mini|hochkant=1.3|Blick auf die Altstadt mit Liebfrauenkirche mini|hochkant=1.3|Luftbild, zu erkennen: Verlauf der Fußgängerzone

Frankenberg (Eder) ist eine Kleinstadt und ein wirtschaftliches Mittelzentrum im südlichen Teil des nordhessischen Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Der Berg an einer Furt durch die Eder nördlich des Burgwalds war schon lange ein befestigter Ort, vor allem unter den Franken spielte er in den Sachsenkriegen eine Rolle. Die heutige Stadt und Burg Frankenberg wurde 1233/1234 von Landgraf Konrad von Thüringen, dem Statthalter der ludowingischen Landgrafen von Thüringen in deren hessischen Gebieten, erbaut, um an der oberen Eder ein Gegengewicht zum kurmainzischen Battenberg zu besitzen. Sie erlangte aufgrund ihrer Lage am Kreuzungspunkt zweier Handelswege schnell auch wirtschaftliche Bedeutung.

Bei einem Brand am 9. Mai 1476, der als Zäsur in der Stadtgeschichte gilt und über den der Frankenberger Chronist Wigand Gerstenberg eine genaue Beschreibung erstellte, wurde die Stadt fast vollständig zerstört und im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Die heutige Innenstadt besteht aus der sanierten Altstadt und der ebenfalls sanierten Neustadt mit zahlreichen Fachwerkhäusern.

Frankenberg trägt seit dem 29. Mai 2018 die amtliche Zusatzbezeichnung Philipp-Soldan-Stadt in Bezug auf den eng mit der Stadtgeschichte verbundenen Renaissance-Künstler Philipp Soldan.

Geografie Geografische Lage Frankenberg liegt zwischen dem Burgwald im Süden und der Breiten Struth im Nordwesten an der Einmündung des Kalten Wassers in die Nemphe und der Nemphe in die Eder, in die nördlich der Stadt bei Schreufa auch die Nuhne fließt. Das nächstgelegene Oberzentrum ist die Universitätsstadt Marburg.

Stadtgliederung Neben der Kernstadt besteht Frankenberg aus zwölf Stadtteilen: im Internetauftritt der Stadt Frankenberg. Abgerufen am 26. Juli 2017. Dörnholzhausen, 70 Einwohner Friedrichshausen, 363 Einwohner Geismar, 942 Einwohner Haubern, 543 Einwohner Hommershausen, 155 Einwohner Rengershausen, 394 Einwohner Rodenbach, 177 Einwohner Röddenau, 1701 Einwohner Schreufa, 1170 Einwohner Viermünden, 779 Einwohner Wangershausen, 192 Einwohner Willersdorf, 600 Einwohner (Einwohnerzahlen Stand 2016)

Nachbargemeinden Frankenberg grenzt im Norden an die Stadt Lichtenfels und die Gemeinde Vöhl, im Osten an die Stadt Frankenau, im Südosten an die Gemeinde Haina, im Süden an die Gemeinde Burgwald, im Westen an die Gemeinden Allendorf und Bromskirchen (alle im Landkreis Waldeck-Frankenberg) sowie im Nordwesten an die Stadt Hallenberg im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis.

Geologie Das Gebiet um die Stadt ist geologisch gekennzeichnet von der Frankenberger Bucht, die westlich der Hessischen Senke liegt. Sie wird einerseits aus Gesteinen des Paläozoikums (insbesondere Perm) und andererseits aus solchen des Mesozoikums aufgebaut. Man trifft auf Zechstein, Tonschiefer und Sandstein.

Klima In Frankenberg zeigt sich das für Hessen typische warmgemäßigte Klima der mittleren Breiten Europas. Der Wind weht überwiegend aus dem Westen und führt das ganze Jahr über feuchte Luftmassen vom Atlantik heran. Wegen der Lage im Regenschatten östlich des Rothaargebirges fallen die Niederschläge allerdings niedrig aus. Der ozeanische Einfluss sorgt für relativ milde Winter und nicht zu heiße Sommer.

Geschichte

Von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart Am Fuße des Berges, auf dem die Stadt Frankenberg errichtet wurde, kreuzten sich zwei alte Heer- und Handelsstraßen. Aus dem Gebiet des unteren Mains kam vom Burgwald her die Weinstraße, überquerte über eine Furt die Eder und ging weiter über die Höhen links des Flusses nach Westfalen. Von Westen kam die Siegener Straße über die Lahn-Eder-Wasserscheide und führte, den Berg nördlich umgehend, weiter in den niederhessischen Raum. Wenn auch die Ereignisse der Vorzeit im Dunkeln liegen, so darf man doch annehmen, dass der beherrschende Berg an der mittleren Eder für den Ausbau einer Machtstellung in diesem Raum immer eine bedeutende Rolle spielte. Der römische Historiker Tacitus berichtete bereits in seinem Bericht zum Jahr 15 n. Chr. von dem germanischen Volksstamm der Chatten, die im Gebiet der Eder (von Tacitus „Adrana“ genannt) ihren Siedlungsschwerpunkt hatten.

Frankenzeit Nachdem der hessische Raum um das Jahr 500 in den fränkischen Machtbereich einbezogen worden war, erlangte der gut zu verteidigende Berg in den Auseinandersetzungen mit den nördlich der Eder ansässigen Sachsen eine größere militärische Bedeutung und wurde von den Franken schon frühzeitig befestigt. Als jedoch zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Einfälle der Sachsen zunahmen, ließ Karl Martell noch stärkere Befestigungsanlagen errichten und sie durch eine ständige Besatzung absichern. Diese dienten während der Sachsenkriege (772 bis 804) als Basis für fränkische Gegenangriffe bis weit ins Sachsenland hinein, wobei die Weinstraße als Vormarsch-, Binde- und Nachschubroute neue Bedeutung erlangte. Nach der Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen verlor die Festung an Bedeutung.

Gründung der Stadt Ob der Berg weiterhin bewohnt gewesen ist, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Vielleicht befanden sich hier noch Lager- und Handelsplätze für durchziehende Reisende und Kaufleute. Erst im frühen 13. Jahrhundert gewann der „Frankenberg“ wieder an Wichtigkeit. Die thüringisch-hessischen Landgrafen versuchten, zwischen ihren nieder- und oberhessischen Besitzungen unter Umgehung der dazwischen liegenden Grafschaft Ziegenhain eine Verbindung herzustellen. Diese Absicht durchkreuzten die Mainzer Erzbischöfe, indem sie ihren Machtbereich von Westen her bis in das Wohratal ausdehnten. Daraufhin holten die Landgrafen von Thüringen zu einem entscheidenden Gegenschlag aus. Da der Frankenberg bereits 1122 an sie übergegangen war, ließ Konrad von Thüringen, der seit 1231 für seinen Bruder Landgraf Heinrich Raspe die hessischen Gebiete der Landgrafschaft Thüringen verwaltete, 1233/34 auf dem Frankenberg, mitten in der mainzischen Grafschaft Battenberg, auf der Grenze zwischen den Gerichtsbezirken Röddenau und Geismar, eine Burg und eine Stadt, alle Einsprüche der benachbarten Grundherren missachtend, errichten. Auf der äußersten Spitze der nach drei Seiten steil abfallenden Bergzunge entstand dadurch eine Burganlage, die das gesamte mittlere Edertal beherrschte. An sie schloss sich eine Vorburg an, die gleichzeitig den kirchlichen Bereich umschloss. Unmittelbar dahinter wurde nach detaillierten Planungen, wie der Stadtplan noch heute ausweist, die Stadt aufgebaut. Erster landgräflicher Schultheiß war von 1240 bis 1245 Tammo von Beltershausen.

Den Rücken des Berges und den nach Norden abfallenden Teil umfasste ein großer Marktplatz; die Zweiteilung des Platzes, an dessen westlichem Ende das Rathaus errichtet wurde, ist möglicherweise erst später erfolgt. Dies lässt auf die Absicht schließen, die Bergstadt nicht nur zu einer starken Bastion etablieren zu wollen, sondern ihr auch – die günstigste Verkehrslage ausnutzend – ein wirtschaftliches Gewicht zu geben. Die Einwohnerschaft der neuen Stadt bestand aus den Bewohnern der umliegenden Dörfer und Weiler, die umgesiedelt wurden oder auch freiwillig ihre alten Wohnstätten verließen. Dadurch wurden im Laufe der Zeit 16 Siedlungen wüst, deren Namen größtenteils noch in Flurbezeichnungen fortleben. Frankenberg wurde schon bald mit einer mächtigen Mauer umgeben. Von den 25 Türmen und Toren der Altstadt ist heute noch der Hexenturm an der Ostseite erhalten; die fünf Stadttore sind jedoch verschwunden.

mini|hochkant|Liebfrauenkirche, erbaut von 1286 bis 1380

Blütezeit Das neue Gemeinwesen wuchs schnell heran, gestützt auf Kaufleute und Handwerker. Es war ein Zeichen des wachsenden Wohlstandes, dass man schon 1286, nachdem die kirchliche Abhängigkeit von Geismar aufgehoben war, auf Bestreben des Landgrafen Heinrich I., dem Enkel der Heiligen Elisabeth, mit dem Bau der Liebfrauenkirche begann, deren Vorbild die eben fertiggestellte Elisabethkirche in Marburg war. Die Frankenberger Kaufleute pflegten weiträumige Handelsbeziehungen, wovon neben den Wochenmärkten die vier Jahrmärkte Zeugnis geben. Der wirtschaftliche Aufschwung förderte auch eine schnelle kulturelle Aufwärtsentwicklung. Schon im 13. Jahrhundert hatte Frankenberg eine Lateinschule, die um 1500 ihre größte Blütezeit erlebte. Aus ihr ging unter anderem der große neulateinische Dichter Helius Eobanus Hessus hervor. An die 1353 vollendete Kirche wurde von 1370 bis 1380 die Marienkapelle angebaut, ein Meisterwerk des Tyle von Frankenberg.

Gründung der Neustadt Das stetige Anwachsen der Bevölkerung machte eine Vergrößerung der Stadt notwendig, und so wurde im Jahre 1335 am Fuße des Berges in Richtung Eder die Neustadt gegründet. Sie entstand entlang der Siegener Straße und unterstand, obwohl sie eine eigene Verwaltung besaß, gerichtlich und kirchlich der Altstadt. Auch verfügte sie über keinen eigenen Marktplatz. Erst 1556 wurde sie mit der Altstadt zu einem Gemeinwesen vereinigt.

Der große Brand und seine Folgen Am 9. Mai 1476 brach ein Feuer aus, dem die gesamte Altstadt und Neustadt und auch die Reste der Burg zum Opfer fielen. Auch die Liebfrauenkirche brannte vollständig aus, was zum Verlust der kostbaren Erstausstattung führte. Obwohl die Bürger den Wiederaufbau umgehend in Angriff nahmen, erholte sich Frankenberg, das damals zu den bedeutendsten hessischen Städten zählte, nie wieder ganz von dieser Brandkatastrophe. Im Jahre 1507 brannte zudem die halbe Neustadt nochmals nieder. Der Sitz des Amtes Frankenberg, das seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestand und die Stadtbezirke von Frankenberg und Frankenau sowie das halbe Gericht Geismar umfasste, wurde bald nach 1485 in das an der Stelle der alten Wasserburg Wolkersdorf neu erbaute Jagdschloss Wolkersdorf verlegt. Hierdurch entstand das Amt Wolkersdorf, dem die Untergerichte Röddenau (mit den angegliederten Gerichten Rengershausen und Bromskirchen) und das Gericht Geismar angehörten. Erst im 16. Jahrhundert entstand wieder ein eigenständiges Amt in Frankenberg, in dem außer der Stadt selbst das ehemalige Kloster St. Georgenberg, der Hof Rodenbach und die Kellerei Wiesenfeld vereinigt waren und das 1604 mit dem Amt Wolkersdorf vereinigt wurde.

Frankenberg vom 16. bis ins 18. Jahrhundert mini|Frankenberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Das Frankenberger Rathaus Das 16. Jahrhundert war vom Wiederaufbau der Stadt gekennzeichnet. Nur das um 1240 erbaute „Steinhaus“ hatte den Brand, ausgenommen des Dachgeschosses, überstanden. Mit dem Bau des neuen prächtigen Rathauses, das heute noch das Wahrzeichen der Stadt darstellt, wurde 1509 begonnen. Nach dem Jahre 1526 wurde, wie in der gesamten Landgrafschaft Hessen, die Reformation eingeführt, in Frankenberg durch die Prediger Caspar Tholde und Ludwig Stippius. Dabei wurde auch das erst 1494 gegründete Kloster Meitersdorf der Franziskaner-Tertiaren mit seiner bekannten Kunstwerkstatt aufgelöst. Die unter Landgraf Moritz 1606 erzwungene Reform der Kirche ist für die Zerstörung der Apostel- und Heiligenfiguren in der Liebfrauenkirche und der Marienkapelle verantwortlich. In den Pestjahren zwischen 1529 und 1611 suchte die Marburger Universität fünfmal Zuflucht hinter den Mauern Frankenbergs. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) schlug der Stadt schwere Wunden. Die wirtschaftlich günstige Lage am Schnittpunkt zweier Heeresstraßen wurde ihr, wie auch in späteren Kriegen, zum Verhängnis. Durchziehende Truppen beider kriegsführenden Seiten sowie eine längere Besatzung durch kaiserliche Truppen fügten der Stadt großen Schaden zu. In der Nähe der Stadt fand im Jahre 1646 das Gefecht auf der Totenhöhe zwischen Truppen von Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel, die durch schwedische Truppen verstärkt wurden, statt, wobei letztere den Sieg davontrugen.

Die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg