Der Eckbach, im Mittelalter Leinbach, in der Region auch die Eck, am Unterlauf Neugraben und Leininger Graben genannt, ist ein 39,5 km langer Bach und ein linker, westlicher Zufluss des Rheins in Rheinland-Pfalz. Dort fließt er hauptsächlich in der nordöstlichen Pfalz, lediglich die letzten 2 km des Bachs und seine Mündung liegen im äußersten Südosten von Rheinhessen auf der Feldgemarkung der Stadt Worms. Auf den ersten 23 km seines Laufs begleitet den Bach der Eckbach-Mühlenwanderweg.
Für das umgebende südwestliche Leiningerland stellt der obere Eckbach das zentrale Fließgewässer dar. Von kommunaler Seite ist für die Betreuung des Bachs der Gewässer-Zweckverband Isenach-Eckbach zuständig, der dem Landkreis Bad Dürkheim untersteht.
Name und Etymologie
Den alten Namen die Eck führt die Sprachforschung auf die heute noch vor allem in Süddeutschland häufige und als Femininum gebrauchte Fluss- oder Bachbezeichnung Ache zurück, die aus dem Althochdeutschen als aha überliefert ist. Andere Sprachwissenschaftler hingegen leiten den Namen von germanisch *Akjō ab, eine Form zum germanischen Verb *ak-a- für 'fahren'.
Während des Mittelalters trug der Eckbach den Namen Leinbach, womit auf den „Leinbaum“ Bezug genommen wurde. So wurden damals in der Gegend sowohl der Spitzahorn als auch die Sommerlinde bezeichnet, zwei Baumarten, die an den Ufern des Eckbachs häufig vorkamen. Beide unterscheiden sich allerdings vor allem in der Form der Blätter: Ahornblätter sind fünflappig, Lindenblätter ungeteilt.
Das Stammwappen des aus dem Gebiet am oberen Eckbach stammenden Adelsgeschlechts der Leininger zeigt einen stilisierten Baum, dessen Blätter – wie auch die fünfstrahligen Blüten – eindeutig auf eine Linde hinweisen. Das Adelsgeschlecht dürfte nach der alten Bachbezeichnung seine Stammburg benannt haben, von der wiederum der spätere Name des Geschlechts abgeleitet wurde.
Dass die ursprüngliche Eck heute den Namen Eckbach trägt, geht auf das Königreich Bayern zurück, zu dem die linksrheinische Pfalz ab 1816 gehörte. Als damals die bayerischen Beamten die Pfalz kartographisch erfassten, wollten sie – in Unkenntnis der Namensentstehung – deutlich machen, dass die Eck ein Bach sei.
Geographie Verlauf
mini|hochkant|links|Eckbachquelle mit dem Ritterstein 286 (Inschrift „Eckbach-Ursprung“)
Der Eckbach hat seinen Ursprung in Carlsberg im nördlichen Pfälzerwald. Seine beiden Quellen liegen nahe beieinander südöstlich der Autobahn 6 (Saarbrücken–Mannheim) im Gemarkungsteil Kleinfrankreich des Carlsberger Ortsteils Hertlingshausen. Auf Höhe entspringt der längere erste Strang (), den die Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (WW) als Hauptquellbach ansieht. Nach 250 m vereinigt er sich mit dem von rechts kommenden und nur 60 m messenden zweiten Strang. Dessen Quelle () auf Höhe wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Pfälzerwald-Verein (PWV) als „Eckbach-Ursprung“ festgelegt, in Sandstein gefasst und mit dem Ritterstein 286 markiert. In niederschlagsarmen Perioden fallen die beiden Quellen öfter trocken.
Anfangs fließt der Bach in östlicher Richtung durch Hertlingshausen, wo von rechts nacheinander der Bach aus dem Frauental (), der Bach aus dem Kirchheimer Tal () und der Bach vom Schlüsselstein () münden, dann nordostwärts durch Altleiningen. Dort bezieht der Eckbach aus dem 20-Röhren-Brunnen den Großteil seiner Wasserführung; der etwa 90 m lange Ablauf des Brunnens () erreicht ihn von links. Am nordöstlichen Ortsausgang von Altleiningen münden zunächst von links der Rothbach () und dann von rechts der Höninger Bach ().
Nach der Mündung des Bachs im Spechttal () von rechts ist links des Eckbachs der Maihofweiher () aufgestaut, der etwa 150 m lang und 50 m breit ist. 3 km unterhalb wurde im Mittelalter bei Neuleiningen-Tal der schmale, aber mehr als 600 m lange Eckbachweiher () als Wasserspeicher für zwei Mühlen angelegt, von denen die untere, die Felsenmühle (), noch als Ausflugslokal und Gästehaus existiert. Anschließend durchbricht der Bach zwischen den oben bei ihren gleichnamigen Burgen gelegenen Dörfern Neuleiningen im Norden und Battenberg im Süden den Leininger Sporn, den Nordostrand des Pfälzerwalds (), und wendet sich für 6 km in östliche Richtung. Dabei erreicht er in Kleinkarlbach, wo von rechts der Krumbach () mündet, das mit Reben bestandene Hügelland beidseits der Deutschen Weinstraße.
Vor Kirchheim an der Weinstraße unterquert der Eckbach die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Bundesstraße 271 (), dann innerhalb der Wohnbebauung die Weinstraße Nord (). 200 m unterhalb nimmt er von links den Seebergraben auf (), der früher als Schlossbach den Graben eines kleinen Wasserschlosses füllte. Anschließend passiert er Bissersheim, wo drei Mühlen betrieben wurden; zentral im Ort liegt die Haidmühle (). In Großkarlbach wurden einst linke Ableitungen des Eckbachs geschaffen, um die gleichmäßige Wasserversorgung der örtlichen Mühlen zu gewährleisten. Entlang der nach diesen „Kändeln“ bzw. Rinnen benannten Kändelgasse ist der Bach eine Strecke weit mit einem fünf bis sechs Meter breiten Sandsteingewölbe überbaut, das als Bürgersteig dient und über das Grundstückseinfahrten führen. Am nordöstlichen Ende der Kändelgasse steht die restaurierte Dorfmühle (), die als Mühlenmuseum Leiningerland eingerichtet ist. Unterhalb von Großkarlbach kreuzt der Eckbach in nordöstlicher Richtung die Autobahn 6 und fließt dann durch Laumersheim, vorbei an der ehemaligen Hornungsmühle (), weiter.
In Dirmstein ändert sich, nachdem der Eckbach die Spormühle () passiert hat, seine Fließrichtung auf Ost, weil der Bach in den 1920er Jahren, um ihn von der Dorfmitte fernzuhalten, auf Dauer nach rechts in den vormaligen Graben der Ortsbefestigung abgeleitet wurde; das Wehr, an dem dies bewerkstelligt wurde, ist erhalten, hat allerdings keine Funktion mehr. Am östlichen Rand der Dirmsteiner Wohnbebauung mündet direkt unterhalb der ehemaligen Niedermühle () von links der Floßbach (), der am Oberlauf auch Landgraben genannt wird und das wasserreichste Nebengewässer des Eckbachs ist. Links bzw. nördlich des Bachs ist die Struktur des Hügellands deutlich ausgeprägt. Dort bildet ein langgestreckter niedriger Höhenrücken, den drei Hügelkuppen kennzeichnen, die Wasserscheide zum Eisbach hin: der Wörschberg () nördlich der Verbindungsstraße Obersülzen–Dirmstein, der Schneckenberg () zwischen Dirmstein und Offstein sowie der Stahlberg () zwischen Dirmstein und dem Wormser Ortsteil Heppenheim.
Die Gegend rechts bzw. südlich des Eckbachs ist flacher und war im Bereich Großkarlbach–Laumersheim–Dirmstein–Gerolsheim vormals eine sumpfige Niederung, die als Weideland Verwendung fand. Südlich davon liegt die Wasserscheide zum parallel fließenden Bach aus dem Magsamental, der bei einer Länge von 10,2 km ein Einzugsgebiet von 19,3 km² aufweist und in Gerolsheim von rechts in den rechten Eckbach-Abzweig Altbach mündet. Noch weiter südlich verläuft die Wasserscheide zum Fuchsbach. Dieser mündete bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von links direkt in den Rhein. Danach wurde er zu einem linken Zufluss der damals nach Norden umgeleiteten Isenach, bis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hauptwassermenge des Fuchsbachs in den Schrakelbach und damit zum Eckbach hin abgeleitet wurde. Das Gelände zwischen Laumersheim, Dirmstein, Gerolsheim und Heuchelheim, durch das auch die Autobahn 6 führt, ist noch heute von Bewässerungsgräben durchzogen, die nach rechts aus dem Eckbach abgeleitet sind. In ihn fließt das Wasser nach 6 bis 8 km wieder zurück, teilweise direkt, teilweise erst, nachdem die Gräben sich vorher vereinigt oder im Schrakelbach gesammelt haben: Weihergraben, Altbach, Kühweidegraben, Oberer Altgraben, Bittinggraben und Lerchengraben.
Ab Dirmstein fließt der Eckbach im Westteil der Oberrheinischen Tiefebene. Östlich von Heuchelheim bzw. nördlich des Autobahnkreuzes Frankenthal ist er von der Autobahn 61 () überbrückt. Nördlich von Beindersheim knickt er deutlich nach Nordnordost ab; dort mündet von rechts der Schrakelbach ().
Im weiteren Verlauf passiert der Eckbach die Dörfer Großniedesheim und Kleinniedesheim auf der Ostseite. Kurz vor der Unterquerung der Landesstraße 457, die Kleinniedesheim mit Bobenheim verbindet, dem nördlichen Gemeindeteil von Bobenheim-Roxheim, fließt ihm von rechts der Hollergraben () zu. Überwiegend nordostwärts gerichtet durchquert der Bach nun das nördliche Siedlungsgebiet von Bobenheim (). Danach steuert er, auf etwa 1 km umgeleitet und in Dammlage kanalisiert, als Neugraben nach Norden. Südöstlich des Flugplatzes Worms biegt er an der Grenze der rheinhessischen Stadt Worms () nach Osten ab und fließt als Leininger Graben am Südrand des Naturschutzgebiets Wormser Ried entlang.
Direkt vor der Unterquerung der Bundesstraße 9 wechselt der Eckbach gänzlich auf Wormser Gemarkung und nimmt von links den Karl-Marx-Graben () auf. Nachdem er die Bürgerweide Worms südlich passiert hat, wo sich mehrere hundert Meter weit entlang des linken Gewässerufers eine alte Mülldeponie erstreckt, durchbricht er den gegen Hochwasser errichteten Rheindamm und mündet () 200 m dahinter auf Höhe von links in den Oberrhein.
Der Höhenunterschied von 225 m zwischen Quelle und Mündung bewirkt, bezogen auf die Gewässerlänge von 39,5 km, ein mittleres Sohlgefälle von 5,7 ‰.
Zuflüsse Folgende Aufstellung enthält – von der Quelle abwärts – alle Zuflüsse des Eckbachs, die mit Gewässerkennzahl (GKZ) erfasst sind:
Name Seite Länge[km] EZG[km²] Mündungauf Eckbach-km Mündungsort GKZ Bach aus dem Frauental rechts 1,53 2,56 1,69 Hertlingshausen 23916-12 Bach aus dem Kirchheimer Tal rechts 2,12 2,08 2,87 unterhalb von Hertlingshausen 23916-14 Bach vom Schlüsselstein rechts 0,94 1,37 3,26 unterhalb von Hertlingshausen 23916-16 Rothbach links 9,85 19,30 6,78 Altleiningen 23916-2 Höninger Bach rechts 5,85 12,83 7,54 unterhalb von Altleiningen 23916-4 Bach im Spechttal rechts 0,38 0,55 8,11 unterhalb von Altleiningen 23916-5112 Krumbach rechts 6,84 7,06 14,19 Kleinkarlbach 23916-52 Seebergraben (Schlossbach) links 0,78 2,33 15,91 Kirchheim 23916-5912 Floßbach links 8,10 18,76 23,52 am Ostrand von Dirmstein 23916-6 Schrakelbach rechts 6,93 70,94 28,02 nördlich von Beindersheim 23916-8 Hollergraben (Hollersgraben) rechts 2,37 1,88 30,69 südöstlich von Kleinniedesheim 23916-9112 Karl-Marx-Graben links 3,52 15,35 38,73 zwischen Bobenheim und Worms 23916-96
Natur In Altleiningen stehen entlang des Eckbachs als Naturdenkmale Acht Rosskastanien und sieben Linden.
mini|Männliche Nachtigall beim Gesang in der Eckbachaue bei Großkarlbach, Nacht zum Muttertag 2022 (22:23 min)
In der Eckbachaue bei Großkarlbach nisten regelmäßig Nachtigallen.
In den Jahren 2004 und 2007 alarmierte der Umweltverein Alte Sandkaut Dirmstein die für den Gewässerschutz zuständigen Behörden, weil in den Eckbach oberhalb von Dirmstein umweltgefährliche Stoffe eingebracht worden waren – 2007 verbunden mit einer intensiven Blaufärbung des Wassers –, die vorübergehend nahezu alles Leben im Bach vernichtet hatten. In beiden Fällen trieben massenhaft tote Fische im Wasser. Wer die zweimalige Schadstoffeinleitung vorgenommen hatte, konnte niemals geklärt werden.
Zunehmende Verbrachung des Eckbach-Umfelds und Maßnahmen der Renaturierung ermöglichten die Rückkehr oder das Neuvorkommen seltener Pflanzen- und Tierarten. Im Frühwinter 2012 wurden zum ersten Mal Silberreiher, die in Europa eigentlich weiter südlich und östlich beheimatet sind, am Eckbach bei Dirmstein beobachtet.