mini|hochkant=1.2|Robert Zollitsch (2013) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Robert Zollitsch Robert Zollitsch (* 9. August 1938 in Filipovo/Jugoslawien) war von 2003 bis 2013 Erzbischof von Freiburg und Metropolit der Kirchenprovinz Freiburg. Zollitsch war von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und bis 2014 Apostolischer Administrator des Erzbistums Freiburg.

Im April 2023 stellte eine unabhängige Aufarbeitungskommission fest, dass Zollitsch bis Anfang 2014 vielfach sexuellen Missbrauch durch katholische Priester vertuscht und dabei das Kirchenrecht ignoriert hatte. Zuvor hatte Zollitsch bereits im Oktober 2022 in einer Videoansprache solche Fehler zugegeben und die Verantwortung übernommen.Erklärung Zollitschs vom 6. Oktober 2022

Kindheit und Ausbildung mini|Erzbischof Zollitsch (2006) Robert Zollitsch wurde 1938 als dritter und letzter Sohn des Hanfhändlers Sebastian Zollitsch (1901–1968) und seiner Frau Theresia, geb. Geiger (1905–1984), in Filipovo (dt. Filipowa; heute Bački Gračac, Serbien) in der westlichen Batschka im damaligen Königreich Jugoslawien geboren, wo er auch die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte.Johann Pertschi: Ortssippenbuch Filipowa in der Batschka, Bd. 2, Winnenden-Leutenbach 1994, S. 420. Er entstammt einer donauschwäbischen Familie, die seit dem 18. Jahrhundert in Filipowa ansässig war. Am 25. November 1944 wurden 212 deutschstämmige Ortseinwohner von der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee ermordet. Unter den Ermordeten befand sich Zollitschs damals 16-jähriger Bruder Josef. Gespräch des Erzbischofs Robert Zollitsch mit Schülern der Alfred-Delp-Realschule in Ubstadt, Artikel vom 25. Februar 2007. Die deutschstämmige Bevölkerung von Filipovo wurde in das Lager Gakovo im Gemeindegebiet von Sombor deportiert, darunter auch der sechsjährige Robert Zollitsch.der-donauschwabe-mitteilungen.de (PDF; 238 kB), Gedenkstätten im ehemaligen Jugoslawien, abgerufen am 2. März 2008

In den Jahren 1945/46 floh die Familie Zollitsch über Ungarn nach Westdeutschland und zog nach Oberschüpf im Landkreis Tauberbischofsheim, wo Zollitsch bis 1951 die Volksschule besuchte.1953 siedelte die Familie nach Mannheim-Rheinau über.

Seit 1956 ist Zollitsch Mitglied der Schönstattbewegung. 1960 legte er als Internatsschüler des Studienheims St. Michael am Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim die Reifeprüfung ab.

Mit 22 Jahren trat Zollitsch mit dem Ziel, Priester zu werden, in Freiburg im Breisgau in das Collegium Borromaeum ein.Robert Zollitsch 70. In: Frankfurter Allegemeine Zeitung vom 8. August 2008. Ab dem Sommersemester 1960 studierte er Philosophie und Katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legte 1964 in Freiburg die Theologische Hauptprüfung (Concursus pro seminario) ab. Nach der pastoralen Ausbildung im Priesterseminar in St. Peter auf dem Schwarzwald wurde er am 27. Mai 1965 von Erzbischof Hermann Schäufele im Freiburger Münster zum Priester der Erzdiözese Freiburg geweiht.

Werdegang als Priester und Bischof Nach zwei Jahren als Vikar in Mannheim (St. Konrad) und Buchen (Odenwald) wurde er im September 1967 als Repetent an das Collegium Borromaeum in Freiburg berufen.

Im Sommer 1972 wurde er zum Dozenten am Priesterseminar der Erzdiözese Freiburg in St. Peter ernannt. Im Mai 1974 wurde er bei Helmut Riedlinger in Freiburg mit einer Untersuchung zu Amt und Funktion der Presbyter in den ersten zwei Jahrhunderten zum Dr. theol. promoviert. Von 1974 bis 1983 leitete er das Erzbischöfliche Theologische Konvikt Collegium Borromaeum in Freiburg.

Von 1983 bis zu seiner Wahl zum Erzbischof 2003 war Zollitsch Personalreferent der Erzdiözese Freiburg. 1984 wurde er zum Domkapitular ernannt. 1992 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit.

Am 6. Juni 2003 wurde Robert Zollitsch nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt seines Amtsvorgängers Oskar Saier vom Domkapitel von Freiburg im Breisgau zum neuen Erzbischof gewählt und mit Schreiben vom 16. Juni 2003 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von FreiburgNomina del Arcivescovo Metropolita di Freiburg im Breisgau (Repubblica Federale di Germania), in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Juni 2003. und Metropoliten der Oberrheinischen Kirchenprovinz ernannt. Am 9. Juli 2003 leistete er den im Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 vorgesehenen Eid.Wortlaut des Eides: Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, der Bundesrepublik Deutschland und dem Lande Baden-Württemberg die Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte. Paul Kopf: Die Vereidigung von Erzbischof design. Dr. Robert Zollitsch – Relikt der Geschichte oder Zeichen von Partnerschaft zwischen Staat und Kirche?. In: Freiburger Diözesan-Archiv. 123. Band (= 3. Folge, 25. Band), 2003, S. 9–10. Am gleichen Tag spendete ihm Alterzbischof Oskar Saier die Bischofsweihe. Sein Wahlspruch lautete In fidei communione („In der Gemeinschaft des Glaubens“, aus dem Brief des Paulus an Philemon, ).

2005 wurde er von Kardinal-Großmeister Carlo Kardinal Furno zum Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 21. Mai 2005 im Paderborner Dom von Anton Schlembach, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert. 2006 wurde er Großkanzler der Gustav-Siewerth-Akademie. Seit 2006 ist er Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Ferdinandea-Prag zu Heidelberg im CV und seit 2009 der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Wildenstein Freiburg im Breisgau im CV. Er gehört der Gemeinschaft der Schönstatt-Diözesanpriester an.Welt Online vom 12. Februar 2008; schoenstatt.de News vom 15. Februar 2008

Am 12. Februar 2008 wurde er für eine sechsjährige Amtszeit zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

Beim Papstbesuch in Deutschland 2011 vom 24. bis 25. September 2011 begrüßte Zollitsch den Papst als Diözesanbischof in seinem Heimaterzbistum Freiburg.

Zollitsch war Initiator des Gesprächsforums „Im Heute glauben“ zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, das von 2010 bis 2015 stattfand.http://www.dbk.de/themen/gespraechsprozess

Am 17. September 2013 nahm Papst Franziskus Zollitschs altersbedingten Amtsverzicht an und ernannte ihn bis zur Neubesetzung des Bischofstuhls zum Apostolischen Administrator des Erzbistums.

Bis März 2014 verblieb Zollitsch im Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Sein Nachfolger wurde Reinhard Marx.

Zollitsch lebt heute in einer Einrichtung des betreuten Wohnens in Mannheim.

Kirchliche und gesellschaftliche Positionen mini|Erzbischof Zollitsch beim Blutfreitag in der Abteikirche Weingarten (2008) Als Personalreferent entwickelte er für die Neuorganisation der unteren pastoralen Ebene das Konzept der Seelsorgeeinheiten, das bis 2008 flächendeckend umgesetzt wurde. das Konzept wurde weiterentwickelt, und sollte bis 2015 umgesetzt werden.

Am 1. November 2005 setzte er erstmals in der Geschichte der Erzdiözese Pastorale Leitlinien in Kraft (Titel: „Den Aufbruch gestalten“).

Seit seinem Amtsantritt wurden die Satzungen zahlreicher diözesaner Gremien und Einrichtungen neu gefasst (Pfarrgemeinderäte, Dekanate, Priesterrat). In einer Dekanatsreform zum 1. Januar 2008 wurde die Zahl der Dekanate von bisher 39 auf 26 verringert. Durch die Einführung eines jährlichen Diözesantages und die Förderung der überregionalen Treffen der Priester, der anderen hauptamtlichen Mitarbeiter in der Seelsorge und der Religionslehrer sollte die Entwicklung des Diözesanbewusstseins gefördert werden. Das Jahr 2006 wurde mit einer Vielzahl von Veranstaltungen als Jahr der Berufung thematisch gestaltet. Die Priesterausbildung wurde neu geordnet: Das Priesterseminar wurde von St. Peter auf dem Schwarzwald in das Collegium Borromaeum nach Freiburg verlegt. Die Priesterausbildung wurde mit stärkerem Praxisbezug gestaltet.

Im Februar 2008 betonte Zollitsch das Recht der Muslime auf Moscheen. Zollitsch ermahnte zu Ostern 2008 die Massenmedien und die Eltern, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. (PDF; 29 kB)

Am 2. April 2008 nahm er am traditionellen Blutritt, der größten Reiterprozession Europas in Weingarten, teil. In seiner Predigt im Pontifikalamt in der Basilika St. Martin rief er die versammelten Gläubigen dazu auf, verstärkt missionierend zu wirken und den Sonntag als unverzichtbares Merkmal des Christentums in einer zunehmend säkularen Umwelt zu verteidigen.

Umgang mit Kindesmissbrauch in der Kirche Seit Anfang 1992 war Zollitsch bekannt, dass der Pfarrer Franz B. in Oberharmersbach Kinder missbraucht hatte. Als dieser nach einer Anzeige 1995 Suizid beging, schrieb Zollitsch als Personalreferent der Erzdiözese Freiburg: „Nach unserer Auffassung geht es nun darum, den Schaden möglichst zu begrenzen (…) Herr Pfarrer B. ist tot und hat keine Möglichkeit mehr, Stellung zu nehmen oder sich zu wehren. Man sollte ihn in Ruhe lassen.“

Anfang Juni 2010 wurde er wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch in seiner früheren Funktion als Personalreferent des Erzbistums Freiburg angezeigt. Dabei ging es um die Wiedereinstellung eines Priesters im Jahr 1987, welcher in den 1960er-Jahren mehrfach Kinder missbraucht hatte. Dies sei Zollitsch laut Anzeige bekannt gewesen. Die Zuständigkeiten in dem Fall waren verworren.n-tv.de Zollitsch unter Verdacht. 3. Juni 2010 Knapp zwei Monate später wurden die Ermittlungen aufgrund von Verjährung eingestellt. Bis dahin hatte sich kein Beweis ergeben, dass der Priester nach der Neueinstellung weitere Taten begangen hatte, was Voraussetzung für eine strafbare Beihilfe gewesen wäre.

In einer auf den 31. August 2022 datierten Erklärung, die er am 6. Oktober 2022 auch als Video-Statement veröffentlichte und die sich auch an die Angehörigen der Betroffenen und alle Katholiken richtete, entschuldigte sich Zollitsch bei den Opfern, ohne dabei auf einzelner Fälle einzugehen: „Ich habe mit meinem damaligen Verhalten und Handeln, Dokumentieren und Entscheiden gravierende Fehler gemacht und die Gefahren – auch von erneutem Missbrauch – verkannt. Das bereue ich von ganzem Herzen. Es tut mir aufrichtig leid.“Gottlob Schober: Erzdiözese Freiburg tief im Missbrauchssumpf. In: tagesschau.de vom 25. Oktober 2022. Zollitsch gestand große Fehler und persönliche Schuld bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Missbrauch im Rahmen seiner Tätigkeit als Personalverantwortlicher und Erzbischof ein; er bat die Opfer und ihre Familien um Verzeihung „für das zusätzliche Leid, das Ihnen mein Verhalten bereitet hat“. Er habe versucht, Missbrauchsvorwürfe „intern“ zu behandeln, anstatt die Fälle offenzulegen, da er fälschlicherweise zu sehr das Wohl der Kirche und zu wenig die Fürsorge und Anteilnahme für die Betroffenen im Blick gehabt habe. Im Umgang mit Missbrauchstätern sei er lange „zu naiv und zu arglos“ gewesen und habe den Aussagen und Versprechungen von Tätern nur allzu gerne geglaubt. Die herrschende Atmosphäre in der Bistumsleitung beschrieb er als ein „System, das im Umgang mit sexualisierter Gewalt von einer gewachsenen und einvernehmlich getragenen Kultur des Schweigens und der Verschwiegenheit nach außen, des Korpsgeistes und des Selbstschutzes“ geprägt gewesen sei.robert-zollitsch.de: Erklärung, abgerufen am 23. April 2023.Zollitsch gibt Bundesverdienstkreuz zurück www.zdf.de, 21. April 2023