alternativtext=Auf dem Bild ist Schröck(Marburg) aus der Vogelperspektive. Der Blick geht in Richtung Norden. Zu sehen ist neben vielen Häusern auch die Kirche|mini|Schröck aus der Vogelperspektive, Richtung Norden (2022) Schröck ist ein östlicher Stadtteil der Universitätsstadt Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geografische Lage Schröck liegt etwa 5 km (Luftlinie) östlich der an der Lahn gelegenen Stadt Marburg. Es befindet sich bei durchschnittlich 218 m ü. NN östlich der Lahnberge am westlichen Rand des Amöneburger Beckens, in dem unter anderen die Amöneburg liegt. Das Ortsgebiet umfasst 647 ha.
Geschichte mini|hochkant|Bildstock bei Schröck
Ortsgeschichte Eine sehr ausführliche Übersicht über die Ortsgeschichte von Schröck findet sich in der „Schröcker Chronik“,Peter Nau und Karl Schober: Schröcker Chronik (1976) die mittlerweile durch eine „Neue Schröcker Chronik“ Lothar Weitzel (Hrsg.): Neue Schröcker Chronik. Marburg 2014. umfangreich ergänzt wurde. Der folgende Text ist eine kurze Zusammenfassung dieser Informationen.
Das heutige Gebiet des Ortes weist eine sehr lange Siedlungsgeschichte auf. Jungsteinzeitliche und bandkeramische Funde deuten auf eine Besiedelung schon gegen 3000 v. Chr. hin. Weiterhin wurden Funde aus der Bronze- und Eisenzeit gemacht (ca. 1800 v. Chr.). Weitere Funde in Ortsnähe wie Hügelgräber und Urnenfelder auf den Lahnbergen unterstreichen diese älteste Besiedlung. Um das Jahr 0 herum siedelten sich die Vorfahren der Hessen (Chatten) im Marburger Raum an. Als es gegen 500 n. Chr. zum Zusammenschluss von Franken und Chatten kam, wurden zahlreiche neue Siedlungen im Amöneburger Raum gebildet.
In diesem Rahmen wurde wohl auch der Ort Schröck gegründet, seine Keimzelle liegt wahrscheinlich im Gebiet um die heutige Kirche. Die Gründung des Ortes erfolgte durch einen Gefolgsmann der Grafen von Amöneburg. Um 721 wurden die Amöneburger Grafen von Bonifatius getauft, sehr wahrscheinlich nahmen hierbei auch die Vertreter von Schröck den christlichen Glauben an. Im Jahr 1223 wurde der Ort, soweit bisher bekannt, erstmals urkundlich erwähnt, als ein „Rudolph de Scrickede“ in einer Urkunde des Klosters Haina auftauchte. Gegen 1300 wurde der Ort Teil des Erzstifts Mainz; die entsprechende Steuer (Bede) wurde erstmals 1315 bezahlt. 1527 wurde die Reformation in der Landgrafschaft Hessen eingeführt und Schröck wechselte zum protestantischen Glauben. Dies währte allerdings nur bis 1608, als Hessen das Patronat über die Schröcker Kirche an das Erzbistum Mainz zurückgab und der Ort wieder katholisch wurde. Am 30. September 1726 wurde die neue Kirche eingeweiht, nachdem der mittelalterliche Vorgänger wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss fiel das Mainzer Amt Amöneburg und damit auch Schröck 1803 an Hessen-Kassel, das aus den ihm zugefallenen ehemals kurmainzischen Gebieten das Fürstentum Fritzlar bildete. Ab 1807 gehörte der Ort zum französischen Satellitenstaat Westphalen. Allerdings bestätigte der Wiener Kongress 1815 die im Reichsdeputationshauptschluss getroffenen Gebietsänderungen, so dass Schröck wieder hessisch wurde. Es wurde 1821 dem neu gebildeten Kreis Kirchhain zugeteilt. Nach dem preußischen Gewinn des Deutschen Krieges 1866 wurde Hessen-Kassel von Preußen annektiert und Schröck wurde eine preußische Gemeinde.
Im Ersten Weltkrieg fielen 32 Schröcker Kriegsteilnehmer, drei weitere blieben vermisst. Im Zweiten Weltkrieg fielen 48 Schröcker Kriegsteilnehmer, 17 werden vermisst. Am 28. März 1945 wurde der Ort von amerikanischen Einheiten besetzt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Schröck im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Marburg eingemeindet. Für den Stadtteil Schröck wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Entwicklung des Ortsnamens Bei dem Namen Schröck handelt es sich nicht um die historische Ortsbezeichnung, vielmehr wandelte sich der Name im Laufe der Zeit mehrmals. Der ursprüngliche Ortsname kann auf ein althochdeutsches Wort mit der Endung „-ithi“ zurückgeführt werden. Orte, die auf „-ithi“, „-ahi“, „-lar“ und „-mär“ enden, gehören meist zu den ältesten Siedlungen in Hessen Michael Gockel: „Siedlungsnamen - Typen I und II“, (Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, 1962); die Urheber dieser Ortsnamen sind wohl die Chatten. Der Name Schröck setzt sich zusammen aus dem Verb „schrecken“ und dem Wort „ithi“. Während man schrecken mit aufspringen bzw. ansteigen gleichsetzen kann, bedeutet die Wortendung -ithi versehen mit bzw. reich an. Demnach ist der älteste Name des Ortes wohl „Skrikithi“, was so viel wie zu den Hügeln bedeutet.
Folgende historische Namen des Ortes sind bekannt (in Klammern die Jahreszahl) Ulrich Reuling: „Historisches Ortslexikon Marburg. Ehemaliger Landkreis und kreisfreie Stadt“ (Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, 1980): Scrikkede (um 1233), Srichkede (1250), Screkede (1279), Scrichede (1315), Schrick (1351), Schrigkte (1468), Schrock (1570), Schreckt (1570) und Schreck (1708/10), woraus dann schließlich Schröck wurde.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schröck angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Amöneburg ab 1803: Heiliges Römisches Reich,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg 1807–1813: Königreich Westphalen,Infolge der Napoleonische Kriege. Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Amöneburg ab 1815: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Fritzlar, Amt Amöneburg ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74.Trennung von Justiz (Assistenzamt Amöneburg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt MarburgAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Stadt Marburg. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Marburg
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Amöneburg war als Gericht erster Instanz für Schröck zuständig. Das Justizamt Amöneburg war bis 1831 Assistenzamt des Justizamts Kirchhain und danach selbständiges Justizamt. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Gleichzeitig wurde der Bereich des bisherigen Justizamts Amöneburg dem Amtsgericht Kirchhain zugeschlagen; diese Aufhebung des Justizamtes Amöneburg wurde aber bald darauf revidiert und es wurde am 1. Januar 1868 als Amtsgericht Amöneburg weitergeführt. Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht Amöneburg bestehen. Erst zum 1. Oktober 1932 wurde es aufgehoben und sein Sprengel dem des Amtsgerichts Kirchhain zugeordnet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Schröck 1713 Einwohner. Darunter waren 21 (1,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 348 Einwohner unter 18 Jahren, 723 zwischen 18 und 49, 339 zwischen 50 und 64 und 300 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 696 Haushalten. Davon waren 186 Singlehaushalte, 201 Paare ohne Kinder und 234 Paare mit Kindern, sowie 54 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 129 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 483 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Die Zahl der Einwohner von Schröck stieg stetig seit Beginn der schriftlichen Aufzeichnungen. Als Quellen für die Einwohnerentwicklung stehen Urkunden der Pfarreien sowie später der Gemeinde zur Verfügung. In ihnen kann man erkennen, dass Schröck im 16. Jahrhundert ein kleiner Ort mit nur wenigen Einwohnern war. Über frühere Zahlen ist nichts bekannt, es dürfte jedoch als sicher gelten, dass die Zahl der Einwohner durch die Pestepidemie von 1349 deutlich verringert wurde (siehe hierzu die Entwicklung der Marburger Einwohnerzahl). Weiterhin vergrößerte sich Schröck wahrscheinlich im 14. und 15. Jahrhundert durch den Zuzug von Bewohner aus den umliegenden, wüst gewordenen Orten Artzbach, Lampertshausen, Eiloh und Odendorf. Auch wenn die Daten keine genaue Aussage zulassen, dürfte es als gesichert gelten, dass die Bevölkerungszahl im Dreißigjährigen Krieg sank. Hierfür sprechen Angaben über die Bevölkerungsentwicklung in den umliegenden Orten, die so wohl auch auf Schröck zutreffen. Einen weiteren Einbruch der Bevölkerungszahl gab es im Siebenjährigen Krieg. Eine sehr deutliche Steigerung der Einwohnerzahl erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten stark anstieg.
1585: 22 Hausgesesse 1664: 31 Haushalte
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 13 evangelisch-lutherische, 692 römisch-katholische Einwohner • 1885: 8 evangelische und 85 katholische Einwohner • 1961: 23 evangelische, 1001 römisch-katholische Einwohner • 1987: 232 evangelische (= 15,8 %), 1138 katholische (= 77,3 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon 1746: Erwerbspersonen: 32 Ackerleute, zwei Schmiede, zwei Wagner, drei Schneider, 8 Leineweber, zwei Gastwirte, zwei Maurer, 5 Zimmerleute, zwei Fischer, zwei Müller, 18 Tagelöhner. 1838: Familien: 33 Ackerbau, 55 Gewerbe, 16 Tagelöhner. 1961: Erwerbspersonen: 176 Land- und Forstwirtschaft, 193 Produzierendes Gewerbe, 42 Handel und Verkehr. 95 Dienstleistungen und Sonstiges.
Kirchengeschichte
mini|Katholische Pfarrkirche St. Michael