rahmenlos|rechts|Logo des Mailand–Sanremo mini|Zielankunft bei Mailand–Sanremo 2017 (v. l. n. r. Peter Sagan, Michał Kwiatkowski, Julian Alaphilippe) Mailand–Sanremo ist ein italienisches Eintagesrennen im Straßenradsport, das erstmals im Jahr 1907 ausgetragen wurde. Traditionell findet es im März statt und trägt die Beinamen „La Primavera“ und „La Classicissima“.Mailand-Sanremo auf catenacycling.com (italienisch) Mailand–Sanremo gehört zu den fünf Monumenten des Radsports und ist Teil der UCI WorldTour.

Das Rennen wird von der RCS MediaGroup veranstaltet, die auch den Giro d’Italia sowie die Lombardei-Rundfahrt, Strade Bianche, Mailand–Turin und Tirreno–Adriatico organisiert. Es findet jährlich statt und fiel nur in den Jahren 1916, 1944 und 1945 aufgrund des Ersten und Zweiten Weltkriegs aus. Während der COVID-19-Pandemie wurde Mailand–Sanremo aufgrund des alternativen Radsportkalenders im August abgehalten.

Mit sieben Siegen ist der Belgier Eddy Merckx der Rekordhalter, gefolgt von Costante Girardengo mit sechs und Erik Zabel sowie Gino Bartali mit jeweils vier Erfolgen.

Bedeutung von Mailand–Sanremo für den Radsport Mailand–Sanremo ist eines der wichtigsten Eintagesrennen und gehört zu den Monumenten des Radsports. Seit dem Jahr 1933 bildet das Rennen den Auftakt der Klassiker-Saison und findet heutzutage traditionell Ende März an einem Samstag statt, ehe in den Wochen danach mit der Flandern-Rundfahrt, Paris–Roubaix und Lüttich–Bastogne–Lüttich weitere Monumente folgen. Mit einer Distanz von fast 300 Kilometern handelt es sich um das längste Rennen der Straßenrad-Saison. Dennoch gilt es von den Frühjahrsklassikern als das einfachste Rennen, um es zu beenden; dafür aber als das Schwierigste, um es zu gewinnen. Dies liegt an der einzigartigen Streckenführung, die sowohl Klassiker-Spezialisten, Bergfahrern, Sprintern und Ausreißern eine Möglichkeit auf den Sieg bietet. In den 2000er-Jahren fiel die Entscheidung meist in einem Massensprint, wodurch das Rennen auch als „Klassiker der Sprinter“ bezeichnet wurde.

Im Vorfeld von Mailand–Sanremo werden kleinere Eintagesrennen wie die Trofeo Laigueglia und Mailand–Turin abgehalten. Seit dem Jahr 1966 findet eine Woche zuvor die Fernfahrt Tirreno–Adriatico statt. Der Sieg bei den drei großen italienischen Radrennen (Giro d’Italia, Mailand–Sanremo und Lombardei-Rundfahrt) im selben Jahr wird als „Tripletta“ bezeichnet. Bisher schafften nur Fausto Coppi (1949) und Eddy Merckx (1972) die Tripletta.

Geschichte Hintergrund und Erstaustragung 1907 Ursprünglich wurde Mailand–Sanremo als Autorennen im Jahr 1904 veranstaltet und diente der Werbung für das Kasino in Sanremo. Allerdings erreichten nur zwei Fahrzeuge das Ziel, was auf den Misserfolg der Veranstaltung hinwies. Als Ersatz konzipierte die Unione Sportiva Sanremese ein Radrennen, das sie Eugenio Costamagna, dem damaligen Leiter der Gazzetta dello Sport, vorschlugen. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Rennens spielte auch der Sportjournalist Tullo Morgagni, auf den auch die 1905 gegründete Lombardei-Rundfahrt zurückgeht. Er übernahm das Konzept eines zweitägigen Amateur-Radrennens zwischen Mailand und Sanremo und überredete Eugenio Costamagna, das Rennen an einem Tag durchzuführen. Nachdem der Italiener Giovanni Gerbi (Sieger der Erstaustragung der Lombardei-Rundfahrt) die Auffahrt des Passo del Turchino (532 m) auf Anfrage der Gazzetto dello Sport selbst unter die Räder genommen und für befahrbar erklärt hatte, wurde das Rennen für den 14. April 1907 angesetzt.

Am Tag der Erstaustragung regnete es, was etliche Fahrer dazu veranlasste, das 281 Kilometer lange Rennen nicht in Angriff zu nehmen. Nur 33 der gemeldeten 62 Fahrer starteten vor der Osteria della Conca Fallata neben dem Naviglio Pavese und fuhren anschließend über die schlammigen Straßen in Richtung Süden. Giovanni Gerbi kristallisierte sich als der stärkste Fahrer heraus und führte über den Passo del Turchino, doch als er die Italienische Riviera erreicht hatte, wartete er auf seinen französischen Teamkollegen Lucien Petit-Breton, der wenige Minuten hinter ihm lag. Beide fuhren für das Team Bianchi, das Giovanni Gerbi im Falle eines Triumphes 2,5 Lire pro Kilometer zugesichert hatte. Lucien Petit-Breton hingegen war eine sechsmal höhere Summe versprochen worden. Der Franzose erklärte sich bereit, sein Preisgeld zu teilen, was Giovanni Gerbi dazu veranlasste, den einzigen weiteren verbliebenen Fahrer in der Spitzengruppe, den Franzosen Gustave Garrigou, rund 500 Meter vor dem Ziel am Kragen zu packen, um ihn daran zu hindern, das Rennen zu gewinnen. Mit Lucien Petit-Breton triumphierte so ein Franzose bei der Erstaustragung von Mailand–Sanremo, während Giovanni Gerbi das Ziel als Zweiter mit einem Rückstand von über einer halben Minute erreichte, aufgrund seines unsportlichen Verhaltens jedoch hinter Gustave Garrigou gewertet wurde.

1908–1915 (frühe Jahre) mini|Mailand–Sanremo 1914 Nach der erfolgreichen Erstausgabe fand Mailand–Sanremo im Folgejahr erneut statt. Neben den Italienern und Franzosen kamen nun auch Starter aus Belgien und der Schweiz hinzu. Der Belgier Cyrille Van Hauwaert kam im Jahr 1908 bei widrigen Wetterbedingungen als Solist in Sanremo an und sorgte erneut für einen ausländischen Sieg. Der erste italienische Triumph folgte im Jahr 1909 durch Luigi Ganna, der die Distanz von über 280 Kilometern als erster Fahrer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 30 km/h absolvierte. Das Starterfeld war unterdessen auf über 100 Fahrer angewachsen. Bei der vierten Austragung von Mailand–Sanremo im Jahr 1910 erreichten aufgrund des schlechten Wetters nur sieben der 63 gestarteten Fahrer das Ziel. Am Passo del Turchino herrschte Schneefall bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, was etliche Fahrer dazu veranlasste, Schutz in nahegelegenen Hütten zu suchen. Der Franzose Eugène Christophe hingegen fuhr ohne Unterbrechung weiter und gewann mit einem Vorsprung von über einer halben Stunde auf den Vorjahressieger Luigi Ganna, der im Nachhinein disqualifiziert wurde, da er einen Teil der Strecke in einem Auto zurückgelegt hatte. Danach hatte der Sieger einen Vorsprung von mehr als einer Stunde auf den Zweiten Giovanni Cocchi. Eugène Christophe absolvierte die Strecke in 12 Stunden und 24 Minuten, was bis heute die langsamste Austragung des Rennens ist. In den nachfolgenden Jahren waren es erneut die Franzosen und Belgier, die das Eintagesrennen dominierten. Gustave Garrigou siegte im Jahr 1911, nachdem er bei der Erstaustragung von Giovanni Gerbi behindert worden war, ehe sich Henri Pélissier (1912) und Odiel Defraeye (1913) in die Siegerliste eintrugen. Ein Jahr später sorgte Ugo Agostoni für den zweiten italienischen Triumph. Die 9. Austragung von Mailand–Sanremo im Jahr 1915 wurde stark vom Ersten Weltkrieg geprägt. Nur 41 Fahrer, die alle aus Italien stammten, nahmen das Rennen in Angriff. Costante Girardengo überquerte den Zielstrich zwar als Erster, wurde jedoch im Nachhinein disqualifiziert, da er bei Port-Maurice die Strecke abgekürzt hatte. Der Titel ging somit an Ezio Corlaita über. Nach dem Kriegseintritt Italiens fand Mailand–Sanremo im Jahr 1916 nicht statt.

1917–1943 (Zwischenkriegszeit) mini|Costante Girardengo mit seinem dritten von insgesamt sechs Siegen bei Mailand–Sanremo (1923) Die 10. Austragung fand während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1917 statt. Unter den 48 Startern war mit dem Schweizer Oscar Egg nur ein ausländischer Fahrer vertreten. Wie bereits im Jahr 1915 war das Rennen auch für Amateure geöffnet, um zumindest ein kleines Starterfeld sicherstellen zu können. Jene Athleten, die bei der 10. Austragung teilnahmen, waren entweder dem Militärdienst entgangen oder arbeiteten in unterstützenden Tätigkeiten wie der Projektil-Herstellung. Die erste Austragung nach der Unterbrechung im Jahr 1917 gewann Gaetano Belloni vor Costante Girardengo, der in den nachfolgenden Austragungen dominieren sollte. Zwischen 1918 und 1928 triumphierte er sechs Mal und stand weitere vier Mal als Zweiter oder Dritter auf dem Podium. Dazwischen waren es Angelo Gremo (1919), Giovanni Brunero (1922), Pietro Linari (1924) und Pietro Chesi (1927), die sich in die Siegerliste eintrugen. Der erste Fahrer, der Mailand–Sanremo zweimal gewinnen konnte, war jedoch Gaetano Belloni, der nach 1917 auch im Jahr 1920 triumphierte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrte das internationale Starterfeld zu dem Rennen zurück, wobei es bis ins Jahr 1921 dauerte, bis es wieder auf über 50 Fahrer angewachsen war. Die Organisatoren des Rennens versuchten den Radsport vermehrt in Form eines Individualsports auszutragen, was sich an dem Verbot von Teams auf der Startliste zeigte. Dieses war jedoch sehr umstritten und sollte sich in den nachfolgenden Jahren nicht durchsetzen.

Nach der Dominanz von Costante Girardengo setzte sich im Jahr 1929 erstmals Alfredo Binda durch, der das Rennen zuvor zweimal auf dem zweiten Platz beendet hatte. Nach Michele Mara im Jahr 1930 feierte Alfredo Binda seinen zweiten Erfolg bei Mailand–Sanremo. Auch in den nachfolgenden Jahren dominierten die Italiener mit Alfredo Bovet (1932) und Learco Guerra (1933) ihr Heimrennen, und mit dem Belgier Jef Demuysere (1934) konnte sich zwischen den Jahren 1914 und 1950 nur ein ausländischer Fahrer durchsetzen. Während sich Mailand–Sanremo in Italien großer Bekanntheit erfreute, waren es in Belgien und Frankreich die Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix, die die dortigen Radstars anlockten. Weiters wurden alle drei Rennen im Frühjahr innerhalb von wenigen Wochen ausgetragen, was eine Teilnahme an jedem der Klassiker schwierig machte. Seit dem Jahr 1933 bildete Mailand–Sanremo den Auftakt der Klassiker und fand ab jenen Jahren traditionell am Josefstag (19. März) statt, der damals in Italien ein Feiertag war.

Nach Angelo Varetto (1936) und Cesare Del Cancia (1937) sowie zwei Siegen von Giuseppe Olmo (1935, 1938) gewann Gino Bartali im Jahr 1939 die letzte Austragung vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Klassiker fand auch nach dem Kriegseintritt Italiens bis ins Jahr 1943 statt, wobei die Teilnehmerzahlen besonders in den letzten beiden Jahren stark abnahmen. Während im Jahr 1935 über 200 Fahrer in Mailand an den Start gegangen waren, nahmen im Jahr 1943 nur noch 55 Athleten das Rennen in Angriff. Zudem fuhren nur noch italienische Fahrer bei dem Rennen, während im Jahr 1937 mit Joseph Magnani erstmals ein US-Amerikaner das Ziel erreicht hatte. Nachdem Gino Bartali im Jahr 1940 seinen zweiten Triumph gefeiert hatte, waren es Pierino Favalli (1941), Adolfo Leoni (1942) und Cino Cinelli (1943), die in den Kriegsjahren siegreich waren. Neben Gino Bartali etablierte sich sein jüngerer Teamkollege Fausto Coppi im Peloton, deren Rivalität die Austragung nach dem Zweiten Weltkrieg prägen sollte.

1946–1959 (Nachkriegszeit) Die ersten fünf Austragungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von Fausto Coppi und Gino Bartali gewonnen. Obwohl die beiden zwischenzeitlich für verschiedene Mannschaften fuhren, kam es anders als beim Giro d’Italia zu keinem großen Duell, und beide standen nie gemeinsam auf dem Podium. Fausto Coppi gewann Mailand–Sanremo in den Jahren 1946, 1948 und 1949, während Gino Bartali mit Triumphen in den Jahren 1947 und 1950 seinen dritten und vierten Sieg bei dem Klassiker feierte.