mini|Größenvergleich Die Aga-Kröte (Rhinella marina, Syn.: Bufo marinus), auch einfach Aga oder Riesenkröte genannt, ist eine Amphibienart aus der früher zu den Echten Kröten (Bufo) gehörenden Gattung Rhinella innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae). Große Exemplare dieser Art erreichen Körperlängen von über 22 Zentimetern. Die Aga-Kröte gehört daher mit dem Goliathfrosch, der Kolumbianischen Riesenkröte, dem Afrikanischen Ochsenfrosch und dem Amerikanischen Ochsenfrosch zu den größten Froschlurchen der Welt.
Heute zählt die ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent beheimatete Kröte zu den Amphibien mit dem größten Verbreitungsgebiet:Easteal: The history of introductions of Bufo marinus. S. 93–113. Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Aga-Kröte auf Jamaika und Barbados eingeführt, weil man sich von ihr erhoffte, dass sie die Schadinsekten in den Zuckerrohrplantagen niedrig halten könne.Kegel: Die Ameise als Tramp. (= Allgemeine Reihe. Nr. 13282). Heyne, München 2001, ISBN 3-453-18439-4, S. 153. Diese wenig erfolgreiche Praxis wurde vor allem in der Pazifikregion bis weit ins 20. Jahrhundert fortgesetzt. Auf die biologische Vielfalt der Länder und Regionen, in die man Aga-Kröten einführte, hatte dies teilweise erhebliche Auswirkungen.
Die Kröte gehört weltweit zu den bekanntesten Neozoen und wurde mittlerweile von der IUCN Spezialistengruppe auf die Liste der 100 invasivsten, eingeschleppten Arten aufgenommen. Die negativen ökologischen Folgen, die durch ihre künstliche Ansiedlung entstanden sind, dienen heute als Paradebeispiel für die enormen Risiken einer unkontrollierten und unüberlegten biologischen Schädlingsbekämpfung.
Wahrscheinlich handelt es sich bei Rhinella marina um zwei verschiedene Kryptospezies, die morphologisch nur schwer unterschieden werden können. Mehrere molekulargenetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die im ursprünglichen Verbreitungsgebiet östlich bzw. westlich der Anden auftretenden Populationen der Aga-Kröte zwei verschiedene Arten sind.Aldemar A. Acevedo, Margarita Lampo, Roberto Cipriani: The cane or marine toad, Rhinella marina (Anura, Bufonidae): two genetically and morphologically distinct species. In: Zootaxa. 4103, 6, April 2016, S. 561–573.
Bezeichnung
Angeregt von einer Illustration von Albertus Seba erhielt die Aga-Kröte 1758 durch Carl von Linné die wissenschaftliche Artbezeichnung „marinus“. Im englischen Sprachgebrauch wird die Aga-Kröte gewöhnlich als „cane toad“ bezeichnet. In diesem Namen spiegelt sich wider, dass die Art bereits im frühen 19. Jahrhundert als vermeintlich wirkungsvoller Schädlingsbekämpfer in Zuckerrohrplantagen (Zuckerrohr = „cane“, = „toad“ = Kröte) geschätzt wurde.
Merkmale Erscheinungsbild der Aga-Kröte mini|Aga-Kröte, helle Farbvariante Das Tier hat eine krötentypische, gedrungene Gestalt mit einem kurzschnauzigen, breiten Kopf, sehr auffällig großen, oft dreieckigen Ohrdrüsen (Parotiden), sichtbarem Trommelfell, waagerechten Pupillen, goldener Iris und einer trockenen, warzigen Haut. Über den Augen befindet sich jeweils ein auffälliger Wulst, der über der Schnauze zusammenläuft. Die hinteren Gliedmaßen sind relativ kurz, sodass die Tiere nur kleine Sprünge machen oder auf allen vieren laufen können.
Die Färbung der Oberseite ist ein Graubraun mit dunklen Flecken; die Unterseite ist schmutzig-weiß und manchmal gefleckt. Die Männchen weisen im Unterschied zu den Weibchen häufig an den Körperseiten und an der Kehle braune und gelbe Flecken auf. An den drei inneren Fingern haben Männchen außerdem dunkle Brunstschwielen. In den Paarungsphasen sind die Warzen ihrer Haut oft verhornt, so dass die Weibchen, verglichen mit den Männchen, als „weniger warzig bzw. weicher“ beschrieben werden. Die Jungtiere besitzen anfänglich eine hellere Hautoberfläche, die mit zunehmendem Alter nachdunkelt.
Weibchen können in freier Wildbahn eine Größe von maximal 22,5 Zentimetern erreichen und über ein Kilogramm wiegen; Männchen bleiben kleiner. Das Guinness-Buch der Rekorde nennt aber auch Exemplare, die wesentlich größer wurden. „Prinsen“ (dt. Prinz), ein Individuum, das in Schweden als Haustier gehalten wurde, wies eine Körperlänge von 38 Zentimetern und ein Gewicht von 2,65 Kilogramm auf. Ein in einem Museum in Queensland konserviertes Exemplar war 24,1 Zentimeter lang und wog 1,36 Kilogramm. In einem australischen Nationalpark wurde ein weibliches Tier mit 25 Zentimeter Länge und einem Gewicht von 2,7 Kilogramm entdeckt.
Die Kaulquappen sind einheitlich von schwarzer Farbe. Sie halten sich entweder am Boden ihrer Laichgewässer auf oder sammeln sich dichtgedrängt an Wasserpflanzen. Im Endstadium ihrer Entwicklung erreichen die Larven Körperlängen von bis zu 27 Millimetern. Nach vollzogener Metamorphose sind junge Aga-Kröten lediglich zwischen 5 und 10 Millimeter lang. Sie haben zu diesem Zeitpunkt noch eine glatte, dunkelbraune Haut. Bei manchen Individuen schimmert die Hautoberfläche rötlich bis kupferfarben, ähnlich wie die Jungtiere der Erdkröte.
Verwechslung mit anderen Arten mini|Rhinella marina – Jungtier
In Nord- und Mittelamerika finden sich eine Reihe von Arten aus der Familie der Kröten, die der Aga-Kröte sehr ähneln. Insbesondere im juvenilen Stadium zeigen sich Ähnlichkeiten mit der Südlichen Kröte (Bufo terrestris) Bonnaterre 1789, mit Fowlers Kröte (Bufo woodhousei fowleri) Girard 1854 und mit Schneiders Kröte (Bufo schneideri) Werner 1894. Bufo terrestris verfügt jedoch vor den Parotiden über zwei birnenförmige Ausstülpungen und erreicht mit 12 Zentimetern im adulten Stadium nicht die Körpergröße von B. marinus. Bufo woodhousei fowleri besitzt einen für diese Art typischen creme-weißen Streifen, der die Kehle entlang verläuft. Bufo schneideri weist im Gegensatz zur Aga-Kröte auch an den Hinterbeinen sekretierende Giftdrüsen auf.
Verbreitungsgebiete und Lebensräume Natürliches Verbreitungsgebiet mini|Jungtier in Panama Das natürliche Verbreitungsgebiet der Aga-Kröte reicht vom Amazonasgebiet und dem Südosten von Peru über Mittelamerika bis nach Süd-Texas in den USA. In diesem Areal besiedelt sie in erster Linie subtropische Wälder in Wassernähe sowie den tropischen Regenwald. Aga-Kröten sind jedoch ausreichend anpassungsfähig, um auch eine Vielzahl weiterer Habitate zu besiedeln, beispielsweise offenes Grasland, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Feuchtgebiete aller Art, Gärten, Parks und durchgrünte Einfamilienhausbereiche. Trockenperioden überleben sie, weil sie bis zu 50 Prozent des Wassergehalts ihres Körpers ohne Schaden verlieren können. Aga-Kröten sind lediglich darauf angewiesen, dass Laichgewässer zumindest zeitweilig zur Verfügung stehen. Sie laichen normalerweise in stehendem oder sehr langsam fließenden Süßwasser. Geringe Salzgehalte werden toleriert; maximal kann der Salzgehalt der Laichgewässer 15 Prozent der Konzentration des Salzgehaltes in Meerwasser betragen, also etwa 0,4 %.
Weitere Verbreitungsgebiete, wo die Aga-Kröte als Neozoon lebt mini|320px|Verbreitungskarte Rhinella marina. Der Mensch hat dazu beigetragen, dass die Aga-Kröten mittlerweile in zahlreichen Regionen, die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes liegen, heimisch geworden ist. In Europa wurden die Froschlurche, die es auf die Liste der 100 invasivsten, eingeschleppten Arten geschafft haben, bisher nur in Spanien nachgewiesen.
Die IUCN Spezialistengruppe (Invasive Species Specialist Group: ISSP) hat sie mittlerweile in den folgenden Ländern nachgewiesen (alphabetisch): Australien, Ägypten, Dominikanische Republik, Jamaika, Japan, Kuba, Papua-Neuguinea, auf den Philippinen, Puerto Rico, Spanien, Taiwan, Thailand und Gebieten der USA, wo sie vorher nicht anzutreffen (incl. Florida und Hawaii).Global Invasive Species Databank. Countries (or multi-country features) with distribution records for Rhinella marina. IUCN, abgerufen am 15. Februar 2026
Außerdem hat sich die Kröte erfolgreich auf den folgenden auf Inselstaaten und Inseln in der Karibik etabliert: Anguilla, Antigua und Barbuda, Aruba, Barbados, den Cayman Islands, Dominica, Fidschi, Französisch-Polynesien, Grenada, Guadeloupe, Haiti, Hispaniola, den Jungferninseln, Martinique, Montserrat, den Salomonen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, und St. Vincent und die Grenadinen.
Sowie im Pazifik auf Amerikanisch-Samoa, den Cookinseln, Guam, den Karolinen, Kiribati, den Marshallinseln, Mikronesien, den Nördlichen Marianen, Palau, sowie auf Tuvalu. Darüber hinaus leben die Aga-Kröten auch auf den Bermudainseln (Atlantik), sowie Britischen Territorien im Indischen Ozean und Mauritius im Indischen Ozean.
Fortpflanzung mini|Rhinella marina - Kopula Als Bewohner tropischer und subtropischer Lebensräume ist die Aga-Kröte bei der Fortpflanzung nicht an bestimmte Jahreszeiten gebunden. Ihre Fortpflanzungsstrategie ist opportunistisch, das heißt, die Kröten pflanzen sich immer dann fort, wenn die Lebens- und Umweltbedingungen günstig sind (z. B. genügend Laichgewässer zur Verfügung stehen). Ein einzelnes Weibchen ist in der Lage, zweimal jährlich zwischen 4.000 und 36.000 Eier zu produzieren. Die Männchen, die ein geeignetes Laichgewässer gefunden haben, locken die Weibchen mit einem langen, lauten und gurgelnden Trillern. In der Literatur wird der Klang dieses Rufes gelegentlich mit dem hellen Brummen eines kleinen, laufenden Motors verglichen.
Nähert sich ein Weibchen, umklammert das Männchen mit seinen Vorderbeinen die Körpermitte des Weibchens. Diese für Froschlurche typische Fortpflanzungshaltung wird als Amplexus bezeichnet. Das Weibchen legt im Wasser daraufhin den Laich in Form von gallertigen Schnüren in der Nähe von Wasserpflanzen ab. Das Männchen besamt den Laich anschließend äußerlich. Die Gelege werden meist in den Flachwasserzonen permanent vorhandener oder temporärer Stillgewässer abgelegt.
Das einzelne Ei ist schwarz; inklusive der umgebenden Gallerte misst es zwischen 4 und 5 Millimeter. Die Zeitdauer bis zum Schlupf der Kaulquappen hängt von der Wassertemperatur ab. In Laichgewässern mit einer Temperatur von 34 Grad Celsius dauert dies lediglich 25 Stunden; misst das Wasser dagegen nur 14 Grad Celsius, schlüpfen die Kaulquappen erst nach 155 Stunden. Auch die Metamorphose von der Kaulquappe zur jungen Aga-Kröte ist von der Umgebungstemperatur abhängig und benötigt zwischen 12 und 60 Tagen.
Ernährung Während des Tages halten sich Aga-Kröten unter Steinen, Laub oder Baumstümpfen verborgen oder graben sich in lockerem Boden ein. Erst nachts gehen sie auf Beutefang. Das Nahrungsspektrum der Aga-Kröte ist sehr breit. Zu einem großen Teil besteht es aus lebenden Tieren, die die Kröte überwältigen und im Ganzen verschlingen kann; meist handelt es sich um Insekten, Spinnen, Würmer und Schnecken. Bekannt ist die Aga-Kröte beispielsweise dafür, dass sie vor Bienenstöcken hockt und die mit Nektar und Pollen beladenen Bienen am Einflugloch abfängt. Imker haben bis zu 300 Bienen in einer Aga-Kröte gefunden.Tim Low: Feral future. The untold story of Australia’s exotic invaders. 2001, S. 49. Die Aga-Kröte frisst auch andere Amphibien und kleine Säuger wie etwa junge Mäuse. Kannibalismus ist häufig zu beobachten.
Die meisten Froschlurche identifizieren ihre Beute durch deren Bewegung. Die Aga-Kröte kann Nahrung aber auch riechen. Aus diesem Grund ist das Nahrungsspektrum der Aga-Kröte nicht nur auf lebende Tiere begrenzt. Sie frisst Aas und findet Nahrung in Haushaltsabfällen. Regelmäßig findet sie sich an im Freien stehenden Futternäpfen für Haustiere ein.Tim Low: Feral future. The untold story of Australia’s exotic invaders. Penguin Books Australia, Victoria 2001, ISBN 0-14-029825-8, S. 51. Das breite Nahrungsspektrum gilt als einer der Faktoren, die den Ausbreitungserfolg der Aga-Kröte begünstigen.
Lebenserwartung und Fressfeinde mini|Der Bindenwaran zählt zu den wenigen Fressfeinden der Aga-Kröte