mini|Das Sternbild Adler, wie man es an Herbstabenden im Südwesten sieht mini|Animation mit Einblendung des Sternbilds Adler (Aquila) mit dessen Hauptstern Altair, den Sternbildern Delphin (Delphinus) und Pfeil (Sagitta) sowie der Sommermilchstraße aufgenommen im Sternenpark Westhavelland am südlichen Sternhimmel. Der Adler (,Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8. Aufl., Hannover 1913, Band 1, Sp. 527, Stichwort aquila () Henry George Liddell und Robert Scott, überarbeitet von Henry Stuart Jones unter Mitarbeit von Roderick McKenzie: A Greek-English Lexicon. 9. Aufl., Oxford, Clarendon Press, 1940, Stichwort ἀετός ()) ist ein markantes Sternbild des nördlichen Sommer- und Herbsthimmels. Er gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden.
Beschreibung Der Adler gehört mit Schwan und Leier zu den markantesten Sommersternbildern. Durch den auffallend hellen Hauptstern Altair (α Aquilae), den südlichen Eckpunkt des ausgedehnten Sommerdreieckes, kann er leicht am Sommer- und Herbsthimmel gefunden werden. Oberhalb und unterhalb von Altair liegen die hellen Sterne Tarazed (γ Aquilae) und Alschain (β Aquilae). Die drei Sterne bilden den Kopf des Adlers, wie er nach Nordosten fliegt, dem Schwan entgegen. Die übrigen Sterne sollen die ausgebreiteten Schwingen des Vogels darstellen.
Das Band der Milchstraße zieht – vom Sternbild Schwan kommend – durch den Adler hindurch und weiter zum Schützen, wo sich das Zentrum unserer Galaxis befindet. Wenn man mit dem Fernglas durch die Sternbilder streift, erkennt man in der Milchstraße interessante Strukturen: äußerst sternreiche, aber auch dunkle Gebiete, 3–4 helle Gasnebel und mehrere Sternhaufen.
Geschichte Der Hauptstern Altair (auch Atair) wurde bereits von den Sumerern und Babyloniern der Adlerstern genannt. Der südliche Teil des Adlers war bis ins frühe 19. Jahrhundert auch als Antinous bekannt. Antinous war ein Liebhaber des Hadrian, dessen legendenhafte Selbstopferung im Nil für seinen Imperator durch dieses Sternbild gewürdigt wurde. Antinous wurde damit dem Ganymed gleichgesetzt. Die untere Abbildung stammt von 1782 aus Johann Elert Bodes Atlas Vorstellung der Gestirne und zeigt das Sternbild, wie es in den antiken Quellen beschrieben wird.
Mythologie Zur mythologischen Herkunft des Namens gibt es mehrere Deutungen.
Zum einen soll der Adler aus der Sage um Herakles stammen. Prometheus, der den Menschen gegen den Willen der Götter das Feuer gebracht hatte, war zur Strafe von Zeus im Kaukasus-Gebirge an einen Fels gekettet worden. Jeden Tag erschien ein Adler und fraß von der Leber des Unglücklichen, die bis zum nächsten Tag wieder vollständig nachwuchs. Als Herakles Prometheus fand, befreite er ihn von den Ketten und schoss den Adler mit einem Pfeil ab.
Einer anderen Deutung nach handelt es sich um den Adler, der die Blitze des Zeus trug, und den Jüngling Ganymed (dargestellt durch das Sternbild Wassermann) in den Olymp entführte, um dort als Mundschenk zu dienen.
Einer weiteren Deutung nach handelt es sich bei den Sternbildern des Sommerdreiecks (Adler, fallender Geier (Leier) und Schwan) um die Stymphalischen Vögel.
Himmelsobjekte Sterne Siehe auch Liste von Sternen im Sternbild Adler
mini|300px|Stich des Sternbildes Adler
B F Namen o. andere BezeichnungenGröße (mag) Lj Spektralklasse 53 Altair (Atair) 0,76 16,7 A7 Vn 50 Tarazed 2,72 390 K3 II 17 Deneb el Okab Australis 2,99 83 A0 IV–Vnn 65 Theta Aquilae 3,22 290 B9,5 III 30 Delta Aquilae 3,36 51 F0 IV + K(?) 16 Lambda Aquilae 3,43 124 B9 Vn 60 Alschain 3,71 44,7 G9,5 IV + M3 55 Eta Aquilae 3,80 1.400 F6 Iab + B9,8 V 13 Deneb el Okab Borealis 4,02 150 K1 III 12 4,02 144 K1 III 71 4,33 340 G7,5 III 41 Iota Aquilae 4,36 400 B5 III 38 My Aquilae 4,45 108 K3 III 59 Xi Aquilae 4,71 180 G9,5 III 32 Ny Aquilae 4,72 3.000 F2 Ib 70 4,88 1.300 K4 III 69 4,90 200 K1–2 III 39 Kappa Aquilae 4,96 1.700 B0,5 IIIn 26 4,99 150 G8–K0 IV 4 5,01 470 B9 V 36 5,03 530 K5 III 18 Y 5,09 (var) 700 B8 III 54 Omicron Aquilae 5,10 63 F8 V 37 5,12 460 G8,5 III 23 5,15 370 K1 II–III 21 V1288 5,15 (var) 700 B7 III 31 5,16 49,5 G7 IV 44 Sigma Aquilae 5,17 800 B3 V 19 5,23 150 F0 III–IV 57 5,26 500 B7 Vn + B8 V 11 5,26 158 F8 V 61 Phi Aquilae 5,28 220 A1 IV 1 25 Omega Aquilae 5,28 410 F8 V HR 7794 5,30 250 G8 III–IV 47 Chi Aquilae 5,31 850 G2 Ib + B5,5 20 5,34 1.000 B2–3 II FF 5,38 1.300 F6 Ib 15 5,39 290 K0–1 III 51 5,39 91 F5 V 14 5,42 500 B9 IV 27 5,45 440 B9 III 66 5,47 700 K4 III 63 Tau Aquilae 5,51 460 K0 III 28 V1208 5,52 340 F0 III + G5 22 5,57 540 A1 V 62 Serpentis 5,57 280 G9 III HR 7300 5,57 700 G8 II–III V1291 5,62 (var) 260 F0 VpSrCrEu 58 5,63 370 B9 IV HR 7307 5,63 400 B9,5 V 45 5,64 350 A2 V 14 Sagittae 5,66 600 B9pHgMn 5 5,68 350 kA3hA5VmA6 + kA4hF0VmF 42 5,68 105 F3 IV–V 62 5,68 420 K3 III 52 5,74 500 G8 III + A2 V HR 7389 5,75 180 F6 III 35 V1431 5,78 (var) 200 A0 IVp 49 5,91 170 A3 IV 48 6,24 1.000 B9 III–IV
Der Hauptstern des Adlers heißt Altair (α Aquilae). Altair ist ein Weißer Hauptreihenzwerg mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,76 und gehört dem Spektraltyp A7n und der Leuchtkraftklasse V an. Er ist nicht nur der hellste, sondern mit 16,7 Lichtjahren Entfernung auch der sonnennächste aller Sterne im Sternbild Adler. Anhand der Oberflächentemperatur von 7.800 K sowie dem 1,7-fachen Sonnendurchmesser lässt sich seine Leuchtkraft auf die 11-fache Sonnenleuchtkraft berechnen. Altair dreht sich in nur wenigen Stunden um die eigene Achse, weshalb der Sternglobus eine deutliche Abplattung aufweist.
Der zweithellste Stern im Adler, Tarazed (γ Aquilae), zählt zu den hellen Riesensternen. Dementsprechend hat sich der Stern auf den etwa 100-fachen Sonnendurchmesser aufgebläht. Seine Masse liegt beim Fünf- bis Sechsfachen der Sonne. Tarazed besitzt die Spektralklasse K3 und befindet sich 390 Lichtjahre von uns entfernt.
Alschain (β Aquilae) ist ein Unterriese vom Spektraltyp G9,5. Der Stern besitzt die 1,4-fache Masse und den dreifachen Durchmesser der Sonne sowie eine Oberflächentemperatur von 5.200 K. Er bildet mit einem Roten Zwerg ein Doppelsternsystem. Die Entfernung zur Sonne beträgt 44,7 Lichtjahre. Der arabische Name „Alschain“ bedeutet „Wanderfalke“.
Im Jahr 1992 rückte ρ Aquilae aufgrund seiner Eigenbewegung vom Adler in das Nachbarsternbild Delphin.Wiener Zeitung: , 18. März 2005. Umgekehrt liegen 14 Sagittae und 62 Serpentis entgegen deren Flamsteed-Bezeichnungen, die auf die Sternbilder Pfeil bzw. Schlange verweisen, im Adler. Dies begründet sich aber durch Kompromisse bei der Einführung der modernen Sternbildgrenzen und nicht durch die Eigenbewegung der Sterne.
Exotische Objekte im Adler sind beispielsweise der gelbe Hyperriese IRC+10420, die Röntgendoppelsterne SS 433 und GRS 1915+105, der Doppelpulsar PSR J1915+1606 und die Gammaquelle SGR 1900+14.
Doppelsterne System Größen Abstand β 3,7m / 11,9m 13,4″ ζ 3,0m / 12,0m / 11,8m 7,2″ / 161,3″ π 6,3m / 6,8m 1,5″ χ 5,4m / 6,6m 0,4″ h 5,4m / 6,8m 39,7″ 5 5,9m / 7,5m 12,7″ 18 5,4m / 6,4m 0,3″ 23 5,3m / 8,3m 3,2″ 28 5,5m / 9,0m 60,2″ 57 5,7m / 6,4m 35,9″ Gliese 752 10,6m / 17,3m 75,8″
Alschain (β Aquilae) wird von einem roten Zwergstern umkreist. Dieser befindet sich in 13,4″ Distanz zum Hauptstern. Er ist nur in größeren Amateurteleskopen zu beobachten, da er ansonsten vom vielfach helleren Hauptstern überstrahlt wird.
Die Einzelsterne von π Aquilae liegen 1,5″ auseinander. Aufgrund ihrer fast gleichen scheinbaren Helligkeiten eignet sich dieser Doppelstern gut als Testobjekt für ein kleines Amateurfernrohr oder -teleskop. Ein Refraktor mit 10 cm Öffnung trennt ihn bei ca. 180-facher Vergrößerung. Bei Verwendung eines Reflektors empfiehlt sich eine etwas größere Öffnung und höhere Vergrößerung.
18 Aquilae (Y Aquilae) ist ein Sternsystem in etwa 700 Lichtjahren Entfernung, das eine Umlaufperiode von 205 Jahren aufweist. Mit einem Abstand von 0,3″ sind die Komponenten für eine Trennung in einem Amateurteleskop zu eng beisammen. Eine der beiden Komponenten ist ein bedeckungsveränderlicher Stern mit einer Periode von 1,302 Tagen. Somit ist 18 Aquilae ein Dreifachsystem.
Gliese 752 ist mit 18,7 Lichtjahren Entfernung ein relativ sonnennahes Sternsystem. Es besteht aus zwei Roten Zwergen, die einen physischen Doppelstern bilden. Dies sind Gliese 752 A mit 10,6m und Gliese 752 B – besser bekannt als Van Biesbroeck 10 (VB 10) – mit nur 17,3m. VB 10 gehört dem Spektraltyp M8 an und besitzt nur 0,08 Sonnenmassen. Er zählte lange Zeit zu den masseärmsten, kühlsten und leuchtschwächsten bekannten Sternen. Im Jahr 2009 wurde die Entdeckung eines Planeten um VB 10 bekannt gegeben, was aber im Jahr darauf widerlegt wurde. Gliese 752 A und VB 10 liegen 75,8″ auseinander. Um VB 10 visuell sehen zu können, benötigt man ein großes Teleskop mit 50 cm Öffnung.
Spektroskopische Doppelsterne im Adler sind (in Klammer die Umlaufperiode): δ Aquilae (3,42 Jahre), ε Aquilae (3,48 Jahre), θ Aquilae (17,122 Tage), σ Aquilae (1,95 Tage), φ Aquilae (3,32 Tage), f Aquilae (266,5 Tage), l Aquilae (205,2 Tage), 18 Aquilae (1,302 Tage) und 14 Sagittae (61,54 Tage). Bei δ Aquilae lässt sich der Begleiter auch durch periodische Störungen in der Eigenbewegung nachweisen. δ Aquilae ist somit nicht nur ein spektroskopischer, sondern zugleich auch ein astrometrischer Doppelstern. In zwei Einzelsterne kann er aber auch mit großen Teleskopen nicht getrennt werden, weshalb er nicht unter die visuellen Doppelsterne fällt.
Veränderliche Sterne Stern Größe Periode Typ α Amplitude = 0,004m 0,063 Tage δ-Scuti-Stern σ 5,2m bis 5,4m 1,95 Tage β-Lyrae-Stern η 3,5m bis 4,3m 7,18 Tage klassische Cepheiden c Amplitude = 0,04m 0,021 Tage δ-Scuti-Stern 7 Amplitude = 0,02m 0,049 Tage δ-Scuti-Stern 8 Amplitude = 0,03m 0,081 Tage δ-Scuti-Stern 10 5,8m bis 6,0m 6,05 Tage α2-Canum-Venaticorum-Stern 18 5,0m bis 5,1m 1,30 Tage bedeckungsveränderlicher Stern 21 5,1m bis 5,2m α2-Canum-Venaticorum-Stern R 5,3m bis 12m 270 Tage Mirastern FF 5,2m bis 5,8m 4,47 Tage klassische Cepheiden
Der Hauptstern Altair ist schwach veränderlich. Im Jahr 2005 wurde er als δ-Scuti-Stern identifiziert. Seine scheinbare Helligkeit variiert mit einer Hauptperiode von 1,54 Stunden sowie mehreren Nebenperioden mit einer Amplitude von 0,004m.
σ Aquilae ist ein 800 Lichtjahre entfernter bedeckungsveränderlicher Stern. Alle 1,95 Tage zieht ein lichtschwächerer Stern vor dem hellen Hauptstern vorbei, was zu einem leichten Abfall der Helligkeit führt.
η Aquilae ist ein pulsationsveränderlicher Stern vom Typ der Cepheiden. Seine Helligkeit verändert sich regelmäßig mit einer Periode von 7 Tagen, 4 Stunden und 15 Minuten zwischen 3,5m und 4,3m.
R Aquilae ist ein veränderlicher Stern vom Mira-Typ in 700 Lichtjahren Entfernung. Der Stern ändert während eines Zeitraumes von etwa 270 Tagen seine Helligkeit. Die Pulsationsperiode hat sich in den letzten hundert Jahren erheblich verringert. Anfang des 20. Jahrhunderts betrug sie noch 350 Tage. Im Maximum ist der Stern 5,3m hell und kann gerade noch mit bloßem Auge wahrgenommen werden. Im Minimum erreicht er nur noch eine Helligkeit von 12m. Um ihn dann aufzufinden, benötigt man ein größeres Teleskop.
Im Adler leuchteten auch verschiedene Novae auf, unter anderem V606 Aquilae (im Jahr 1899), V604 Aquilae (1905), V603 Aquilae (1918), V500 Aquilae (1943) und V1494 Aquilae (1999).
Messier- und NGC-Objekte