Der Odenwaldkreis (odenwälderisch Ourewaldkreis) ist ein Landkreis im äußersten Südosten von Hessen und gehört zum Regierungsbezirk Darmstadt. Er liegt im Rhein-Main-Gebiet und weist mit etwas weniger als 100.000 Einwohnern die niedrigste Einwohnerzahl aller Landkreise in Hessen auf.

Historisch gehörte das Kreisgebiet im Heiligen Römischen Reich überwiegend zur Grafschaft Erbach und zur Herrschaft Breuberg. 1806 wurde das Gebiet durch die Mediatisierung Teil des Großherzogtums Hessen. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erhielt der damalige Landkreis Erbach 1972 seine heutige Bezeichnung.

Der Odenwaldkreis ist der einzige Landkreis, der mit dem gesamten Kreisgebiet im Odenwald liegt, somit dessen Kerngebiet umfasst. Kreisstadt ist Erbach im Odenwald, welche gemeinsam mit der Nachbarstadt Michelstadt das einzige Mittelzentrum bildet.

Geografie Lage Zentraler Landschaftsteil des Odenwaldkreises ist das in Süd-Nord-Richtung verlaufende Mümlingtal und die dieses östlich und westlich begleitenden Höhenzüge. Entlang der Mümling sind die größten Städte des Kreises aufgereiht: Beerfelden, Erbach, Michelstadt, Bad König und Höchst. Im Nordwesten reicht das Kreisgebiet in einen Teil der Gersprenzniederung hinein und im Süden gibt es jenseits der Hauptwasserscheide von Main und Neckar einige Täler, deren Flüsse nach Süden dem Neckar zustreben: der Finkenbach, der Gammelsbach, der Sensbach und die Itter.

Die höchsten Erhebungen des Odenwaldkreises sind der Kohlwald () nordwestlich von Bullau, die Sensbacher Höhe () und der Krähberg (), beide in der Gemarkung Ober-Sensbach. Würzberg und Bullau sind mit 515 Meter die beiden höchstgelegenen Ortschaften des Kreises. Die tiefstgelegene ist Hainstadt an der Mümling kurz vor der bayerischen Grenze mit .

Eine Quasi-Exklave Hessens und des Odenwaldkreises bildet das zu Oberzent gehörende Hesselbach im äußersten Südosten, welches auf dem regulären Straßenweg vom übrigen Kreisgebiet aus nur über das zu Eberbach gehörende Badisch-Schöllenbach oder über eine einspurige Privatstraße von Würzberg über das Gemeindegebiet des bayerischen Kirchzell erreicht werden kann.

Nachbarkreise Der Odenwaldkreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Darmstadt-Dieburg (in Hessen), Miltenberg (in Bayern), Neckar-Odenwald-Kreis und Rhein-Neckar-Kreis (beide in Baden-Württemberg) sowie Bergstraße (in Hessen).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2023.

Geschichte

Vor 1806

Bis zur Mediatisierung 1806 war das überwiegende Gebiet des Odenwaldkreises, in ähnlichen Grenzen wie seit der Kreisreform, ein reichsunmittelbares Territorium der Grafen von Erbach, und gehörte zum Fränkischen Reichskreis.

Es gliederte sich weitgehend in die Grafschaft Erbach und die Herrschaft Breuberg, wobei es auch zahlreiche Ex- und Enklaven gab, wie das kurpfälzische Oberamt Otzberg. Hinzu kommen auch zahlreiche historische Territorien, wie die Herrschaft Rodenstein.

1806 bis 1945 1806 kam das Gebiet zum Großherzogtum Hessen. Nach Verkündung der Verfassung des Großherzogtums am 17. Dezember 1820 folgte am 14. Juli 1821 eine umfassende Verwaltungsreform. Statt der Ämter wurden nun Landratsbezirke eingesetzt. Diese waren die Vorläufer der Kreise. In Erbach wurde 1822 für die Gräflich Erbachischen und Erbach-Fürstenauischen Ämter der Landrats- und Gerichtsbezirk Erbach gegründet. Ebenfalls 1822 entstand ein Landrats- und Gerichtsbezirk Breuberg mit Sitz in Neustadt (ab 1847) bzw. Höchst im Odenwald.

Im Zuge der Deutschen Revolution von 1848/49 formierten sich im heutigen Kreisgebiet revolutionäre Bestrebungen. So zogen im März 1848 2.000 Odenwälder Bauern zur Durchsetzung von Grundrechten nach Darmstadt. Mit dem Gesetz vom 31. Juli 1848 wurden die Verwaltungseinheiten unter revolutionären Druck erneut vergrößert. An die Stelle der Kreise und Landratsbezirke traten Regierungsbezirke, wobei die bisherigen Landratsbezirke Breuberg und Erbach zum Regierungsbezirk Erbach vereinigt wurden. Hinzu kam der Landratsbezirk Wimpfen, eine Exklave in Baden. Bereits vier Jahre später kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück, wodurch neben dem Kreis Erbach der Kreis Neustadt und der Kreis Wimpfen gegründet wurden. Am 1. Juli 1874 wurde der Kreis Neustadt wieder aufgelöst und der größte Teil der Gemeinden wurden in den Kreis Erbach integriert. Ebenso wurde der Kreis Lindenfels aufgelöst und gab 16 Gemeinden an den Kreis Erbach ab.

Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Die damals geschaffene Gliederung des Großherzogtums in sieben die Provinz Starkenburg bildende Kreise (Bensheim, Darmstadt, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach) hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand.

Nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage im nunmehrigen Volksstaat Hessen (ab 1918) und der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen brachte das Jahr 1938 eine Überprüfung der Kreisgrenzen. Am 1. November 1938 wurde in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt. In jeder der drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurde jeweils ein Kreis aufgelöst. In Starkenburg war davon der Kreis Bensheim betroffen. Dieser wurde zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen, der auch zum Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim wurde. Die neue Verwaltungseinheit wurde in Landkreis Bergstraße umbenannt. Gleichzeitig wurden die Städte Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms als Stadtkreise verselbständigt. Diese so geschaffene Kreiseinteilung des Volksstaates hatte zunächst bis zum Kriegsende 1945 Bestand.

Seit 1945 Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kam am 1. Juli 1971 die Gemeinde Laudenau aus dem Landkreis Bergstraße nach einer Bürgerbefragung zum Landkreis Erbach, als sie sich der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald) anschloss. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Erbach vergrößerte sich das Kreisgebiet am 1. August 1972 um die Gemeinden Fränkisch-Crumbach und Brensbach (mit Wersau) aus dem Landkreis Dieburg. Zugleich erhielt der Kreis den Namen Odenwaldkreis.

Am 1. Januar 2018 schlossen sich die Stadt Beerfelden und die Gemeinden Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal zur neuen Stadt Oberzent zusammen.Grenzänderungsvertrag ist beschlossen. Mitteilung vom 3. Mai 2017.

Der Odenwaldkreis war im Frühjahr 2020 vergleichsweise stark durch die COVID-19-Pandemie betroffen. Unter anderem gab es bis Juni 2020 absolut als auch relativ die höchsten Todeszahlen unter allen hessischen Landkreisen und kreisfreien Städte. Überregional sorgten Debatten über die Errichtung eines Testzentrums zwischen Landrat Frank Matiaske (SPD) und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen für Schlagzeilen. Im weiteren Verlauf der pandemischen Entwicklung war der Odenwaldkreis durchschnittlich stark betroffen. Der Landkreis hat im relativen Verhältnis zur Bevölkerung die höchste Gesamtanzahl an Todesfällen.

Bevölkerung

Identität und Sprache Der heutige Odenwaldkreis wird teilweise als fränkisch betrachtet. Im Heiligen Römischen Reich gehörte das Gebiet überwiegend zum Fränkischen Reichskreis. Eine fränkische Identität hat sich jedoch nicht etabliert, stattdessen betrachten sich viele einfach als Odenwälder.

Gesprochen wird Odenwälderisch, ein rheinfränkischer Dialekt, der teilweise schon zum Pfälzischen anstelle des Hessischen zugerechnet wird. In Randlagen werden auch Dialekte der Nachbarregionen (Südhessisch, Kurpfälzisch, Odenwäldisch) gesprochen. So können die Dialekte im Oberzenter Stadtteil Hesselbach schon deutlich dem zum Oberdeutschen gehörenden Odenwäldischen zugerechnet werden. Die Sprachgrenzen sind fließend. Historisch hatte jeder Ort seinen eigenen, unverkennbaren Dialekt.

Kirchen und Religionsgemeinschaften Der Odenwaldkreis war historisch bedingt evangelisch geprägt. Das Kreisgebiet gehört zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das Mümlingtal bildet dabei – mit den zum Landkreis Bergstraße gehörenden Städten Hirschhorn (Neckar) und Neckarsteinach – das Dekanat Odenwald, das Gersprenztal gehört zum Dekanat Vorderer Odenwald. Bedingt durch die Position des Erbacher Grafenhauses gegen die Bildung der Union lutherischer und reformierter Gemeinden im Rahmen der Evangelische Landeskirche in Hessen im 19. Jahrhundert ist auch die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche mit fünf eigenen Kirchengemeinden vertreten.

Die katholische Bevölkerungsminderheit gehört zum Bistum Mainz und bildet dort das Dekanat Erbach. Mit Stand 2019 waren 16 % (16.000 der 96.703) der Einwohner katholisch.Odenwaldkreis Das Katholische Dekanat Erbach wird neu strukturiert: Die Zahl der Gläubigen sinkt Mit Stand 2022 waren 15.472 Einwohner katholisch.Grosse Anstrengungen stehen bevor um- die Kirche zukunftsfaehig zu machen

Es bestehen ferner kleinere Gemeinden der Freikirchen, Zeugen Jehovas und des Islams.

Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Odenwaldkreis (Datenquelle: Zensus 2011)

Im Jahr 2011 betrug der Ausländeranteil 9,6 Prozent. Nach Schätzungen des Hessischen Statistischen Landesamtes soll sich die Bevölkerung bis 2060 um 6 Prozent gegenüber 2014 reduzieren.

Jahr Einwohner Quelle 1972 81.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1974 1975 82.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1976 1980 84.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1985 85.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1986 1990 91.300 1995 98.305 GenWiki: Odenwaldkreis 2000 99.667 2005 100.174 2010 97.198 2015 96.047

Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 49,7 % der Einwohner evangelisch, 17,7 % römisch-katholisch und 32,6 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgesellschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 / Hessen. Hessen unter der Lupe. Wiesbaden 2014, auf Seite 15 der Datei: „Religionszugehörigkeit in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten am 9. Mai 2011 (in %)“ Der Mitgliederschwund der großen Kirchen hielt seitdem weiter an. Gemäß Zensus 2022 waren (2022) 39,9 % der Einwohner evangelisch, 14,9 % katholisch und 45,2 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religion an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank: 1000A Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - wähle „Zum Thema“: 1000A-1018 Personen: Religion - wähle „Zur Tabelle“ - wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“

Gemeinden

Der Odenwaldkreis umfasst zwölf Städte und Gemeinden, davon fünf Städte und sieben Gemeinden.

(Einwohner am )

Städte Bad König () Breuberg () Erbach () Michelstadt () Oberzent ()Weitere Gemeinden Brensbach () Brombachtal () Fränkisch-Crumbach () Höchst i. Odw. () Lützelbach () Mossautal () Reichelsheim (Odenwald) ()

Politik Grundlagen Kommunalpolitische Landschaft Die Odenwälder Kommunalpolitik wird traditionell durch die SPD dominiert. Sie stellte von 1945 bis 2009 und seit 2015 erneut den Landrat und bildet die stärkste Kraft im Kreistag. Die CDU schneidet hingegen auf kommunaler Ebene schlechter als im Landesdurchschnitt ab, wobei die Gemeinde Reichelsheim eine Ausnahme darstellt. Eine Besonderheit bildet die ÜWG Odenwaldkreis, eine freie Wählergemeinschaft mit bürgerlicher Ausrichtung, die in den letzten Kreistagswahlen immer drittstärkste Kraft wurde und in ihren Stammgemeinden gute Ergebnisse erzielt.

Nach der Kreistagswahl 2016 arbeiteten zunächst SPD und CDU in einer Großen Koalition zusammen. Diese Koalition wurde nach der Wahl 2021 durch eine „Modernisierungspartnerschaft“ genannte „Odenwald-Koalition“ aus SPD, ÜWG und FDP abgelöst.