mini|hochkant|alt=Zu sehen sind zwei Frauen die auf einer Straße in einer Menschenmenge Händchen halten. Beide tragen Röcke und ärmellose weiße Oberteile. Eine der Frauen links im Bild hat kurzes Haar, die andere langes. Die Kurzhaarige hält ein Schild hoch uf dem schlecht erkennbar die Worte „Married...“ zu lesen sind.|Verheiratetes Paar auf der San Francisco Pride (2004) mini|hochkant|alt=Der Ausschnitt einer Ampel ist zu sehen. Darin sind die Figuren als Frauen dargestellt, die Händchen haltend rot leuchten. Jede der Frauen hat ein kleines Herz auf der Brust.|Symbolhafte Darstellung in Wien: weibliches Ampel-Pärchen (2015) Das Adjektiv lesbisch (eigentlich: „zu Lesbos gehörig“) – Substantiv: Lesbe, selten: Lesbierin – bezeichnet im Deutschen homosexuelle Frauen. Die wissenschaftliche Bezeichnung „homosexuell“ (von , und ) wird von vielen gleichgeschlechtlich orientierten Frauen wegen der angeblichen Reduzierung ihrer Empfindungen auf „Sexualität“ abgelehnt, weil die lesbische Lebensweise neben Sexualität auch die emotionale Zuwendung sowie den Wunsch nach partnerschaftlicher Bindung enthält oder enthalten kann.Kurt Wiesendanger: Schwule und Lesben in Psychotherapie, Seelsorge und Beratung: Ein Wegweiser. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-45878-9, S. 17.

Definition 20. Jahrhundert Otto Dornblüth definierte 1911 die „lesbische Liebe [als] geschlechtlicher oder erotischer Verkehr zweier Frauen miteinander“.Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 4. Auflage. Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1911, S. 159.

In Willibald Pschyrembels Klinischem Wörterbuch war „lesbische Liebe“ von 1916 durchgängig bis 1964 als „Unzucht zwischen Frauen“ definiert.Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 5. Auflage. Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1914, S. 312, Stichwort Tribadie ohne Erwähnung der lesbischen Liebe. 6. Auflage, Leipzig 1916, S. 334, Stichwort Tribadie mit Erwähnung der lesbischen Liebe. 7. Auflage Leipzig 1917, S. 343, Stichwort Tribadie mit Erwähnung der lesbischen Liebe. 8. Auflage Leipzig 1919, S. 188, Stichwort Lesbische Liebe.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 154.–184. Auflage. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1964, S. 495. Im Jahre 1954 wurde es in einem populären medizinischen Wörterbuch als „homosexueller Verkehr zwischen Weibern“ definiert.Eduard Strauß: Medizinische Fachsprache ... verständlich gemacht! 22. Auflage. Verlag Alwin Fröhlich, Hamburg 1954, S. 41.

Das Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete (1966–1977) stellt bei der Definition die „homosexuelle Verhaltensbereitschaft der Frau“Lexikon Medizin. 4. Auflage. Verlag Naumann & Göbel, München ohne Jahr , ISBN 3-625-10768-6, S. 994. und entsprechende sexuelle Beziehungen in den Vordergrund,Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Loseblattsammlung 1966–1977, 4. Ordner (Hypermagnesiämie–Melusinidae) Verlag Urban & Schwarzenberg, München/Berlin/Wien 1971, ISBN 3-541-84004-8, S. L 82. ohne auf sexuelle Handlungen oder mögliche Sexualpraktiken einzugehen.

21. Jahrhundert Heute wird der Begriff „Lesbe“ gängigerweise für eine homosexuelle Frau benutzt.

Begriffsgeschichte Das Wort lesbisch leitet sich vom Namen der griechischen Insel Lesbos (; heutige Aussprache: Leswos) ab, die sich im ostägäischen Meer befindet.Rudolf Köster: Eigennamen im deutschen Wortschatz: Ein Lexikon. Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-017701-3, S. 102: Lesbe. Die antike griechische Dichterin Sappho, die im 6. Jahrhundert v. Chr. auf Lesbos lebte, hatte in ihren Gedichten die Liebe zwischen Frauen besungen, auch wenn ihre eigene sexuelle Orientierung bis heute umstritten ist.Ellen Greene: Reading Sappho: Contemporary Approaches. University of California Press, 1996, ISBN 0-520-20601-0, S. 130. Mädchen im Umfeld der Dichterin wurden dort in einer erotisch-pädagogischen Lebensgemeinschaft auf das Erwachsensein vorbereitet.Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage. Band 13. F. A. Brockhaus, Mannheim 1990, ISBN 3-7653-1113-8, S. 302. Die erste eindeutige Verbindung zwischen weiblicher Homosexualität und der Insel Lesbos ist aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. erhalten.Lukian von Samosata: Hetärengespräche. Übersetzer: Christoph Martin Wieland. Eulenspiegel Verlag, 1983; In Analogie zum pädagogischen Eros der Päderastie wurde von Biographen im 3. Jahrhundert n. Chr. für Sapphos Beziehungen das Wort gynerastia/Gynärastie eingeführt.Anita George: 2002, Version: 11. Juni 2005. In: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture. mini|hochkant|alternativtext=Die aus hellen Stein sitzend abgebildete weibliche Figur ist mit einem Tuch umhüllt.|Statue der Sappho (Claude Ramey, 1801, Musée du Louvre, Paris) In der Antike gab es für die weibliche Gleichgeschlechtlichkeit sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern unter anderem das Wort ,Norman Elliott Anderson (Hrsg.): A Collection of Extracts in English Translation from Greek, Latin, Jewish, and Christian Authors. In: comcast.net, 1992; Version: 29. Januar 2004 (englisch). welches in verschiedenen Formen wie Tribadismus, TribadieOtto Dornblüth: Wörterbuch der klinische Kunstausdrücke. Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1894, S. 138., Tribadin oder Tribaden bis Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet wurde und mit der Zeit eine immer engere Bedeutung bekommen hat (siehe auch Tribadie).Walter Marle: Guttmanns Medizinische Terminologie. 25. und 26. Auflage. Urban & Schwarzenberg, Berlin/Wien 1932; Zitat: „Tribadismus: Geschlechtlicher Verkehr zw. Weibern, bes. Aneinanderreiben d. Genitalien bzw. Imissio clitoridis eines Weibes in die Vagina des anderen.“ Das in der Antike geläufige Wort beschrieb allgemein die orale Stimulation und im Speziellen den Cunnilingus.Julius Rosenbaum: Geschichte der Lustseuche im Altertume nebst ausführlichen Untersuchungen über den Venus- und Phalluskultus, Bordelle, der Skythen, Paederastie und andere geschlechtliche Ausschweifungen der Alten als Beiträge zur richtigen Erklärung ihrer Schriften dargestellt. 7. Auflage. Verlag Hermann Barsdorf, Berlin 1904, S. 143 und 204–205. Bezeichnungen aus dem Wortfeld Lesbe und Sapphistin tauchten erstmals im Frankreich des 17. Jahrhunderts auf.Louis Crompton: 2002, Version: 28. Juli 2005, HTML-S. 2: Sappho. In: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture. Im Jahre 1787 erwähnte ein deutscher Lexikograph die Lesbiam Venerem („lesbische Liebe“). Im Jahre 1837 wurde im Brockhaus die sapphische Liebe erwähnt. Die Bezeichnung Lesbierin wurde erstmals gegen 1870 als Bezeichnung für eine Frau mit gleichgeschlechtlicher Sexualität gebraucht, 1890 wurde das dazugehörige Adjektiv lesbisch erstmals im heutigen Sinne benutzt.

Getreu anderen historischen Beispielen wie Sadismus oder Donjuanismus verwendete Richard von Krafft-Ebing einen Begriff aus der fiktionalen Literatur, um in der Realität auftretende Fallbeispiele zu beschreiben.Angelika Corbineau-Hoffmann, Pascal Nicklas (Hrsg.): Körper/Sprache: Ausdrucksformen der Leiblichkeit in Kunst und Wissenschaft. Georg Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2002, ISBN 3-487-11682-0, S. 101. Im Jahre 1890 tauchte der Begriff Lesbian erstmals im englischen Billing’s Medical Dictionary auf und verbreitete sich schnell. Vor der Verbreitung der Bezeichnung LesbianismusPeter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1043., Lesbierin, später Lesbe, wurden gelegentlich die Begriffe sapphische Liebe oder Sapphismus verwendet. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Begriff „Freundin“ als Umschreibung geläufig.

Wie viele Bezeichnungen aus dem Sexualbereich wurde auch das Adjektiv lesbisch ursprünglich meist abwertend gebraucht. Mit der Lesben- und Schwulenbewegung Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre wurden der Ausdruck ebenso wie „schwul“ als Selbstbezeichnung verwendet.

Geschichte mini|Romantische Frauenfreundschaft um 1900

16. Jahrhundert Artikel 116 der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 bestimmte für die Unzucht Weib mit Weib (Unkeuschheit) bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die TodesstrafeBrockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage. 13. Band. Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 1990, ISBN 3-7653-1113-8, S. 301 f., Zitat S. 302. (Feuertod).Quelle: Sprachlich leicht geglätteter Originaltext: „Item so ein Mensch mit einem Vieh, Mann mit Mann, Weib mit Weib, unkeusch treiben, die haben auch das Leben verwirkt, und man soll sie der gemeinen Gewohnheit nach mit dem Feuer vom Leben zum Tod richten.“ In: Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V. (Constitutio Criminalis Carolina). 1532; , Artikel 116, S. 33.

18. und 19. Jahrhundert Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Grenzen zwischen platonischer und sinnlicher Liebe zwischen Frauen fließend.Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage. Band 13. Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 1990, ISBN 3-7653-1113-8, S. 302.

20. Jahrhundert Der § 175 im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) existierte von 1872 bis 1994 und stellte sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Personen weiblichen Geschlechts nicht unter Strafe.

mini|hochkant|Titelblatt „Die Freundin“ von 1930In den 1920er Jahren wurden im Berlin der Goldenen Zwanziger erstmals lesbische Lebensentwürfe und politische Positionen in Zeitschriften wie Die Freundin, BIF – Blätter Idealer Frauenfreundschaft oder Liebende Frauen öffentlich erörtert. Lesbische Organisationen wurden gegründet. Eine eigenständige Kultur und vor allem auch eine lesbisch-kulturelle Infrastruktur mit Cafés und Clubs wurde geschaffen; sie boten so Raum für lesbische Lebensentwürfe.

Der Aufstieg des Nationalsozialismus beendete dies 1933. Auf eine Kriminalisierung der lesbischen Sexualität wurde bei der Strafrechtsverschärfung von 1935 zwar verzichtet, auch wurde die in Österreich gesetzlich verankerte Bestrafung der Homosexualität unter Frauen nach dem Anschluss Österreichs durch Roland Freisler 1942 ausgesetzt.Alexander Zinn: „Aus dem Volkskörper entfernt“? – Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-50863-4, S. 283 f. Trotzdem waren weibliche Homosexuelle während der NS-Zeit vielfach bedroht. Frauen, die dem weiblichen Ideal der Nationalsozialisten nicht entsprachen – unter anderem lesbische Frauen – wurden in Konzentrationslagern inhaftiert und gezwungen, ein Abzeichen mit einem umgedrehten schwarzen Dreieck zu tragen.

Erst mit der Lesbenbewegung ab den 1970er Jahren entstand eine neue Emanzipationsbewegung, die Rechte für lesbische Frauen erstritt.

In vielen Teilen der Welt ist noch heute umstritten, ob lesbische Partnerinnen einander heiraten, Kinder adoptieren, Blut spenden oder sich inseminieren lassen dürfen.

Die Lesbenbewegung Lesbisches Selbstverständnis und Feminismus mini|Lesbische Pride-Flagge von Emily Gwen (2018) Die lesbische Subkultur hat sich in stärkerem Maße als die Schwulenbewegung auch als politische Bewegung verstanden. Lesben waren und sind dabei insbesondere häufig in der allgemeinen Frauenbewegung aktiv und verstanden den Kampf für die Rechte von Lesben lange nur als Teil des allgemeinen Kampfes für die Rechte von Frauen. Mit den kontroversen Auseinandersetzungen der feministischen Bewegung, den sogenannten Feminist Sex Wars, wurde auch die sexuelle Orientierung zu einem Diskussionspunkt, wobei der sex-positive Feminismus sich für die Akzeptanz der Homo- und Bisexualität aussprach, während es im Second-Wave-Feminismus einen deutlichen Wunsch nach Abgrenzung von der lesbischen Subkultur gab. Ein Grund dieser Ablehnung war unter anderem, dass die fehlende öffentliche Akzeptanz von Lesben die Ziele des Feminismus gefährden könnte.Wendy McElroy: XXX: A Woman’s Right to Pornography. 1. Edition. St. Martin's Press, New York, NY 1995, ISBN 0-312-13626-9.