mini| Feuerlein bzw. ursprünglich Feyerlein ist der Name eines fränkisch-württembergischen Geschlechts von bedeutenden Theologen, Gelehrten und hohen Beamten. Im 15. und 16. Jahrhundert lassen sich die ersten Namensträger Feyerlein als Bürger, Ratsherren und Bürgermeister der fränkischen Stadt Roth bei Nürnberg nachweisen. Deren Nachkommen traten seit dem 17. Jahrhundert insbesondere als evangelische Pfarrer, Prediger und Gelehrte in Nürnberg und im fränkischen Raum hervor. Im Nürnberger Zweig kam es 1790 zur Nobilitierung. Im 18. Jahrhundert gelang der Aufstieg in die württembergische Ehrbarkeit. Im 19. Jahrhundert wurde Willibald Feuerlein zum ersten Oberbürgermeister von Stuttgart.

Geschichte Ursprung des Geschlechts mini| Die Ursprünge der Familie Feuerlein liegen in der ehemals zur Burggrafschaft Nürnberg (bzw. seit dem 15. Jahrhundert zum Fürstentum Ansbach) gehörenden Stadt Roth, wo 1385 ein „Item“ Feyerle als Bauer und Gastwirt im Nürnberger Salbuch erstmals erwähnt wurde.Walter Feuerlein: Siebzehn Feuerlein-Generationen in Franken. In: Familienverband Feuerlein Mitteilungen, 21. Jahrgang, Heft 1, November 1962, S. 8 ff. Da sein Vorname nicht dabeistand, kann davon ausgegangen werden, dass es außer ihm zu jener Zeit in Roth keine weiteren Träger des Familiennamens Feyerle (später Feyerlein bzw. seit etwa 1650 Feuerlein) gab. Ob jener Feyerle aus Roth mit dem 1290 in Schwäbisch Hall genannten Manegoldus, dictus Fierlin, verwandt ist, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Seit dieser Nennung 1385 in Roth ließen sich über 500 Nachfahren ermitteln, die den Familiennamen in allerdings verschiedenen zeitüblich voneinander abweichenden Schreibweisen trugen. Darunter befinden sich namentlich 36 Pfarrer und Theologen, aber auch bedeutende Gelehrte, Erfinder, Apotheker, Beamte und Kaufleute. Der Wagner und Diakon Hans Feyerlein erwarb als Bürgermeister der Stadt Roth einen Wappenbrief, ausgestellt am 15. Juni 1551 im Namen von Kaiser Karl V., der seither in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Nürnberger Familie Feuerlein Die Reihe einiger namhafter Gelehrter der Reichsstadt Nürnberg geht auf den Pfarrer Johann Feyerlein (* 1495; † 9. Okt. 1556 in Ansbach) zurück, der 1529 in Roth die Reformation einführte. Aus seiner Familie stammen viele Pfarrer der Nürnberger Kirchen St. Lorenz und St. Sebald. Johanns Enkel Hans Feyerlein (* 1576; † 1633) hatte Ursula Müller geheiratet, die Tochter eines Nürnberger Bürgers. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges flohen Hans und Ursula Feyerlein 1631 mit ihren Kindern von Ebermergen in die schützenden Mauern der Reichsstadt Nürnberg, wobei der Überlieferung nach während der Flucht eine persönliche Begegnung der Familie mit dem schwedischen König Gustav Adolf stattgefunden haben soll. Angeblich wünschte der König dem damals knapp zweijährigen Sohn Conrad Feuerlein auf seinem Weg nach Nürnberg alles Gute für das weitere Leben.Jürgen Meine: Carl Friedrich Feuerlein. In: Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007, S. 880 ff. Es ist einer weiteren Überlieferung zufolge auf diesen Konrad Feuerlein, also Johann Feyerleins Urenkel, zurückzuführen, dass die bisherige Schreibweise des Namens der Familie von Feyerlein in die heute gültige Form Feuerlein vorgenommen wurde, um mit dem Namen zukünftig weniger den Eindruck von „Feiern“ oder „Müßiggang“ zu erwecken, sondern ihn als kraftvoll wie das lodernde „Feuer“ erscheinen zu lassen. Conrad Feuerlein hat als persönliches Signet ein brennendes Herz mit drei obig angebrachten Rosen verwendet. Die wichtigsten Vertreter der Nürnberger Familie Feuerlein waren neben Conrad Feuerlein unter anderem dessen Söhne Johann Konrad Feuerlein (Theologe und Superintendent), Friedrich Feuerlein (Theologe) sowie Johann Jakob Feuerlein (Theologe) als auch Conrads Enkelsöhne Jakob Wilhelm Feuerlein (Professor der Theologie), Georg Christoph Feuerlein (Mediziner) und Conrad Friedrich Feuerlein (Theologe). Der Sohn des Nürnberger Ratskonsulenten Johann Conrad Feuerlein wurde 1790 nobilitiert zum Ritter und Edlen von Feuerlein auf und zu Neuenstadt.

Anfänge der Familie Feuerlein in Württemberg mini|Rudolf Ferdinand von Feuerlein (1744–1821), Oberfinanzrat Die Feuerlein in Württemberg stammen aus einem Zweig der Familie, welcher seinen Schwerpunkt im 16. und 17. Jahrhundert in und um die fränkische Reichsstadt Weißenburg am Sand hatte. Der in Weißenburg geborene Theologe Johann Feuerlein (* 1597; † 1684), der von 1637 bis 1673 der fünfte evangelische Pfarrer nach Einführung der Reformation in Emetzheim und Holzingen war, hatte unter mehreren Kindern einen Sohn mit Namen Theophilus Feuerlein (* 1636; † 1687). Dieser begann 1657 ein evangelisches Theologiestudium in Wittenberg und war ab 1665 Pfarrer in Burgsalach und danach seit 1675 Pfarrer in Dornhausen. Zwei der Söhne von Theophilus Feuerlein, Willibrod (* 1667; † 1730) und Willibald (* 1686; † 1777), begründeten jeweils Linien des Namens Feuerlein im Herzogtum Württemberg, wobei sich die Linie des jüngeren Willibald als diejenige mit der weitaus größeren Bedeutung für die Geschichte Württembergs herausstellen sollte.

Willibald Feuerlein (* 1686; † 1777) stand in der sechsten Generation seit der Verleihung des Familienwappens Feuerlein und war nach einem Militärdienst in der Armee des Kaisers zum Herzoglich Württembergischen Regierungsrat in Mömpelgard und Stuttgart berufen worden. Zu seiner Unterstützung bei der Ordnung der Verwaltung in der Grafschaft Württemberg-Mömpelgard holte er seinen Neffen Johann Christian Feuerlein (* 1705; † 1799) hinzu. Dieser war ein Sohn Willibrods (* 1667; † 1730) und wurde Herzoglich Württembergischer Regierungssekretär als auch Registrator für Mömpelgard und später Archivar in Stuttgart. Johann Christian Feuerleins Sohn Rudolf Ferdinand Feuerlein (* 1744; † 1821) war seit 1806 Königlich Württembergischer Oberfinanzrat und seit 1814 Ritter des Zivilverdienstordens, womit der persönliche Adel verbunden war.Peter Huber: Über das Leben des Rudolph Ferdinand von Feuerlein. In: Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007, S. 878 f. Rudolf Ferdinand von Feuerlein war zeitlebens unverheiratet geblieben, hatte aber von seinem Onkel Leopold Friedrich Perdrix aus Mömpelgard ein Vermögen geerbt, welches mündelsicher verwaltet worden war und ihm am 7. Oktober 1776 in Höhe von 3394 Livre ausbezahlt wurde.Peter Huber: Über das Leben des Rudolph Ferdinand von Feuerlein. In: Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007, S. 878 f. Durch Tüchtigkeit und Sparsamkeit wurde dieses Vermögen im Laufe seines Lebens noch vergrößert. In seinem Testament vom 27. November 1815 hat Rudolf Ferdinand von Feuerlein dann die Errichtung der Familienstiftung Feuerlein verfügt, die er den Nachkommen des Herzoglich Württembergischen Regierungsrats Carl Friedrich Feuerlein (* 1730; † 1808), einem Vetter seines Vaters, zugutekommen ließ. Diese Stiftung war mit 21.000 Gulden für Studierende, 6000 Gulden für Skribenten (Schreiber), Kaufleute und Apotheker, 1200 Gulden für Maler und Kupferstecher, 1200 Gulden für Professionisten (Handwerker) und 9600 Gulden für Witwen und Waisen, sowohl für die Familie als auch im Falle fehlender Inanspruchnahme für andere bedürftige Personen zur Unterstützung der Lebensführung gedacht. Die Verwaltung des Gesamtstiftungsvermögens in Höhe von 43.000 Gulden war von Anfang an privat organisiert.Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart, Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau, Verlag Eduard Hallberger, Stuttgart 1856, S. 349 (Wohlthätige Anstalten und Stiftungen) Online bei Wikisource

Die Familie des Regierungsrats Carl Friedrich Feuerlein mini|links|hochkant=0.5|Jugendbildnis von Auguste Feuerlein geb. Fischer mini|Der württembergische Regierungsrat Carl Friedrich Feuerlein und seine Frau Auguste Feuerlein geb. Fischer um das Jahr 1800 Der älteste Sohn des württembergischen Regierungsrats Willibald Feuerlein (* 1686; † 1777) hieß Carl Friedrich Feuerlein (* 1730; † 1808) und war ebenfalls Regierungsrat, dazu geheimer Kabinettssekretär und Kanzleiadvokat des Herzogs Carl Eugen von Württemberg. Er heiratete am 26. August 1766 in Stuttgart-Berg Auguste Fischer (* 1747; † 1823). Sie war offiziell die Tochter des herzoglich württembergischen Küchenmeisters Friedrich Johann Ernst Fischer (* 1695; † 1753) und der Magdalene Barbara Fischer geb. Castenbauer (* 1718; † 1786).Wolfgang Raimar, Hans-Ulrich von Ruepprecht, Günther Schweizer: Ahnenliste Gerhart Nebinger. Verein für Familien und Wappenkunde in Württemberg und Baden, Stuttgart 2001, ISBN 3-934464-02-5, S. 111, Nr. 247. Magdalene Barbara war die Tochter von Sigmund Castenbauer (* 1677; † 1736),Evangelisches Kirchenbuch Ludwigsburg, Bd. 1: Mischbuch 1716–1753, Bild 501 in Archion.Wolfgang Raimar, Hans-Ulrich von Ruepprecht, Günther Schweizer: Ahnenliste Gerhart Nebinger. Verein für Familien und Wappenkunde in Württemberg und Baden, Stuttgart 2001, ISBN 3-934464-02-5, S. 118, Nr. 494. Hofmusikus und „Instrumenten-Verwalter“ der Württembergischen Hofkapelle Stuttgart, und seiner Ehefrau Maria Barbara Scheiner (* 1683; † 1757).Eine Ahnenliste der bürgerlichen Vorfahren von Auguste Feuerlein befindet sich in den Mitteilungen des Familienverbands Feuerlein 2/1940 Da jedoch Auguste Feuerleins Bruder Reinhard Fischer möglicherweise ein illegitimer Sohn des Herzogs Carl Eugen war,Laut einer Angabe in Susanne Dietrichs Buch Liebesgunst. Mätressen in Württemberg, DRW-Verlag 2001, S. 42, war Fischer ein unehelicher Sohn des Herzogs Carl Eugen liegt der Schluss nahe, dass dies auch für sie selbst zutrifft. Die Vermutung wird dadurch untermauert, dass bei der evangelischen Taufe von Auguste Fischer der katholische Herzog mit seiner Mutter Maria Augusta und seiner Schwester Augusta persönlich als Pate anwesend war.Evangelisches Kirchenregisteramt Stuttgart, Taufbuch Stuttgart 19. Dezember 1747 Das Gesicht von Auguste Feuerlein in einem Jugendbildnis hat zudem erstaunliche Ähnlichkeit mit Porträts ihres mutmaßlichen natürlichen Vaters, Herzog Carl Eugen von Württemberg, in jungen Jahren. Der Herzog zeigte auch später zu den Kindern des Ehepaars Carl und Auguste Feuerlein seine Verbundenheit, indem er diese vermutlichen Enkelkinder zu sich ins Schloss Hohenheim einlud.Albert Seible: Herzog oder Küchenmeister? In: Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. Todt-Druck, Villingen-Schwenningen 2007, S. 886 ff. Allerdings ist kein zeitgenössischer Beleg für die Vaterschaft Herzog Carl Eugens für Reinhard oder Auguste Fischer bekannt, so dass es sich hierbei lediglich um eine Vermutung handelt.Eberhard Schauer: Neues vom Küchenmeister ... oder wie eine Familienlegende zustande kommt : Auguste Feuerlein geborene Fischer und Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde; Nr. 27, 2009. S. 236–243. Von den zwölf Kindern des Stammelternpaares leiten sich die elf entstandenen Stämme des späteren württembergischen Familienverbands Feuerlein ab. Hatte eine der acht Feuerlein-Töchter geheiratet, dann erhielt der Stamm den Namen des angeheirateten Mannes. Hatte ein Feuerlein-Sohn geheiratet, dann bekam der Stamm seinen Namen. Durch die hohe Anzahl an Töchtern entstand eine enge Vernetzung mit renommierten Familien der württembergischen Ehrbarkeit.

Der Familienverband der Nachkommen des württembergischen Regierungsrats Carl F. Feuerlein mini|Carl F. Feuerleins Tochter Eleonore Pistorius führte ihr Haus als eine angesehene Adresse für Literaten und Künstler und ging als Seegassenkönigin in die Geschichte der Stadt Stuttgart ein