Die Nederlandsche Oost Compagnie (übersetzt: Niederländische Ostgesellschaft, Abkürzung NOC) war eine nationalsozialistische Organisation, die während des Zweiten Weltkrieges, am 6. Juni 1942, in Den Haag von der niederländischen Nationaal-Socialistische Beweging (NSB) von Meinoud Rost van Tonningen unter Beteiligung der De Nederlandsche Bank gegründet wurde. Die NOC war eine Aktiengesellschaft.Statuten der Naamloze Vennootschap Nederlandsche Oost Compagnie N.V. - Het Geheugen van Nederland - Online beeldbank van Archieven, Musea en Bibliotheken. www.geheugenvannederland.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. mini|Statuten (1942)

Ziele und ideologischer Hintergrund Mit Hilfe der NOC wollte Rost van Tonningen niederländische Kolonien in den von den Nazis eroberten Gebieten, insbesondere der Ukraine, Estland, Lettland und Litauen, aufbauen.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Darüber hinaus sah sich die Organisation als Fortsetzung der Tradition der „Niederländischen Ostindien-Kompanie“ („Vereenigde Oostindische Compagnie“, VOC). Damit erfüllte Rost van Tonningen auch das Lebensraum-Konzept der Nazis.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Die Ostsiedlung sollte von kolonialen Handelshäusern koordiniert werden. Diese waren durch das Kriegsgeschehen von ihrem früheren Handelsgebiet in Niederländisch-Indien getrennt worden und hatten Erfahrung mit der kolonialen Arbeitsweise.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Ein weiteres Ziel der NOC war die „Arisierung“ Osteuropas.„Het oosten roept“ („Der Osten ruft“) / Nederlandsche Oost Compagnie - Het Geheugen van Nederland - Online beeldbank van Archieven, Musea en Bibliotheken. www.geheugenvannederland.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29.

Standorte Die Organisation hatte ihren Sitz in Den Haag. Die Hauptverwaltung befand sich in der Amaliastraat 1–3, die Versicherungsabteilung Anna Paulownastraat 35. Eine weitere verwendete Adresse war Parkstraat 22.Nederlandsche Oost Compagnie. www.niod.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. »zie ook de afbeeldingen aldaar voor de adressen van de organisatie« Die NOC hatte Niederlassungen in Berlin, Kauen (Kaunas), Wilna (Vilnius), Riga, Dorpat (Tartu), Rowno (Riwne), Kiew und Minsk.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29.

Das von W. Goedhuys geleitete Niederländische Ost-Institut („Nederlandse Oost Instituut“, NOI) diente zunächst als Statistik- und Forschungsabteilung der NOC, später hauptsächlich als ihr Propaganda- und InformationsorganInstituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies (NIOD), Archivalien: Bestand 176, „Nederlandse Oost Compagnie“, https://www.archieven.nl/nl/zoeken?mivast=0&mizig=210&miadt=298&miaet=1&micode=176&minr=1243702&miview=inv2&milang=nl.

In der Ukraine verwaltete die NOC mehrere Staatsbetriebe (ehemalige Sowchosen), und zwar das Staatsgut Usin im Kreis Skwira, Generalbezirk Kiew, mit einer Fläche von 2.600 Hektar, das von drei niederländischen Oberverwaltern im April 1943 übernommen wurde, und eine Gruppe von sechs weiteren Staatsbetrieben in Skwira mit zusammen rund 6.000 Hektar, die von einem niederländischen Oberverwalter und drei niederländischen Assistenten (einem Viehzüchter, einem Gärtner und einem Buchhalter) verwaltet wurden. Beide Güter mussten aufgrund des Vorrückens der sowjetischen Armee bereits im September 1943 wieder geräumt werden.

Niederländische Molkerei-Fachleute wurden, vor allem in der Käse-Herstellung, in Melitopol und in den Gebieten Kamenez-Podolsk und Shitomir eingesetzt. Auch in der Baumwollversuchsanstalt Cherson waren niederländische Arbeitskräfte beschäftigt.Rolf-Dieter Müller, »Die deutsche Wirtschaftspolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten 1941 - 1943: der Abschlußbericht des Wirtschaftsstabes Ost und Aufzeichnungen eines Angehörigen des Wirtschaftskommandos Kiew«, Oldenbourg Verlag, 1991. - XI, 671 S., S. 140; https://www.osmikon.de/Vta2/bsb00041954/ostdok:BV004352064?page=152

Die NOC betrieb im weißrussischen Rogatschew eine eigene Ausbildungsstätte für niederländische Kolonisten im so genannten „Ostland“»Nederlandsche boeren als bedrijfsleider - De taak in de Oekraïne«, in: Provinciale Geldersche courant: Nijmeegsche courant, 22. März 1943, https://www.delpher.nl/nl/kranten/view?cql%5B%5D=%28date+_gte_+%2201-01-1940%22%29&cql%5B%5D=%28date+_lte_+%2208-05-1945%22%29&query=Landbewirtschaftungsgesellschaft&coll=ddd&redirect=true&page=4&identifier=ddd%3A010522168%3Ampeg21%3Aa0029&resultsidentifier=ddd%3A010522168%3Ampeg21%3Aa0029. S.a.: van Eek, »Steunpunten in Europas Strijd - Op school bij de Nederlandsche boeren in Oekrajine«, in: De Waag: algemeen cultureel, politiek en economisch weekblad voor Nederland, 5. März 1943, 7. Jg, Nr. 9, https://www.delpher.nl/nl/kranten/view?cql%5B%5D=%28date+_gte_+%2201-01-1940%22%29&cql%5B%5D=%28date+_lte_+%2208-05-1945%22%29&query=Landbewirtschaftungsgesellschaft&coll=ddd&redirect=true&page=5&identifier=ddd%3A010310923%3Ampeg21%3Aa0026&resultsidentifier=ddd%3A010310923%3Ampeg21%3Aa0026. Direktor dieser Landwirtschaftsschule der NOC war der niederländische Landwirt Arnout de WaardVictor Flietstra, »Arnout de Waard: Bezetter of Boer?«, S. 3, ; siehe auch: van Eek, »Steunpunten in Europas Strijd – Op school bij de Nederlandsche boeren in Oekrajine«, in: De Waag – algemeen cultureel, politiek en economisch weekblad voor Nederland, 5. März 1943, 7. Jg, Nr. 9, S. 136/137, https://resolver.kb.nl/resolve?urn=ddd:010310923:mpeg21:pdf. Die Schulung in Rogatschew erfolgte durch deutsche Fachkräfte der Landbewirtschaftungsgesellschaft Ukraine (LBGU).Rolf-Dieter Müller (Hg.), »Die deutsche Wirtschaftspolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten 1941-1943: der Abschlußbericht des Wirtschaftsstabes Ost und Aufzeichnungen eines Angehörigen des Wirtschaftskommandos Kiew«, Oldenbourg Verlag, 1991. - XI, 671 S.; S. 140; https://www.osmikon.de/metaopac/search?View=ostdok&db=369&id=bsb00041954 Jeweils etwa 30 niederländische Ost-Kolonisten erhielten dort eine zwei- bis dreiwöchige Ausbildung. Danach wurden die meisten von ihnen zunächst für einige Zeit einem deutschen Stützpunktleiter der LBGU als Gehilfe beigegeben, bevor sie selbst Stützpunktleiter wurden. Sie erhielten eine dunkelgrüne Uniform und eine Grundausbildung im Umgang mit Pistole und Karabiner. Auch Deutschunterricht war Teil des Lehrplans.Kriegsverwaltungsrat Ortgis Sefken, »Niederländische Landwirtschaftsführer – Ihr Einsatz in der Ukraine zur Ernährungssicherung Europas«, in: Deutsche Zeitung in den Niederlanden, Nr. 329, 7. Mai 1943, S. 2, http://resolver.kb.nl/resolve?urn=ddd:011120361:mpeg21:pdf

Die NOC verwaltete das Landgut Waka T, rund 30 Kilometer südlich von Vilnius (Litauen). Dort betrieb die NOC auch eine Landwirtschaftsschule. Etwa 25 Kilometer östlich von Waka T, in Lentvaris, nicht weit entfernt von Trakai, erhielt die NOC von der deutschen Landbewirtschaftungsgesellschaft Ostland (LBGO) ein weiteres Landgut zur PachtGeraldien von Frijtag Drabbe Künzel, »Hitler’s Brudervolk: The Dutch and the Colonization of Occupied Eastern Europe, 1939-1945«, Routledge, 2015, S. 87. Im Moor von Biala Waka (Baltoji Voke / Weisswacke) bauten Niederländer der NOC Torf ab. In der Nähe des lettischen Ortes Mālpils betrieb die NOC eine weitere Landwirtschafts- und Gartenbauschule sowie einen GemüseanbauGeraldien von Frijtag Drabbe Künzel, »Hitler’s Brudervolk: The Dutch and the Colonization of Occupied Eastern Europe, 1939-1945«, Routledge, 2015, S. 88.

Ab November 1941 wurde in einem Umsiedlungslager in Litzmannstadt eine größere Zahl niederländischer Fachleute im Alter von 17 bis 60 Jahren, die fast alle der NSB von Anton Adriaan Mussert angehörten, auf ihren Einsatz als Verwalter verwaister Landwirtschaftsbetriebe in den von der Wehrmacht besetzten russischen Gebieten vorbereitet; sie bereiteten ab März 1942 die Frühjahrsbestellung in den konfiszierten Landwirtschaften vor»Einsatz holländischer Landwirte im Osten«, in: Deutsche Zeitung im Ostland, Nr. 88, 29. März 1942, .

Geschichte Eine frühere deutsche Organisation war bereits damit beschäftigt, die eroberten Gebiete zur Finanzierung der deutschen Kriegswirtschaft auszubeuten, die Ostdeutsche Landbewirtschaftungsgesellschaft.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Es gab auch den Werkdienst Holland, bei dem Mitarbeiter im Osten unter entsetzlichen Bedingungen arbeiteten.Flietstra, V.J.L., Arnout de Waard: Bezetter of Boer? De belevingen van een boerendirecteur in Rogatschef. (2012). Darüber hinaus gab es eine Kommission für die Entsendung von Landwirten nach Osteuropa („Commissie tot uitzending van landbouwers naar Oost-Europa“, Culano; dt. etwa: »Kommission zur Aussendung von Landwirten nach Ost-Europa«), deren Vorsitzender, der spätere niederländische Landwirtschafts-, Verteidigungs- und Kolonial-Minister Cornelis „Kees“ Staf, bei Gründung der NOC zurücktrat.No, bwn3. resources.huygens.knaw.nl (2015-01-12). Geraadpleegd op 2015-12-29. Bereits im Juli 1941 zogen die ersten 600 niederländischen Bauern in den Osten, also noch vor Gründung der NOC im Frühjahr 1942Nederlandsche Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies (NIOD), Archivalien: 176 „Nederlandse Oost Compagnie“, https://www.archieven.nl/nl/zoeken?mivast=0&mizig=210&miadt=298&miaet=1&micode=176&minr=1243702&miview=inv2&milang=nl. TausendeArchief Nederlandse Oost Compagnie weer toegankelijk. Historiek.net. https://plus.google.com/u/0/b/106774465581557319789/+HistoriekNet/.+Geraadpleegd op 2015-12-29. Niederländer arbeiteten (teilweise auch über andere Organisationen als die NOC) in der Ukraine als Landwirt, Bauarbeiter, Torfstecher oder Baggerfahrer. Unter ihnen befanden sich 80 Frauen. Diese hatten oft einen NSB-Hintergrund oder waren pro-deutsch eingestellt, aber auch Zwangsarbeiter wurden als sogenannte SS-Frontarbeiter in den Arbeitseinsatz geschickt. Der Erfolg der NOC war begrenzt, weil Rost van Tonningens Initiative nicht besonders begeistert aufgenommen wurde. Zum Beispiel wurde die NOC von den Nazis tatsächlich nur in der Erwartung toleriert, dass sie davon profitieren würden. Ein weiterer Grund dafür, dass die Organisation kein großer Erfolg war, war der zähe Warenfluss aus den Niederlanden in die von den Nazis besetzten Gebiete. Die NOC wurde auch von den deutschen Besatzern bei der Bereitstellung der erforderlichen Ausfuhrlizenzen behindert.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Laut dem Historiker Loe de Jong herrschte in der NOC-Zentrale ein Durcheinander.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29. Viele private Investoren gaben daher auf.

Auf dem Höhepunkt ihrer Tätigkeit unterstanden der NOC – eingeschlossen der von ihr 1942/43 übernommenen Organisationen des „Werkdienstes Holland“ und der niederländischen „SS-Frontarbeiter“ – mindestens 7.000 niederländische ArbeitskräfteDietrich Eichholtz, »Zerfall des Okkupationssystems, Fallbeispiel: Niederlande«, in: »Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939–1945«, S. 326. Die meisten von ihnen waren im Reichskommissariat Ukraine eingesetzt, viele davon bei der Landbewirtschaftungsgesellschaft Ukraine (LBGU).

Im Herbst 1943 zogen sich die Deutschen aus der Ukraine zurück und der Schwerpunkt der NOC verlagerte sich in die baltischen Staaten. Als auch diese Gebiete im Laufe des Jahres 1944 wieder von der Sowjetarmee eingenommen wurden, zwang dies die niederländischen Auswanderer, nach Deutschland auszuweichen.De Nederlandse Oost Compagnie. www.archieven.nl. Geraadpleegd op 2015-12-29.

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