mini|LIDAR-Scan des ehemaligen Betriebsgeländes der Kupfergrube Sadisdorf (a), der Kupfergrübner Pinge (b) und der Pinge „Auferstehung Christi“ (c), von Nord nach Süd.
Die Kupfergrube Sadisdorf ist ein Bergbaugebiet im Bereich der Ortschaften Sadisdorf, Hennersdorf und Niederpöbel im Osterzgebirge (Sachsen). Mit mehreren Unterbrechungen wurde um Sadisdorf von 1473 bis 1953 Zinn, Silber und Kupfer abgebaut. In den letzten Betriebsperioden wurden außerdem Wolfram- und Molybdänerze gewonnen. 2017/2018 wurden erfolgreiche Erkundungsarbeiten auf Lithium durchgeführt.
Die eigentliche „Kupfergrube“ bezeichnet die Grubengebäude und übertägigen Anlagen im Bereich der „Kupfergrübner Pinge“ und des „Kupfergrübener Schachtes“. Benachbarte Grubenbetriebe sind der Teilbereich „Zinnklüfte“, der Perlschacht bei Niederpöbel und das Abbaugebiet „Eule“.
Geologie Lagerstättenstruktur mini|hochkant=2.5|Lagerstättenschnitt im Bereich des Kupfergrübner Schachtes und der Pinge, modifiziert nach[Ehser, Gruber 2018, S. 89.] Die Lagerstätte Sadisdorf ist eine Kombination einer Imprägnations- (Greisen) mit einer Ganglagerstätte mit einem komplexen Aufbau.
Das Rahmengestein der Sadisdorfer Erzlagerstätte besteht aus Biotit- und Muskovitgneis mit eingeschalteten Amphiboliten. Darin eingelagert sind der Teplice-Rhyolith und Ausläufer der Sayda-Berggießhübler Rhyolithgänge. Außerdem sind Explosionsbrekzien vorhanden, welche die Metamorphite vor den Granitintrusionen durchschlugen. Diese Intrusionen bestehen aus dem Sadisdorfer Granit, einem dreiphasig intrudierten Granitkörper, der im Bereich der Sadisdorfer Pinge kleinflächig ansteht bzw. aufgeschlossen ist. Die Dreiphasigkeit wurde mit einem Magmenaufstieg eingeleitet, aus dem sich ein Syenogranit (auch „Außengranit“) bildete. Die zweite Granitintrusion erfolgte im Kontaktbereich zwischen Gneis und Syenogranit in Form eines 100 m mächtigen Monzogranites. Das jüngste Intrusionsereignis besteht aus einem im oberen Bereich vergreisten Albitgranit (auch „Innengranit“), der den liegenden Teil der Lagerstätte darstellt.
Weiterhin ist eine Pegmatit-Bildung im Grenzbereich zwischen dem Syeno- und Albitgranit sowie der Exlosivbrekzie vorhanden, die auch als „Stockscheider“ oder „Quarzglocke“ bezeichnet wird. Zudem existieren schlauchförmige, sulfidvererzte Intrusionsbrekzien.[Baumann, Kuschka, Seifert 2001, S. 137–139.][Thalheim 2009, S. 128–132.][Schilka 2011, S. 17–18.]
Mineralogie und Vererzungstypen mini|Beispielabbildung einer Zinnwaldit-Stufe aus der Typuslokalität Zinnwald Ähnlich kompliziert wie die geologisch-tektonischen Verhältnisse stellen sich die mineralogisch-strukturellen Verhältnisse der Erzkörper dar. Der Greisen des Sadisdorfer Außengranits (an dieser Stelle als eigenständiger Vererzungstyp betrachtet) ist ein feinkörniges, durch Glimmer dunkel gefärbtes Gestein, das aus Quarz, Topas, Fluorit und Glimmer besteht. Das Erz in den Greisentrümern ist vorwiegend Kassiterit, begleitet von wenig Wolframit sowie Pyrit, Chalkopyrit und gediegen Wismut. Der mittelkörnige Greisen des Innengranits besteht ebenfalls aus Quarz, Topas und Glimmer mit etwas Fluorit. Er ist mit Kassiterit, Wolframit, gediegen Wismut, Hämatit sowie Pyrit, Chalkopyrit, Stannit (Stannin), Sphalerit, Galenit, Bismuthinit und Emplektit mineralisiert. Der Innengreisen einschließlich dessen pegmatitischer Randfazies („Quarzglocke“, „Stockscheider“) besitzt die höchsten Scandium-, Niob- und Tantalgehalte aller erzgebirgischen Lagerstätten. Dieser Lagerstättenteil besteht aus großkristallinem Quarz, wenig Glimmer und Topas sowie reichlich Wolframit, der teilweise in Scheelit umgewandelt ist. Erwähnenswert ist außerdem ein Quarzgang mit einer intensiven Molybdänitmineralisation.
Bei den für die erzgebirgische Erzlagerstätten typischen, an tektonische Kluft- und Rissbildungen gebundenen Gangvererzungen handelt es sich um Absätze der Zinn-Wolfram- und der Quarz-Polymetall-Assoziation. Die Zinnerzgänge haben eine enge Beziehung zum Granit. Die jüngeren hydrothermalen Gänge mit Sulfiden, Uraninit, Fluorit, Baryt und seltener BiCoNiAg-Bildungen sind dagegen über die gesamte Lagerstätte verteilt. Im weiter vom Granit entfernten Bereich von Niederpöbel überwiegen diese hydrothermalen Gänge. Die Sulfidmineralisationen der älteren, überkritischen Quarz-Kassiterit-Gänge haben einen Indikatorchrakter für Zinn, während dieser bei den jüngeren hydrothermalen Gängen der Quarz-Polymetall-Assoziation fehlt.
Die Umgebung der Gangvererzungen weist außerdem Vergreisungen auf. Weiterhin haben sich parallel zu den Rhyolithgängen Erzgänge gebildet, die als Übergangstypen der oben beschriebenen Mineralisationsabfolgen anzusehen sind. Die Vererzung der Intrusionsbrekzien enthalten eine Anreicherung von Kupfersulfiden, so dass neben Zinn und Silber auch Kupfer als Nebenprodukt gewonnen wurde, was zu der Bezeichnung „Kupfergrube“ führte.
Zinn, das über Jahrhunderte die Hauptgewinnungskomponente darstellte, tritt hauptsächlich in Form von Kassiterit auf und liegt in folgenden Vergreisungs- und Mineralisationstypen vor: Gänge und Trümer im Endo-/Exokontaktbereich Stockwerke im Endo-/Exokontaktbereich mineralisierte Kuppeln und „Flöze“ (Lagergänge) im Endokontaktbereich Brekzien im Endo-/Exokontaktbereich in stratiformen Metasomatiten im Exokontaktbereich Perspektivisch zu gewinnendes Lithium ist an Glimmerminerale (u. a. Zinnwaldit) gebunden. Im Bereich des vergreisten Syenogranits („Außengreisen“) wird dabei von einer meist vertikalen Orientierung der Mineralisation parallel zu Bruchstrukturen ausgegangen. Der vergreiste Albitgranit („Innengreisen“) wird von einer kuppelförmigen Greisenzone begleitet, die höhere Anteile an lithiumhaltigen Glimmern enthält. Prinzipiell ist für die Lagerstätte Sadisdorf eine Zonierung von Mineralisationen zu konstatieren, die sich bezüglich der Zinn-, Lithium- und Wolframgehalte aber auch anhand des allgemeinen Fraktionierungsgrades der jeweiligen petrografischen Einheiten differenzieren lassen.
Weiterhin enthalten die Mineralisationen, wenn auch in geringeren Gehalten, die Elemente Molybdän, Wismut, Tantal, Gold, Scandium und Zink.[LfUGL 2008]
Geschichte Spätes Mittelalter bis 1769 Die Anfänge des Bergbaus im Betrachtungsraum können um den Zeitraum zwischen 1270 und 1280 datiert werden. Hierfür existieren zwar keine schriftlichen Belege, jedoch kann im Ergebnis intensiver montanarchäologischer Untersuchungen dieser Zeitraum als gesichert angenommen werden. Die Datierung beruht auf einer Vielzahl dendrochronologischer Analysen an geborgenen Grubenhölzern, deren Anzahl eine hinreichende statistische Sicherheit gewährleistet. Anlass für die Untersuchungen war der geplante (und inzwischen realisierte) Bau der Hochwasserschutzanlage Niederpöbel. Deren Baufeld befindet sich aus geologisch-lagerstättenkundlichen Sicht am südlichen Randbereich der Sadisdorfer Erzlagerstätte. In einiger Entfernung zu den granitischen Intrusivkörpern besteht die Vererzung hier vor allem aus sulfidischen Gängen mit greisenartiger lateraler Imprägnation des Nebengesteins. In der Dammachse des Bauwerkes waren an beiden Talflanken bergbauliche Relikte wie Pingen, Halden, Meilerplätze usw. bekannt. Somit wurden in Vollzug des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes bauvorbereitende Grabungen sowie die archäologische Begleitung von Verwahr- und Sicherungsarbeiten durch das Sächsische Landesamt für Archäologie veranlasst und von 2010 bis 2013 durchgeführt. Im Ergebnis dieser Arbeiten konnte ein komplexes System von untertägigen Anlagen wie Stollen, Blind- und Tagesschächten, Gesenken und seitlichen Auffahrungen auf über 130 m Länge nachgewiesen und dokumentiert werden. Neben den oben erwähnten zahlreichen Holzfunden wurden auch Gezähe, Bekleidungs- und Keramikfragmente geborgen. Ob es sich bei dem untersuchten Gebiet um das Ursprungsgebiet des Sadisdorfer Bergbaus handelt muss zunächst spekulativ bleiben. Es erscheint jedenfalls plausibel, dass die frühen Bergbautreibenden die Lagerstätte zunächst durch horizontale Auffahrungen von den Talhängen aus aufschlossen, als in aufwendiger Weise Schächte zu teufen (diese wurden später zur Wetterführung notwendig). Außerdem konnte man an den Talflanken ausstreichende Gänge ins Lagerstätteninnere weiterverfolgen und abbauen. Der gleichzeitige talwärtige Abfluss von Grubenwässern war dabei ein willkommener Nebeneffekt. Ob es sich um Prospektions- oder produktiven Bergbau oder um eine Kombination aus beiden handelte, wird gegenwärtig noch diskutiert.[Schröder 2014, S. 215–223]
Am 28. Juli 1473 wurde Melchior von Carlowitz mit dem Rittergut Naundorf mit allen Bergwerken und Seifen belehnt. Gewonnen wurde Eisen, Zinn und Kupfer. Der Bergbau im Bereich der Kupfergrube „uff’n Grünwald“ ist aus dem Jahr 1473 aktenkundig. Nach seinem Tod übernahm sein Bruder Friedrich von Carlowitz das Rittergut. Er wird in einer Belehnung vom 18. September 1476 genannt. 1483 wurde Hans Kölbel von Geising als Besitzer des Rittergutes genannt. 1484 wurde ihm das Sadisdorfer Bergwerk von dem Freiberger Bergmeister verliehen. Sein Sohn und Nachfolger, Bartel Kölbel, erhielt am 11. Februar 1502 von Herzog Georg für 15 Jahre weitgehende Bergprivilegien verliehen. Unter seinem Sohn, Georg Kölbel, kam es mit dem Bergamt Glashütte zum ständigen Streit um die Bergbaurechte in der Grundherrschaft. Mit dem Vertrag vom 8. September 1557, der eine Vasallenbergamtsordnung darstellt, erhielt Kölbel von Kurfürst August alle Rechte des niederen Bergregals. Kupfererze waren aufgrund ihres Silbergehaltes davon ausgenommen. Die wichtigste Grube war die Hilfe Gottes Grube. Schrittweise wurden mit ihr die anderen Berggebäude Neue Gabe Gottes Fundgrube, Auferstehung Christi Fundgrube, Beschert Glück Fundgrube, Segen Gottes Fundgrube und St. Georgen Fundgrube mit Tiefen Erbstolln konsolidiert.
In den Grubengebäuden wurden Zinn- und Kupfererze im Weitungsbau durch Feuersetzen gewonnen.
1607 übernahm Wilhelm von Schönberg, verheiratet mit Anna Kölbel, das Rittergut Naundorf mit allen Bergbaurechten. Nach seinem Tod musste seine Witwe aufgrund von Erbstreitigkeiten die Kupfergrube mit allem Zubehör, Schmelzhütten, Gezeugen, Pochwerken und Zinnzehnten verkaufen.
Am 22. Januar 1622 wurde für das Rittergut Naundorf mit allen Rechten ein Lehnbrief für Heinrich von Bernstein, der mit Anna Kölbel verheiratet war, ausgestellt. 1626 wurde mit den ehemaligen Käufern ein Vergleich über die Rückabwicklung des Verkaufes geschlossen. 1628 kaufte Günther von Bünau der Lauensteiner Linie das Rittergut und alle Rechte.
Durch den Weitungsbau entstanden sich ständig vergrößernde Hohlräume im Lagerstättenkörper. Erreichen diese Hohlräume eine kritische Größe, kann das Umgebungsgestein die auftretenden Lasten nicht mehr aufnehmen und die Hohlräume gehen zu Bruch. 1628 soll ein solcher Weitungsbruch 31 Todesopfer unter den eingefahrenen Bergleuten gefordert haben. Infolgedessen kam es zu massiven Wasserzuflüssen und die Grube soff ab.
Zur Wasserlösung wurden 1633 der Georgen- oder Mittelstolln aufgefahren. Dies ist insofern erwähnenswert, da während des Dreißigjährigen Krieges die Bergbauaktivitäten im Erzgebirge allgemein rückläufig waren. Laut Balthasar Rösler brachte der St. Georgen Stolln eine Teufe von 25 Lachtern ein und die Gruben hatten eine Teufe von 100 Lachtern erreicht.
Trotz negativer Erfahrungen wurde zur Erzgewinnung weiterhin Feuersetzen und Weitungsbau angewandt und es kam zu weiteren Grubenverbrüchen.
1636 teufte die Grube Hilfe Gottes einen eigenen Schacht. Bisher hatte sie über die Grube Segen Gottes gefördert. Zur Förderung aus 157 m Teufe wurde ein Pferdegöpel errichtet. Daneben wurde ein 260 m langes Feldgestänge zur Wasserhebung bis zum St. Georgen Stolln errichtet, das vom Wasser des Saubaches angetrieben wurde. Des Weiteren existierten im Saubachtal zwei Pochwerke zur Erzaufbereitung.