mini|Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr. mini|Notitia Dignitatum, die Limessektoren/Kastelle unter dem Befehl des Dux von Tripolitanien: Talalatensis, Thentettani, Byzerentani, Tillibarensis, Madensis, Maccomadensis, Tintiberitani, Bubensis, Mamucensis, Basensis, Varensis, Leptitanis, Madensis, Sarcitani mini|Karte des Limes Tripolitanus

Der Dux provinciae Tripolitanae (Heerführer der Provinz Tripolitanien) – auch Dux et corrector limitis Tripolitani oder Comes et Dux provinciae Tripolitanae – war ein hoher Offizier der weströmischen Armee und spätestens ab dem 4. Jahrhundert einer der Kommandeure der römischen Grenztruppen in Nordafrika.

Sein Zuständigkeitsbereich (ducat) erstreckte sich auf den Limes der Provinz Tripolitania, im Wesentlichen ein Küstenstreifen am Mittelmeer zwischen der Großen- und Kleinen Syrte im Osten und Westen und dem Mons Ater (Gebel as-Soda) im Süden, ein Territorium im Nordwesten des heutigen Libyen. Sein Amtssitz befand sich wahrscheinlich in der Hafenstadt und Provinzmetropole Leptis Magna.

Seine unmittelbaren Vorgesetzten waren der Comes Africae und der Magister peditum. In der Rangordnung des spätrömischen Reichsadels nahm der Dux die Stellung eines vir spectabilis ein, im 6. Jahrhundert den eines vir clarissimus.M.F. Schwarze 2018, S. 308–309.

Namentlich bekannte Amtsinhaber:

Silvano (dux et corrector, 393) Flavius Macedonius (comes et dux, Ende 4. bis Anfang 5. Jahrhundert) Nestorius (comes et dux, 406) Flavius Ortygius (comes et dux, 408–423)IRT 480, Flavious Ortygius, v(ir) c(larissimus) et sp(ectabilis) com(es) et dux p(rovinciae) T(ripolitanae), Codex Theodosianus 12.1.133 und 11.36.33, Ralf Scharf 2005, Fußnote 50, S. 73, Konrad Stauner 2010, S. 160. Sergios (543)

Entwicklung Es scheint, dass der tripolitanische Grenzschutz in der Regierungszeit des Philippus Arabs (244–249) neu organisiert wurde. Der Oberbefehl für diese nachweislich seit der Mitte des 3. Jahrhunderts aufgebauten einzelnen Grenzschutzabschnitte lag wahrscheinlich ab da in der Hand der örtlichen Militärkommandanten, den Praepositi limitis, die ihre Stabsstellen in den größeren rückwärtigen Kastellen hatten. Der Limes Tripolitanus verlief entlang einer Straße, die von der Küstenstadt Tacape (Gabès) im Westen bis zum östlich gelegenen Lepcis Magna (al-Khums) reichte. Am Kleinkastell Bezereos streifte sie das unmittelbare Grenzgebiet und lief in der weiteren Folge auf den Höhen des Nafusa- und Garian-Gebirgszugs über die Militärstützpunkte Tentheos und Thenadassa (Ain Wif) wieder an die Küste zurück. Im ausgehenden 3. Jahrhundert beziehungsweise um 300 n. Chr. wurde der Grenzschutz zentralisiert und der Befehlsgewalt des Statthalters der neu geschaffenen Provinz Tripolitanien unterstellt. Noch vor 400 n. Chr. entstand das Amt des Dux provinciae Tripolitanae der als Oberkommandierender über die afrikanischen Grenzschutzverbände eingesetzt wurde. Die Praepositi limitis, hatten jetzt aber für wesentlich kleinräumigere Grenzabschnitte die Verantwortung zu tragen.Christian Witschel: Zur Situation im römischen Africa während des 3. Jahrhunderts. In: Klaus-Peter Johne, Thomas Gerhardt, Udo Hartmann (Hrsg.): Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. Steiner, München 2006, ISBN 3-515-08941-1, S. 145–222; hier: S. 184–186.

Der erste Nachweis einer eigenständigen Provinz Tripolitania reicht bis in die Zeit der Reichsreform unter Kaiser Diokletian (284–305) zurück. Für kurze Zeit wurde die Leitung der Militär- und Zivilverwaltung in Personalunion ausgeübt.Gareth Sears: Late Roman African Urbanism. Continuity and transformation in the city. (= BAR International Series 1693), Archaeopress, Oxford 2007, S. 72. In diesem Sinne regierte von 355 bis 360 der Comes et praeses provinciae Tripolitanae Flavius Titus Archontius Nilus und als sein Nachfolger höchstwahrscheinlich Flavius Nepotianus die Provinz., , Maurice Euzennat: Quatre années de recherches sur la frontière romaine en Tunisie méridionale. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, 116-1 (1972), S. 7–27; hier: S. 20. Um 363 wurden die Provinzstreitkräfte wieder von einem zivilen Statthalter (praeses) namens Ruricio befehligt. Vermutlich ist die Titulatur in der mittelalterlichen Abschrift der Notitia Dignitatum von den Kopisten nicht korrekt bzw. unvollständig wiedergegeben worden, den 393 wurde der dortige Befehlshaber schon als Dux et corrector limitis Tripolitani angesprochen. Er hätte demnach also ebenfalls der Zivilverwaltung der Provinz vorgestanden. Dieser Umstand könnte auf die vermehrten Angriffe von Nomadenstämmen (Austuriani) zurückzuführen sein. Der Zusatz provinciae kommt ansonsten nur bei den Heerführern der weströmischen Provinzen Mauritaniae et Caesariensis und Sequania vor., Itinerarium Antonini 74, 5; Kleinkastell Bezereos bei , Florian Schimmer 2012, S. 33–39, hier: S. 33, Christian Witschel 2006, S. 145–222; hier: S. 181, J.M. Reynolds 1976–1977, S. 13.

Anfang des 5. Jahrhunderts befehligte – wohl aufgrund der erhöhten Gefährdungslage – ein rangmäßig aufgewerteter Comes et Dux das Provinzaufgebot. 429 überrannten Vandalen und Alanen die Dioecesis Africae. Wie das Keramikspektrum aus dem Kleinkastell Bezereos belegt, scheint der Limes Tripolitanus irgendwann zwischen 430 und 440 n. Chr. aufgegeben worden zu sein. 534, nach der Unterwerfung der Vandalen unter oströmische Herrschaft, unterstellte Kaiser Justinian Nordafrika einem Prätorianerpräfekten. Unter ihm wurde auch wieder ein Dux limitis Tripolitanae provinciae mit Sitz in Leptimagnensi eingesetzt. 543 ließ der Dux Sergios 79 Stammesführer der Laguatan in Lepcis hinrichten, worauf eine Revolte ausbrach die bis 548 andauerte.D.J. Mattingly 2008, S. 2, Procopius, Kriege, Bücher III-IV, Corippus, Iohannidos Später wurde das Ducat der Dioecesis Oriens zugeordnet und ging am Ende des 6. Jahrhunderts im Exarchat von Karthago auf.ND occ.: 31, Ralf Scharf 2005, Fußnote 46, S. 72, Codex Theodosinaus XII, 1.133; siehe auch XI, 36, 33; ND. Occ. XXXI, 17 ; 480, 529, Codex Iustinus I, 27,2,1a, Ammianus 28.6.11: militarium curam presidi delata Ruricio, Michael Mackensen: 2015, S. 259–270; hier: S. 268, Konrad Stauner 2011, S. 155, M.F. Schwarze 2018, S. 308–309.

Verwaltungsstab Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo

Principem ex officis magistrorum militum praesentalium alternis annis (Kanzleileiter aus dem Stab des Heermeisters, er wurde alle zwei Jahre vom Heermeister neu bestellt) Numerarios utrosque (Zahlmeister) Commentariensem utrumque (Buchführer und Rechtskundiger) Cornicularium (Sekretär und Proviantmeister) Adiutorem (Assistent) Subadiuuam (Hilfskraft) Regrendarium (Verwalter oder Archivar) Exceptores (Schreiber) Singulares et reliquos officiales (Leibwächter/Ordonnanzen)ND occ.: XXXI, 33

In seinem Stab findet sich bemerkenswerterweise auch ein Cornicularius. Dieser war für gewöhnlich auch für die Verproviantierung der Einheiten verantwortlich. Solche Amtsträger werden in der Notitia nur noch bei fünf anderen Comes und Duces erwähnt. In der Spätantike fiel diese Aufgabe für gewöhnlich in die Verantwortung der Zivilverwaltung. Möglicherweise konnte der Dux in Krisenzeiten eigenmächtig über die Versorgungsgüter aus den öffentlichen Speichern verfügen. Es ist auch ein Indiz dafür, dass in der Tripolitana die militärische und zivile Verwaltung in den Händen der Duces lagen.Konrad Stauner 2010, S. 133–161.

Truppen Die Truppenliste des Dux wurde nur in der Notitia Dignitatum überliefert. Sie gewährt einen Einblick in die militärische Organisation der tripolitanischen Grenze, ab ca. 423 n. Chr., am Ende der Regierungszeit des Honorius. Auffällig ist, dass – bis auf zwei – keine Einheitsbezeichnungen angegeben werden, sondern nur die 12 Limesabschnitte und der Rang der befehlshabenden Offiziere (Praepositus limites). Es scheint, dass diese Verbände aus Milizionären bestanden, die dort als Bauern angesiedelt waren und nur bei Einfällen der Wüstenstämme aufgeboten wurden. Praepositus (lat. für Aufseher, Vorsteher, Vorgesetzter) war in der Spätantike der übliche Titel für Kommandanten einzelner Abschnitte des afrikanischen Limes. Jeder dieser Grenzabschnitte dürfte schätzungsweise von 100 bis 200 Mann (Limitanei) gesichert worden sein. Mobile Eingreiftruppen (Comitatenses) und Flottenverbände waren in der wirtschaftlich für das Reich nur mäßig bedeutenden Tripolitania offenbar keine stationiert.David Mattingly 1995, S. 188.

Distributio Numerorum Laut der ND Occ. standen dem Dux folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione