Wedemark ist eine Gemeinde in der niedersächsischen Region Hannover, mit dem Verwaltungssitz im Ortsteil Mellendorf. Der Gemeindename bezieht sich auf die historische Landschaftsbezeichnung der Wedemark, weswegen üblicherweise ausschließlich von „der Wedemark“ oder „der Gemeinde Wedemark“ gesprochen wird. Seit 2008 hat die Gemeinde Wedemark auf Beschluss der Landesregierung den Status der selbständigen Gemeinde.Nds. MBl. S. 1153, verkündet am 26. November 2008.
Geografie Lage Die Gemeinde Wedemark grenzt an Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen, Garbsen und Neustadt am Rübenberge (alle Region Hannover) sowie an Lindwedel (Heidekreis) und Wietze (Landkreis Celle) (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten).
Gemeindegliederung mini|Karte der Ortsteile der Gemeinde Wedemark
Die Gemeinde Wedemark gliedert sich in die folgenden Ortsteile:Zahlen und Daten. In: Webseite Gemeinde Wedemark. Abgerufen am 4. Oktober 2017.Gemeindeentwicklungsplan. (PDF; 16,2 MB) In: Webseite Gemeinde Wedemark. S. 33 ff. Abgerufen am 26. Februar 2023.
(Stand der Bevölkerungszahlen: 31. Dezember 2021)Bevölkerungsentwicklung und -bestand. (PDF; 115 kB) In: Webseite Gemeinde Wedemark. Abgerufen am 27. Januar 2026.
Flächenaufteilung Quelle: Bodenflächen in Niedersachsen nach Art der tatsächlichen Nutzung 2016, Stand: 31. Dezember 2015
Geschichte mini|Typischer Bauernhof in der Wedemark
Die heutige Gemeinde Wedemark ist durch den freiwilligen Zusammenschluss mehrerer Siedlungen für gegenseitige Schutz- und Hilfeleistung entstanden. Der Name „Wedemark“, der auf eine „Mark“, einen Grenzbereich, hinweist, soll auf die Adelsfamilie der Billunger zurückgehen, die zwischen 950 und 1106 in den sächsischen Gauen herrschte. Lage oder gar Existenz der Mark der Billunger sind nicht belegt. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte man im östlichen Teil der Wedemark die Amtsvogtei Bissendorf eingerichtet. Sie und die Amtsvogtei Burgwedel unterstanden der herzoglichen Vogtei in Celle. In Brelingen, auf dem Brelinger Berg und in Mellendorf hielten die herzoglichen Vögte Gericht. Die Lüneburger Amtsvogtei Bissendorf grenzte im Süden und Westen an das Fürstentum Calenberg, hier an das Amt Langenhagen sowie an die Ämter Ricklingen und Neustadt am Rübenberge. Im Norden und Osten lagen die Vogteien Burgwedel, Essel und Winsen. Der Fluss Wietze bildete die natürliche Grenze zwischen den Amtsvogteien Bissendorf und Burgwedel sowie zwischen den Bistümern Minden und Hildesheim.
Landwirtschaftlich war der überwiegend sandige, anderenorts aber moorige und sumpfige Boden (Bissendorfer Moor) um Mellendorf kaum ertragreich. Nur anspruchsloser Buchweizen konnte angebaut werden. Pferde-, Ochsen- und Honighandel waren Erwerbsgrundlage. Im Jahre 1854 errichtete man in Mellendorf eine Windmühle; Wind- und Wassermühlen prägten im 19. Jahrhundert das Landschaftsbild der Wedemark. Am Mellendorfer „Lönssee“ war eine Ziegelei aufgebaut worden, die den hier lagernden Ton verarbeitete. Die Wirtschaftsentwicklung der strukturschwachen Wedemark begann mit der Anlage der Eisenbahnstrecke Langenhagen–Schwarmstedt, die 1889 in die Flurräume von Bissendorf und Mellendorf gelegt wurde. Zwei Jahre später legte man die Bahnhöfe in Bissendorf, Mellendorf, Bennemühlen, Lindwedel und Hope an.
Mit dem Gesetz zur Bildung des „Großraumes Hannover“ von 1962 gliederte man den Landkreis Burgdorf, zu dem seinerzeit die heutigen Wedemärker Ortsteile gehörten, in diesen Zweckverband ein. Durch das „Hannover-Gesetz“, eine Gebietsreform zum 1. März 1974, wurden die vorher 16 selbstständigen Gemeinden (Auflistung siehe Stadtgliederung) zur Gemeinde Wedemark zusammengefasst, die seither deren 16 Ortsteile bilden.Zur Gebiets- und Verwaltungsreform in Niedersachsen lies ausführlich: Matthias Blazek: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen, ibidem-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9. Der Name „Wedemark“ wurde gewählt, weil es eine historische und naturräumliche Landschaftsbezeichnung ist, in der die Ortsteile liegen. Ein gleichnamiger Ort existiert nicht. Als Verwaltungszentrum wurde das zentral gelegene Mellendorf bestimmt. Seit dem 1. November 2001 gehört die Gemeinde Wedemark zur Region Hannover. 2011 wurde ein 17. Ortsteil geschaffen, indem die zu Wennebostel und Bissendorf gehörenden Siedlungen Wennebostel-Wietze und Bissendorf-Wietze zum neuen Ortsteil Bissendorf-Wietze zusammengelegt wurden.
Einwohnerentwicklung
Die Gemeinde gilt als vornehme Wohnregion und liegt im nördlichen Einzugsbereich der Landeshauptstadt Hannover. Sie belegt beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen einen Platz unter den ersten drei Kommunen in Niedersachsen. Die Gemeinde besteht aus einigen Dörfern (Ortsteilen), die durch gute Verkehrserschließung (S-Bahn Hannover, die Nähe zu den Autobahnen A 2 und A 7) und durch gute Naherholungsmöglichkeiten (Nähe zur Lüneburger Heide und relativ schnelle Erreichbarkeit von Harz sowie Nord- und Ostsee) eine hohe Attraktivität besitzt.
Durch die Nähe zur Landeshauptstadt und die S-Bahn-Verbindung im Jahr 2000 ist die Gemeinde seit den 1980er Jahren von damals 24.000 Einwohnern auf heute rund 30.000 Einwohner schnell gewachsen und ein bevorzugter Wohnort geworden.Tabelle EVAS 12411, Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus 2022, Stand 31. Dezember 2024 (Hilfe dazu).
Politik
mini|Das Logo der Gemeinde Wedemark
Rat der Gemeinde Wedemark Kommunalwahl 2021 Bei der Kommunalwahl am 12. September 2021 gingen in der Gemeinde Wedemark 65,3 % der Wahlberechtigten zur Wahl und vergaben die 36 Sitze im Gemeinderat so: SPD 11 Sitze, CDU 11 Sitze, GRÜNE 6 Sitze, FDP 2 Sitze und AfD 2 Sitze. Weiter erhielten je einen Sitz Tierschutzpartei sowie die Wählervereinigungen WFW, WPW und WWR. Von den Mitgliedern des Gemeinderates sind 13 Frauen.https://www.wedemark.de/allris/pa021.asp?SORT=1kpparteiAbruf am 9. März 2023
Kommunalwahl 2016 Die Kommunalwahl am 11. September 2016 hatte zu folgender Sitzverteilung geführt: SPD 11 Sitze, CDU 13 Sitze, Grüne 3 Sitze, FDP 2 Sitze, AfD 2 Sitze. Je einen Sitz erhielten Wählergruppe WGW, Bündnis C – Christen für Deutschland, die Linke und die Wählergruppe WWR Hinzu kam ein fraktionsloses Ratsmitglied.WahlenRegionHannover.de, Abruf am 24. November 2021
Bürgermeister Seit dem 9. Februar 2014 ist Helge Zychlinski (SPD) Bürgermeister der Gemeinde Wedemark. In der Stichwahl zum Bürgermeister 2021 wurde Zychlinski mit 54,40 Prozent im Amt bestätigt. Gegenkandidat war Marco Zacharias (CDU). Seine Stellvertreterinnen und sein Stellvertreter sind Jessica Borgas (CDU), Jean-Pascale Schramke (SPD)Stellvertreter/innen des Bürgermeisters. In: Webseite Gemeinde Wedemark. Abgerufen am 26. Juni 2022. und Frank Gerberding (SPD)
Ortsräte Die Ortsteile der Gemeinde Wedemark werden von insgesamt 77 Ratsmitgliedern in elf Ortsräten vertreten. Seit der Kommunalwahl 2021 verteilen diese sich wie folgt: +OrtsteileSPDCDUGrüneFDPBCWGparteilos∑Bissendorf2421 - - -9Bissendorf-Wietze2311 - - -7Brelingen121 - -3a -7Hellendorf22 - -1 - -5Resse21 - - -4b -7Scherenbostel1211 - - -5Abbensen, Duden-Rodenb., Negenborn421 - - - -7Elze, Meitze3311 -1c -9Bennemühlen, Berkhof, Oegenbostel -3 - - -4b -7Mellendorf, Gailhof3321 - - -9Wennebostel -31 - - -1d5∑2028105112177 a Wählergemeinschaft Wedemark, b Wählergemeinschaft Wedemark Resse, c Wählergemeinschaft Pro Wedemark, d Einzelkandidat: Bernd Schrader
Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens der Gemeinde Wedemark stammt von dem Heraldiker und Autor Werner Kaemling,Werner Kaemling: Verschiedene Buchtitel des Autors. In: Webseite ZVAB. Abgerufen am 7. April 2017.Wappenentwürfe von Werner Kaemling. In: Wikimedia Commons. Abgerufen am 9. August 2017. der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde durch den Landkreis Hannover am 20. Februar 1979 erteilt.
Die weitere Verwendung der Wolfsangel im Wappen wurde vom Gemeinderat im Jahr 2014 diskutiert. Das Symbol wurde 1935 vom Landkreis Burgdorf zusammen mit einem Wolfskopf für sein Wappen gewählt, abgeleitet vom Buch „Der Wehrwolf“ von Hermann Löns, das im Bereich des Landkreises spielt. Der Gemeinderat beschloss, keine Änderungen vorzunehmen, aber auf die historischen Zusammenhänge hinzuweisen.Die Wolfsangel, Gemeinde Wedemark, abgerufen am 10. Mai 2022
Flagge rechts|mini|Flagge der Gemeinde Wedemark
Die Flagge der Gemeinde Wedemark ist längs geteilt in den Farben Grün-Gelb mit dem Gemeindewappen in der Mitte.
Städtepartnerschaften Die Wedemark unterhält mit der französischen Stadt Roye seit März 1984 eine Städtepartnerschaft. Seit 2009 unterhält die Gemeinde enge Kontakte zur schwedischen Gemeinde Gislaved.
Daneben unterhalten und pflegen die Schulen Kontakte zu ausländischen Partnerschulen, wie das Gymnasium zur englischen Stadt Horncastle.
Religion mini|hochkant|Johanniskapelle in Abbensen
Vorreformatorische Auf einer Anhöhe in Mellendorf wurde in unmittelbarer Nähe des Meierhofes im 13. Jahrhundert eine Kapelle erbaut, die der Michaelispfarrei in Bissendorf angehörte. Der Kirchbau war vermutlich eine „Eigenkirchengründung“ der Familie „von Melliendorff“ und wurde von ihr als Pfarrstelle wirtschaftlich ausgestattet. Der Sprengel der dem Heiligen St. Georg geweihten Pfarrkirche umschloss nur die Siedlung Mellendorf. Bereits mit der Siedlungsnennung von Mellendorf 1225 wurde auch die Kapelle erwähnt, die 1330/1350 in den Urkunden als Pfarrkirche erscheint. Ihre diözesane Zugehörigkeit ist umstritten, da Mellendorf im direkten kirchlichen Grenzgebiet zwischen Minden und Hildesheim liegt; vermutet wird eine Zugehörigkeit zum Bistum Hildesheim. Die Patronatsrechte über die St.-Georg-Kapelle standen den „Herren von Melliendorff“, dann den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg zu.
Evangelisch-lutherische Da auch Herzog Ernst der Bekenner (1497–1546), der während der dortigen Tätigkeit Martin Luthers Student in Wittenberg gewesen war und den evangelischen Glauben angenommen hatte, diese Patronatsrechte beanspruchte, ließ er Mellendorf bereits 1527 visitieren. Seit 1529 wurde hier evangelischer Gottesdienst gehalten.
Evangelisch-Freikirchliche Seit 2001 gibt es im Ortsteil Brelingen eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Brüdergemeinde).Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wedemark. In: efg-wedemark.de. Abgerufen am 7. Juli 2010.
Katholische