Gutbrod war ein Motorrad-, Automobil- und Maschinenhersteller in Plochingen am Neckar und in Bübingen an der Saar.

Geschichte mini|Standard-Motorrad mini|Ernst Günther Burggaller 1925 auf einem Standard-Motorrad Wilhelm Gutbrod (1890–1948) gründete 1926 in Ludwigsburg die Standard Fahrzeugfabrik GmbH und produzierte zuerst Motorräder, später auch Automobile sowie Dreirad- und Vierrad-Lieferwagen. Das Unternehmen zog 1933 nach Stuttgart-Feuerbach und 1937 nach Plochingen am Neckar um.

Gutbrod produzierte Ende der 1930er Jahre u. a. den Motormäher Standard R 3, der über einen Antrieb mit 5 PS verfügte und auch mit einer Zusatzvorrichtung zum Getreideschnitt bzw. zum Antrieb einer Güllepumpe oder einer Kreissäge eingesetzt werden konnte. Sein Grundpreis im Jahr 1940 betrug 700 RM (entspricht heute etwa  EuroDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100 EUR gerundet und beziehen sich auf Januar .). Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Standard R 3 nur noch auf besondere Bewilligung der zuständigen Landesbauernschaft abgegeben.

Die von Gutbrod produzierten Motorräder errangen national und international zahlreiche Erfolge bei Rennen und Langstreckenfahrten. Das erste Automobil des Unternehmens vom Typ Standard Superior 500 wurde noch vor dem späteren VW als erster „Volkswagen“ vermarktet. Die Lieferwagen waren vor allem wegen ihrer Robustheit sehr erfolgreich.

Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion vollständig zum Erliegen. 1946 wurde das Werk in Plochingen teilweise demontiert. Dennoch wurden kleine Motormäher hergestellt. Außerdem wurde dem Bedarf von Lastwagen durch die Konstruktion eines Vierrad-Pritschenwagens mit Heckmotor und 750 kg Nutzlast begegnet. Ab 1949 wurden dort auch unter anderem mehrere Varianten des Kleinwagens Superior produziert. Darunter war 1952 eines der ersten Serienfahrzeuge der Welt mit Benzindirekteinspritzung, der Gutbrod Superior 700E. 1953 führte die Zahlungsunfähigkeit zu einem Teilverkauf des Unternehmens. 1954 endete die Pkw-Produktion und 1957 wurde das Werk Plochingen geschlossen. In Bübingen wurden weiterhin Maschinen für Landwirtschaft, Gartenbau und kommunale Aufgaben hergestellt.

Bis zur Übernahme durch die Modern Tool and Die Company (MTD) im Jahr 1996 stellte Gutbrod überwiegend motorbetriebene Rasenmäher und Kleintraktoren her. Das Werk in Bübingen wurde 1996 zu Hauptsitz und Europa-Zentrale der MTD Products AG.

Heute werden Hand- und Aufsitzmäher, Vertikutierer und Motorhacken unter dem Namen Gutbrod angeboten.

Werk Saarbrücken (Bübingen) Das Werk Saarbrücken bietet zwei Beispiele für den Erfindergeist des Unternehmens. Zum einen lief hier ab 1962 der Kleintraktor, zum anderen 1983 der erste Motor-Schneeräumer der Welt vom Band.

Nutzfahrzeuge mini|Gutbrod Atlas 800, Baujahr 1950 Gutbrod hatte vor dem Krieg als „Standard Fahrzeugfabrik“ zunächst in Ludwigsburg, dann in Feuerbach (Stuttgart) und später in Plochingen, Drei- und Vierrad-Lieferwagen gebaut. Ab 1946 wurden wieder kleine Nutzfahrzeuge als Typ Gutbrod Heck 504 gebaut, wobei bis 1950 davon 3810 Pritschen- und Lieferwagen hergestellt wurden. 1950 wurde dieses Fahrzeug durch den Typ Atlas 800 ersetzt, der als Pritschen- und Kastenwagen sowie als Kleinbus hergestellt wurde. Es wurden davon insgesamt 10.906 Nutzfahrzeuge gebaut, aber trotz allem konnte nicht gewinnbringend produziert werden und wegen finanzieller Schwierigkeiten ab 1952 musste der Nutzfahrzeugbau Anfang 1954 eingestellt werden. In den 1970er Jahren wurde in Ludwigsburg auf dem ehemaligen Areal der Fabrik der Neubau des Landratsamtes errichtet.

Direkteinspritzung mini|Gutbrod Superior Die ersten Pkw mit einer Direkteinspritzung waren die 1951 erschienenen Modelle Gutbrod Superior und Goliath GP 700. Beide Fahrzeuge hatten einen ab 1949 unter der Leitung von Hans Scherenberg entwickelten Zweitakt-Ottomotor von 700 cm³ und 26 PS (19 kW), der mit einer modifizierten Dieseleinspritzanlage von Bosch ausgerüstet war. Die Fahrzeuge hatten gute Fahrleistungen und einen günstigen Benzinverbrauch, 30 % weniger als die Vergaservarianten. Scherenberg wechselte später zu Daimler-Benz. Diese Technik wurde danach abgewandelt (da Viertakter) im Sportwagen Mercedes-Benz W 198 (300 SL) verwendet.

Modelle Standardmotorräder mini|Standard „Rex Sport“ von 1935 im Zweirad-Museum Neckarsulm mini|Standard „BS 500“ von 1932 im Zweirad-Museum Neckarsulm mini|Der erste „Volkswagen“ von Josef Ganz, 1933 mini|Gutbrod 600 (1952) mini|Gutbrod 600 (1952) mini|Gutbrod Superior (etwa 1952) mini|Gutbrod Kleintraktor 1031 mit Fräse (1967) mini|Gutbrod 1031 mit Fräse (1967) AT 500 (1926–1929) AS 500 (1926–1928) AS 350 (1927–1929) BT 500 (1929–1931) BT 750 (1928–1930) BT 1000 (1930–1933) CT 350 (1930–1933) CS 500 (1930–1932) CT 500 (1930–1933) BT 600 (1931/1932) CT 600 (1931/1932) CS 350 (1931/1932) DS 200 „Kobold“ (1931–1934) DR 500 (1931/1932) FS 200 „Hexe“ (1932) FT 350 (1932) Feuergeist GZ 175 (1932/1933) Feuergeist Block FB 200 (1933–1935) Feuergeist Luxus Block FB 200 (1935–1937) Rex Touren 350 (1933) Rex Sport 350 (1933–1936) Rex Sport 350 H 354 (1936–1940) Rex Sport 350 H 354 / Saarland (1946–1950) Rex Record 350 (1933) Feuergeist Prima, Nixe, Nixe Luxus (1934–1936) Kobold Block J 200 (1934–1936) Kobold Block Spezial Gelände J 250 (1934/1935) Kobold Block Spezial Gelände J 350 (1935) Spezial Gelände G 354 (1934) Rex Sport 500 (1934/1935) Langhub L 500 (1934/1935) Roland 500 (1934) Touren LF 500 (1936) Touren T 353 (1936–1940) Rekord 200 (1937/1938) Sport 350 (1937/1938) Kurier 500 (1937–1940) Feuergeist Luxus Block G 250 (1938/1939) Feuergeist Luxus Block T 250 (1939/1940)

Standard- und Gutbrod-PKW Standard Superior 400/500 (1933/1934) Gutbrod Superior 600/700 (1949–1954)

Gutbrod-Lieferwagen und -Dreiräder Progress 200 Dreirad (1933–1935) Merkur (1934–1937) Hermes (1935/1936) Standard P 203/P 503 Dreirad (1935–1939) Standard H 204/H 504 (1936–1939) Standard HV 504 (1937–1939) Standard E1 Dreirad (1939–1945) Gutbrod Heck 504 (1946–1949) Gutbrod Heck 604 (1949/1950) Gutbrod Atlas 800 (1949–1953) Gutbrod Atlas 800/H (1953/1954) Gutbrod Atlas 1000 (1951–1954) Gutbrod Atlas 1000/3 (1953/1954) Gutbrod Atlas 700 (1953/1954)

Gutbrod-Schlepper Farmax (1949/1950) ND 15 (1949–1951) ND 25 (1950/1951) ND 36 (1950/1951) 1017 1030 1031 (1967) 1032 1040 1050 2016H 2060 (1970) 2350 2400 2450 2500 2600 (1977) 2850 (1982) 2900 4000 4200 4250 4300 4350 5020 (1995) 5025

Gutbrod-Rasentraktoren Autoboy 803 Golf Spieder 808 1000 1005 1008 1010 1012 1030 1050 1114 AWS 1200 1500D GLX 92 GLX 105 GLX 122 JLX 76 XLX 117 SAL

Gutbrod-Einachser BM 100 MF 70 MF 72 Mf 8 U 5 U 6 U 70 U 72 Kobold Puma Rex Terra Trabant Unica 410 550 650 750 900 R 3

Neuzulassungen von Gutbrod-Pkw im Deutschen Reich von 1933 bis 1938 Jahr Zulassungszahlen 1933 196 1934 185 1935 1936 6 1937 33 1938 36

1950 wurden 616 neue Pkw dieses Herstellers in Deutschland zugelassen. 1951 wurde mit 3230 Stück die höchste Zahl erreicht. 1952 fiel sie auf 1975 und im Folgejahr auf 1252. 1954 waren es nur noch 62 Fahrzeuge.

Verwandte Themen Josef Ganz – Ingenieur bei der Standard-Fahrzeugfabrik Der in den 1990er Jahren gebaute Nissan Figaro hatte gewisse stilistische Ähnlichkeit mit dem Gutbrod Superior aus den 1950er Jahren.

Literatur Otfried Jaus, Peter Kaiser: Neben den Großen: handwerklicher und kleinindustrieller Fahrzeugbau in Württemberg. Kaiser, Stuttgart. Band 1: Standard, Gutbrod (etwa 1994).

Weblinks

Gutbrod-Homepage Standard-Gutbrod-Freunde Interessengemeinschaft MTD Europe

Einzelnachweise

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