaten ist ein pfälzischer Halbdukaten aus dem Jahr 1674. Er stammte von Karl Ludwig (1648–1680), Kurfürst von der Pfalz (Linie Pfalz-Simmern).N. Douglas Nicol, Colin R. Bruce: Standard Catalog of German Coins. 1601 to Present, S. 613: ½ Dukat 1674, Karl Ludwig von Pfalz-SimmernJosef Rothmaier: Oberhausen-Rheinhausen - ein heimatgeschichtliches Lesebuch (2016), S. 131: EX. A. RH. 1674 Die letzte deutsche Münze aus Flussgold ist ein bayerischer Dukaten von 1863.Münzkabinett Berlin: Gepräge von Kurpfalz, Bayern, Baden, Mainz und Hessen (Isargolddukaten von 1798 mit Flussgott). Kurpfälzische Rheingolddukaten, mit dem Münzbild der sonnenbeschienenen Stadtansicht Mannheims mit dem Rhein (siehe oben), gibt es schon ab 1742 unter Karl Philipp (1716–1742).Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert (1984): S. 498, Nr. 105, o. J. (1742)

Die Herkunft des Goldes ist meist in lateinischer Sprache aufgeprägt. Beispiele sind:Johann Jakob Spieß: Kleine Beyträge zur … Münzwissenschaft (1768) S. 57; 86–88Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, (1984)Paul Arnold, …: Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute (1997)

EX AURO RHENI – aus dem Gold des Rheins (Bayern) EX SABVLIS RHENI – aus dem Sand des Rheins (Baden) SIC FULGENT LITTORA RHENI – so glänzen die Ufer des Rheins (Kurpfalz) AURUM/RHENI – Rheingold (Mainz) EX AURO DANVBII – aus dem Gold der Donau (Bayern) EX AURO ISARÆ – aus dem Gold der Isar (Bayern) EX AURO OENI – aus dem Gold des Inns (Bayern) SIC FVLG(ent) LITORA ADRANAE AURI FLVAE – so glänzen die Ufer der goldführenden Eder (Hessen-Kassel)

Die besonders gekennzeichneten Raritäten zeigen meist auf den Rückseiten Städtebilder mit dem jeweiligen Fluss sowie auch Flussgötter mit Quellurne, aus der Wasser strömt. Die Rheingolddukaten des Großherzogtums Baden sind ab dem Prägejahr 1832 (Auflage: 6631 Stück) bis zur letzten Prägung von 1854 (Auflage: 1820 Stück) nur an der Rückseitenumschrift EIN DUCAT AUS RHEINGOLD zu erkennen.Paul Arnold, …: Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute (1997), S. 30–35 Bei den Flussgolddukaten des Königreichs Bayern sind die Prägezahlen mit anderen Dukaten nur zusammengefasst angegeben.Paul Arnold, …: Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute (1997), S. 50–65

Münzbeschreibung eines Rheingolddukaten – siehe den abgebildeten Flussgolddukaten von 1763

Das Besondere am Münzbild des Rheingolddukaten der Kurpfalz ist, dass er Goldwäscher am Rhein bei ihrer Arbeit zeigt. Der Flussgolddukaten von 1763 stammt aus der Münzstätte Mannheim. Das Raugewicht beträgt 3,49 Gramm, der Durchmesser 21,5 Millimeter und der Feingehalt 23 Karat 8 GränJohann Jakob Spieß: Kleine Beyträge zur … Münzwissenschaft (1768) S. 81 (= 986/1000).

Vorderseite Die Vorderseite zeigt die drapierte Büste des Kurfürsten Karl Theodors von der Pfalz, darunter die Buchstaben A S. Das ist die Signatur und zugleich auch das Münzmeisterzeichen des kurpfälzischen Hof-Medailleurs, Münzstempelschneiders und Münzmeisters Anton Schäffer in einer Person.

Umschrift: CAR(olus) • THEODOR(us) • D(ei) : G(ratia) • C(omes) • P(alatinus) • R(heni) • S(acri) • R(omani) • I(mperii) • A(rchi) • T(hesaurarius) & EL(ector)Johann Friedrich Joachim: Des neueröfneten Münzcabinets dritter Theil, …, (1770), S. 253Johann Jakob Spieß: Kleine Beyträge zur … Münzwissenschaft (1768), S. 56–57 Übersetzung: Karl Theodor von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein des Heiligen Römischen Reiches Erzschatzmeister und Kurfürst.

Rückseite Auf der Rückseite präsentiert sich die von der Sonne bestrahlte kurfürstliche Residenzstadt Mannheim mit dem Schloss. Im Vordergrund am linken Ufer des Rheins befinden sich Goldwäscher. Im Abschnitt wurde mit AD NORM(am) • CONV(entionis) • / 1763 • (= in Übereinstimmung mit dem Abkommen) auf die Münzkonvention hingewiesen.Johann Friedrich Joachim: Des neueröfneten Münzcabinets dritter Theil, …, (1770), S. 254

Umschrift: SIC FULGENT LITTORA RHENI Übersetzung: So glänzen die Ufer des Rheins.

Anmerkung: Nach J. J. Spieß befinden sich die auf der Rückseite des Dukaten dargestellten, mit ihrer Arbeit beschäftigten Goldwäscher am linken Ufer des Rheins, „welche die Gegend von Seltz und Hagenbach vorstellet“.

Siehe auch Reichsgulden zu 21 Groschen (1584), eine außergewöhnliche Goldmünze

Literatur Johann Jakob Spieß: Kleine Beyträge zur Aufname und Ausbreitung der Münzwissenschaft, Bd. 1, Anspach 1768, Teil 3, S. 56–89 Johann Friedrich Joachim: Des neueröfneten Münzcabinets dritter Theil, darinnen merkwürdige bishero noch nirgends mitgeteilte Gold- und Silbermünzen …, Nürnberg 1770, S. 253/254 Franz Kirchheimer: Erläuterter Katalog der deutschen Flußgold-Gepräge, Freiburg im Breisgau : Kricheldorf-Verlag 1972 Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik. transpress Verlag, Berlin 1976, S. 95 Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe), S. 199 Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. H. Gietl Verlag, Regenstauf 2005 Paul Arnold, Harald Küthmann, Dirk Steinhilber: Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute, Augsburg 1997 Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, München 1984 N. Douglas Nicol, Colin R. Bruce: Standard Catalog of German Coins. 1601 to Present. Krause Publications, Iola (Wisconsin) 1998 Josef Rothmaier: Oberhausen-Rheinhausen – ein heimatgeschichtliches Lesebuch, Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen 2016

Einzelnachweise

Kategorie:Historische Währungseinheit (Deutschland) Kategorie:Goldmünze Kategorie:Deutsche Münze Kategorie:Geschichte (Rhein) Kategorie:Geschichte (Donau)