Carsten Stahl (* 30. Oktober 1972 in West-Berlin; bürgerlich Carsten Paul Andreovits) ist ein ehemaliger deutscher Laienschauspieler.

Leben Nach eigenen Angaben wuchs Stahl in den 1970er Jahren in Berlin-Neukölln auf.Mobbing an Schulen „Dann brennt bald die ganze Bude“, Spiegel Online vom 13. Juni 2018, abgerufen am 10. September 2018 Als Jugendlicher begann er mit Kraft- und Kampfsport. Er behauptet, Anführer einer kriminellen Gang in Neukölln gewesen zu sein. Nach der Geburt seiner Kinder habe er das kriminelle Milieu verlassen und sei als Türsteher und Personenschützer tätig gewesen.Carsten Stahl Kurzbiografie, Buchszene, abgerufen am 10. September 2018

Über eine kleine Rolle bei RTL II nahm er an einem Casting teil und erhielt die Hauptrolle in der Serie Privatdetektive im Einsatz. Er verkörperte von 2011 bis 2014 in insgesamt 289 Serienfolgen den stark tätowierten, muskelbetonten Chef einer Detektei.«Privatdetektive im Einsatz» siehe Fotomittelpunkt, Quotenmeter.de, Quotencheck, 7. April 2016, abgerufen am 10. September 2018

Stahl lebt in Berlin und hat zwei Kinder.

Engagement gegen Mobbing

Stahl gibt an, selbst Mobbingopfer gewesen zu sein. Im Jahr 2014 gründete er die Bürgerinitiative Stoppt Mobbing!, um Berliner Schulrektoren anzubieten, mit Schulklassen über Gewalt im Alltag, Drogen, Diskriminierung und kriminelles Verhalten zu sprechen. Stahl gründete mit anderen den Trägerverein Camp Stahl e. V. und wurde bundesländerübergreifend tätig.

Über das Bundesprogramm Demokratie leben! wurde nach lokaler Förderentscheidung in Erfurt die Einladung des Antimobbing-Trainers Stahl für sein jeweils mehrstündiges Gewaltpräventions-Programm mit Schülern und Lehrern aus Bundesmitteln mitfinanziert.„Stoppt Mobbing!“-Kampagne an Erfurter Schule, Thüringische Landeszeitung vom 7. September 2018, abgerufen am 10. September 2018

Im April 2018 liefen vier Folgen der Reality-TV-Sendung Stahl: hart gegen Mobbing auf RTL 2, in der Stahl jeweils eine Schule besuchte.RTL II: 'Stahlharte' Verluste für neue Mobbing-Sendung, Quotenmeter vom 17. April 2018, abgerufen am 10. September 2018 Eine weitere Folge erschien 2019, zwei im Jahr 2021.fernsehserien.de: Stahl: hart gegen Mobbing - Episodenguide, abgerufen am 17. Mai 2024 Es wurden auch lokale Mobbing-Präventions-Stützpunkte gegründet.Ein Zeichen gegen Mobbing und Gewalt in Oberhausen setzen, WAZ vom 10. Juli 2018, abgerufen am 10. September 2018

Kritik Carsten Stahls Methoden gelten als umstritten.Schulunterricht knallhart: Ist dieser Lehrer eine Waffe gegen Gewalt?, Berliner Kurier, 30. September 2019. Abgerufen am 19. August 2024 Die Wutreden des Anti-Mobbing-Trainers, Der Tagesspiegel, 9. Februar 2019. Abgerufen am 19. August 2024 Die Neuköllner SPD-Kommunalpolitikerin Mirjam Blumenthal schrieb auf Facebook, Stahl wende „verbale und psychische Erniedrigungen an“, und dass er „Schüler*innen Waffen an den Hals hält“, was Stahl bestritt.

Schulpsychologen der Stadt Düsseldorf äußerten die Bedenken, dass er die Betroffenen lediglich emotionalisiere, ihnen aber keine nachhaltigen Konzepte oder Strategien zum dauerhaften Umgang mit den Problemen anbiete. Im Vordergrund stehe für Stahl die Selbstinszenierung der eigenen Arbeit, nicht der Schutz von Mobbingopfern oder Selbsterkenntnis und Verhaltensänderung bei Tätern. Wegen der fehlenden Nachhaltigkeit seines Konzepts sowie der zu vermutenden Belastungsrisiken für die Betroffenen werde das „Camp Stahl“ weder gefördert noch den Schulen in Düsseldorf empfohlen. Der Neuköllner Jugendhilfe-Ausschuss entschied im März 2019, nicht mit Stahls Anti-Mobbing-Projekt zusammenzuarbeiten.Neukölln verbannt Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl, Berliner Morgenpost, 10. November 2019 Der Standard beschrieb Stahl in einem Artikel als „etwas pathetischer Motivationsguru mit rauer Street-Credibility“, das von ihm begründete „Bündnis Kinderschutz“ verletze durch seine Öffentlichkeitsarbeit den Opferschutz und trage zu Deanonymisierung und Retraumatisierung bei.

Politik Ab April 2021 war Stahl Mitglied der Freien Wähler Berlin. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 26. September 2021 kandidierte er auf der vom früheren FDP-Politiker Marcel Luthe angeführten Landesliste auf Platz vier. Außerdem trat er unter dem Namen „Andreovits (Stahl), Carsten“ als Direktkandidat im Wahlkreis Treptow-Köpenick 1 an und bekam bei der Wiederholungswahl am 12. Februar 2023 laut amtlichen Endergebnis 170 Erststimmen (0,8 %). Ergebnispräsentation Berliner Wiederholungswahlen 2023 Als die Partei für eine Covid-Impfpflicht eintrat, verließ Stahl die Freien Wähler 2022 wieder.

Stahl sprach sich in der Öffentlichkeit, in auf seinem YouTube-Kanal veröffentlichten Videos und während anderer Internetauftritte, mehrmals gegen eine allgemeine Covid-19-Impfpflicht aus und kritisierte den gesellschaftlichen Impfzwang. Außerdem bemängelte er die Enthaftung von Pharmaunternehmen wie Biontech, die Covid-19-Impfstoffe entwickelten, im Falle von Impfschäden und das Ignorieren von Impfschäden in der Politik.

Zur Europawahl 2024 engagierte er sich als „parteiunabhängiger Kandidat“ für die Kleinstpartei Bürger. Rechtsstaat. Demokratie. – Initiative für das Grundgesetz, auf der er für den zweiten Listenplatz vorgesehen war (keine Kandidaten aufgeführt) – der Partei wurde jedoch die Teilnahme an der Wahl aufgrund fehlender Unterstützerunterschriften vom Bundeswahlausschuss versagt.

Publikation mit Jürgen Lemke: Du Täter, Du Opfer: Stark gegen Mobbing und Gewalt. Gräfe und Unzer, München 2018, ISBN 978-3-8338-6391-2.

Weblinks Internetpräsenz von Carsten Stahls Verein „Camp Stahl“ Webpräsenz der Initiative Stoppt Mobbing!

Kanal von Carsten Stahl auf YouTube Carsten Andreovits, Abgeordnetenwatch.de

Einzelnachweise

Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Gewalt an Schulen Kategorie:Darstellender Künstler (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Mann