Der Französischunterricht dient der Entwicklung des Hörverstehens-, Hör-Seh-Verstehens-, Sprech-, Lese-, Schreib- und Sprachmittlungskompetenz in der französischen Sprache. Auf höherem Niveau zielt er traditionell besonders auf die Entwicklung der Fähigkeit, französischsprachige literarische Texte zu verstehen. Als Fremdsprachenunterricht umfasst er über die Beschäftigung mit Sprache und Literatur hinaus meist auch landeskundliche und interkulturelle Anteile.

Französischunterricht in Schulen Deutschlands Französisch als Fremdsprache wird von ca. 15 Prozent der deutschen Schüler erlernt (Englisch 95 Prozent). Es wird vor allem an Gymnasien unterrichtet, wo es traditionell mit Latein konkurriert, in jüngerer Zeit auch mit dem Unterricht anderer moderner Fremdsprachen wie Spanisch, Russisch oder anderen.

Die Etablierung des Französischen als Lehrfach in Deutschland Französisch wird in Deutschland seit dem Mittelalter unterrichtet, zu dieser Zeit hauptsächlich von Hauslehrern an Höfen, die die jungen Adligen auf ihre Rittertouren vorbereiteten. Ein besonderer Aufschwung ist im 17. Jahrhundert (Ludwig XIV.) und im 18. Jahrhundert (Aufklärung und Französische Revolution) aufgrund der kulturellen Dominanz in Europa zu verzeichnen. Eine Eingliederung in die Universität und in die Gymnasien fand aber erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts statt; Hintergrund war die wirtschaftliche Entwicklung und der Bedarf an französischkundigen Vertretern deutscher Ideen und Produkte.

An der Universität wurde Französisch zunächst von Lektoren, allmählich auch von philologisch ausgebildeten Professoren unterrichtet. Dies ließ das Fache sich verwissenschaftlichen und entfernte es von der praktischen Anwendung. Die romanischen Sprachen wurden vorwiegend auf Deutsch und abstrakt (Grammatik und historische Philologie) behandelt. Parallel wurde Französisch nach wie vor in Privatschulen gelehrt, in denen die Praxis im Vordergrund stand und die Sprache durch Sprechen erlernt wurde (direkte Methode). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boten die Realgymnasien Französisch verstärkt an, im Unterricht herrschte als Vermittlungstechnik die Grammatik-Übersetzungsmethode vor. In der Zeit des Nationalsozialismus sorgte Adolf Hitler im Fremdsprachenunterricht für die Bevorzugung des Englischen gegenüber dem Französischen. Eine erste methodische Wende fand mit der Rezeption des Behaviorismus in den 1960er-Jahren statt. Nicht mehr Grammatik und Übersetzung standen im Mittelpunkt, sondern die Nachahmung und Wiederholung (Imitation und Repetition) mit dem Ziel einer reflexartigen Handhabung von Sprachstrukturen. Als Reaktion darauf entstand die kommunikative Wende, eingeleitet in Deutschland durch Hans-Eberhard Piepho (1974). Hier wurde der Akzent auf die Authentizität des Diskurses gelegt (kommunikative Kompetenz nach dem Modell von Jürgen Habermas). Diese Perspektivenverschiebung lenkte den Blick auf die Schüler und leitete eine Bewegung ein, deren Höhepunkt heute mit der Lernerautonomie erreicht wird.

Französisch als Pflicht in der deutsch-französischen Grenzregion

Im Land Baden-Württemberg wird seit Schuljahr 2003/2004 ab der 1. Grundschulklasse (6 Jahre) verpflichtend eine Fremdsprache mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Am Oberrhein nahe der französischen Grenze (bis ca. 15 Kilometer Entfernung) ist das Französisch. Im übrigen Baden-Württemberg ist die erste Pflichtfremdsprache Englisch.Frontaliers Grand Est. Das Lernen von Fremdsprachen in Baden-Württemberg Die Gebiete für Französischunterricht an Grundschulen wurden per Kabinettsbeschluss am 20. November 2001 festgelegt.

2007 versuchte Baden-Württembergs schwarz-gelbe Regierung, Französisch als Pflicht-Fremdsprache auch auf Gymnasien im Grenzgebiet mit Frankreich zu verankern. Alle Fünftklässler an Gymnasien in unter 30 Kilometern Entfernung zur französischen Grenze sollten Französisch anstelle von Englisch als erste Pflicht-Fremdsprache lernen, so lautete eine Rechtsverordnung des Kultusministeriums. Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) begründete die Initiative damit, dass Französischlernen Kindern den Weg in die Mehrsprachigkeit erleichtere und auf dem Arbeitsmarkt Vorteile bringe.

Allerdings wurde die Rechtsverordnung vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim gekippt, nachdem ein Karlsruher Schüler und seine Mutter einen Eilantrag dagegen gestellt hatten. Die Umstellung auf Französisch erfordere ein Gesetz des Landtags, so das Gericht. Die Regierung verfolgte das Projekt nicht weiter.

Die Methodikdiskussion im 20. Jahrhundert Bildungstheoretisch orientierte Didaktik: Grammatik-Übersetzungsmethode Die im Unterricht angewandten Methoden hängen eng zusammen mit den Zielsetzungen, die im jeweiligen historischen Kontext vorherrschen. Die Dominanz der Grammatik-Übersetzungsmethode am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich vor dem Hintergrund des Neuhumanismus begreifen: Wie auch Griechisch und Latein wurde Französisch in erster Linie wegen des klassischen Bildungsideals unterrichtet. Der Zögling sollte mit den kulturellen Produktionen Frankreichs vertraut werden und durch die Begegnung mit den in der Romania entstandenen hervorragenden Kulturgütern selbst wachsen. Die Lehrwerke zeigten entsprechende Merkmale: Inhalte: narrative Texte über wichtige Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Politik Sprachebene: Schriftsprache (passé simple, hypotaktischer Stil) Übungen: Übersetzungen, Einsetzübungen für komplizierte grammatikalische Phänomene Lerntheoretischer Hintergrund: Starke kognitive Orientierung Vorteil: Der Stoff wird kognitiv durchdrungen. Nachteil: Die Sprechfertigkeit wird kaum geübt.

Lernerorientierte Didaktik: behavioristische Wende Im Anschluss an die in den USA entwickelten Lernprogramme sollten die Lerner mit „sets of habits“ ausgestattet werden und im Sprachlabor Sprachautomatismen erwerben. Insofern stand nicht mehr der Stoff, sondern der Lernende im Mittelpunkt. Er sollte mit sprachlichen Reflexen ausgestattet werden, um in Alltagssituationen im Zielland zu bestehen. Die Lehrprogramme zeigen entsprechende Merkmale: Inhalte: Dialoge über Alltagssituationen Sprachebene: Gesprochene, Dialogsprache Übungen: Pattern-Drills Vorteil: Die Sprachstrukturen werden automatisiert. Nachteil: Die Inhalte unterfordern den Lernenden.

Kommunikative Didaktik Mit der kommunikativen Wende blieb der Lernende im Mittelpunkt, allerdings nicht mehr als reflexartig Reagierender, sondern als aktives Subjekt, das Wünsche (Sprechintentionen) realisiert. Die Lehrwerke zeigen entsprechende Merkmale: Inhalte: Die Texte sollen Konflikte aufzeigen, die die Lerner zu persönlichen Stellungnahmen anregen. Sprachebene: Vorrang der Sprachproduktion gegenüber der Sprachkorrektheit, Fehler werden akzeptiert Übungen: Der Lernende wird aufgefordert, seine Meinung zu äußern. Vorteil: Die Lernenden gewinnen an Sprechfertigkeit, die Angst vor Fehlern wird abgebaut. Nachteil: Die Qualität der Sprache wird vernachlässigt; die kommunikative Kompetenz erreicht schnell ihre Grenzen.

21. Jahrhundert: Konstruktivistische Didaktik und Lernerautonomie miniatur|hochkant=1.4|Anwendung von LdL im Französischunterricht: Schülerin führt neuen Wortschatz ein

Eine Radikalisierung der Lernerorientierung erfolgt mit der konstruktivistischen Didaktik. Aus deren Sicht kann Wissen nicht von außen direkt vermittelt werden, sondern der Lerner konstruiert sein Wissen auf der Grundlage des vorgefundenen Materials selbst (vgl. Lernorientierung (Fremdsprachenunterricht). Lehrer und Lehrwerke müssen dem Lerner helfen, sein Wissen aufzubauen. Eine interessante Variante des konstruktivistischen Unterrichts ist die Methode Lernen durch Lehren (LdL), die von ihren Vertretern (bes. Jean-Pol MartinJean-Pol Martin: Zum Aufbau didaktischer Teilkompetenzen beim Schüler. Fremdsprachenunterricht auf der lerntheoretischen Basis des Informationsverarbeitungsansatzes, Dissertation. Tübingen: Narr. 1985)) als Integration aller bisher diskutierten Ansätze verstanden wird. Bei LdL vermitteln sich die Lerner die im Lehrwerk verdichteten Inhalte arbeitsteilig gegenseitig. Auf diese Weise werden die Inhalte kognitiv angegangen (kognitivistisch Komponente), die Sprachstrukturen werden automatisiert (behavioristische Komponente) und die Lerner sprechen authentisch miteinander (kommunikative Komponente) die Lerner bringen einzelne Wissensbausteine ein und konstruieren ihr Wissen gemeinsam (konstruktivistische Komponente). Der gesamte Unterricht wird zu einem Projekt umgestaltet, bei dem alle Beteiligten Wissen gemeinsam konstruieren. Hier sollen Erkenntnisse der Gehirnforschung für den Unterricht fruchtbar gemacht werden, indem die Klasse zum neuronalen Netz umgeformt wird.

Die Frage der Motivation Wenn schon Konstruktion, dann stellt sich die Frage der Inhalte. Vor allem in höheren Klassen scheint es, dass die alleinige Vermittlung von Sprachstrukturen und Sachwissen nicht ausreicht, um Schüler dauerhaft zu motivieren. Aus der Sicht einiger Fachdidaktiker sollte sich der Französischunterricht, der bezogen auf die Schülerzahlen in der Krise steckt, stärker an der pädagogisch-anthropologischen Reflexion orientieren. Alle Untersuchungen weisen darauf hin, dass Menschen, darunter auch die Schüler, für ihr Tun einen Sinn brauchen, der über sie hinausweist. Gerade das Fach Französisch bietet die Möglichkeit, über Sinnfragen zu reflektieren und Projekte durchzuführen, die eine Europäische Dimension aufweisen. Eine intensive Beschäftigung mit den Problemen und Chancen der Globalisierung sowie das Angebot von Projekten, die in Hilfe einmünden (beispielsweise in frankophonen afrikanischen Ländern) könnte dem Fach eine neue Modernität und Attraktivität verleihen (vgl. Martin 2002 – siehe Weblink).

Internationale Diplome Zur Vereinheitlichung der Standards und um die Lerner zu motivieren, Französisch als Lernfach zu wählen, wurden Diplome eingeführt, die von einem zentralen Gremium (Commission nationale) verliehen werden. Es sind dies das DELF (Diplôme d'études en langue française) und das DALF (Diplôme approfondi de langue française). Der DELF entspricht etwa vier Jahren Schulfranzösisch. So werden in Deutschland alle Realschüler und Gymnasialschüler, die Französisch als Wahlfach (vier Jahre Französisch) belegen, auf den DELF B1-B2 vorbereitet. Der DALF entspricht einem Niveau, das Studenten ermöglicht, in Frankreich zu studieren.

Gesellschaftlich-politische Dimension Französisch gibt es als erste Fremdsprache vor allem im Saarland, meist wird es als zweite, dritte oder vierte Fremdsprache angeboten; es wird daher faktisch nur von wenigen gesprochen; der kulturelle Austausch mit dem Nachbarland ist daher begrenzt, der kulturelle Einfluss der angloamerikanischen Welt auf Deutschland einerseits und Frankreich andererseits verstärkt sich.

Auch stellt sich die Frage nach dem politischen Willen, wenn Französisch in Deutschland von 15 Prozent der Schüler erlernt wird, im EU-Durchschnitt aber von 30 Prozent der Schüler (Daten Eurostat für 2024). Hier gewinnt Spanisch hinzu, während Französisch und Deutsch verlieren.

Seit 1963 finden durch die Aktion des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW/OFAJ) verschiedene Austauschprogramme statt.

Französischunterricht in Schulen Österreichs