Hörfunk (teilweise auch: Radio) ist ein Medium zur Verbreitung von Information und Unterhaltung in Form von Tönen wie Musik und Sprache. Entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, ist es das älteste der elektronischen Massenmedien.

Hörfunk kann mit einem traditionellen Radiogerät empfangen werden sowie mit anderen Geräten der Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik wie Stereoanlagen, Portable Media Player, MP3-Player oder Smartphones.

Geschichtlicher Überblick

Abgesehen von Versuchssendungen in mehreren Staaten der Erde startete der erste regelmäßige Hörfunkbetrieb der Welt in den USA, mit einem Nachrichtensender durch Charles „Doc“ Herrold 1909 in San José sowie mit einem Sender gemischten Programmes 1916 in Pittsburgh durch Frank Conrad.

Einen regelmäßigen Programmbetrieb in deutschsprachigen Staaten gab es zuerst in der Schweiz (Flugplatzsender Lausanne und Sender Bern), dann in Deutschland (Funk-Stunde Berlin), Österreich (Radio Hekaphon) und Liechtenstein (Radio Liechtenstein).

Begriff Am Anfang wurde das Medium mit Rundfunk bzw. Rundspruch bezeichnet. Als Abgrenzung zum Fernsehen hieß es schließlich Hörfunk bzw. Tonrundfunk. Einigen Quellen aus den 1920er Jahren zufolge ging der Begriff „Radio“ dem des Rundfunks voraus, kam aber immer wieder in Mode:

In der Schweiz sind die Begriffe Hörfunk und Rundfunk wenig üblich, man benutzt allgemein Radio nicht nur für das Gerät, sondern auch für das Medium.Lemma Radio in: Kurt Meyer: Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten. Duden-Verlag, Mannheim, Wien, Zürich 1989, ISBN 3-411-04131-5

Organisationsformen Deutschland Hörfunk besteht in Deutschland aus den Radioprogrammen und weiteren Angeboten: der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nach Länderrecht als Ein- oder Mehrländerdienste (beispielsweise hr, RBB, WDR) des Deutschlandradios, der öffentlich-rechtlichen Körperschaft für den nationalen Hörfunk (bundesweiter Empfang über Live-Streaming, Digitalradio (DAB+) und DVB-S möglich) der Deutschen Welle, einer Rundfunkanstalt nach Bundesrecht als Auslandsradio der privater Programmanbieter nach Länderrecht (Privatradios) zur Versorgung der Angehörigen ausländischer oder internationaler Streitkräfte (früher der alliierten Streitkräfte) (AFN, BFBS, CFN, FFB) der von Deutschland aus sendenden Auslandsrundfunkdienste der USA und Russlands (Voice of America, Stimme Russlands, Radio Free Europe/Radio Liberty) nichtkommerzieller Lokalsender (freie Radios/offene Kanäle/Veranstaltungsradio) nach Länderrecht im Inland nicht zugelassener oder illegaler Piratensender (beispielsweise 100’5 Das Hitradio).

Daneben kann Hörfunk ausländischer Hörfunkstationen auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle sowie, in kleinerem geographischen Gebieten, auch über Ultrakurzwelle empfangen werden.

Diese Klassifizierung verdeutlicht: die Veranstaltung von Hörfunk in Deutschland findet aufgrund der Rundfunkhoheit der Bundesländer überwiegend nach Landesrecht statt. Dies betrifft sowohl die öffentlich-rechtlichen Anstalten als auch die Privatsender.

Die Existenz des Deutschlandradio beruht auf zwei Staatsverträgen zwischen Bund und Ländern. Deutschlandradio hat als Körperschaft zusätzlich Elemente einer Rundfunkanstalt wie Intendant und Verwaltungsgremien. In einem sind Vertreter von Bund, Ländern sowie von ARD und ZDF Mitglied.Inga Hoff: Nationaler Hörfunk, aber wie? In: Rundfunk nach dem Wendepunkt. Diplomica, Hamburg, 2011, ISBN 978-3-8428-5802-2, S. 43 ff.

Der Rundfunk der DDR sowie der Rundfunk in der Weimarer Republik zum Ende der 1920er Jahre waren ein staatlicher Rundfunk.

Österreich

Die österreichische Radiolandschaft war einige Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts von einer Monopolstellung der Radio Verkehrs A.G. (RAVAG) und des Österreichischen Rundfunks (ORF) gekennzeichnet. Erst Mitte der 1990er Jahre kam es zur Zulassung privater Hörfunkbetreiber. Da auch Österreich ab 1945 zeitweise von alliierten Truppen besetzt wurde, entstanden wie in Deutschland Sender im Auftrag der jeweiligen Besatzungsmächte, z. B. Rot-Weiß-Rot.

Schweiz

Die Organisation des Radios bzw. Rundspruchs ähnelte der in den Nachbarländern Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien im 20. Jahrhundert, sie war wie dort lange geprägt von der Monopolstellung, zwar mit regionaler Diversität, aber letztlich nur eines Anbieters, hier war es die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Obwohl der Hörfunk in allen diesen Staaten einschließlich der Schweiz durch Privatinitiativen begann, konnten sich die Anbieter der ersten Stunde nicht durchsetzen.

Produktion von Hörfunksendungen In analogen Studios, wie sie bis in die 1990er Jahre hinein üblich waren, wurde eine große Menge physisches Material bewegt. Bänder und Schallplatten mussten aus dem Archiv beschafft und vorbereitet werden. Aufnahmeleiter und Tontechniker waren für den störungsfreien Programmablauf zuständig, wobei sie sich am Sendeplan orientierten.

Seither erfolgt nicht nur die Programmvorbereitung, sondern auch die Abwicklung nahezu ausschließlich über Computer. Zentrales Instrument ist der digitale Sendeplan, eine spezielle Software, die alle Programmelemente enthält, die während einer Sendung benötigt werden. Der Sendeplan ist mit einer Liste vergleichbar, die eine Vielzahl von Audiodateien enthält, die sich in verschiedenen Archiven (Programmordnern auf diversen Festplatten innerhalb des Hausnetzes oder Intranets) befinden. Sie können im Idealfall von jedem beliebigen PC innerhalb des Senders aufgerufen und abgespielt werden. Der digitale Sendeplan listet diese Komponenten chronologisch auf und kann sie entweder vollautomatisch oder per Mausklick abspielen. Musiksammlungen, Jingles und diverse Wortbeiträge liegen als Audiodateien auf Festplatten bereit.

Der Sendeplan kann dabei vollautomatisch, teilautomatisch oder zur Gänze von Hand programmiert werden. Reine Musikstrecken werden meist automatisch unter Einhaltung spezieller Kriterien erstellt. Der Redakteur gibt z. B. ein, welche Art von Musik gespielt werden soll und gibt gegebenenfalls die „Rotation“ vor, bei der errechnet wird, nach wie vielen Stücken ein Titel wiederholt werden kann. Die Musiktitel sind mit digitalen Metadaten (vergleichbar den MP3-Tags) versehen, die bestimmte Kriterien wie Musikstil, Geschwindigkeit oder Zielgruppe vorgeben. Nach diesen Kriterien kann der PC das Musikprogramm selbsttätig generieren, selbstverständlich können jederzeit Musikstücke „von Hand“ eingefügt werden, die flexibel in die Playlist eingebaut werden. Auch Jingles und Wortbeiträge werden in diesem Fall nach vorgegebenen Kriterien automatisch ins Programm eingefügt.

Die Wortbeiträge unterteilt man grob in Moderation, Jingles, Werbespots und andere Wortbeiträge, zum Beispiel Korrespondentenberichte oder Rubriken. Dazu kommen noch die Nachrichten und Servicebeiträge wie Wetter- oder Verkehrsbericht. Wegen der Aktualität werden Nachrichten, Moderation oder Servicebeiträge erst kurzfristig erstellt oder sogar live eingespielt (z. B. aus dem Nachrichtenstudio). Für diese Beiträge werden im Sendeplan sog. „Platzhalter“ eingebaut, die auf keine konkrete Datei verweisen, sondern später durch zwischenzeitlich angefertigte Programmbestandteile (z. B.: „Beitrag 1“) oder Live-Beiträge ersetzt („aktualisiert“) werden.

Die Software kann zu bestimmten Zeiten selbständig das laufende Programm unterbrechen und einen speziellen Audiostream (z. B. Nachrichten) übernehmen oder abgespeicherte Zeitansagen aufrufen. Anschließend kehrt das Programm zur Musikroutine zurück. Dieses Prinzip findet man häufig in den Nachtprogrammen kleinerer Privatsender oder in Nonstop-Musikschleifen. Viele Programmelemente werden zur Gänze vorproduziert und können jederzeit von der Festplatte abgerufen werden (z. B. Beiträge, Features, Magazinsendungen).

Es ist mittlerweile möglich, ganze Sendungen als Aufzeichnung ins laufende Programm einzufügen (Voice-Tracking). Diese Methode kommt oftmals bei Privatsendern zum Einsatz und wird meist aus Kosten- (sämtliche Ansagen werden am Stück produziert und erst später unter die Musik gemixt, obwohl kein Moderator anwesend ist) und Effizienzgründen („saubere“, versprecherfreie Moderation) angewandt. Insbesondere am Wochenende sind kaum noch Funkhäuser besetzt, dank vorher aufgezeichneter Shows, die automatisch in den jeweiligen Sendesystemen laufen.

Um Zeit einzusparen, werden bei manchen werbefinanzierten Popsendern gelegentlich Musikstücke gepitcht. Dabei wird die Abspielgeschwindigkeit leicht erhöht, um in einer Sendestunde trotz häufiger Werbeunterbrechungen mehr Musiktitel unterzubringen, oder um die Länge eines Musikstückes den knappen Zeitvorgaben anzupassen.

Live-Sendungen kommen mitunter ohne exakten Sendeplan aus; stattdessen wachen Moderatoren und Sendetechniker über die genaue Einhaltung des Zeitplans. Die Zuspielung vorbereiteter Beiträge, die Anwahl oder Vorbereitung der Musiktitel erfolgt nahezu immer am PC. Der Live-Moderator genießt eine große Freiheit beim Arrangieren vorbereiteter und (beispielsweise bei Wunschsendungen) direkt aufgerufener Musiktitel.

Die Finanzierung von Hörfunksendungen erfolgt entweder über Rundfunkgebühren oder über Einnahmen aus der Radiowerbung.

Sendeabwicklung Ähnlich wie beim Fernsehen ist der Schaltraum eines Hörfunksenders das Zentrum der technischen Sendeabwicklung und zugleich Knotenpunkt aller ein- und ausgehenden Tonsignale. Unter einem Tonsignal versteht man in erster Linie das sendefähige Endsignal, das direkt zu den Sendeanlagen weitergeleitet wird, daneben aber auch eingehende Beiträge von Korrespondenten, Außenstudios, Partnerstationen oder Übertragungswagen. Kleinere Stationen übernehmen die Nachrichten und diverse Mantelprogramme (z. B. moderierte Nachtprogramme) häufig von externen Dienstleistern, die Zuführung erfolgt meist über Satellit, in zunehmendem Maße auch online.

Deutschland Viele kleine Hörfunkstationen im kommerziellen Sektor arbeiten eng zusammen. Sie produzieren viele Beiträge gemeinschaftlich oder übernehmen ganze Sendestrecken von einem gemeinsamen Rahmenprogramm. Diese Radiosyndikate, die nach amerikanischem Vorbild entstanden sind, gibt es unter anderem in Bayern (BLR) und Nordrhein-Westfalen (Radio NRW). Sie produzieren als eigenständiger Dienstleister Nachrichten und Wortbeiträge, unterhalten ein eigenes Korrespondentennetz und produzieren ein oder mehrere Mantelprogramme, die von den Lokal- und Spartensendern zu bestimmten Zeiten übernommen werden. Die finanzielle Beteiligung an den Syndikaten richtet sich meist nach der Sendergröße (Marktanteil und Reichweite).

Die ARD betreibt ihren hocheffizienten Programmaustausch innerhalb eines eigenen technischen Netzwerks, des ARD-Sterns. Der Datenaustausch erfolgt über das HYBNET, ein extrem breitbandiges Intranet, an das sämtliche Rundfunkanstalten der ARD angeschlossen sind. Technischer Knotenpunkt ist das ARD-Sendezentrum in Frankfurt am Main.

Viele Radiostationen verwenden bei der Signalaufbereitung Soundprozessoren. Damit lässt sich z. B. das Sendesignal optimal an den vorgegebenen UKW-Spitzenhub von 75 kHz anpassen. Die Radiosender benutzen zur Beeinflussung der Klangdynamik Kompressoren, manche Stationen verwenden sie auch zur Kreation typischer „Sounddesigns“. Stark komprimierte Programme klingen oft „gequetscht“ und unnatürlich.

Digitale Hörfunksignale werden mit Analog-Digital-Umsetzern (A/D-Wandler) aus dem analogen Audiosignal erzeugt und mit einem der gängigen MPEG-Verfahren komprimiert. Vor der Weiterverbreitung über Satellit und/oder Kabel bzw. DAB+/DVB-T werden die Einzelsignale mithilfe sog. Multiplexer mit anderen Signalen (Fernsehprogramme, andere Radioprogramme, Datendienste) zu einem einheitlichen Transportstrom kombiniert. Die Senderzuführung erfolgt bei den meisten ARD-Programmen und mehreren Privatradios direkt über Satellit.

Übertragungswege Hörfunk wird verbreitet: über Antenne, s. Terrestrische Übertragung über Kabelnetz