mini|hochkant=1.2|Glockenstraße 6 (2016), seit 2026 Petrischule Die Petrischule Leipzig ist heute eine als sächsische Oberschule fungierende Bildungseinrichtung im Seeburgviertel im Ortsteil Zentrum-Südost von Leipzig, deren Ursprünge bis auf das Jahr 1834 reichen. Als Realgymnasium hatte sie lange Zeit auch eine Abiturstufe.
Geschichte mini|1. Bürgerschule, Schillerstraße 9 Ab 1796 entstand an der späteren Schillerstraße auf den Resten der Leipziger Moritzbastei nach Entwürfen von Johann Carl Friedrich Dauthe und August Wilhelm Kanne in zwei Bauabschnitten ein städtisches Schulgebäude, welches die 1. Bürgerschule beherbergte.Wolfgang Hocquél: Leipzig. Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart. Passage-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-932900-54-5, S. 122 f. Am 5. Mai 1834 wurde hier mit zunächst wenig Räumlichkeiten die erste Realschule im Königreich Sachsen mit 25 Schülern unter dem Direktor und Schulreformer Johann Karl Christoph Vogel gegründet, der ab 1832 schon der Bürgerschule vorstand.Franz Giesel 1884, S. ; Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 17. 1859 konnte sich die Schule erweitern und den Westflügel des Gebäudes beziehen, der bis dahin dem städtischen Museum vorbehalten war.Franz Giesel 1884, S. 4. Ostern 1861 erfolgte die Anhebung der Klassenstufen von vier auf sechs, und ein Jahr später erhielt nach dem Tod Vogels die Realschule mit Karl Theodor Wagner (1808–1881) einen ersten eigenständigen Direktor.Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 4, 39. 1868 wurde die Schule als Realschule 1. Ordnung anerkannt. Die Anzahl der Schüler wuchs stetig, bereits 1872 gab es Probleme, die auf 628 angewachsene Zahl unterzubringen. Untere Stufen der mittlerweile 19 Klassen mussten ab Ostern des Jahres in die Alte Nikolaischule ausweichen. Am 11. Oktober 1873 wurde das neue Haus in der Sidonienstraße Ecke Floßplatz (heute Paul-Gruner-Straße) eingeweiht.Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 41. mini|Petrischule, Sidonienstraße 50 (1912) mini|Ehemalige Petrischule, Paul-Gruner-Straße (2019) mini|Der Eingangsbereich
Bereits 1883 wurde an der Schule unter Anleitung des Turnlehrers Fußball gespielt, so dass die Petrischule als die Wiege des Fußballs in Leipzig gilt.Horst Sachse: Fußball in und um Leipzig. Von den Anfängen bis 1945 (= Leipziger Kalender. Sonderband), hrsg. von der Stadt Leipzig, der Oberbürgermeister, Stadtarchiv. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2000, ISBN 3-934565-14-X, S. 11.
1884 wurde die Einrichtung nach den königlich-sächsischen gesetzlichen Neuregelungen (Veränderte Bestimmungen über die Realschulen I. und II. Klasse betreffend) in eine neunjährige Oberrealschule umgewandelt, die zum Abitur führte.Franz Giesel 1884, S. 6. Ab dem 15. Februar des Jahres trug sie somit die Bezeichnung Realgymnasium.Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 43. 1907 entstand am Nordplatz in Leipzig eine zweite Oberrealschule mit gymnasialer Ausrichtung (heute die Leibnizschule), so dass der Einrichtung nach der Lage in der Kirchgemeinde der 1885 errichteten Peterskirche durch den Rat der Stadt der Name Petrischule verliehen wurde.Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 48. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude teilweise zerstört.Gisela Diecke: Vorwärts im Geiste Dimitroffs! Umbenennung der Petri-Oberschule in Georgi-Dimitroff-Oberschule anläßlich ihres 125jährigen Bestehens. In: Leipziger Volkszeitung vom 9. Mai 1959, S. 6. [Anm.: Diecke war laut Quelle Sekretärin der Parteiorganisation der Schule]
Nach 1945 war der Schulbesuch auch Mädchen erlaubt, und ab 1949 wurden nur noch die Klassenstufen 9–12 in naturwissenschaftlicher und sprachlicher Orientierung unterrichtet. 1959 erhielt die Schule im Rahmen des 125. Jahrestages des Bestehens den Namen „Georgi Dimitroff“ und wurde ab 1965 eine Erweiterte Oberschule (EOS) mit neusprachlichem Unterricht u. a. auch in Spanisch und Italienisch. 1971 vollzog sich eine Aufteilung der Schule: Die höherklassige EOS zog in die Tarostraße (seit 1992 Anton-Philipp-Reclam-Schule), die Einrichtung in der Paul-Gruner-Straße wurde als Polytechnische Oberschule (POS) weitergeführt. 1974 erhielt sie den Namen „Hermann Duncker“. Diese wurde 1991 wieder Petrischule benannt und nun als eine sechsklassige MittelschulePetrischule. Mittelschule 1996. bzw. seit 2013 als Oberschule geführt.
Standorte und Schulformen 1834–1873: Schillerstraße 9 (jetzt Kurt-Masur-Platz); Realschule ab 1873: Paul-Gruner-Straße 50 (ehemals Sidonienstraße); Realschule, Realgymnasium, Erweiterte Oberschule, Polytechnische Oberschule, Mittelschule, Oberschule seit Sommer 2026: Glockenstraße 6; Oberschule
Gebäude 1873–2026 Das im klassizistischen Stil errichtete Gebäude der Petrischule ist eine Dreiflügelanlage mit zwei unterschiedlich langen Seitengebäuden. Dem Straßenverlauf geschuldet setzen diese nicht senkrecht am Hauptbau an. Dieser, wie die Seitenflügel dreigeschossig, besitzt 19 Fensterachsen zur Paul-Gruner-Straße. Die Ecken treten, durch Absätze in den Walmdächern betont, leicht risalitartig hervor. Mit über vier Metern nach der Straße und dem Hof tritt der mit einem Pyramidendach bedeckte überhöhte Mittelteil aus dem Baukörper heraus. Er enthält den als fünfbogige Loggia gestalteten Eingangsbereich. Zwischen den Rundbogen sind die Büsten von Leibnitz, Goethe, Humboldt und Lessing angebracht. Die Rundbogen wiederholen sich an den hohen Fenstern der zweiten Oberetage. Dahinter befindet sich die Aula, die den Namen Beethovensaal trägt.
Der Architekt des Gebäudes, wie auch der gleichzeitig errichteten benachbarten 3. Bürgerschule (heute Schule am Floßplatz), war der Dresdner Karl Weißbach. Das Gebäude steht unter DenkmalschutzListe der Kulturdenkmale in Leipzig-Zentrum-Süd#PS, ID-Nummer 09297194, zwischen 1991 und 1995 kam es zu einer umfangreichen Rekonstruktion des Hauses.
Bedeutende Rektoren und Lehrende (Auswahl) Johann Karl Christoph Vogel (Theologe und Pädagoge), Rektor 1834–1862 Anton Benedict Reichenbach (Theologe, Pädagoge und Entomologe), Lehrer der Naturwissenschaften 1834–1864Franz Giesel 1884, S. 9; Martin Schulz: Von Holteis "Blumenstrauß" und Dr. Reichenbachs "Universalbilderbuch". Fundstücke zum Buch der Liebe. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (2014), Nr. 182, , S. 3–7. Otto Delitsch (Geograf), Lehrer für Religion, Latein und Geografie 1850–1882Franz Giesel 1884, S. 10. Christoph Heinrich Hirzel (Chemiker und Erfinder), Lehrer für Chemie 1855–1856 August Wünsche (Theologe und Judaist), Lehrer 1865–1868Franz Giesel 1884, S. 14. Richard Rühlmann (Mathematiker, Pädagoge und Politiker), Lehrer für Geometrie 1866–1868 Fedor Flinzer (Illustrator, Autor und Pädagoge), Zeichenlehrer 1873–1911 Karl Franz Giesel (Mathematiker), Rektor 1873–1892Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 13; . Georg Oertel (Klassischer Philologe, Politiker und Chefredakteur), Lehrer für Deutsch, Latein, Geschichte und Geografie 1880–1894Franz Giesel 1884, S. 13. Eugen Mogk (Nordist und Volkskundler), Lehrer für Religion, Deutsch, Geografie und Geschichte 1883–1919Franz Giesel 1884, S. 16. Johannes Eduard Böttcher (Mathematiker und Pädagoge), Rektor 1892–1912Robert Stein, Gerhard Steiger 1934, S. 14; . Otto Fischer, Rektor 1912–1916 Arthur Haferkorn (Maler, Zeichner), Zeichenlehrer 1912–1920
Bekannte Schüler (Auswahl) Bruno Tröndlin (1835–1908), Mitglied des Reichstages und Oberbürgermeister von Leipzig Max Klinger (1857–1920), Maler Alfred Ackermann-Teubner (1857–1941), Verleger Arthur Krause (1882–1972), Pädagoge, Astronom und Globenmacher Hans Rudolphi (1885–1955), Geograph Erich Zeigner (1886–1949), Jurist, Oberbürgermeister von Leipzig Helmut Klocke (1904–1987), Agrarsoziologe, Germanist und sozialwissenschaftlicher Südosteuropaexperte Gustav Batereau (1908–1974), Bauingenieur Ude Nissen (1921–1993), DirigentDie "Petriner" stehen vor festlichen Tagen. 125jähriges Jubiläum an der Petri-Oberschule - Einst kleines Beginnen - Jetzt große Zukunft. In: Die Union vom 18./19. April 1959. Rolf Apreck (1928–1989), Opernsänger Kurt Dehnicke (1931–2011), Chemiker Klaus Renft (1942–2006), Musiker Jana Milev, Künstlerin und Soziologin Lukas Binder (* 1992), Handballer
Trivia 1958 wurde auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden das Ölgemälde von Hans Becher Porträt des Lehreraktivisten Dr. Eichler, Direktor der Petrioberschule Leipzig gezeigt.
Literatur Johann Karl Christoph Vogel: Zu einem Rede-Actus, welchen die städtische Realschule zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens künftigen Dienstag, den 15. October c. Vormittags um 9 Uhr zu veranstalten gedenkt. Friedrich Ries, Leipzig 1844. Denkschrift in Betreff der städtischen Realschule zu Leipzig. Als Manuskript gedruckt. J. F. Fischer, Leipzig , , . Johann Karl Christoph Vogel: Kurze Geschichte der städtischen Realschule zu Leipzig. In: Zu der g. B. am 30. März 1860 zu haltenden öffentlichen Prüfung der städtischen Realschule zu Leipzig ladet [...] ein der Director Dr. Vogel. Ries’sche Buchdruckerei, Leipzig 1860, S. -22, . Franz Giesel: Historisch-statistische Mitteilungen über die ersten 50 Jahre der städtischen Realschule zu Leipzig, B. G. Teubner, Leipzig 1884, , . Hermann Barge: Gründung der ältesten sächsischen Realschule Leipzig und ihre ersten Schicksale. In: Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte 7 (1897), Nr. 3, S. 301–331, (Digitalisat Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, abgerufen am 17. Januar 2019). Robert Stein, Gerhard Steiger: Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Petrischule zu Leipzig. 1834–1934, hrsg. von der Vereinigung ehemaliger Abiturienten der Petrischule zu Leipzig E. V. Verlag F. Ernst Steiger, Leipzig 1934, . Petrischule. Mittelschule. In: Schulen in Leipzig 1996, Hrsg.: Stadt Leipzig, der Oberbürgermeister, Schulverwaltungsamt. Leipzig 1996, S. 128.
Weblinks
Website der Petrischule Leipzig Geschichte der Petrischule Leipzig
Einzelnachweise
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