mini|Briefkopf der Firma Grundner & Lemisch von 1899 mini|Restauriertes Bambusfahrrad von Grunder & Lemisch aus der Sammlung von Frank Papperitz, Pirna Das ehemalige Unternehmen Grundner & Lemisch wurde am 3. November 1896 in Ferlach, Österreich von Franz Grundner und Otto Lemisch, Bruder des späteren Landesverwesers Arthur LenischPhilipp Novak: Einsteigen bitte!. Verlag Carinthia, 2002, ISBN 3-85378-553-0, S. 20. gegründet. Ausgestattet mit internationalen Patenten wurde sie in wenigen Jahren der weltgrößte Hersteller von industriell gefertigten Bambusfahrrädern. Der volle Firmenname lautet k.k.priv. Bambus-Fahrräder-Fabrik Grundner & Lemisch. Beginnend mit anfänglich sechs Mitarbeitern war das Unternehmen bis 1886 bereits auf 63 Mitarbeiter angewachsen. Sein Angebot umfasste Herrenräder, Damenräder, Kinderräder und Tandems. Im Jahr 1898 schied Franz Grundner aus dem Unternehmen aus und Otto Lemisch führte es allein weiter. 1901 wurde die Fahrradproduktion in Ferlach eingestellt und 1902 in Ebenthal bei Klagenfurt unter dem geänderten Firmennamen k.k.priv. Bambus-Fahrräder-Fabrik Otto Lemisch weitergeführt. 1905 wurde das Werk in Ebenthal geschlossen; 1906 stellte das Unternehmen seine Tätigkeit ein.
Die Pioniere mini|1898, bereits nach zwei Jahren war die Belegschaft von Grundner & Lemisch auf 63 Mitarbeiter angewachsen. Archiv Adamik, Ferlach|alternativtext= Den Startschuss gaben Pressemitteilungen aus London. Auf der Stanley Cycle Show hatte im November 1893 die Bamboo Cycle Co. Ltd. das erste Bambusfahrrad vorgestellt als „the most elegant machine upon the market, and up to date in any respect“. Es war sofort zur Sensation der Fahrradausstellung geworden und die Nachricht darüber elektrisierte auch die Fahrradenthusiasten und Technikfreunde in Klagenfurt, Österreich. Es waren vor allem Franz Grundner, Otto Lemisch und Karl Bräuer, denen es gelang in den folgenden zwei Jahren Bambusfahrräder zur Serienreife zu bringen, die notwendigen internationalen Patente zu erwerben und eine Firma mit Produktionsstätte aufzubauen.
Franz Grundner Franz Grundner war 1893 mit 32 Jahren nach Klagenfurt gekommen und hatte in der Wiener Gasse 10 eine Werkstatt für Fahrräder und Nähmaschinen eröffnet. In St. Johann im Saggautal, seinem Geburtsort, war der Mechaniker und Dreher ab 1891 bereits mit einem Hochrad aufgefallen. Seine Werkstatt in Klagenfurt wurde schnell zum Treffpunkt von Technikinteressierten, zu denen frühe Piloten ebenso zählen wie der Ingenieur Otto Lemisch und der Hutmacher Karl Bräuer. Er war ein energischer und vom Fahrrad begeisterter Mann, bildete sich in Abendkursen der Staatsgewerbeschule weiter und beschäftigte sich in seiner Werkstatt ständig mit Erfindungen und technischen Verbesserungen.
1894 trat er als Mitbegründer des Radfahrvereins „Vorwärts“ in Erscheinung, der Fahrkurse und Ausfahrten veranstaltete und Sternfahrten mit anderen Radfahrvereinen organisierte. Seine Frau Rosa war Mitglied im „Fahrrad-Kränzchen“ einem Damenfahrradclub im Klagenfurter Masslgarten, wo bei schlechtem Wetter der Fahrradunterricht im Tanzsaal stattfand. Bei Spazierfahrten „erschienen die Damen in schicker sportlicher Aufmachung mit Sportmützen, Girardihut, Krawatten, eingeschnürter Wespentaille und langen Röcken.“
„Er war auch ein eifriger Jäger und Bergsteiger und führte stets einen Bergstock aus Bambus mit sich. Dieser leichte und dennoch dauerhafte Stock brachte ihn auf die Idee, Bambus auch für die Erzeugung von Fahrrädern zu verwenden.“
Die Nachricht aus London vom ersten Bambusrad tat ein Übriges.
Er war der Konstrukteur des „Ferlacher Bambusrades“ und Leiter der Fabrik im gleichnamigen Ort nahe bei Klagenfurt, aber auch der Motor und die Seele der neu gegründeten Firma und er war ihr erster Verkäufer: „Als Grundner hörte, in Döllach i. Mölltal wollte sich jemand ein Fahrrad kaufen, setzte er sich kurzentschlossen auf sein Bambusrad und bewältigte die Strecke Klagenfurt – Döllach in einem Tag, was bei den damaligen Straßenverhältnissen eine erstaunliche Leistung darstellte.“ Die Fahrradstrecke zwischen den beiden Orten beträgt 160 km. Döllach liegt etwa 600 Meter höher und Grundner hatte keine Gangschaltung.
Persönliche Differenzen brachten die beiden Kompagnons schließlich auseinander und Franz Grundner zog sich aus dem gemeinsamen Unternehmen zurück, vertrieb aber weiter Bambusfahrräder von Grundner & Lemisch in seinem Ladengeschäft in Klagenfurt in der Wienergasse 10.
Auch nach seinem Ausscheiden aus der gemeinsamen Firma trat weiter als Erfinder und Unternehmer in Erscheinung. 1900 erwarb er ein Patent für ein Wasserfahrrad und 1901 eine Konzession zum Verleih von Wasserfahrrädern auf dem Wörthersee. Bilder zeigen ihn 1910 ebendort mit seinem Wasserauto.
Franz Grundner starb mit 84 Jahren am 23. Juli 1945 in Weitersfeld.
Otto Lemisch Otto Lemisch war Ingenieur, hatte in Berlin, Karlsruhe und Wien studiert. Er stammt mütterlicherseits aus einer sehr wohlhabenden Familie, in der sich reiche Bauern und Adel verbunden hatten. Im 19. Jahrhundert wandelte sie sich zur Industriellenfamilie und erwarb ein Vermögen mit Bergbau und Eisenverhüttung. Sein Vater, der „Arzt Dr. Josef Lemisch durfte als begabter Bauernbub studieren, weil es ihm der Graf Egger von St. Georgen durch ein monatliches Stipendium von 15 bis 17 Gulden ermöglicht hatte.“
Seine Mutter hatte den Rainerhof in Klagenfurt und eine ganze Reihe von Seevillen und Bäder am Wörthersee erbaut. Er war ihr dritter und jüngster Sohn und im Gegensatz zu seinen älteren Brüdern, die beide promovierte Juristen und landespolitisch sehr aktiv waren, hatte er eine naturwissenschaftliche Ausbildung genossen. Nach Abschluss seines Studiums verbrachte der Ingenieur einige Jahre in den USA um sich fortzubilden.
Ein Portraitfoto von ihm ist nicht bekannt. Es existieren nur wenige Bilder, die ihn beim Überqueren des Wörthersees auf einem Wasserfahrrad oder beim Eisstockschießen auf dem zugefrorenen See zeigen.
Im Jahre 1893, als die drei sich kennen lernten, war er mit 27 Jahren der Jüngste und aufgrund seines familiären Hintergrundes der Finanzier und Investor, der von Carl Bräuer dessen Patentrechte erwarb und mit Franz Grundner die Firma Grundner & Lemisch gründete. Während Grundner als Konstrukteur, Produktionsleiter, Verkäufer überliefert ist, war Otto Lemisch auf die kaufmännischen Belange konzentriert und betrieb die Ausweitung des Unternehmens.
Nach dem Ausscheiden von Franz Grundner 1898 führte er das Unternehmen allein weiter und organisierte auch seinen Umzug von Ferlach nach Ebenthal, ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu Klagenfurt. Er eröffnete im Rainerhaus in Klagenfurt einen Fahrradladen, in dem die Räder verkauft wurden und unternahm später auch den Versuch in den USA Fuß zu fassen, den er allerdings bereits ein Jahr später 1901 wieder aufgab. Er zog nach seiner Rückkehr aus den USA in Pörtschach in die von seiner Mutter erbaute Villa Seewarte am Ufer des Wörthersees. Seine Tätigkeit als Fabrikant brachte ihm den Titel k.k. Hoflieferant ein und er brachte dort neben dem kaiserlichen Adler den Schriftzug „O. Lemisch Fabrikant für Bambusfahrräder und k.k. Hoflieferant“ an.
Die Firma bestand unter seiner Leitung noch bis 1905, befasste sich jetzt aber nicht mehr ausschließlich mit Bambusfahrrädern. MotorZweiräder, Eisenbahn-Dreiräder, Stahlräder und Schlittschuhe kamen hinzu.
„Später wurde er Bürgermeistes in Pörtschach und zog sich 1921 nach seiner Abberufung als Bürgermeister und Ortsschulrat enttäuscht in seine Seevilla zurück.“
Er verstarb mit 74 Jahren am 23. Dezember 1940 in Pörtschach.
Carl Bräuer Carl Bräuer war mit 39 Jahren der älteste der Drei und stammte aus Atzgersdorf bei Wien. Er war Hutappreteur (Hutmacher) und machte von 1893 bis 1896 in Klagenfurt eine Lehre als Galanteriewaren-Händler bei Alois Fuchs. Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete er in dessen „KunstGalanterie“ und Waffenhandlung noch bis 1898, bevor er 1900 die Konzession für ein eigenes Geschäft erwarb.
Mit seiner Lehre als erstem Schritt hin zu einem eigenen Geschäft hatte er gerade einen neuen Lebensabschnitt begonnen und wollte vermutlich diese Weichenstellung nicht wegen der Bambusfahrradidee ändern. Vielleicht hat er sich deshalb nicht an der Gründung der Firma Grundner & Lemisch beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er auch weder die finanziellen Mittel Otto Lemischs noch eine Fahrradwerkstatt wie Franz Grundner. Sein wichtiger Beitrag lag in der Erlangung der Patente für alle Neuerungen, die er zusammen mit Franz Grundner in kurzer Zeit ausarbeitete, um die Produktion von Bambusfahrrädern im Manufakturmaßstab auf den Weg zu bringen.
Bräuer und Grundner haben sich vermutlich im Clublokal des Radfahrvereins „Vorwärts“ im Hotel Lamm am alten Platz kennen gelernt und die beiden erhielten im April 1896 das „Privilegium“ mit der Nummer 46/1512 und dem Titel „Fahrradrahmen und Fahrradfelgen aus Bambusrohr“. Die Patentschrift trägt seinen und Franz Grundners Namen und war zusammen mit einem behördlich autorisierten technischen Büros für Patentangelegenheiten in Wien verfasst und eingereicht worden. Noch im selben Jahr verkaufte Bräuer seine Anteile an dem Privilegium an Otto Lemisch und eine wichtige Voraussetzung für die Gründung der Firma „K.k.priv.Bambus Fahrräderfabrik Grundner & Lemisch“ war geschaffen.
Zeitgleich mit dem Verkauf des Patentes an Otto Lemisch reichte er im Juli 1896 ein Gesuch für ein „ausschliessliches Privilegium auf ein Fahrrad ein, dessen Rahmen und Radfelgen aus Pfefferrohr hergestellt sind“ ein, das ihm im September 1896 zuerkannt wurde. Pfefferrohr bezeichnet im Allgemeinen einen dunkel gefleckten Bambus. Inhaltlich besteht zwischen dem Patent auf Bambusfahrradrahmen, dessen Rechte Carl Bräuer an Otto Lemisch abgetreten hatte und dem neuen Patent kein Unterschied.
Auch wenn Carl Bräuer damit keine Verbindung mit dem Unternehmen hatte, beschäftigte er sich weiter mit Erfindungen rund um das Fahrrad. 1897 erwarb er zwei weitere Privilegien für „Neuerungen an Treibketten für Fahrräder“ und „Fixiereinrichtungen für Fahrradbremsen“.
Im Jahr 1900 eröffnete er in der Bahnhofstraße 10 in Klagenfurt ein Ladengeschäft, in dem er unter anderem Sportartikel, Waffen, Stahlwaren, Jagdausrüstung und Fahrräder verkaufte. Das Geschäft bestand ebenfalls weit über seinen Tod hinaus. Er verstarb mit 63 Jahren am 8. August 1917 in Klagenfurt.
Patentrechte und Firmengründung Bereits zu Weihnachten 1895 stellten Franz Grunder und Otto Lemisch ihr erstes Bambusrad vor. Es war ein Prototyp anhand dessen die Rahmenkonstruktion entwickelt wurde. Drei Monate später war sein Konstruktionsprinzip bereits so ausgereift und dokumentiert, dass es als Patentanmeldung beim Österreichischen Handelsministerium eingereicht werden konnte.
Auf dieser Grundlage erfolgte am 3. November 1896 die Firmengründung über die in der Klagenfurter Zeitung, Ausgabe vom 27. Mai 1896 berichtet wurde:
Grundner & Lemisch erwarben den Patentschutz für die Länder Österreich, Deutschland, Italien, in der Schweiz, in Russland, Frankreich, England und Belgien. Daran kann man erahnen in welchem Maßstab sie bereits dachten und wo sie ihren Absatzmarkt vermuteten.
Etablierung einer Produktionsstätte Auf der Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte wurden Grundner & Lemisch in Ferlach bei Klagenfurt fündig. Ferlach war zu der Zeit eine Gemeinde mit etwa 6000 Einwohnern und hatte als Büchsenmacherstadt ideale Voraussetzungen. Seit 1873 bestand eine Büchsenmachergenossenschaft und damit in der Metallverarbeitung geschulte Arbeitskräfte, und es gab ein Maschinenhaus, das eben erst durch ein zweites, größeres ersetzt worden war und deshalb an Grundner & Lemisch vermietet werden konnte. Das Maschinenhaus war mit einer Turbine ausgestattet, die die notwendige Energie für die Produktion lieferte. Der Betriebsleiter war Franz Grundner. Sie legten in Ferlach einen fulminanten Start hin. In einer Veröffentlichung von 1898 liest sich das so: