mini|Eckankar-Logo 250px|mini|Tempel der ECK, Chanhassen, Minnesota, USA Eckankar ist eine weltweite neue religiöse Bewegung, deren Ursprünge unter anderem in der Sant-Mat-Bewegung liegen.David V. Barrett: Eckankar. In: Peter B. Clarke (Hrsg.): Encyclopedia of New Religious Movements. New York 2006, ISBN 0-415-26707-2. „In fact its origins lie in the Sant Mat tradition, an esoteric movement with Hindu and Sikh roots, which dates back to the nineteenth century and has numerous variations.“ Diana G. Tumminia: Heart and Soul: A Qualitative Look at the Ethos of the Movement of Spiritual Inner Awareness. In: James R. Lewis, Jesper Aagard Petersen: Controversial New Religions. Oxford University Press, 2005. S. 335: „David Lane (1992) and Andrea Diem (1995) categorize MSIA as one of the newer offshoots of the Sant Mat religion, like Eckankar or Divine Light Mission that are also based on the Radhasoami tradition of India.“ Elijah Siegler: New Religious Movements. Prentice Hall, 2007, ISBN 0-13-183478-9. S. 64: „Eckankar is a New Religious Movement that also owes most of its ideas to the Sant Mat tradition (which it combines with Western esoteric traditions such Theosophy and Rosicrucianism).“ Selbst versteht sie sich als Urreligion, die auf den Prinzipien des Karma und der Reinkarnation basiert und das Wissen sowie die Erfahrung aller großen Weltreligionen in ihrem Kern vereint.Paul Twitchell: Spirituelle Aufzeichnungen, 1980, Illuminated Way Pub (Februar 1980), ISBN 978-0-914766-53-7. Eckankar wurde 1965 in den USA von Paul Twitchell als „Wissenschaft der Seelenreise“ veröffentlicht. Der derzeitige spirituelle Führer ist Doug Kunin.

Lehre Die Grundlagen von Eckankar Die Bezeichnung „Eckankar“ ist abgeleitet aus dem Sanskrit (Panjabi-Dialekt Ek-om-kar, „Dort ist ein, und nur ein Gott“; Sada sada Ik Ekangkar, „Jedoch ist es Ekangkar, das immer dort gewesen ist“). Im Sanskrit ist ek die Silbe für eins und wird als Synonym für den heiligen Geist (ähnlich hindi: Prana, chin.: Qi) verwendet. Für die Eckisten (auch „Eck-Chelas“ genannt) bedeutet es aber schlicht: „Der Weg von ECK“.

Eckankar nimmt selbst keinen Bezug auf bekannte Religionen des indischen Kulturraums wie Buddhismus, Hinduismus und den sikhistischen Yoga des Klangs und des Lichts, obwohl hier theologische Parallelen bestehen. Daneben sind deutliche Einflüsse des Radhasoami-Wegs erkennbar. Ein Unterschied zu diesen Religionen ist eine an den westlichen Menschen angepasste Form der Religionsausübung. Auch wird, im Gegensatz zum Buddhismus, die Existenz einer unsterblichen persönlichen Seele und eines Gottes postuliert. Die Lehre ist zum Teil gnostisch, wertet jedoch das physische Dasein und die materielle Welt nicht als „böse“ Schöpfung ab.Paul Twitchell: Shariyat-Ki-Sugmad, Book I, 1980. Illuminated Way Publishing, 1988, ISBN 978-0-88155-053-5. Das physische Dasein und die materielle Welt werden als Wirkungsort der negativen Kraft, dem „Kal-Niranjan“ angesehen. Trotz Gemeinsamkeiten mit theosophischen Lehren erhebt Eckankar nicht den dort verankerten Anspruch, dass die Lehre auf den geistigen, mentalen und physischen Grundprinzipien und Wirkungsweisen der Natur beruht. Auch glauben Eckisten nicht wie die vielen Anhänger fernöstlicher Wege daran, mal als Mensch, dann als Tier oder Insekt und dann wieder als Mensch zu inkarnieren, sondern dass die Seele sich im Laufe der Zeitalter in einer Folge von Inkarnationen allmählich vom Gruppenbewusstsein der Mineralien über die Evolution bis zum körperlosen Wesen reiner Liebe entfaltet.

Die Bedeutung der Seele Eckisten glauben, dass die Seele unsterblich ist und die wahre Identität der einzelnen Person bildet. Die Seele ist nach Auffassung von Eckankar ein ewiger Funke Gottes, der existiert, weil Gott die Seele liebt, und in diese Welt gesandt wurde, um spirituelle Erfahrung zu sammeln. Sie sei demnach auf einer Reise zur Selbst- und Gottrealisation über sehr viele Leben hinweg, und die spirituelle Entfaltung kann durch den bewussten Kontakt mit dem Heiligen Geist beschleunigt werden. Spirituelle Erfahrung und karmische Befreiung sind nach Aussage von Eckankar in diesem Leben für alle Menschen zugänglich.

Die Bedeutung der negativen Kraft In Eckankar wird der so genannten negativen Kraft eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Vervollkommnung der Seele zugesprochen. Im dualistischen Universum, das nach Auffassung der Eckisten die physische Welt und die verschiedenen Energiekörper mit Astralwelt (emotionale Ebene), Kausalebene (Ursache und Wirkung/Karma) und Mentalebene (Verstand, Poesie, Moral) des Menschen umfasst, hat Gott (Sugmad) einen Herrscher installiert (Kal Niranjan), der die Aufgabe habe, die Seele so lange zu beschäftigen, bis sie die Bedingungen dieser sogenannten niederen Ebenen erkennt und sich auf die Suche nach dem universellen Selbst und der reinen Liebe Gottes jenseits der Gegensätze von Richtig und Falsch, Tag und Nacht, Leben und Tod aufmacht. Hierzu diene der lebende Meister als Wegweiser, der jedoch nicht die Aufgabe habe, Kal Niranjan die Seelen zu entreißen oder sie zu erretten, sondern nur zur Verfügung steht, um Seelen, die auf der Suche sind, den Weg zurück zu Gott zu zeigen.

Soziale und moralische Werte einer Gesellschaft werden als sinnvoll und nützlich betrachtet, um das Zusammenleben zu regeln. Um aber zu einer Gotteserfahrung zu gelangen, könne der Mensch selbst die Illusion der Materie erkennen, sich von der Täuschung durch das menschliche Bewusstsein befreien und sich selbst als Seele sowie den spirituellen Sinn im Austausch von Erfahrungen erkennen. Dies schließe selbst die Überwindung von Eckankar als Religion mit ein, ähnlich der Forderung, Buddhas Lehren als äußere Begrenzung zu transzendieren. Hierzu sei die höchste individuelle Ethik erforderlich, da die negative Kraft immer wieder versuchen werde, die Seele mit dualistischen Konzepten, mentalen Auseinandersetzungen, Diskussionen, emotionalen Freuden oder Leiden oder mit karmischen Verstrickungen zu verwirren. Die negative Kraft werde somit nicht bekämpft, da sie vom göttlichen Prinzip nur natürlich dazu eingesetzt werde, dem Menschen seine wahre Identität als Seele durch jede nur denkbare Ablenkung zu verbergen.

Ziele Eckankar ist der Auffassung, das irdische Leben sei eine wertvolle Erfahrung für die Seele, der mit Respekt und dem Fördern der kreativen Talente gedient werden solle. Anhänger von Eckankar gehen davon aus, dass es bereits nach zwei Jahren intensiver Praxis im Alltag möglich sein soll, eine erneute physische Inkarnation durch liebevolles und umsichtiges Verhalten unnötig zu machen und so ein bewusster „Mitarbeiter Gottes“ im Jenseits oder freiwillig hier auf der Erde zu werden. Ein solcher „Mitarbeiter Gottes“ zu werden, ist nach Ansicht von Eckankar das Ziel jeder Seele, die sich durch alle Zeitalter hinweg und über eine Vielzahl von Inkarnationen zur bewussten Seele entwickle. Die Aufgaben als Mitarbeiter Gottes lägen vor allem darin, der Schöpfung mit seinen individuellen Talenten sowie größerer Liebe und Demut zu begegnen. Um diesen Zustand zu erreichen, sei es sinnvoll, die so genannten „Fünf Leidenschaften des Verstandes“ aufzugeben: Ärger, Gier, Lust, Bindung und Eitelkeit. Eine vollständige Abkehr von der Welt oder ein eifriges Missionieren seien hierzu ebenso wenig dienlich wie hohe intellektuelle Leistungen oder ein Amt in Eckankar. In der Presseerklärung von Eckankar Deutschland ist nachzulesen, dass die Mitglieder nach höchsten Maßstäben leben sollen: totale Bewusstheit, Verantwortung und göttliche Liebe.Eckankar, Religion von Licht und Ton Gottes. Pressemappe, 1999.

In der Tradition des Monismus übernahm Eckankar die Lehre des Advaita (Sanskrit, „Nicht-Dualität“) aus der vedischen Tradition des Hinduismus, nach der die individuelle Seele selbst Teil der All-Seele und damit Gottes ist. Davon abgeleitet geht Eckankar davon aus, dass, je mehr Menschen höhere spirituelle Zustände erreichen, desto mehr Kräfte aus dem schöpferischen Universum frei werden und der Evolution von Natur und Gesellschaft zugutekommen. Eckankar vertritt also hier zwei Lehren: zum einen die monistische Lehre des universellen Gottes jenseits der bekannten und zum Teil personalisierten Gottesbilder, und die des interaktionistischen Dualismus, der nach René Descartes besagt, Geist und Materie wirken wechselseitig aufeinander ein. Die Realisation dieser beiden Konzepte ist für Eckisten eine Grundvoraussetzung für die Selbsterkenntnis als Seele, welche sich nach dem Selbstverständnis von Eckankar nicht mit dem Konzept des Geistes im Sinne eines materialistischen Monismus deckt (vgl. Philosophie des Geistes). Die Seele nutzt demnach das dualistische Universum nur, um Erfahrung in Interaktion mit anderen Seelen zu sammeln. Menschlicher Verstand und mentale Prozesse werden von Eckisten also mithin nicht als seelische Zustände bezeichnet, sondern als Funktion der Seele betrachtet, die unendliche Selbsterfahrung Gottes mit sich über unendlich viele Seelenkörper und Inkarnationen ermöglicht. Nur das Bewusstsein über diese Erfahrungen, nicht aber die jeweilige Persönlichkeit bleibt, im Glaubensbild von Eckankar, über einzelne Reinkarnationen hinweg bestehen.

Der „Tonstrom“ (eine Ausprägung des sog. Eck-Stromes, heiligen Geistes, des Prana oder Chi), der nach monistischem Weltbild zunächst die geistige und dann die materielle Welt ins Dasein rief, kehrt in wellenförmigen Zyklen immer wieder zum Ursprung, zu Gott, zurück und kann in Stille als Licht im Dritten Auge oder als innerer Ton wahrgenommen werden. Dabei wird „Bani“ als Bezeichnung benutzt. Innerhalb des Sant Mat waren Guru Nanak und Kabir (15./16. Jh.) als Vorläufer dieses „Pfades der Meister“ bekannt. Kirpal Singh hatte später, 1953 bis 1974, die Prinzipien der universellen Wahrheit in vielen Religionen, des lebenden Meisters sowie der Selbst- und Gottrealisation und des hörbaren Tonstromes (Bani/Shabd Dhun) als Ausdruck der höchsten Gottheit in Indien gelehrt. Licht- und Tonerfahrungen im Inneren haben für Eckisten demzufolge eine sehr hohe Bedeutung.

Nach langer spiritueller Praxis und Beobachtung der eigenen Träume soll der Eckist erkennen, dass er die Fähigkeit besitzt, sich als Seele mit einem menschlichen Selbst wahrzunehmen, also nicht mehr als Mensch, der eine Seele hat. Diese Erkenntnis wird in Eckankar „Selbstrealisation“ genannt. Diese spezielle Form der Bewusstseinserweiterung wird von Eckisten auch Seelenreise genannt und hat mehr mit persönlicher Erfahrung des Einzelnen im ganz normalen Leben zu tun, als mit Schriftstudium und ausgedehnter Meditation oder Askese.

Ein anderer Aspekt der Seelenreise und ein hohes Ziel in Eckankar steht eng mit dem Glauben an Reinkarnation im Zusammenhang und umfasst die so genannte bewusst herbeigeführte außerkörperliche Erfahrung. Dieses Thema stand zu Beginn der Veröffentlichung in den sechziger Jahren durch Paul Twitchell im Mittelpunkt der Schriften. Ein weiteres Ziel des Eckisten ist die so genannte Gottrealisation, die ihm als Seele die vollkommene Bewusstheit in der Gegenwart Gottes ermöglichen soll.

Gründungsgeschichte

Eckankar wurde 1965 von dem Journalisten und US-Amerikaner Paul Twitchell (1908(?)–1971) gegründet. Spirituelle Erfahrungen sammelte er bei seiner Zusammenarbeit mit L. Ron Hubbard, dem Gründer von Scientology, sowie Kirpal Singh, einem Meister des Sant Mat. Nachdem er seine Lehre zunächst nur an wenige Schülern weitergegeben hatte, wandelte sich Eckankar im Laufe der Zeit zur globalen Organisation.