mini|hochkant|Ilhan Omar (2018)

Ilhan Abdullahi Omar (* 4. Oktober 1982 in Mogadischu, Demokratische Republik Somalia) ist eine US-amerikanische Aktivistin und Politikerin der Demokratischen Partei. Seit Januar 2019 vertritt sie den fünften Distrikt des Bundesstaats Minnesota im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten.

Familie, Ausbildung und Beruf Omar wurde in der Demokratischen Republik Somalia (1969 – 1991) als jüngstes von acht Kindern geboren. Mit ihr als Achtjähriger floh ihre Familie vor dem Somalischen Bürgerkrieg und lebte zunächst im ostafrikanischen Kenia in einem Flüchtlingscamp. 1995 wanderte sie in die USA ein und erhielt im Alter von 17 Jahren die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie besuchte die Edison High School in Minneapolis und absolvierte 2011 ein Studium (Political Science and International Studies) an der North Dakota State University. Seit 2015 war sie Direktorin für Policy & Initiatives des Women Organizing Women Network.

Sie ist seit März 2020 zum dritten Mal verheiratet und hat drei Kinder aus früherer Ehe. Ihre Tochter Isra Hirsi ist eine der drei Hauptorganisatorinnen von Fridays-for-Future-Demonstrationen in den Vereinigten Staaten.

Omars Vater starb im Juni 2020 an COVID-19.

Politische Laufbahn Im November 2016 wurde Omar für die Minnesota Democratic-Farmer-Labor Party in das Repräsentantenhaus von Minnesota gewählt. Im September 2017 bildete die Zeitschrift Time Omar auf der Titelseite ab und listete sie unter „Firsts: Women who are changing the world“ als eine von 46 Frauen, die in ihrer jeweiligen Disziplin Grenzen überwunden haben.

Omar war bei der Wahl zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 2018 Kandidatin ihrer Partei für den 5. Kongresswahlbezirk von Minnesota. Seit ihrem Wahlsieg ist sie die erste US-Amerikanerin aus Somalia und die erste Muslima (zusammen mit Rashida Tlaib), die in den Kongress gewählt wurde. Tlaib und Omar leisteten den Amtseid auf den Koran. Um ihr im Repräsentantenhaus das Tragen eines Kopftuchs zu ermöglichen, hatten die Demokraten im November 2018 mit Erfolg den Antrag gestellt, das dort geltende Verbot religiöser Kopfbedeckungen aufzuheben.Ilhan Omar schreibt Geschichte: Als erste Frau im US-Kongress trägt sie Kopftuch

Seit der Wahl tritt sie mit ihren befreundeten Kolleginnen Alexandria Ocasio-Cortez, Ayanna Pressley und Rashida Tlaib in einer Gruppe in Erscheinung, die als The Squad bekannt ist. Omar sprach sich vor den Präsidentschaftsvorwahlen der Demokratischen Partei im Jahr 2020 für Bernie Sanders aus („endorsement“).

Durch die Wahlen 2020 und 2022 wurde sie im Amt bestätigt. Nachdem sie die Vorwahl (Primary) ihrer Partei am 9. August 2022 gewonnen hatte, besiegte sie am 8. November 2022 Cicely Davis von der Republikanischen Partei. In der Kongresswahl 2024 zum 119. Kongress wurde Omar in der Vorwahl mit 56,2 % wieder als Kandidatin der Demokraten aufgestellt. Minnesota 5th Congressional District Primary Election Results , The New York Times vom 29. August 2024 Nachdem die Squad-Mitglieder Cori Bush und Jamaal Bowman wegen israelkritischer Haltungen ihre Vorwahlen verloren hatten, galt Ilhan Omars Sieg als eine Bestätigung der Squad.Clay Masters: After other members of the 'Squad' lost their primaries, Rep. Ilhan Omar manages to hold on, National Public Radio vom 13. August 2024 In der Hauptwahl im November 2024 schlug sie die Republikanerin Dalia Al-Aqidi mit 75,2 %.Minnesota Fifth Congressional District Election Results, The New York Times vom 4. Dezember 2024 Ihre aktuelle Legislaturperiode im Repräsentantenhaus des 119. Kongresses läuft noch bis zum 3. Januar 2027.

Links-progressive Positionen Die vier Mitglieder der Squad, so auch Omar, gelten als Teil des weit linken und progressiven Flügels der Demokratischen Partei. Auch wenn sie anders als Ocasio-Cortez und Tlaib nicht Mitglied der Democratic Socialists of America ist, identifiziert sich Omar als demokratische Sozialistin, aber nicht mit dem Begriff Sozialistin, während sie dennoch sozialistische Ideale und kapitalismuskritische Positionen vertritt. Omar unterstützt Pläne zur Abschaffung des Schulgeldes und der durch Studienkredite entstehenden Studentenschulden. Sie unterstützt die Krankenversicherung für alle und einen stündlichen Mindestlohn von 15 Dollar. Omar setzt sich für diskriminierte Gruppen, für Menschen-, Frauen- und LGBT-Recht ein. Sie unterstützt die Ehe für alle, den Equality Act und Bemühungen für ein Verbot von Konversionstherapien. 2018 wurde sie von der Human Rights Campaign befürwortet, worauf sie in einem Statement bekräftigte: „Ich werde in Washington D.C. für LGBTQIA+-Rechte kämpfen.“

Immigrations- und Auslandspolitik Omars Immigrationspolitik steht vor allem dafür, dass Immigration und Immigrierende nicht kriminalisiert werden sollten. Sie unterstützt die Abschaffung der United States Immigration and Customs Enforcement, den Schutz von Sanctuary Cities und einen legalen Weg zur Staatsbürgerschaft für sogenannte Dreamer. Trumps Pläne einer Grenzmauer sowie die Trennung von immigrierten Familien verurteilte sie als fremdenfeindlich und rassistisch, aber ebenso kritisierte sie Obamas Politik, Kinder an der Grenze einzusperren und andere Länder mittels Drohnen zu bombardieren. Im Juni 2019 stimmten die vier Mitglieder des Squad als die einzigen Demokraten gegen eine Border Funding Bill, einen Gesetzesentwurf zur Finanzierung der United States Customs and Border Protection zur gesundheitlichen Versorgung Inhaftierter. Omar begründete, dieser Entwurf gäbe gerade der Organisation Geld, die die Menschenrechtsverletzungen an der Grenze begehe und anleite.

Omar verurteilt die militärische Außenpolitik kritisch und fordert, die Militärausgaben zu reduzieren, für die immer Geld da zu sein scheine. Sie beschreibt ihre Haltung selbst so: „Ich bin aus Prinzip gegen Krieg, weil ich einen Krieg überlebt habe. Ich bin auch gegen Interventionen.“ Daher kritisierte sie auch die Einmischungen und Sanktionierungen in Zentralamerika, konkret besonders in Venezuela während dessen Präsidentschaftskrise 2019, bei der Trump Juan Guaidó als Interimspräsidenten anerkannte. Sie sagte, Trumps Politik in Venezuela ziele auf einen Regimewechsel und trage zu den Unruhen und Verwüstungen im Land bei, und bezeichnete sie als von den Vereinigten Staaten unterstützten Putschversuch. Im April unterstützten Omar und Ocasio-Cortez gemeinsam mit Senator Rand Paul in einem Brief Trumps Ankündigung, US-amerikanische Truppen aus Syrien abzuziehen.

Außerdem sprach sie sich wegen Menschenrechtsverletzungen auch deutlich gegen Saudi-Arabien, China und das Assad-Regime in Syrien aus.

Im März 2019 veröffentlichte Omar einen Kommentar in der Washington Post, in dem sie ihre Außenpolitik darlegte und als Grundsatz betonte, dass die Vereinigten Staaten ihre universellen Werte wie Freiheit, Frieden und Menschenrechte sowohl auf ihre Freunde wie ihre Feinde anwenden müssten. Damit erklärte sie auch ihre Haltung im israelisch-palästinensischen Konflikt, bei dem sie eine Zweistaatenlösung unterstützt.

Am 29. Oktober stimmte Omar nicht für eine Erklärung des Repräsentantenhauses, die den Völkermord an den Armeniern als solchen anerkennt, sondern enthielt sich der Stimme, wofür sie unter anderem von armenischen Interessenvertretern scharf kritisiert wurde. Sie begründete dies damit, dass die Abstimmung nicht zu politischen Zwecken benutzt werden sollte, sondern außerhalb der Politik auf dem akademischen Konsens basieren sollte. Zudem solle eine wahre Anerkennung von Genoziden auch solche, die von den Vereinigten Staaten begangen wurden, wie den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern, enthalten, was als Whataboutism kritisiert wird. Später stellte sie auf Twitter klar, dass sie den Genozid anerkenne, und teilte diese Position auch dem Historiker David M. Perry mit. Weiter erklärte sie, man solle Rechenschaft für Menschenrechtsverletzungen konsistent fordern, nicht bloß wenn es den politischen Zielen gelegen kommt.

Während des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 sprach sich Omar gegen die Lieferung von Waffen an die Ukraine aus.

Antisemitismusvorwürfe Omar sah sich stellenweise dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt, wurde z. T. jedoch auch öffentlich gegen die Vorwürfe verteidigt. Sie hatte Israel mehrfach als „Apartheid-Staat“ bezeichnet und außerdem behauptet, es habe „die Welt hypnotisiert“. Letztere Äußerung nahm sie Jahre später wieder zurück. Muslim Candidate for Congress Calls Israel ‘Apartheid Regime’ No, BDS Is Not Anti-Semitic, And Neither Is Ilhan Omar.Daniel Friedrich Sturm: Die ersten Fehltritte der neuen linken Ikonen www.welt.de, 13. Februar 2019 Im August 2018 sprach sie sich gegen die Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions aus und befürwortete die Zwei-Staaten-Lösung,At CD-5 Forum, DFL Frontrunners Back 2-State Solution, Oppose BDS bekannte sich aber nach ihrer erfolgreichen Wahl im November als Unterstützerin der BDS-Kampagne. Sie zweifle jedoch daran, dass die Bewegung dazu beitragen könne, eine tragfähige Lösung für den Nahostkonflikt zu erreichen.Christoph Sydow: Ungebeten unbequem www.spiegel.de, 16. August 2019

Im Februar 2019 machte Omar auf Twitter zwei Anmerkungen, die als Vorwurf gegenüber Kevin McCarthy (R) und anderen Kongressabgeordneten interpretiert wurden, sie würden von Lobby-Organisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) bezahlt. McCarthy hatte sie vorher mit dem republikanischen Kongress-Abgeordneten Steve King (R) verglichen,The controversy over Ilhan Omar and AIPAC money, explained der sich als Nationalist bezeichnet und für extreme, konservative politische Positionen bekannt ist.Steve King asks how terms 'white nationalist' and 'white supremacist' became offensive Nancy Pelosi (D) verurteilte Omars Äußerungen in einer Erklärung, die von führenden Demokraten wie Steny Hoyer, Jim Clyburn, Ben Ray Luján, Hakeem Jeffries und Katherine Clark mitgetragen wurde, und bat sie zu einer Unterredung.Democratic Leadership Statement on Anti-Semitic Comments of Congresswoman Ilhan Omar Donald Trump forderte daraufhin den Ausschluss Omars aus dem Ausschuss für internationale Beziehungen und ihren Rücktritt als Abgeordnete.Trump on Rep. Ilhan Omar's Anti-Semitic Comments: 'I Think She Should Resign from Congress'

Omar erklärte ihrerseits, dass es niemals ihre Absicht gewesen sei, die amerikanischen Juden in ihrer Gesamtheit zu beleidigen, und bat „ausdrücklich um Entschuldigung“. Auf Twitter schrieb sie, Antisemitismus sei real. Sie betonte jedoch den politischen Einfluss von Lobby-Organisationen und verglich AIPAC mit der National Rifle Association und der Erdöl-, Gas- und Kohleindustrie.Tom Perkins: Pro-Israel donors spent over $22m on lobbying and contributions in 2018 The Guardian, 15. Februar 2019. Bei den Wahlen des Jahres 2018 hatten pro-israelische Lobbyorganisationen (darunter AIPAC) und Spender (wie Sheldon Adelson) mehr als 22 Millionen US-Dollar für Lobbytätigkeit und Wahlspenden ausgegeben. Führende Vertreter der Demokratischen Partei, die Omar kritisierten und eine Entschuldigung verlangen, hatten große Summen von pro-israelischen Lobbyorganisationen erhalten, darunter Pelosi 514.000 US-Dollar im Laufe ihrer bisherigen Karriere und Hoyer 1,02 Millionen US-Dollar.

Am 15. August 2019 wurden sie und Tlaib vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu von einem amerikanischen Delegationsbesuch ausgeschlossen; sie durften nicht nach Israel einreisen, was von ihr auf einen Tweet Donald Trumps vom selben Tag zurückgeführt wurde. Die von Omar kritisierte Organisation AIPAC kommentierte das Einreiseverbot allerdings kritisch.