Oberfranken ist der nordöstliche Teil der bayerischen Region Franken. Es ist sowohl ein bayerischer Regierungsbezirk als auch ein Bezirk als Selbstverwaltungskörperschaft. Letzteres bedeutet das Recht, eigene Wappen und Fahnen zu führen. Verwaltungssitz des Bezirks und zugleich Sitz des Regierungspräsidenten und der Regierung von Oberfranken ist Bayreuth.

Oberfranken grenzt an die Länder Thüringen und Sachsen, an die Tschechische Republik (Karlsbader Region (Karlovarský kraj)) und an die bayerischen Regierungsbezirke Oberpfalz, Mittelfranken und Unterfranken (Aufzählung im Uhrzeigersinn ab Thüringen im Norden).

Der Name Oberfranken bezieht sich auf die Lage zum Main. Oberfranken liegt an dessen Oberlauf und Unterfranken am Unterlauf. Diese Benennung geht zurück auf die Bildung des Mainkreises im Zuge der von Graf Montgelas verfassten Verfassung des Königreichs Bayern von 1808. Die Einteilung der Territorien wurde dem französischen Vorbild angeglichen und orientierte sich primär an Flussnamen.

Wappen und Flagge Blasonierung: „Über rotem Schildfuß, darin drei silberne Spitzen, zweimal gespalten: vorne in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter, links gewendeter, rot bewehrter schwarzer Löwe; Mitte geviert von Silber und Schwarz; hinten fünfmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem schräggestellten und geschwungenen grünen Rautenkranz.“

Das Wappen erinnert im oberen Teil an die drei maßgeblichen historischen Territorien in Oberfranken: Der schwarze Löwe auf goldenem Grund am linken Rand steht für das Hochstift Bamberg, das Geviert von Silber und Schwarz versinnbildlicht das hohenzollerische Markgraftum Brandenburg-Bayreuth, während der rechte Teil in Gold, Schwarz und Grün für das Herzogtum Sachsen-Coburg steht. Die Symbole der drei ehemaligen Gebiete stehen auf dem fränkischen Rechen im Schildfuß.

Die Flagge Oberfrankens stellt eine auf den Kopf gestellte weiß-rote Frankenfahne mit mittig angeordnetem Bezirkswappen dar.

Gliederung Aktuelle Gliederung mini|Präsidialbau der Regierung von Oberfranken

Der Regierungsbezirk Oberfranken umfasst vier kreisfreie Städte und neun Landkreise:

Kreisfreie Städte Bamberg Bayreuth Coburg Hof (Saale)

Landkreise Landkreis Bamberg Landkreis Bayreuth Landkreis Coburg Landkreis Forchheim Landkreis Hof Landkreis Kronach Landkreis Kulmbach Landkreis Lichtenfels Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge

Gliederung vor 1972

Kreisfreie Städte Bamberg Bayreuth Coburg Forchheim (heute Große Kreisstadt im Landkreis Forchheim) Hof Kulmbach (heute Große Kreisstadt im Landkreis Kulmbach) Marktredwitz (heute Große Kreisstadt im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) Neustadt bei Coburg (heute Große Kreisstadt im Landkreis Coburg) Selb (heute Große Kreisstadt im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge)

Landkreise mini|Landkreisgrenzen bis zur Gebietsreform in Bayern Landkreis Bamberg Landkreis Bayreuth Landkreis Coburg Landkreis Ebermannstadt Landkreis Forchheim Landkreis Höchstadt an der Aisch Landkreis Hof Landkreis Kronach Landkreis Kulmbach Landkreis Lichtenfels Landkreis Münchberg Landkreis Naila Landkreis Pegnitz Landkreis Rehau Landkreis Stadtsteinach Landkreis Staffelstein Landkreis Wunsiedel

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Regierungsbezirke Mittelfranken und Oberfranken gemeinsam verwaltet.

Größte Städte Stadt Landkreis Einwohner Bild Bamberg kreisfrei77.150 100px|Bamberger Dom Bayreuth kreisfrei72.940 100px|Marktplatz Bayreuth Hof kreisfrei46.778 100px|Theresienstein Hof Coburg kreisfrei41.064 100px|Coburger Marktplatz mit dem Stadthaus Forchheim Forchheim33.017 100px|Rathaus Forchheim Kulmbach Kulmbach26.625 100px|Kulmbacher Innenstadt Lichtenfels Lichtenfels20.488 100px|Marktplatz Lichtenfels Marktredwitz Wunsiedel im Fichtelgebirge17.121 100px|Markt mit Altem Rathaus und St.-Bartholomäus-Kirche Kronach Kronach16.616 100px|Kronach, Stadtaufbau an der Haßlach mit Festung Rosenberg Neustadt bei Coburg Coburg14.824 100px|Muppberg, vom Generalsblick aus gesehen Selb Wunsiedel im Fichtelgebirge14.743 100px|Selber Innenstadt Pegnitz Bayreuth13.665 100px|Pegnitz aus der Luft Rödental Coburg12.457 100px|Domäne Oeslau in Rödental Hirschaid Bamberg12.429 100px|Ortsmitte von Hirschaid Bad Staffelstein Lichtenfels10.821 100px|Rathaus Bad Staffelstein Münchberg Hof9.969 100px|Münchberg vom Rosenbühl aus

Geographie Landschaften mini|Hohes Fichtelgebirge (2006) mini|Höllental im Frankenwald mini|Zum Heil’gen Veit vom Staffelstein (2005) mini|Fränkische Schweiz (2008) Coburger Land Itzgrund Fichtelgebirge Frankenwald Fränkische Schweiz Bayerisches Vogtland Haßberge Obermainland/Obermainisches Hügelland Nördliche Fränkische Alb Regnitztal Münchberger Hochfläche Steigerwald

Flüsse Main Saale Pegnitz Regnitz Kössein Röden Haßlach Itz Weismain Wiesent Rodach Kronach Steinach Selbitz Eger Ölschnitz (Roter Main) Ölschnitz (Weißer Main) Röslau (Fluss)

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte Johann Friederich Esper beschrieb bereits zwischen 1774 und 1790 einige Höhlen der Fränkischen Alb und J. B. Fischer grub 1788 die Grabhügel von Mistelgau im Landkreis Bayreuth aus. Die älteste Anwesenheit von Menschen ist durch Werkzeuge aus Lydit aus dem Riß-Würm-Interglazial (120000–80000 v. Chr.) belegt, die die Neandertaler fertigten. Die nächsten Artefakte sind nur wenig jünger und stammen aus dem Präsolutréen von Kösten, einem Stadtteil von Lichtenfels. Das frühe und mittlere Spätpaläolithikum ist in Oberfranken bisher nicht, das Jungpaläolithikum undeutlich vertreten. Der Nachweis von neolithischen Siedlungen der Bandkeramiker, die ab 5500 v. Chr. auftraten, ist besonders im Bereich des Altneolithikums im Maintal möglich. Hier sind u. a. mehr als 50 vor- und frühgeschichtliche Erdwerke oder Ringwälle bekannt, deren Größe zwischen 3 und 50 Hektar schwankt. Die größten liegen in Hetzles, Rödlas und Wiesenthau-Schlaifhausen im Landkreis Forchheim und auf dem Staffelberg in Bad Staffelstein-Romansthal im Landkreis Lichtenfels. Grabfunde liegen aber überhaupt nicht vor. Die bedeutendsten Fundplätze sind zwei Höhlen, die Jungfernhöhle von Tiefenellern und der Hohle Stein bei Schwabthal. Siedlungen aus dieser Zeit, die untersucht wurden, waren in Altenbanz und Zilgendorf. Auch die darauffolgenden Kulturen sind dort bis in die frühe Bronzezeit nicht sonderlich stark repräsentiert. Siedlungen fehlen auch aus der mittleren Bronzezeit. Die Hortfunde von Forchheim und Hollfeld belegen jedoch die relativ dünne Besiedlung in der Frühzeit. Die Anwesenheit von typischen Artefakten zeigt eine Orientierung nach Hessen und Thüringen. In der Urnenfelderzeit (1300–750 v. Chr.) werden die Spuren deutlicher und die Zahl der Depots nimmt zu. Gräber wie das so genannte Adelsgrab von Eggolsheim, Landkreis Forchheim gewähren Einblicke in die Sepulkralkultur. Die darauffolgende Hallstattzeit ist durch Gräber und Grabhügel stark vertreten, sodass von einer dichteren Besiedlung auszugehen ist. In der La-Tène-Zeit (500–100 v. Chr.) war Oberfranken ein Kernbereich der tönernen Pferdeplastiken. Auch zahlreiche Funde römischer Herkunft wurden gemacht.

Mittelalter und Neuzeit In der Völkerwanderungszeit dehnten zuerst die Thüringer ihren Einflussbereich nach Oberfranken aus. Nach Chlodwigs Sieg 496 n. Chr. über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich geriet zunächst das westliche Maingebiet unter fränkischen Einfluss. Als im Jahre 531 (Schlacht bei Burgscheidungen) auch die Thüringer geschlagen wurden, geriet das ganze Maintal unter fränkische Herrschaft. Es war jedoch auch slawische Zuwanderung zu beobachten (Bavaria Slavica). Die Slawen wurden bereits im Hochmittelalter vollständig assimiliert. Ein typischer Namensbestandteil slawischen Ursprungs ist zum Beispiel die Ortsnamensendung „-itz“.

1442 wurden durch Albrecht III. die Juden aus dem Herzogtum Bayern vertrieben, der Landshuter Herzog Ludwig IX. folgte 1450 diesem Beispiel. Die Vertriebenen siedelten sich vorwiegend in den Reichsritterschaften Frankens und Schwabens an, wo sich heute die meisten der jüdischen Friedhöfe Bayerns befinden. Allein in Oberfranken existieren daher 20 jüdische Begräbnisstätten.Der jüdische Friedhof kommt in die Denkmalliste in: Nordbayerischer Kurier vom 14. Dezember 2023, S. 15.

Das Gebiet des heutigen Oberfrankens bestand später im Wesentlichen aus den zwei historischen Territorien des Hochstifts Bamberg und des hohenzollernschen (seit 1791/1792 preußischen) Fürstentums Bayreuth (auch: Markgraftum Brandenburg-Bayreuth bzw. früher Brandenburg-Kulmbach). Zudem war Oberfranken, wie Franken überhaupt, durch viele kleinräumige Herrschaften geprägt, deren Träger sich vorwiegend aus dem Ritterstand rekrutierten. Aufgrund der großen Zahl der Herrschaftsträger neben den größeren Territorialherren kann man den fränkischen Raum als „Adelslandschaft“ bezeichnen, die in dieser Form im Alten Reich einmalig war. Die Ritter in Franken waren in der Regel reichsunmittelbar, also nur dem Kaiser untertan. Der Fränkische Ritterkreis untergliederte sich in die sechs Kantone: Altmühl, Baunach, Gebirg, Odenwald, Rhön-Werra und Steigerwald. Die meisten Rittersitze im heutigen Oberfranken gehörten zum Kanton Gebirg.

Nach der Abdankung des letzten Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, Karl Alexander, gingen die beiden Hohenzollern-Markgraftümer an die preußische Linie in Berlin über. Das Königreich Preußen unter dem leitenden Minister Karl August von Hardenberg versuchte nun, Vorstellungen moderner Staatlichkeit auch in den neu erworbenen fränkischen Provinzen durchzusetzen, z. B. durch Mediatisierungen.

Die Vertreter der Fränkischen Ritterschaft sowie weiterer betroffener Territorialherren wandten sich rechtsuchend an den Wiener Hof, um sich gegen die Mediatisierungsversuche Preußens zu wehren. Aufgrund der Belastung durch die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich waren die Einflussmöglichkeiten des Kaisers jedoch gering.

Im Jahre 1795 schloss Preußen einen Separatfrieden mit Frankreich (Frieden von Basel). Nun konnte Preußen noch ungehinderter seine Mediatisierungspolitik in Franken durchsetzen, die seit den späten 1790er Jahren praktisch abgeschlossen war. Die Markgraftümer Ansbach und Bayreuth waren nun geschlossene Territorien, in denen einheitlich das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten galt.

Nach der militärischen Besetzung Bambergs durch das Königreich Bayern entstand am 29. November 1802 zunächst die Bayerische Provinz Bamberg, die am 1. Oktober 1808 in Mainkreis umbenannt wurde. Das Königreich Bayern kaufte das von 1806 bis 1810 als pays reservé (Napoleons Privatbesitz) unter französischer Herrschaft stehende Markgraftum Bayreuth für 15 Millionen Francs von den Franzosen und übernahm es am 30. Juni 1810. So entstand der Obermainkreis mit Bayreuth als Hauptstadt. Den Namen Oberfranken trägt der Bezirk seit dem 1. Januar 1838 in Anlehnung an das Herzogtum Franken, in dessen ehemaligem Ostteil er liegt. Seine Abrundung erhielt der Bezirk, als zum 1. Juli 1920 der Freistaat Coburg nach Bayern eingegliedert wurde. Im Zuge der Staatsvereinfachung wurden 1932/33 die Regierungen von Oberfranken und Mittelfranken in Ansbach vereinigt. 1946 wurde die Wiederherstellung des Regierungsbezirks Oberfranken beschlossen, 1949 kehrte die Regierung nach 16-jährigem „Exil“ nach Bayreuth zurück.Bernd Mayer: Vor 60 Jahren: Bayreuth an der Schwelle des Wirtschaftswunders in: Heimatkurier 1/2009 des Nordbayerischen Kuriers, S. 8 f. Die ersten Wahlen für den Bezirkstag erfolgten 1954. Kleinere Veränderungen des Gebiets von Oberfranken brachte schließlich die bayerische Gebietsreform von 1972. Der Großteil des Landkreises Höchstadt an der Aisch ging an Mittelfranken, hingegen kamen Gemeinden aus Unterfranken und der Oberpfalz zu Oberfranken.