mini|Klangbeispiel: Etüde von Franz Wilhelm Ferling (48 Übungen für Oboe, op. 31, No 28, ca. 1840)

Die Oboe ([]) (veraltet auch Hoboe; beides Eindeutschungen von französisch hautbois) ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und einer schwach konisch gebohrten Röhre. Das mit Klappen ausgestattete Instrument hat seinen Ursprung in der französischen Barockmusik des 17. Jahrhunderts und stellt eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Schalmei dar. Die Diskantoboe, das Normalinstrument der Oboenfamilie, ist in C gestimmt.

Etymologie Hautbois, der französische Name des Instruments, bedeutet so viel wie „hoch klingendes Holzinstrument“ (Kompositum aus haut, „hoch“ und bois, „Holz“) und ist als Bezeichnung für eine Art Schalmei bereits im 15. Jahrhundert belegt.Lemma hautbois im Trésor de la Langue Française informatisé, eingesehen am 16. Januar 2017. Im deutschen Schrifttum der Barockzeit erscheint das Wort (nun als Bezeichnung der Barockoboe) zunächst in unveränderter Schreibung, also als Fremdwort (erstmals 1619 bei Michael Praetorius), ab 1750 dann vermehrt in der eingedeutschten Form Hoboe. Diese wurde ihrerseits im Lauf des 19. Jahrhunderts vom heute allgemein gebräuchlichen Namen Oboe verdrängt, der sich wohl durch den Einfluss des Italienischen erklärt (vgl. it. oboe, veraltet oboè, gleichfalls um 1700 aus dem Französischen entlehnt).; die dortigen Angaben zur Etymologie entsprechen dem Eintrag zur Oboe. In: Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1993.

Aufbau und Funktion mini|Mundstücke in europäischer und amerikanischer Bauweise mini|Mundstück in verschiedenen Zuständen: (v. l. n. r.) Pfahlrohr, Fasson, zusammengeklappte Fasson, Hülse, unfertig geschabtes Rohr, fertiges, benutztes Rohr, stark abgenutztes, zerstörtes Rohr. Unten: Hülse ohne den Kork, man erkennt die konische Form. mini|Renaissance-Oboe (Schalmei), Barock-Oboe (Kopie von Olivier Cottet des Originals von Stanesby), klassische Oboe Anfang 19. Jh. (Nachbau von Sand Dalton des Originals von Johann Friedrich Floth), Wiener Oboe Anfang 20. Jh., Wiener Oboe Ende 20. Jh. und moderne Oboe

Teile der Oboe Das etwa 65 Zentimeter lange Instrument hat wie das Saxophon einen konischen Klangkörper und überbläst in die Oktave. Der Korpus der Oboe ist dreiteilig und setzt sich aus Oberstück, Mittelstück und Becher (oder Fußstück) zusammen. Oberstück und Mittelstück haben an ihrem unteren Ende einen korkummantelten Zapfen, der in eine entsprechende Metallhülse am oberen Ende von Mittelstück bzw. Becher gesteckt wird. Zuletzt wird das Mundstück, von Oboisten meist schlicht Rohr genannt, oben in das Oberstück gesteckt. Sowohl für Korpus als auch für die Rohre gibt es eigene Etuis, in denen sie aufbewahrt und transportiert werden.

Korpus Oboen werden aus Grenadill-, Buchsbaum- oder Ebenholz gebaut, seltener sind Instrumente aus Rosenholz, Palisander, Cocobolo oder anderen exotischen Hartholzarten. Am oberen Ende des Mittelstückes ist auf der Rückseite der Daumenhalter angebracht, mit dessen Hilfe das Instrument gehalten wird. Aufgrund der Klappenmechanik, die im Laufe ihrer Geschichte (um den steigenden Ansprüchen an Klang und Intonation gerecht zu werden) mit zunehmender Kompliziertheit dazu führte, dass auf immer engerem Raum – speziell am Oberstück – immer mehr Bohrungen und Metalleinsätze angebracht wurden, war das Holz deshalb immer größeren Belastungen ausgesetzt. Dies führte dazu, dass nach und nach auf immer härtere Holzarten zurückgegriffen wurde, die dieser Belastung standhalten können. Inzwischen gibt es auch recht erfolgreiche Versuche mit Kunststoff bzw. mit Kompositmaterialien (Holzabfälle und kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff). Auch Oboen aus transparentem Acrylglas werden hergestellt. Die Ebonit- und Acrylglasoboen sind besonders gefragt für den Einsatz unter extremen Klimabedingungen, da dort das Holz leicht Gefahr läuft zu reißen.

Mechanik Die Oboe gilt als eines der im Aufbau kompliziertesten Blasinstrumente.Marc Schaeferdiek: Der Oboen-Doktor. Egge-Verlag, Koblenz 2006, ISMN: M-700160-69-2. Die Klappen und Böcke werden aus Neusilber oder ähnlichen leichtschwingenden Materialien geschmiedet und anschließend mit diversen Silber- und/oder Goldlegierungen überzogen. Die Anzahl der Klappen variiert von Modell zu Modell. Die Tonlöcher moderner Oboen werden durch Klappen verschlossen. Jede Klappe ist mit einem „Klappenpolster“ versehen, das das Tonloch abdeckt. Diese Polster bestehen entweder aus Fischhaut mit einer Füllung darin oder aus Kork und müssen vom Instrumentenbauer exakt eingepasst werden, damit sie luftdicht schließen. Auf der Unterseite jeder Klappe ist eine Stahlfeder eingehakt, die dafür sorgt, dass die Klappe von allein in die richtige Position zurückkehrt, sobald man die Klappe loslässt. Die Klappen werden entweder direkt mit den Fingern oder mittels ausgeklügelter Hebelmechanik bedient. Direkt mit den Fingern verschlossene Klappen weisen dabei oft Löcher auf, die ein teilweises Verschließen des Tonloches erlauben. Bei der obersten dieser Klappen ist dies über eine spezielle Form der Klappe vorgesehen, dieses so genannte Halbloch wird bei einigen Tönen zur Oktavierung eingesetzt. Andere solcher Löcher werden mechanisch bei Druck anderer Klappen teilweise verschlossen. Ringklappenoboen verfügen über Ringklappen, welche durch teilweises Verschließen ihrer großen Löcher mit dem Finger ein einfacheres Spiel von Glissandi und Mikrotönen erlauben (ohne Ringklappen lassen sie sich über den Ansatz, Mikrotöne auch über spezielle Griffe erreichen). Es existieren auch Oboen mit nur einzelnen Ringklappen. Die Klappen- und Hebelmechanik ist recht kompliziert; es existiert eine Vielzahl an Querverbindungen zwischen den einzelnen Klappen, welche mithilfe kleiner Schrauben justiert und eingestellt werden.

Bauformen Französische Oboe Es gibt sogenannte voll- und halbautomatische Oboen. Bei einer halbautomatischen ist für die erste und zweite Oktavklappe je ein Hebel zum Öffnen der Klappe vorhanden. Bei einer vollautomatischen Oboe existiert für beide Oktavklappen nur ein Hebel, der Wechsel geschieht hier zwischen den Tönen gis'' und a'' automatisch. Die vollautomatische Mechanik ist in Deutschland, Polen und in den Niederlanden besonders verbreitet, die halbautomatische in den USA und Frankreich. Beide Bauweisen haben ihre Vor- und Nachteile. Mit halbautomatischen Oboen lassen sich vor allem im oberen Tonbereich von c''' aufwärts mehr alternative Griffe für die einzelnen Töne finden, die mehr verschiedene Klangfarben und ein differenzierteres Spiel ermöglichen. Auch bei halbautomatischen Oboen lassen sich die beiden Oktavklappen jedoch nicht unabhängig voneinander bedienen, der Hebel für die zweite Oktavklappe verschließt automatisch die erste. Die vollautomatische Oboe ist einfacher zu bedienen, da eine Klappe wegfällt, ist dafür aber reparaturanfälliger und kann bei modernen experimentellen Werken mitunter nicht oder nur erschwert eingesetzt werden. Unabhängig davon ist eine dritte Oktavklappe verbreitet, die sich durch einen weiteren Hebel bedienen lässt.

Je nach Modell existieren verschiedene Trillerklappen, welche eingesetzt werden, wenn in schnellen Tonverbindungen, insbesondere bei Trillern, ein hinreichend schneller Wechsel zwischen den zwei Griffen nicht möglich ist, etwa für die Verbindungen c''-d'', c''-cis'' und as'-b'. Klang und Höhe unterscheiden sich jedoch teils beträchtlich gegenüber den Standardgriffen. Davon unabhängig existieren für viele Töne alternative Griffweisen, die teilweise durch die Mechanik zum Verschluss derselben Klappen führen, andernfalls aber ebenfalls klangliche Unterschiede implizieren.

Wiener Oboe Neben der auf der ganzen Welt verbreiteten Bauform der französischen Oboe existiert auch die Wiener Oboe, die fast ausschließlich in Wien gespielt wird, beispielsweise im Orchester der Wiener Philharmoniker. Sie ist etwas anders mensuriert, hat in der Tiefe einen etwas weicheren, in der oberen Lage engeren und spitzeren, obertonreicheren Klang. Sie reicht in der Tiefe in der Standardform bis zum kleinen h, mit einem besonderen Fußstück ist jedoch auch das kleine b spielbar. Die Wiener Oboe ist dem Barock-Instrument und der klassischen Oboe baulich, klanglich und in der Spieltechnik ähnlicher als die französische Oboe, da diese durch Innovationen französischer Instrumentenbauer wie Henri Brod oder Guillaume Triébert stärker verändert wurde. So verschwanden in französischen Modellen die Holzpflöcke der Klappenlager zugunsten solcher aus Metall und es wurden viele Klappen zur Erweiterung des Tonumfangs und alternativer Griffkombinationen hinzugefügt. Die Wiener Oboe wurde weniger stark verändert, das Oktavieren ist jedoch durch eine Oktavklappe wesentlich erleichtert worden. Die Klangfarbe der Wiener Oboe ändert sich zwischen piano und forte weniger stark. Die Wiener Schule der Oboenausbildung unterscheidet sich auch im Interpretationsstil (weniger Vibrato-Einsatz, deutlichere Phrasierung, kürzere Noten, weniger sanglich).

Tonerzeugung Die Tonerzeugung geschieht mit einem Doppelrohrblatt, das zwischen die nach innen gewölbten Lippen genommen wird und durch das mit hohem Druck hindurchgeblasen wird. Im Korpus der Oboe wird der Ton nach dem Prinzip der stehenden Welle in einem Instrumentenrohr erzeugt. Es bildet sich eine schwingende Luftsäule. Mit dem Öffnen und Schließen der Klappen wird die Länge der schwingenden Luftsäule und somit deren Wellenlänge verändert, der Ton wird höher oder tiefer. Die Oboe verhält sich physikalisch wie ein beidseitig offenes Rohr. Das eine Rohrende wäre zwar eigentlich durch das Doppelrohrblatt geschlossen, aber die Konizität der Bohrung lässt es wie ein offenes Ende wirken – und hierin besteht auch der wesentliche Unterschied zur Klarinette, deren Bohrung zylindrisch ist. Im tiefen Register befindet sich daher bei der Oboe die Hälfte der Wellenlänge im Rohr, mit einem Druckknoten in der Mitte. Die Schwingung enthält gerade und ungerade Obertöne. Beim ersten Überblasen bildet sich im Rohr ein zweiter Druckknoten aus, die Luftsäule schwingt mit doppelter Frequenz. Die Oboe überbläst in die Oktave. Mehrfaches Überblasen ist möglich, wobei jeweils ein weiterer Druckknoten hinzu kommt und sich die Frequenz entsprechend vervielfacht. Die physikalischen Eigenschaften der Oboe sind äußerst kompliziert und gegenwärtig noch nicht vollständig geklärt, da eine Vielzahl an Faktoren die Töne bzw. deren Qualität beeinflussen. Viele Klappen sind mit Hilfe von Stellschräubchen verstellbar und stehen zum Teil mit der Klangqualität und/oder Intonation anderer Töne im engen Zusammenhang. Beispielsweise kann die geringste Abweichung durch unsachgemäßes Einstellen der Klappe des c' dazu führen, dass Töne im höchsten Register zu rauschen beginnen oder sogar unspielbar werden. Neuerungen im Instrumentenbau zur Stabilisierung der Intonation oder komfortableren Spielbarkeit und Ansprache (was bedeutet, wie leicht der jeweilige Ton in Schwingung zu bringen ist) beruhen bis heute immer noch auf Versuchen, die je nach Ergebnis weiterentwickelt oder eben wieder verworfen werden.

In der Barockzeit hatte die Oboe einen Tonumfang von zwei Oktaven chromatischer Intervalle, vom c' bis zum c'''. Durch die noch fehlende Oktavklappe war eine besondere Überblastechnik für die zweite Oktave und von der unteren Oktave differierende Griffe notwendig, um eine korrekte Intonation zu erhalten.