mini|Hauptgebäude am Platz der Demokratie
Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ist eine Musikhochschule in Weimar. Die Hochschule verfügt im Bereich Musikwissenschaft über das Promotions- und Habilitationsrecht.
Geschichte Das von dem Architekten Anton Georg Hauptmann nach Plänen des fürstlichen Landbaumeisters Johann Gottfried Schlegel errichtete Fürstenhaus Weimar wurde 1774 fertiggestellt. Dies geschah gerade noch rechtzeitig, um den Weimarer Hof unterzubringen, denn das Weimarer Stadtschloss brannte in diesem Jahr nahezu vollständig ab.
Franz Liszt setzte sich seit ungefähr 1850 für die Gründung von Musikschulen ein, insbesondere für ein Ausbildungszentrum für Orchestermusiker in Weimar. Doch erst 1872 wurde unter Carl Müllerhartung in Weimar die erste Orchesterschule Deutschlands gegründet. Dieses geschah im ehemaligen Franziskanerkloster. Die Ausbildung erfolgte auf allen Orchesterinstrumenten, am Klavier und im Dirigieren. Dazu kamen bald auch Gesang, Oper und Theater, Komposition, die pädagogische Ausbildung zum Instrumental- und Gesangslehrer sowie die Virtuosenschulung. 1879 begann unter Christoph Bernhard Sulze (1829–1889) im Nebenfach eine Organistenausbildung, die aber bereits ein Jahr später zum Hauptfach aufgewertet wurde.Michael von Hintzenstern: Von Kirchenmusikern gegründet. In Glaube und Heimat. 19. Juni 2022, S. 8. 1948 trat zu den obligatorischen musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Begleitfächern das eigenständige Studienfach Musikwissenschaft.
Diese Differenzierungen brachten über die Zeit viele Namensänderungen hervor: 1877: Orchester- und Musikschule, 1885: Orchester-, Musik- und Opernschule, 1899: Musik-, Opern- und Theaterschule, 1902: Großherzogliche Musikschule, 1919: Staatliche Musikschule, 1930: Staatliche Hochschule für Musik.
Im Jahr 1956 erhielt die Hochschule ihren heutigen Namen Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar.
Einzelne vorhandene Darstellungen befassen sich kritisch mit der Vergangenheit der Hochschule in der DDREhrhart Neubert: , 8. Februar 2018. und thematisieren mögliche Berührungspunkte mit dem Ministerium für Staatssicherheit. Eine institutionelle Verbindung ist nach heutigem Forschungsstand jedoch nicht belegt.
Im Oktober 1995 wurde als eine zentrale Einrichtung der Hochschule das Thüringische Landesmusikarchiv (Eigenname: HSA|ThLMA) gegründet.
Rektoren 1872: Carl Müllerhartung 1902: Erich Wolf Degner 1909: Waldemar von Baußnern 1916: Bruno Hinze-Reinhold 1934: Felix Oberborbeck 1939: Paul Sixt 1945: Walter Schulz 1948: Ottmar Gerster 1952: Willi Niggeling 1955: Werner Felix 1966: Johann Cilenšek 1972: Hans-Rudolf Jung 1980: Diethelm Müller-Nilsson 1990: Wolfgang Marggraf 1993: Wolfram Huschke 2001: Rolf-Dieter Arens 2010: Christoph Stölzl seit 2022: Anne-Kathrin Lindig
Bekannte Lehrer (Auswahl) → siehe auch: Hochschullehrer der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar Hermann Abendroth (1883–1956), Dirigieren 1945–1956 Waldemar von Baußnern (1866–1931), Rektor 1908–1916 Michael Berg (1938–2019), Musikwissenschaft 1986–2018 Wolfgang Bleibel (* 1955), Jazz-Saxophon, Jazz-Klarinette, Jazz-Flöte 1995–2020 Jeff Cascaro (* 1968), Gesang Jazz/Pop seit 2001 Leonid Chizhik (* 1947), Jazz-Klavier 1994–2013 Johann Cilenšek (1913–1998), Komposition 1947–1972 Frank Forst (* 1969), Fagott seit 2002 Ottmar Gerster (1897–1969), Komposition 1947–1951 Edgar Hartwig (* 1928), Wissenschaftlicher Sozialismus 1962–1989 Wally Hase (* 1969), Flöte 2000–2019 Bruno Hinze-Reinhold (1877–1964), Klavier 1913–1933 Alfred Hoehn (1887–1945), Klavier 1934–1939 Michael Kapsner (* 1961), Orgel 2004–2018 Hermann Keller (1885–1967), Orgel 1910–1916 Silvius von Kessel (* 1965), Orgel seit 1995 Bernhard Klapprott (* 1964), Cembalo/Historische Tasteninstrumente, Generalbass, Orgel (Alte Musik) seit 1994 Olaf Koch (1932–2001), Dirigieren 1972–1993 Christa Lehmann (1921–1992), Opernschule 1959–1981 Volkmar Lehmann (Pianist) (* 1935), Klavier 1962–1994 Wolf-Günter Leidel (* 1949), Musiktheorie 1993–2012 Gustav Lewin (1869–1938), Klavier, Partiturspiel 1901–1933 Erhard Mauersberger (1903–1982), Chorleitung 1932–1961 Jascha Nemtsov (* 1963), Musikwissenschaft seit 2013 Michael Obst (* 1955), Komposition seit 1997 Hans Pischner (1914–2016), Klavier, Theorie, Musikgeschichte 1946–1950 Hannes Pohlit (* 1976), Partiturspiel seit 2017 Robert Reitz (1884–1951), Violine 1909–1935 Reinhard Schau (1935–2019), Opernschule 1977–2001 Michael Schiefel (* 1970), Jazz-Gesang seit 1998 Wolfgang Emmanuel Schmidt (* 1971), Cello seit 2009 Anne Schwanewilms (* 1967), Gesang seit 2018 Midori Seiler (* 1969), Barockvioline und -Viola 2010–2013 Christian Sprenger (* 1976), Posaune seit 2009 Dirk Hirthe (* 1984), Tuba seit 2024 Frank Möbus (* 1966), Jazzgitarre und Ensemble seit 2003 Max Strub (1900–1966), Violine 1925–1928 Klaus-Jürgen Teutschbein (* 1944), Chorleitung 1996–2009 Jo Thönes (* 1958), Jazz-Drumset seit 1995 Richard Wetz (1875–1935), Musikgeschichte, Komposition 1916–1935 Ekhart Wycik (* 1967), Dirigieren seit 2016
Trivia Die Altenburg, das langjährige Wohnhaus von Franz Liszt in Weimar, wird heute von der nach ihm benannten Hochschule für Musik genutzt. Die Schlagersängerin Ute Freudenberg studierte von 1972 bis 1977 an der Hochschule. Alle vier Mitglieder (Markus Jung, Lukas Dihle, Mathias Beyer und Hanno Riehmann) des Violoncelloquartetts Die Vier EvangCellisten, seit 2022 auch projects4cellos, studierten an der Hochschule.
Literatur
deutsche-liszt-gesellschaft.de (PDF; 3,2 MB) S. 4, abgerufen am 12. Mai 2019. Günter Knoblauch, Roland Mey: Defekte einer Hochschulchronik: Die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar – eine Aufarbeitung. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2018, ISBN 978-3-95462-952-7. Gottfried Meinhold: Prominente Professoren der Musikhochschule Weimar als Handlanger der DDR-Staatssicherheit. Zwei Fallbeschreibungen mit Dokumentation (1957–1989). (= Arbeitspapiere des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Nr. 52). 2021, . Günter Knoblauch (Hrsg.): Der Schrei. Ein Buch gegen das absichtliche Vergessen. Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. BoD Books on Demand, Norderstedt 2023, ISBN 978-3-7578-1708-4.
Bilder
Weblinks
Website der Hochschule
Einzelnachweise
Weimar Weimar Weimar, Hochschule fur Musik Franz Liszt Kategorie:Musikwissenschaft (DDR) Kategorie:Musikpädagogik (DDR) Kategorie:Kulturdenkmal in Weimar Kategorie:Schule in Weimar
Kategorie:Musikorganisation (Thüringen) Kategorie:Ausbildungsstätte für Kirchenmusik Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1872