rahmenlos|hochkant|rechts|Logo der Lombardei-Rundfahrt Die Lombardei-Rundfahrt (italienisch offiziell ab 2012 Il Lombardia, früher „Giro di Lombardia“)Lombardei-Rundfahrt 2012 schon am 29. September auf rad-net.de v. 11. Oktober 2011 ist ein klassisches Eintagesrennen im Straßenradsport. Sie wird seit 1905 in der italienischen Region Lombardei ausgetragen.
Traditionell findet die Lombardei-Rundfahrt im Oktober am Ende der Saison statt und trägt den Beinamen „Rennen der fallenden Blätter“ (). Sie gehört zu den fünf Monumenten des Radsports und ist Teil der UCI WorldTour.
Seit dem Jahr 1907 wird das Rennen von der führenden Sportzeitung des Landes, La Gazzetta dello Sport organisiert. Das Rennen findet jährlich statt und fiel nur in den Jahren 1943 und 1944, aufgrund des Zweiten Weltkriegs aus. Während der COVID-19-Pandemie wurde die Lombardei-Rundfahrt aufgrund des alternativen Radsportkalenders am 15. August 2020 abgehalten.
Fausto Coppi und Tadej Pogačar führen die Liste der Rekordsieger mit fünf (Pogačar alle in Folge) Siegen an, gefolgt von dem viermaligen Sieger Alfredo Binda sowie Henri Pélissier, Costante Girardengo, Gaetano Belloni, Gino Bartali, Sean Kelly und Damiano Cunego mit je drei Siegen.
Seit dem Jahr 1911 wird regelmäßig wenige Tage vor der großen Lombardei-Rundfahrt das Amateur- bzw. Nachwuchsrennen Piccolo Giro di Lombardia ausgetragen, welches seit 2017 Il Piccolo Lombardia heißt.
Bedeutung Die Lombardei-Rundfahrt ist eines der wichtigsten Eintagesrennen und gehört zu den Monumenten des Radsports. Das Rennen unterscheidet sich jedoch in zwei Punkten von den anderen „Monumenten“. Zum einen wird die Lombardei-Rundfahrt nicht im Frühjahr, sondern im Herbst ausgetragen, wodurch sie sich zeitlich abgrenzt. Zum anderen beinhaltet die Streckenführung meist eine Vielzahl höherer Anstiege, die teilweise auch über der 1000-Meter-Grenze liegen. Dies begünstigt die Bergfahrer, die bei den anderen „Monumenten“ mit Ausnahme von Lüttich–Bastogne–Lüttich meist geringere Chancen auf einen Erfolg haben. Bis ins Jahr 1994 galt die Lombardei-Rundfahrt als die „Herbst-Weltmeisterschaft“, da sie das einzige große Rennen am Ende der Saison war. Dies änderte sich jedoch mit der Reorganisation des Radsportkalenders durch die UCI (Union Cycliste Internationale). Diese führte dazu, dass die Vuelta a España in den Spätsommer und die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften auf Ende September verlegt wurden. Die Lombardei-Rundfahrt behielt ihren Platz und bildet weiterhin den Abschluss der europäischen Herbstklassiker. In den Tagen zuvor werden traditionell mehrere kleinere italienische Eintagesrennen (z. B. Giro dell’Emilia, Tre Valli Varesine und Gran Piemonte) ausgetragen.
Der Sieg bei den drei großen italienischen Radrennen (Giro d’Italia, Mailand–Sanremo und Il Lombardia) im selben Jahr wird als „Tripletta“ bezeichnet. Bisher schafften nur Fausto Coppi (1949) und Eddy Merckx (1972) die Tripletta.
Geschichte mini|Giovanni Gerbi, Sieger der ersten Austragung der Lombardei-Rundfahrt (1905)
1905–1960 (Anfänge) Die 1. Austragung der Lombardei-Rundfahrt fand im Jahr 1905 statt. Das Rennen geht auf den Journalisten Tullo Morgagni zurück, der dem Mailänder Rennfahrer Pierino Albini eine Möglichkeit geben wollte sich für die Niederlage bei der Coppa del Re gegenüber Giovanni Cuniolo zu revanchieren. Beide Fahrer nahmen das Rennen am 12. November jedoch nicht in Angriff. Stattdessen triumphierte Giovanni Gerbi, der die 230 Kilometer lange Erstaustragung mit einem Vorsprung von über 40 Minuten auf den zweitplatzierten Giovanni Rossignoli gewann. Die Strecke führte von Mailand zunächst Richtung Osten, ehe die Fahrer bei Lodi in Richtung Norden drehten. Am Fuße der Alpen ging es anschließend durch die Städte Bergamo, Lecco, Como und Varese, ehe das Ziel in Legnano im Nordosten von Mailand erreicht wurde. Trotz der Abwesenheit der beiden Rivalen und dem Starterfeld von nur zwölf Fahrern galt das Rennen als großer Erfolg und wurde in den nachfolgenden Jahren erneut ausgetragen.
Während das Rennen zunächst unter dem Namen Milan–Milan bekannt wurde, änderte sich der Name mit der Übernahme der La Gazzetta dello Sport im Jahr 1907 auf „Giro di Lombardia“. Zudem änderte sich auch die Fahrtrichtung, die nun im Uhrzeigersinn verlief. Der einzige Anstieg befand sich zwischen Como und Erba und wurde noch in der ersten Rennhälfte absolviert. Weiters nahmen im Jahr 1907 erstmals auch ausländische Fahrer an der Lombardei-Rundfahrt Teil, wobei der Franzosen Gustave Garrigou als erster Nicht-Italiener bei dem Rennen triumphierte. Im Jahr 1910 stand mit dem Anstieg nach Brinzio (573 m) erstmals ein längerer Anstieg auf dem Programm.
Anders als der Giro d’Italia und die Tour de France fand die Lombardei-Rundfahrt auch während des 1. Weltkriegs (1914–1918) ununterbrochen statt. Der Krieg brachte jedoch einen Rückschritt der Internationalisierung des Rennens, da in den ersten drei Kriegsjahren nur Italiener am Start standen. Nach dem Kriegsende blieb die Lombardei-Rundfahrt weiter vermehrt in italienischer Hand. Mit der Auffahrt zur Madonna del Ghisallo (753 m) stand im Jahr 1919 erstmals der bis heute bekannteste Anstieg des Rennens auf dem Programm. Die erste Befahrung erfolgte jedoch von der Südseite über Asso, die heutzutage als Abfahrt dient. 1942 und 1943 fiel die Lombardei-Rundfahrt aufgrund des 2. Weltkriegs aus. Nachdem das Rennen im Jahr 1944 wieder ausgetragen worden war, triumphierte der Italiener Fausto Coppi viermal in Folge (1946–1949) und kürte sich mit seinem fünften Erfolg im Jahr 1954 zum alleinigen Rekordsieger.
1961–2010 (Streckenänderungen) Im Jahr 1961 kam es zu einer richtungsweisenden Veränderung der Strecke. Nachdem bereits im Vorjahr mit der Muro di Sormano (1124 m) ein weiterer Anstieg eingeführt worden war, ging das Rennen nun zum ersten Mal nicht im Umland von Mailand, sondern in Como zu Ende. Nun betrug die Distanz vom letzten Anstieg bis ins Ziel nicht mehr 80, sondern lediglich 30 Kilometer. Der Grund für die Veränderungen war der Wunsch des Veranstalters nach einem selektiveren Rennen, da die vorangegangenen Austragungen häufig in Massensprints zu Ende gegangen waren. Der Anstieg der bis zu 27 % steilen Muro di Sormano hielt sich bis ins Jahr 1962, ehe er nach andauerndem Protest seitens der Fahrer aus dem Programm genommen wurde.Lombardei-Rundfahrt, in: Udo Witte: Campionissimo, Monsieur Chrono, Kanibale & Co. Profi-Straßenradrennen nach 1945. (Band 2) Books on Demand, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7392-7824-7. Die Veranstalter hielten jedoch am Zielort Como fest und führten die Lombardei-Rundfahrt im Jahr 1963 für einige Kilometer in die Schweiz, ehe es über den Vacio di Valmára (831 m) zurück nach Italien ging. Mit dem Passo d’Intelvi (738 m) wurde zudem ein neuer Schlussanstieg befahren. Im Bestreben das Rennen auf rein italienischem Boden auszutragen kam es im Jahr 1964 erneut zu einer Kursänderung, die sich für längere Zeit etablieren sollte. Nach dem Start in Mailand ging es zunächst zum Anstieg der Madonna del Ghisallo und dem Colle di Balisio (723 m), ehe der Comer See gegen den Uhrzeigersinn umrundet wurde. Der Passo d’Intelvi blieb das letzte große Hindernis, ehe ein kurzer Schlussanstieg nach San Fermo della Battaglia (397 m) folgte. Die Strecke veränderte sich bis ins Jahr 1984 nur geringfügig, wobei im Jahr 1983 der Start erstmals in Brescia und nicht in Mailand erfolgte. Die Lombardei-Rundfahrt war mittlerweile zu einem großen internationalen Rennen aufgestiegen und war Teil der Super-Prestige-Pernod-Wertung, die den erfolgreichsten und vielseitigsten Radsportler über ein Punktesystem bei den wichtigsten Rennen ermittelte. Zudem hatten sich berühmte Fahrer wie Felice Gimondi (1966, 1973), Eddy Merckx (1971, 1972), Francesco Moser (1975, 1978), Bernard Hinault (1979) und Sean Kelly (1983) in die Siegerliste des „Monuments“ eingetragen. mini|Moreno Argentin gewinnt die Lombardei-Rundfahrt 1987 Ab dem Jahr 1985 tauschten der Start- und der Zielort die Plätze. Der Passo d’Intelvi, der in den vorherigen Austragungen oft die Rennentscheidung gebracht hatte, wurde bereits wenige Kilometer nach dem Start passiert, ehe es im Uhrzeigersinn um den Comer See ging. Mit der Auffahrt nach Esino Lario (900 m) stand ein neuer Anstieg auf dem Programm, ehe es über den Colle di Balisio zum Schlussanstieg ging, der über die Nordauffahrt zur Madonna del Ghisallo führte. Die letzten rund 60 Kilometer führten anschließend flach nach Mailand. Die neue Strecke sollte jedoch nur einmal genutzt werden, da sich die Organisatoren bereits nach neuen Anstiegen umsahen, um das Rennen schwerer zu machen. Im Anschluss an die Anstiege von Madonna del Ghisallo und Esino Lario folgten aus diesem Grund im Jahr 1986 der Passo di Valcava (1340 m) und der Colle di Valpiana (998 m). Im Jahr 1990 folgte die nächste Streckenänderung als Monza als Start und Zielort ausgewählt wurde. Mit dem Anstieg nach Madonna del Ghisallo und dem Passo di Valcava verblieben nur noch zwei größere Anstiege, ehe es über den Colle Brianza (537 m) und die Via Lissolo (522 m) in Richtung Ziel ging. Sean Kelly feierte auf den neuen Kursen in den Jahren 1985 und 1991 seinen zweiten und dritten Sieg, während sich Tony Rominger als erster Schweizer in den Jahren 1989 und 1992 durchsetzte.
Im Jahr 1995 ging die Lombardei-Rundfahrt erstmals in Bergamo zu Ende. Nach dem Start in Varese ging es über Como zur Nordauffahrt der Madonna del Ghisallo. Mit dem Colle Brianza und Passo di Valcava wurden zwei weitere Anstiege des Vorjahres befahren, ehe die Schlusssteigung über den Colle Gallo (763 m) führte, der von der Ostseite befahren wurde. Im Jahr 1998 wurde der Colle Gallo vom kleineren Colle Aperto (368 m) ersetzt, der sich in der Città Alta von Bergamo befand und somit nur vier Kilometer vor der Ziellinie überquert wurde. Im Bestreben weitere Anstiege ins Programm aufzunehmen änderte sich die Streckenführung in den nachfolgenden Jahren mehrmals. Während die erste Rennhälfte unverändert blieb, wurden nach Lecco unterschiedliche Anstiege befahren. 1999 nahm das Fahrerfeld erstmals die Ostauffahrt nach Selvino (948 m) in Angriff, ehe es über Olda (807 m) und auf den Forcella di Bura (885 m) ging. Mit dem Berbenno (695 m) folgte zudem ein neuer Schlussanstieg, ehe die kurze Auffahrt auf in die Città Alta von Bergamo erfolgte. Während Olda und der Forcella di Bura nach nur einem Jahr wieder aus dem Programm gestrichen wurden, kehrte im Jahr 2000 der Colle Gallo ins Programm zurück und die Strecke führte erneut über Selvino und Berbenno in Richtung Ziel. Mit dem Colle dei Pasta (410 m) und der kurzen Auffahrt nach Bracca (592 m) etablierten sich in den Folgejahren zwei weitere kurze Steigungen. In Bergamo triumphierten unter anderen auch Andrea Tafi (1996), Laurent Jalabert (1997), Danilo Di Luca (2001), Damiano Cunego (2004) und Paolo Bettini (2005).