mini|Auferstehung (Dieric Bouts, um 1455) mini|Verkauf von Osterzweigen am Münchner Viktualienmarkt Ostern ist das höchste christliche Fest. Dabei wird der Auferstehung Jesu Christi am dritten Tage nach seinem Tod am Kreuz gedacht. Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond begangen, damit frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Mit der Nacht zum Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten andauert.

In der Osternacht wird zu Beginn des Gottesdienstes das Osterfeuer gesegnet. An dessen Flamme entzündet der Priester die Osterkerze, die anschließend in die dunkle Kirche getragen wird. Größere, ebenfalls öffentliche Osterfeuer sind von der Osternacht bis Ostermontag auch ohne weiteren christlichen Kontext verbreitetes Brauchtum. Weithin außerhalb des religiösen Kontextes herrscht der Osterbrauch, für Kinder Ostereier, andere Süßigkeiten und kleinere Geschenke zu verstecken; das Verstecken oder Verteilen wird dabei dem Osterhasen zugeschrieben.

Bezeichnungen Etymologie Die Einführung und Kultivierung des Begriffs Ostern im Deutschen hängt eng mit der Strukturierung der fränkisch-deutschen Kirchenprovinzen zusammen. Diese waren sprachlich und klerikal unterschiedlich geprägt. Im Erzbistum Köln, der kölnischen Kirchenprovinz, die fränkisch geprägt war, herrschte der Begriff pāsche vor und wurde vor allem in den heute erhaltenen Dokumenten auch so geschrieben. Bonifatius hatte als Bischofssitz Mainz, und aus der angelsächsischen Tradition wurde dort in den Dokumenten ôstarun in angelsächsischer Anlehnung als typisches Missionswort verwendet.In der altsächsischen Evangelienparaphrase Heliand mit angelsächsischen Einflüssen fehlt dieses Missionswort. Verbreitungs- und Übersichtskarte bei Theodor Frings: Grundlegung einer Geschichte der deutschen Sprache. Karte Nr. 17.

Das neuhochdeutsche Ostern und das englische Easter haben die gleiche sprachliche Wurzel, zu deren Etymologie es verschiedene Lösungsansätze gibt. Das Herkunftswörterbuch des Dudenverlags leitet das Wort vom altgermanischen austrō > ausro „Morgenröte“ ab, das eventuell ein germanisches Frühlingsfest bezeichnet und sich im Altenglischen zu Ēostre, Ēastre, im Althochdeutschen zu ōst(a)ra, Plural ōstarun fortgebildet habe. Der Wortstamm sei mit dem altgriechischen Namen der vergöttlichten Morgenröte Ēōs und dem lateinischen aurora „Morgenröte“ verwandt, die ihrerseits weitere Sprachen beeinflusst hätten. Die zugrunde liegende indogermanische Wurzel ist das Substantiv *h₂au̯s-os „Morgenröte“, abgeleitet von einer indogermanischen Verbalwurzel *h₂u̯es- „(morgens) hell werden“Dagmar S. Wodtko (Hrsg.): Nomina im Indogermanischen Lexikon. Winter, Heidelberg 2008, S. 357 ff. Eine Weiterbildung derselben Wurzel, indogermanisch *h₂au̯s-t(e)r(o), wurde als Bezeichnung für eine helle Himmelsrichtung verwendet und hat im Lateinischen zu auster „Südwind, Süden“ und im Deutschen zum Wort „Osten“ geführt: Ebd. S. 359, 367. oder *h₂au̯s- „(aus dem Wasser) schöpfen, Feuer holen“.Michael Janda: Die Musik nach dem Chaos. Der Schöpfungsmythos der europäischen Vorzeit (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, hrsg. von Wolfgang Meid), Innsbruck 2010, S. 253 ff. Diese Wurzel hat sich daneben in lat. haurire „schöpfen“, gr. aúō „Feuer holen“ sowie enaúō „Feuer geben“ erhalten und bildet nach Janda das Benennungsmotiv für die indogermanische Göttin der Morgenröte *H₂áu̯sōs „das Herausschöpfen (des Feuers), die (das Feuer) herausgeschöpft hat“ (ebd.). Vgl. den konvergenten Erklärungsversuch Jürgen Udolphs weiter unten.

Ēostra ist erstmals 738 bei Beda Venerabilis (De temporum ratione 15) belegt. Auf ihn geht die Vermutung zurück, das Wort habe eine angelsächsische Lichtgöttin bezeichnet, nach der der Monat April auf angelsächsisch Ēosturmanoth benannt war. Das Deutsche Wörterbuch zitiert ihn mit dem Vorbehalt, er könne diese Göttin – als deren späteren Namen sie Ostara vermuten – erfunden haben. Die hypothetische Gottheit Ostara wird heute skeptischer gesehen.Horst Sauer: Wie heidnisch ist Ostern? Die Wissenschaft durchleuchtet eine fragwürdige Göttin. In: Die Zeit. 27. März 1959, abgerufen am 30. März 2016. Wahrscheinlicher ist, dass Beda Volkstraditionen aufgriff, die im Rahmen frühjährlicher Vegetationsriten gepflegt wurden und mit den Matronen- und Disenkulten in Verbindung standen und darüber hinaus im damaligen paganen germanischen Raum üblich waren und teilweise heute noch tradiert werden.Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. S. 90, 73, 217; Karl Helm: Altgermanische Religionsgeschichte. Band 2, Teil 2, §§ 162, S. 277–280.

Eine weitere Deutung geht von der lateinischen Bezeichnung hebdomada in albis („weiße Woche“) für die Osteroktav aus. Da alba in den romanischen Sprachen die Bedeutung „weiß“ verliert und die spezielle Bedeutung „Morgenlicht“ bzw. „Morgenröte“ annimmt, kann dies durch das entsprechende germanische Wort wiedergegeben worden sein.Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23., erw. Auflage. 1999, S. 605 f.

Wegen der Entdeckung des leeren Grabes Jesu „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“ ist die Morgenröte im Christentum Symbol der Auferstehung. Die Canones Hippolyti (um 350) gaben daher für die Osternacht die Weisung: „Alle sollen daher bis zur Morgenröte wachen, dann ihren Leib mit Wasser waschen, bevor sie Pascha feiern, und das ganze Volk sei im Lichte.“ Dies knüpfte auch an die biblische Exodustradition der Israeliten in der Nacht des „Vorübergehens“ (hebräisch pessach): „Eine Nacht des Wachens war es für den Herrn, als er sie aus Ägypten herausführte. Als eine Nacht des Wachens zur Ehre des Herrn gilt sie den Israeliten in allen Generationen“ .

Honorius Augustodunensis (12. Jh.) leitete Ostern von Osten (vgl. engl. und ) ab, der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Viele neue Christen ließen sich damals „bei Sonnenaufgang“ am Ostermorgen – althochdeutsch zu den ostarun – taufen. Hier knüpft auch der Namenforscher Jürgen Udolph an, der das Wort mit Bezugnahme auf den österlichen Tauftermin aus der nordgermanischen Wortfamilie ausa „gießen“ und austr „Osten“ erklärt. So sei ein vorchristlicher Wasserritus als vatni ausa („mit Wasser begießen“) bezeichnet worden.

Europäische Sprachen Viele Sprachen bezeichnen das Osterfest mit einer Wortableitung vom aramäischen pas-cha [pasxa], angelehnt an das hebräische Wort Pessach ( [ˈpasxa] von ), unter anderem: Albanisch: pashkët Dänisch: påske Esperanto/Ido: Pasko Französisch: Pâques Griechisch: πάσχα/pascha [ˈpasxa] Interlingua: pascha Isländisch: páskar Italienisch: Pasqua Katalanisch: Pasqua Niederländisch: Pasen Norwegisch: påske Plattdeutsch: PaaskenGernot de Vries: Ostfriesisches Wörterbuch Hochdeutsch/Plattdeutsch. Schuster, Leer 2000, ISBN 3-7963-0339-0, S. 275./Paasch(en)Günter Harte, Johanna Harte: Hochdeutsch-plattdeutsches Wörterbuch. 3. Auflage. Schuster, Leer 1997, ISBN 3-7963-0243-2, S. 145. Portugiesisch: Páscoa Rätoromanisch: Pasca/Pasqua Rumänisch: paști Russisch: /Pascha [ˈpasxa] Schwedisch: påsk Spanisch: Pascua Türkisch: Paskalya Hebräisch: "פֶּסַח"

Im nordwestdeutschen Raum hat sich die Bezeichnung Paasken für Ostern im Plattdeutschen bis heute erhalten. Diese Sprachtradition weist auf die wesentliche Beziehung von Tod und Auferstehung Jesu zum Auszug der Israeliten aus der Sklaverei hin und betont die bleibende Verwurzelung des Christentums im Judentum.

Die meisten westslawischen Sprachen nennen das Osterfest „Große Nacht (Große Nächte)“, auf Polnisch Wielkanoc, Tschechisch Velikonoce, Slowakisch Veľká noc und Slowenisch Velika noč. Hingegen verwenden das Belarussische Вялікдзень/Wjalikdsen, das Ukrainische Великдень/Welykden, das Bulgarische und Mazedonische Великден (Welikden) sowie in früheren Zeiten das Serbische Велигдан (Veligdan) mit der Bedeutung „Großer Tag“, in gleicher Weise die baltischen Sprachen Lettisch Lieldienas und Litauisch Velykos.

In den beiden sorbischen Sprachen lautet das Wort für Ostern Jutry (obersorbisch) bzw. Jatšy (niedersorbisch) und leitet sich vom slawischen jutro („der Morgen“) ab.Heinz Schuster-Šewc: Historisch-etymologisches Wörterbuch der ober- und niedersorbischen Sprache. Band 7. Domowina, Bautzen S. 470 f. Das ungarische húsvét bedeutet wörtlich „Fleisch zu sich nehmen“, ebenso das estnische lihavõte. Der georgische Name აღდგომა (aghdgoma) heißt auf Deutsch „Auferstehung“ oder „Aufstehen“ im Allgemeinen, ebenso wie das kroatische, bosnische und serbische Uskrs (kyrill. Ускрс).

Festlegung des Osterdatums

Ostern gehört zu den beweglichen Festen, deren Kalenderdatum variiert. Da Leiden, Sterben und Auferstehung Christi laut den Aussagen des Neuen Testamentes in eine Pessachwoche fielen, bestimmt der Termin dieses beweglichen jüdischen Hauptfestes auch das Osterdatum. Es wird über einen Lunisolarkalender bestimmt und fällt in der Westkirche immer auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, im gregorianischen Kalender also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Danach richten sich auch die Daten der beweglichen Festtage des Osterfestkreises.

Nachdem auf dem Ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 eine erste allgemeinverbindliche Regelung beschlossen worden war, die nun den Julianischen Kalender benutzte, ließ Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender im Bereich der Westkirche einführen. Allerdings blieben die Ostkirchen (mit Ausnahme der Finnisch-Orthodoxen Kirche und der Ostsyrischen Kirche) beim Julianischen Kalender, so dass seitdem der Ostertermin der westlichen Christenheit von dem der orthodoxen und altorientalischen Kirchen um bis zu fünf Wochen voneinander abweichen kann. Das Osterfest der Ost- und Westkirchen liegt in diesem Jahrhundert insgesamt nur 27-mal auf demselben Tag.

Alle übrigen beweglichen christlichen Feste werden vom Ostersonntag aus berechnet.

Ostern im Neuen Testament Erscheinungs- und Grabüberlieferung Die vielfältige neutestamentliche Osterüberlieferung wird im Kern auf die Jerusalemer Urgemeinde zurückgeführt. Aus ihr stammt der emphatische Jubelruf, der bis heute viele Ostergottesdienste weltweit eröffnet :

Nach Auskunft aller Evangelien ist Jesu Auferweckung exklusive Tat Gottes und wurde von keinem Menschen beobachtet. Erst ihre Folgen werden für seine ersten Nachfolger als wahrnehmbar beschrieben: Frauen aus seiner Heimat, die sein Sterben und seine Grablegung mitangesehen hatten, entdecken, dass sein Grab leer ist. Dabei teilen Engel ihnen die Botschaft von der Auferweckung mit und senden sie zu Petrus und den übrigen verbliebenen Jüngern.

Laut der ältesten überlieferten Version im Markusevangelium kündigt der Engel ein Wiedersehen mit Jesus in Galiläa an. Die Frauen erzählen jedoch niemandem von dieser Begegnung, da sie sich fürchten. Damit endet das Evangelium wohl ursprünglich; die weiteren Abschnitte () kamen als Zusammenfassung anderer Überlieferungen erst später hinzu.

Auch in Matthäus schickt der Engel die Jünger nach Galiläa. Lukas und Johannes siedeln die übrigen Ereignisse in Jerusalem und Umgebung an, wo Jesu eigenes Reden und Handeln seine verzweifelten Jünger zum Glauben an sein neues, unzerstörbares Leben führt (; ). Jesu Begegnung mit den versammelten Erstberufenen am Abend des Ostertages ist der Durchbruch: Jesus bringt seine Jünger zum Glauben an ihn, stellt die zerbrochene Gemeinschaft mit ihm wieder her und beauftragt sie zur weltweiten Mission (; ; ).

Die Jerusalemer Urchristen hielten die Namen der ersten Osterzeugen als besonders bedeutsam für ihren Glauben fest . Paulus von Tarsus, der sich als letzter in diese Reihe stellte, erzählt, dass er dem Auferstandenen als Christenverfolger persönlich begegnet sei und von ihm zum Völkerapostel beauftragt worden sei. Er, Paulus, habe die Jerusalemer Urchristen erst Jahre danach kennengelernt .

Der „dritte Tag“ mini|Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Zu diesem Bildtypus gehört die Fahne als Symbol des Sieges über den Tod.