Majos oder Mahos waren die Ureinwohner der Insel Lanzarote. Auch die ersten Einwohner der Insel Fuerteventura, die Majoreros, werden gelegentlich als Majos bezeichnet. Die erste Anwesenheit von Menschen auf Lanzarote ist für das 10. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. In der Zeit vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. bestanden enge Beziehungen zu Rom oder zu den unter römischem Einfluss stehenden Gebieten Nordafrikas. Diese Verbindungen brachen im Lauf des 4. Jahrhunderts n. Chr. vollkommen ab. Seit dieser Zeit lebten die Majos ohne Kontakte zu den anderen Inseln. In den folgenden etwa 1000 Jahren entwickelten sie eine eigene Kultur. Nach der Unterwerfung der Ureinwohner unter die Herrschaft der Krone von Kastilien im 15. Jahrhundert wurden die Majos durch verschiedene Maßnahmen der neuen Herrscher als eigenständige Ethnie ausgelöscht.

Erste Besiedlung der Insel Lanzarote Über die Herkunft der Urbevölkerungen und die Art, wie sie die der Kanarischen Inseln erreichten, gibt es verschiedene Hypothesen. Die „hipótesis mediterránea“ (Mittelmeer-Hypothese) wurde seit etwa 1980 als ein Modell geschaffen, um die Besiedlung der Kanarischen Inseln zu erklären. In ihr wird die Theorie vertreten, dass die Protagonisten der Besiedlung der kanarischen Inselgruppe phönizisch-punische Seefahrer waren, die Siedlergruppen aus dem „Círculo del Estrecho“ auf die Inseln brachten. Als „Círculo del Estrecho“ wird die ausgedehnte geopolitische Zone bezeichnet, die sich über den äußersten Süden der Iberischen Halbinsel und den westlichen Teil der nordafrikanischen Küste am Übergang des Atlantischen Ozeans zum Mittelmeer erstreckt.

Datierungen von archäologischen Funden zeigen, dass der Kolonisationsprozess auf der Insel Lanzarote zur Zeit des Übergangs zum 10. Jahrhundert v. Chr. begann. Zu dieser Zeit besuchten phönizische Seefahrer die Insel. Bei Ausgrabungen stießen die Archäologen auf Fundstücke einer Gemeinschaft, die dem phönizisch-punischen Kulturkreis des westlichen Mittelmeeres angehörte. Die Besiedlung der kanarischen Inselgruppe war kein einmaliger Vorgang, sondern zog sich über mehrere Jahrhunderte hin. Zweck dieser Ansiedlung war es vermutlich, einen Stützpunkt für den Kontakt mit dem westlichen Afrika zu errichten. Die fischreichen Gewässer und die guten Möglichkeiten der Salzgewinnung boten beste Voraussetzungen zur Herstellung von Pökelfisch und Garum. Außerdem gab es auf den Kanarischen Inseln Orseille und Drachenblut zur Herstellung von Farbstoffen. Die zwischenzeitlich vermutlich verminderten Beziehungen zwischen den Mittelmeerländern und den Kanarischen Inseln wurden von den Römern bzw. den damals zum römischen Kulturkreis gehörenden Mauretaniern um die Zeitenwende wieder verstärkt aufgenommen. Auf der zwischen Lanzarote und Fuerteventura liegenden Insel Lobos wurden Einrichtungen aus römischer Zeit gefunden, die auf die Herstellung von Farbstoff aus der Purpurschnecke hindeuten. Diese Verbindungen brachen nach dem Niedergang des römischen Imperiums im Lauf des 4. Jahrhunderts n. Chr. vollkommen ab. Zwischen den Inseln untereinander und der Außenwelt bestanden vermutlich zwischen dem 4. Jahrhundert und dem Ende des Mittelalters keine Kontakte. In diesen ca. 1000 Jahren entwickelten die Majos auf Lanzarote eine eigenständige Kultur.

Bevölkerungsentwicklung Historiker gehen davon aus, dass in der Phase der Besiedlung um die Zeitenwende die Bevölkerungszunahme recht hoch war, um dann etwas abzunehmen. In der Zeit vor den Kontakten mit europäischen Seefahrern im 14. Jahrhundert, war vermutlich ein Gleichgewicht zwischen der Bevölkerungszahl und den zur Verfügung stehenden Ressourcen erreicht, was dazu führte, dass Maßnahmen ergriffen wurden, um die weitere Zunahme der Bevölkerung zu verhindern. Berichte über eine geringe Anzahl von Frauen und einer Überzahl von Männern lassen darauf schließen, dass durch die Tötung von neu geborenen Mädchen die Geburtenzahlen vermindert wurden.

Die sanft abfallenden Küstengebiete der Insel Lanzarote bieten einen leichten Zugang vom Meer aus. Expeditionen von Genuesen, Portugiesen, Mallorquinern, Katalanen und Andalusiern kamen ab dem 14. Jahrhundert auf die Inseln, um Menschen zu fangen, die sie auf den Märkten im Mittelmeergebiet und auf der spanischen Halbinseln als Sklaven verkauften. Von einem der Angriffe, dem des Gonzalo Pérez Martel, Herr von Almonaster, auf die Bevölkerung von Lanzarote im Jahr 1393, berichtet die Chronik Heinrichs III. Die Seeleute landeten auf der Insel Lanzarote und nahmen den „König“, die „Königin“ und weitere 160 Personen als Gefangene.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Einwohnerzahl nach der Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln durch die Europäer waren Krankheiten, gegen die die Majos im Gegensatz zu den Eroberern nicht immun waren. Genauere Zahlen für alle Teile der Insel sind nicht bekannt, allerdings deutet eine Bemerkung in der Chronik „Le Canarien“ darauf hin, dass es sich um bedeutende Zahlen handelte. Es heißt dort, dass es unter den 100 Gefangenen eine große Sterblichkeit gab, obwohl die französische Besatzung des Fort Rubicon bei bester Gesundheit war.

Nach der Eroberung der Insel im Namen der Krone von Kastilien stieg die Bevölkerungszahl kurzzeitig an, nahm dann aber wieder ab, durch die Teilnahme der Majos als Hilfstruppen an Militäroperationen zur Eroberung der Insel Gran Canaria und der Eroberung der Insel Teneriffa ebenso wie durch die Expeditionen in die Gebiete der afrikanischen Atlantikküste nördlich des Kap Bojador, die durch die Verträge von Alcáçovas und Tordesillas Kastilien zugesprochen wurden. Missernten und das harte System der Lehensherrschaft bewirkten zu Beginn des 16. Jahrhunderts Wanderungsbewegungen auf die unter direkter königlicher Herrschaft stehenden Inseln Gran Canaria und Teneriffa.

Aussehen In dem Bericht „Le Canarien“ der die Unterwerfung der Insel durch Jean de Béthencourt aus zeitgenössischer Sicht beschreibt, wird erwähnt, dass die Kinder eine sehr helle Haut hatten, diese aber dadurch, dass die Menschen keine Bekleidung trugen, mit der Zeit gebräunt würde. Die ausdrückliche Feststellung, auch in anderen schriftlichen Überlieferungen, dass die Bewohner der Insel helle Haut hätten, beruht offenbar darauf, dass die Seefahrer auf Inseln, die so weit im Süden vor der afrikanischen Küste liegen, dunkelhäutige Menschen erwartet hatten.

Die Anzahl der archäologischen Funde von Knochen der Ureinwohner auf Lanzarote ist sehr gering. Bei einem großen Teil der Funde sind keine ganzen Skelette vorhanden. Daher können Anthropologen daraus keine wissenschaftlich begründeten Aussagen über das Aussehen der Majos ableiten. Auf der Grundlage der Knochenfunde von 33 männlichen und 22 weiblichen Majos wurde eine Größe von 1,70 m für die Männer und 1,60 m für die Frauen geschätzt.

Sprache

Auf jeder der Kanarischen Inseln wurde von der jeweiligen Urbevölkerung eine andere Sprache gesprochen. Diese Sprachen werden auf eine gemeinsame Ausgangssprache zurückgeführt. Es wird angenommen, dass die Unterschiede durch die über mehr als tausend Jahre andauernde isolierte Entwicklung der Kulturen entstanden sind. Die Sprachen zeigen eine Ähnlichkeit mit den Sprachen der Berber im Gebiet des nördlichen Afrikas. Daraus wird geschlossen, dass zumindest ein großer, die Sprache bestimmender Teil der Urbevölkerung aus dieser Gegend stammte. Durch den Zwang zur Anpassung an die durch die neuen Herrscher bestimmte Kultur verschwanden die Sprachen bis auf einige Orts- und Pflanzenbezeichnungen oder Fachbegriffe bis zum Ende des 16. Jahrhunderts.

Gesellschaft An der Spitze der Majos stand eine Person, die in den Berichten der Europäer als „König“ bezeichnet wird. Dieses Amt wurde in einer Familie vererbt. Es gab einen Rat von Personen höheren Ranges, den sie durch ihr Alter und ihre Herkunft erhielten. Der Rat war offenbar auch als oberstes Gericht tätig. Frauen spielten in der Gesellschaft eine besondere Rolle, da das Eigentum und die soziale Stellung vermutlich in der weiblichen Linie vererbt wurden. Außerdem wird in der Chronik Le Canarien berichtet, dass die Frauen jeweils mit drei Männern verheiratet waren.

Bestattung Es bestehen nahezu keine Informationen über die Bestattungstraditionen der Majos. Aus dem Zeitraum von mehr als 15 Jahrhunderten, von der Besiedlung der Insel Lanzarote bis zur Unterwerfung wurden bis zum Jahr 2016 die Überreste von nur 55 Verstorbenen dokumentiert. Bei einem großen Teil der älteren Funde sind der genaue Fundort und die Fundumstände nicht bekannt. Alle Feststellungen über die Art, wie die Majos ihre Verstorbenen bestattet haben, beziehen sich auf einzelne Fälle und können nicht als allgemeingültig angesehen werden.

Auf der Insel Lanzarote sind einige Fälle bekannt, in denen die Verstorbenen in Höhlen beigesetzt wurden. Das Vorhandensein von Grabhügeln auf Lanzarote ist nicht nachgewiesen. Es ist auffällig, dass im Verhältnis zur Anzahl auf den anderen Inseln, auf Lanzarote sehr wenige Beisetzugsorte gefunden wurden. Die Möglichkeit, dass alle potentiellen Fundstellen in den 1730er Jahren durch die Vulkanausbrüche zerstört oder überdeckt wurden, gilt als unwahrscheinlich. Nach einer anderen Theorie könnte die geringe Zahl von Beisetzungsstellen daraus resultieren, dass die Majos ihre Verstorbenen verbrannten. Im Kapitel XXXIII des Le Canarien wird von einem Fall berichtet, in dem eine Leiche verbrannt wurde. Auch in der römischen Kultur, mit der die Ureinwohner der Insel bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. in Verbindung standen, waren Feuerbestattungen üblich.

Wohnstätten Die Majos lebten zu einem großen Teil in Siedlungen, die aus mehreren Wohnstätten bestanden. Ihre Lage richtete sich nach dem Vorhandensein von Weideplätzen für das Vieh. Wichtigstes Auswahlkriterium für den Standort war aber die Ergiebigkeit der Wasserstellen in unmittelbarer Umgebung.

Aufgrund der geologischen Gegebenheiten spielen Höhlen als Wohnstätten auf Lanzarote nur eine untergeordnete Rolle. Die relativ geringe Anzahl der Höhlen und ihre Lage und Ausrichtung führten dazu, dass nur wenige Majos in Höhlen wohnten. Trotzdem gibt es einige Höhlen von historischer Bedeutung. Nach den überlieferten Berichten handelt es sich bei der Höhle, die zu der Fundstelle Zonzamas gehört, um die „Residenz“ des letzten „Königs“ der Insel Luis de Guardafía. Diese Höhle war durch Mauern in verschiedene Räume geteilt. Die Höhle ist Teil einer Siedlung, die aus weiteren Gebäuden besteht.

Die „Casas hondas“ (tiefe Häuser) waren in die Erde gegraben, sodass die Hälfte der Wohnung oder etwas mehr unter dem Niveau der Erde lag und nur Teile der Mauer, die aus unbehauenen aber gleichmäßig geformten Steinen errichtet waren, darüber hinausragten. Die Grundrisse waren kreisförmig oder oval, in seltenen Fällen auch rechteckig. Die Eingänge, mit mehreren Stufen, waren nach der windabgewandten Seite gerichtet. Diese Art von Gebäude wurden sowohl zum Wohnen als auch als Lagerräume genutzt.

Wirtschaft und Ernährung Das Ökosystem Lanzarotes erlaubte keine bedarfsdeckende Sammelaktivität von pflanzlichen Produkten. Die Samen wild wachsender Pflanzen wie Gänsefüße, Süßgräser, Flug-Hafer, Avena canariensis, eine endemische Art der Mittagsblume, Ästiger Affodill usw. wurden gesammelt, geröstet und zu Gofio vermalen. Die autochthonen Kanarischen Dattelpalmen wachsen am Grund von Barrancos und in feuchten Gegenden der Insel Lanzarote. Die Früchte sind kleiner und weniger fleischig als die der Echten Dattelpalme. Sie enthalten viel Zucker und sind daher sehr nahrhaft. Die Früchte spielten eine bedeutende Rolle in der Ernährung der Majos. Nach dem Regen entwickelt sich auf der Insel Lanzarote in Symbiose mit den Wurzeln des Sonnenröschens (Helianthemum canariense) ein unterirdischer Pilz der Wüstentrüffel Terfezia canariensis. Auf den Inseln konnte das Vorhandensein anderer Pilzarten vor der Unterwerfung durch die Europäer im 15. Jahrhundert nicht nachgewiesen werden.

Tierhaltung