mini|Dobbertiner Klosterkirche (2009) Die Dobbertiner Klosterkirche ist der markante Mittelpunkt des Klosters Dobbertin. Die neugotisch umgestaltete Kirche ist die einzige Kirche mit zwei Türmen in Mecklenburg.

Geschichte

Der Bau der ersten Kirche, vermutlich noch ohne Turm, erfolgte auf der höchsten Stelle der Halbinsel, die in der Gründungsphase des Klosters Dobbertin noch ein stärkeres Bodenrelief besaß, das abgetragen und planiert wurde, um ebenen Baugrund zu schaffen. Der Chor der Kirche lag kaum weiter als 15 m von der ursprünglichen östlichen Uferlinie der Halbinsel entfernt. Die ältesten erhaltenen Baustrukturen an der Südfassade der Kirche, gotische Dienste mit feingliedrigem Weinlaubdekor aus Backstein, stammen aus dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts.Frank Nikulka, Frank Wietrzichowski: Archäologische Nachweise zur Geschichte der Dobbertiner Klosterhalbinsel. 2012, S. 77. Auch die dazugehörigen Arkadenbögen sind größtenteils noch vollständig erhalten. Bei den baubegleitenden archäologischen Untersuchungen ab 1993 wurden keine Spuren eines hölzernen Vorgängerbaus gefunden. Beim ersten, um 1280 begonnenen Kirchenbau hatte es sich schon um einen Steinbau gehandelt, wie im oberen Mauerwerk der Fund eines ursprünglichen Rüstholzes von 1286 belegt.Bärbel Heußner: Dendrochronologisches Gutachten Klosterkirche Dobbertin. 4. Oktober 2003. 2001 konnten bei den Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an den Fundamenten der Südseite keine ältere Baustrukturen festgestellt werden, doch die Fläche vor der Südseite bis zum östlichen Kreuzgang wurde als Friedhof genutzt. Es wurden dort fünf Körpergräber gefunden, die nach anthropologischer Skelettmaterialbestimmung zu den ältesten nachgewiesenen Körperbestattungen auf dem Klostergelände gehören.Frank Wietrzichowski: Kloster Dobbertin, Sanierung Kreuzganginnenhof. Bericht über die archäologischen Bergungs- und Dokumentationsarbeiten 2001–2001, S. 6. Sie sind zeitlich noch in das 13. Jahrhundert einzuordnen. Die Bestattung erfolgte in Holzsärgen, die noch keine Sargnägel besaßen, in gestreckter Lage. Ein Teil dieser Gräber wurde durch Fundamente in der Nordwestecke des Kreuzganges überlagert.

Die Klosterkirche von Dobbertin wurde bislang von den Forschungen zur mittelalterlichen Architekturgeschichte weitgehend ignoriert, viel zu stark dominiert heute die neugotische Umgestaltung durch Georg Adolph Demmler, in Anlehnung an die Friedrichswerdersche Kirche von Karl Friedrich Schinkel in Berlin. Dabei haben sich im Kern dieser nahezu vollständigen Ummantelung noch große Teile der mittelalterlichen Saalkirche erhalten, die bislang als Bauwerk des mittleren 14. Jahrhunderts galt. Erst mit den sanierungsbegleitenden Ausgrabungen ab 1994 wurde es klar, dass es sich um eine ältere Kirche handeln muss.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 85–86. mini|hochkant=.6|Siegel vom Klosterpropst Arnold 1302 Als Mönchskloster war Dobbertin das einzige Benediktinerkloster im Bistum Schwerin und in ganz Mecklenburg. Nach der Klostergründung wurde als erster Propst 1227 der Ordensangehörige Theodoricus/Dietrich Thedelinus prepositus fratum de Dobrotin genannt. Er ging danach als Propst zum Kloster Rühn.MUB I. (1863) Nr. 344, 463.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Nr. 416 Liste von Pröpsten. Urkundlich belegt als Prepositus der andächtigen Jungfrauen sind 1228 Ulrich/Olricus,MUB I. (1863) Nr. 417, 463, 523. 1277 Henricus,MUB II. (1864) Nr. 1440, MUB III. (1865) Nr. 1962,1964. und 1302 Arnold mit eigenem Siegel.MUB V. (1869) Nr. 2795, 2905, 2989.

Mit der Umwandlung in ein Nonnenkloster gleichen Ordens erhielt Dobbertin 1234 das Recht der freien Wahl von Propst und Priorin.MUB I. (1863) Nr. 425. Diese Reihenfolge ist zugleich auch eine Rangfolge und unterstreicht die Bedeutung des Propstes als Mann in einem Frauenkloster. Er nahm auch bei weltlichen Belangen des Klosters eine zentrale Position ein und führte ein eigenes Siegel.Ernst Münch: Zur mittelalterlichen Geschichte von Kloster Dobbertin. 2012, S. 13.Andreas Röpcke: Brief und Siegel – Anmerkungen zur urkundlichen Überlieferung und den Siegeln des Klosters Dobbertin. 2012, S. 20–25. Nach 1300 wurde erstmals eine Priorissa Gertrudis erwähnt.Horst Alsleben: Liste der Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Was wäre das Benediktinerkloster ohne seine Pröpste, Pastoren und Prediger. Sogar im Vatikanischen Geheimarchiv beim Papst in Rom wurden Klosterurkunden von 1481Vatikanisches Geheimarchiv, Reg. Suppl. 116 fol. 122r. gefunden.

Zum Kirchenbau und den Veränderungen an und in der Kirche aus diesen Zeiten ist nichts zu erfahren. Während der Reformation war besonders aus dem Kloster in Dobbertin von heftigem Widerstand zu hören. denn dort stand bei den Nonnen der Papismus nach wie vor in voller Blüte. Fast zwanzig Jahre weigerten sich die 26 Nonnen adliger Herkunft mit ihren 10 Konversen, den evangelischen Glauben anzunehmen.Johann Peter Wurm: Der dullen Nonnen Krich. 2012, S. 26–27. Über den Propst Eberlein wurde nach der Visitation 1557 vermerkt: er sei ein ungeschickter Mensch, der keinen Grund der christlichen Lehre anzuzeigen wusste und im Examen allzeit übel bestand, fast alt und unfleißig, den die Jungfrauen gar nicht haben wollten.Friedrich Lisch: Die Reformation des Kloters Dobbertin. MJB 22 (1857) S. 115. Nach 1570 war Joachim Krüger evangelischer Pastor in Dobbertin.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin. Nr. 49. im Rostocker Matrikelportal Das neue Prediger-Haus mit Scheune, Viehstall und Backhaus wurde ab 1755 durch die Handwerker vom Klosterbauhof errichtet.

Die erste evangelische Klosterordnung für das nach der Reformation nun Landeskloster gewordene ehemalige Nonnenkloster ist von 1572.Rene Wiese: Gut versorgt hinter Klostermauern. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 11. September 2020. In den drei Jungfrauenklöster Dobbertin, Ribnitz und Malchow wurde für die dortigen evangelischen Damenstifte am 10. Dezember 1610 eine revidierte Ordnung mit 26 Paragraphen eingeführt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 439 Klosterordnung 1610. Für die Einhaltung dieser Ordnung gegenüber dem Konvent war die auf Lebenszeit gewählte Vorsteherin, in Dobbertin Frau Domina, verantwortlich. 1608 übernahm der erst 29-jährige Enoch ZanderEintrag 1596 im Rostocker Matrikelportal von seinem Schwiegervater Peter RöbelmannEintrag 1575 im Rostocker Matrikelportal die Pfarrstelle in Dobbertin. Von seinen acht Kindern starben während der Kriegsjahre vier an der Pest. Sein Sohn Petrus wurde 1635 mit 16 Jahren als Student der Theologie an der Universität zu Rostock immatrikuliert.Eintrag 1630 im Rostocker Matrikelportal Als im Frühjahr 1638 auch seine Eltern an der Pest starben, wurde Petrus Zander durch Befürwortung des Klosterhauptmanns Paschen von der Lühe mit erst 19 Jahren zum Pfarrer in Dobbertin berufen. 1640 war er als Abgesandter und Prediger für das adlige Kloster in Stockholm, wo er durch die schwedische Königin Christina geadelt werden sollte,Walter von Hueck: Adelslexikon. Band XVI, 2005, S. 459–461. wenn er als Pastor an der dortigen deutschen Kirchgemeinde bleiben würde. Er kam mit einem am 16. August 1640 für das Kloster Dobbertin ausgehandelten Schutz- und Schirmbrief und 100 Reichsthalern wieder nach Dobbertin zurück.Riksarkivet Stockholm am 25. März 1993 an Horst Alsleben, Schwerin: Sie bekommen beigelegt auch Kopien des Schutzbriefes für das Kloster Dobbertin vom schwedischen Regentschaftsrat am 12. August 1640 ausgestellt. Geldbetrag wurde auch vom Regentschaftsrat für das Kloster und für Petrus Zander beschlossen (Reichsregistratur12. August 1640).SVENSKA RIKSRÄDETS PROTOKOLL, Königl. Riksarkivet VIII. 1640, 1641, S. 202. Bis 1672 waren 64 Jahre lang nur Pastoren aus der Zanderfamilie in Dobbertin tätig. In Mecklenburg waren aus acht Generationen Zander-Pastoren in Dobbertin, Woosten, Brüz und Güstrow im Amt.Zander-Archiv V/2005

Das nach Gottes Gewitter, Donner und Sturm schadhaft gewordene Steindach wurde 1707/08 durch die Klostermaurer umgedeckt. Neben Lohn erhielt der Maurer Siegmund Walter mit seinen Gesellen eine Tonne Bier wöchentlich aus der Klosterbrauerei.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3159 Handwerkerverträge und Bauten 1708–1787. Nach einer 1738 durchgeführten unordentlicher Priesterwahl ließ der Provisor und spätere Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow von 1746 bis 1749 die Nonnenempore restaurieren und neu einrichten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3160. Die Kirchweihe nahm am 29. Juli 1748 Pastor Christian Hintzmann vor. Präpositus Friedrich Plessmann sammelte während seiner Amtszeit 1856–1895 Auszüge aus alten Urkunden und Klosterakten, darunter befanden sich auch Grundrisse der Kirche ab 1227.LHAS2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Landeskloster Dobbertin. Nr. 418. Siegel und Briefe. Um 1774 muss es schon einen großen Turm gegeben haben, denn am 27. April 1774 schloss der Klosterhauptmann August Friedrich von Stralendorff auf Gamehl mit dem Uhrmacher Samuel Hoffer einen Vertrag zur Aufsicht und Unterhaltung der großen Turmuhr hierselbst auf vier Jahre ab. Am 24. Mai 1777 wurde der Vertrag mit dem Uhrmacher Nicolaus Christian Voss aus Güstrow abgeschlossen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster / Klosteramt Dobbertin.Nr. 3159 Handwerkerverträge und Bauten 1707.

Nach Auflösung des Landesklosters 1918 war das Klosteramt nicht mehr für die Dobbertiner Pfarre und die Baulast an der Klosterkirche sowie dem Klosterfriedhof zuständig.LHAS 5.12-7/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten. Nr. 7581 Stelleneinkommen der Pfarre zu Dobbertin 1921–1922, Nr. 7969 Emeritierung der Geistlichen der Pfarre zu Dobbertin 1901–1917. Die Dobbertiner Klosterkirche ist ab 1919 neben der Schweriner Schlosskirche bis heute noch Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Nach Abschaffung der altklösterlichen Verhältnisse erfolgte das Einläuten der Glocken bei Sonn- und Feiertagen nicht mehr durch die Bauhofarbeiter des Klosteramtes und der Pastor wurde zu Gottesdiensten nicht mehr zur Kirche gefahren. 1920 wurde durch das Dorf zwischen der alten Mühle und Bernstorffshöhe ein zweiter Friedhof als Waldfriedhof errichtet. Am 6. Januar 1921 wurden in den Kirchengemeinderat gewählt: Kantor Schmidt, der ab 1920 Lehrer war und Kirchenjurat Dorfschulze Wilhelm Duncker, Klosterdiener Johann Clasen, Konventualin Elisabeth von Pritzbuer, Amtsarzt Dr. med. Ernst Ebeling, Schlossermeister Karl Bech und Tischlermeister Heinrich Roloff. 1924 erfolgte die Erneuerung der Heizungsanlage in der Kirche und der Ofen wurde mit Schamottsteinen neu ausgelegt.LHAS 5.12-5/1 Ministerium für Finanzen, II. Hochbau altes Amt Parchim. Nr. 8339.

Seit 1931 betreute Adolf Friedrich Lorenz als Regierungs-Baumeister und Denkmalpfleger auch die Klosterkirche. Skizzen zur Kirche befinden sich am 12. März 1931 in seinem Tagebuch. 1934 veranlasste er die Aufstellung der beiden ältesten Grabplatten des Klosters in die Turmvorhalle. Die über zwei Meter hohen Platten wurden für den Mühlenbauer Hinrik Glove 1371Horst Alsleben: Mühlenbauer im Nonnenkloster. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 8. Februar 2019, s. 23. und für den Stiftskanoniker Nicolaus Mezstorp 1471, der seit 1382 Propst im Nonnenkloster war, gefertigt.Christine Magin, Jürgen Herold, Marion Grether: Die Inschriften auf den Grabplatten im Kloster Dobbertin. 2012, S. 156, 162. Während der Sanierungsarbeiten kamen 2004 beide Grabplatten in den südlichen Kreuzgang und stehen am Eingang des Refektoriums.Schreiben vom 5. September 1933 des Denkmalpflegers für Baudenkmale der geschichtlichen Zeit in Schwerin, Friedrich Lorenz an den Mecklenburgischen Landrat des Kreises Parchim.Mecklenburgische Zeitung, Schwerin 20. Juni 1934, S. 1.