Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas und die Hauptstadt der Provinz Santiago de Cuba. Die Stadt hat 510.665 Einwohner (Zensus 2015).ONE, Zensus 2015 S. 18 Santiago de Cuba, das im Jahre 2015 sein 500-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Städten Kubas. Es liegt im Südosten Kubas circa 870 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Havanna.
Geographie Lage und natürliche Umgebung Santiago de Cuba befindet sich im Südosten von Kuba mit den Koordinaten N 20°1'00.948" W 75°49'48.553", etwa 870 km von der Hauptstadt Havanna entfernt. Das Zentrum der Stadt befindet sich etwa 29 m über dem Meeresspiegel. Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas nach Havanna. Die Bucht von Santiago liegt am Karibischen Meer und der Hafen ist der zweitgrößte Seehafen in Kuba. Die Stadt ist rund um die Bucht von Santiago de Cuba gewachsen und ist umgeben von den Bergen der Sierra Maestra.
Klima In Santiago de Cuba herrscht, wie auch in den meisten anderen Gebieten Kubas, tropisches Klima. Der effektiven Klimaklassifikation nach Köppen zufolge herrscht in Santiago de Cuba tropisches Savannenklima.
Stadtgliederung Santiago ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt ist in 6 Distrikte gegliedert, die wiederum in 29 Consejos populares untergliedert sind:
DistrictoConsejos popularesEinwohner(Volkszählung 2015) José Martí José Martí Norte, Agüero – Mar Verde, José Martí Sur, Los Olmos, Mariana Grajales, Manuel Isla Pérez 130.073 26 de Julio Guillermón Moncada, Los Maceos, José María Heredia 51.942 Antonio Maceo Altamira, Vista Hermosa, Veguita de Galo, Chicharrones, Flores, Ciudamar 113.286 Abel Santamaría Sueño, Vista Alegre, 30 de Noviembre, Santa Bárbara, Abel Santamaría, Haydé Santamaría 98.881 René Ramos Latourt El Cobre, El Cristo, Boniato 65.724 Frank País García El Caney, Siboney, El Ramón, El Escandel, Sigua 50.759
Geschichte Gründung der Stadt mini|Bildnis Diego Velázquez vor der Silhouette Santiagos
Santiago wurde am 25. Juli 1515 von Diego Velázquez de Cuéllar als eine von sieben Villas, den ersten Städten der Insel, gegründet. In kürzester Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem regen Handelszentrum. Im Zentrum der Stadt ließ sich Velázquez von 1516 bis 1530 eine Residenz errichten (Casa de Velázquez). Der Bau der ersten Kirche wurde an der Stelle begonnen, wo heute die Kathedrale der Stadt steht.
Auf sein Anraten verlieh die Spanische Krone im Jahre 1522 Santiago de Cuba den Hauptstadttitel, den sie bis 1607 innehatte. Gleichzeitig war Santiago de Cuba in dieser Zeit Hauptstützpunkt der spanischen Armada in der Karibik.
Spanische Kolonialherrschaft und französische Einwanderung Die ersten Spanier, die die heutige mexikanische Küste erreichten, waren am 8. Februar 1517 von Santiago de Cuba aus aufgebrochen und standen unter dem Kommando von Francisco Hernández de Córdoba. Diego Velázquez de Cuéllar hatte Hernández de Córdoba den Auftrag gegeben, neue Länder zu entdecken und Sklaven zu fangen. Velázquez de Cúellar rüstete im Januar 1518 eine weitere Expedition aus. Zum Kommandanten ernannte er seinen Neffen Juan de Grijalva. Nach Grijalvas Rückkehr erteilte Velázquez dem Alcalde (Bürgermeister) von Santiago de Cuba, Hernán Cortés, den Befehl zu einer dritten Expedition. Die Mittel, die Cortés in die Unternehmung steckte, sowie dessen Eifer beunruhigten Velázquez danach sehr, denn er befürchtete, dass Cortés die Vereinbarung über eine Gewinnbeteiligung nicht einhalten werde. Er versuchte, ihn von seinem Posten als Kapitängeneral zu entfernen, doch Cortés bestieg kurzerhand mit 400 bis 600 MannGeoffrey Parker (Hrsg.): The Times – Große Illustrierte Weltgeschichte. Verlag Orac, Wien 1995, S. 270. die für die Reise vorgesehenen Schiffe und stach von Santiago aus in See.
mini|Bucht von Santiago de Cuba 1856
Um 1530 wurden westlich von Santiago (im heutigen Dorf El Cobre) Kupfervorkommen entdeckt. Aus Mangel an Metallurgen konnten diese aber nicht ausgebeutet werden. Der Flame Gaspar Lomans begann im Jahre 1540 dort mit Bergbautätigkeiten, seit 1542 unterstützt durch den Nürnberger Hans Tetzel. Dieser reiste nach Spanien und Deutschland zurück, um weitere deutsche Ingenieure nach Kuba zu holen. Ausgestattet mit einem Vertrag der Spanischen Krone und Kapital der Nürnberger Welser wurden die Kupfervorkommen von 1547 bis zu seinem Tod im Jahre 1576 durch einheimische Indios und Sklaven aus dem Kongo, vom Cabo Verde und aus Angola abgebaut.Theodor Gustav Werner: Das Kupferhüttenwerk des Hans Tetzel aus Nürnberg auf Kuba und seine Finanzierung durch europäisches Finanzkapital. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 48, Heft 3, 1961, S. 289–328.Michael Zeuske: Schwarze Karibik. Rotpunktverlag, Zürich 2004, S. 119.
Im Jahre 1554 wurde Santiago vom Piraten Jacques de Sores und seinen Mannen angegriffen, ein paar Wochen später von François Le Clerc und seinen Leuten.Marley: Wars of the Americas. S. 57. Im Jahr 1607 wurde Santiago de Cuba von Havanna als Hauptstadt abgelöst. Zum Schutz der Stadt von der Seeseite aus wurde ab 1637 10 km südwestlich der Stadt das Castillo de San Pedro de la Roca errichtet. Diese Festung ist vor allem unter dem Namen Castillo del Morro bekannt und von der UNESCO als schützenswertes Weltkulturerbe anerkannt. Daneben war sie Ankunftshafen für die Sklavenschiffe aus Westafrika. Noch heute ist dort der größte Teil der Bevölkerung afrikanischer Abstammung.
Im Jahre 1686 wurde etwa 25 km westlich von Santiago die heutige Wallfahrtskirche El Cobre errichtet, die als das Nationalheiligtum der Katholiken in Kuba gilt.
Prägenden Einfluss auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Eigenheiten der Stadt hatte die Einwanderungswelle französischer Siedler und ihrer Sklaven aus Haiti infolge der Haitianischen Revolution ab 1791. Am sichtbarsten war dieser französische Einfluss lange im unmittelbar südlich des kolonialen Altstadtkerns gelegenen Stadtviertel Tivolí, das während dieser Einwanderungswelle entstand. Auch die östlich von Santiago auf dem weltweit drittgrößten Monolithen Gran Piedra gelegene Kaffeeplantage Cafetal Isabélica, die ebenfalls seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, geht auf eine Gründung von französischen Siedlern zurück.
mini|Handelskammer um 1921
1862 wurde in Santiago de Cuba die Destillerie Bacardí & Ca. von dem aus Sitges (Spanien) stammenden „Don“ Facundo Bacardí Massó (1814–1887) gegründet, das international bekannteste und erfolgreichste kubanische Wirtschaftsunternehmen.
Unabhängigkeitskriege und Spanisch-Amerikanischer Krieg Im Jahre 1845 wurde in Santiago Antonio Maceo geboren, einer der militärischen Führer der ab 1868 geführten Unabhängigkeitskriege (Zehnjähriger Krieg, Guerra Chiquita und Kubanischer Unabhängigkeitskrieg). Der Santiago umgebende Osten der Insel war dabei das Zentrum der bewaffneten kubanischen Unabhängigkeitsbewegung.
Seit mindestens 1856 bestanden deutsche Konsulate (für Bremen, Hamburg und Preußen) in Santiago de Cuba.Illustrierter Kalender für 1856. Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber. Leipzig 1856, S. 27. Carl Wilhelm Schumann war seit 1868 Konsul des Norddeutschen Bundes. Später übernahm das Amt der Kunstmäzen und Kaufmann Hermann Michaelsen, nach dem die Hafenpromenade von Santiago benannt ist. Er übte es bis nach 1918 für das republikanische Deutschland aus.Raúl Martell: In: Cubarte vom 24. Januar 2008, abgerufen am 24. August 2018 (spanisch) Er war auch Gründungsmitglied der Handelskammer von Santiago, die im Jahre 1887 geschaffen wurde, und des ersten Wassersportklubs in Santiago, des Club Nautico im Jahre 1889.
mini|Denkmal auf dem Hügel San Juan als Erinnerung an die Schlacht von 1898
In (und bei) Santiago de Cuba fanden im Sommer 1898 die entscheidenden und abschließenden Gefechte statt, die im Spanisch-Amerikanischen Krieg zum Ende der spanischen Kolonialherrschaft über Kuba führten: Die Schlacht am Hügel von San Juan außerhalb der damaligen östlichen Stadtgrenze (heute im Stadtviertel Vista Alegre) sowie wenige Tage später die Seeschlacht vor Santiago de Cuba.
Diktatur Batistas, Beginn und Sieg der Revolution Zur Zeit der Diktatur von Fulgencio Batista nahm der bewaffnete Kampf durch eine Gruppe um den jungen Rechtsanwalt Fidel Castro, der in Santiago seine Schulzeit verbracht hatte, in Santiago mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953 seinen Anfang. Während der benachbarte Gebirgszug Sierra Maestra ab 1956 zum Kerngebiet für den Guerillakrieg gegen die staatlichen Streitkräfte wurde, war Santiago de Cuba gleichzeitig das Zentrum des von Frank País angeführten zivilen Widerstands. Am 1. Januar 1959 verkündete Fidel Castro in Santiago de Cuba den Sieg der kubanischen Revolution, nachdem das Militär die Stadt nach Batistas Flucht aus dem Land kampflos der Rebellenarmee übergeben hatte.
Santiago de Cuba nach dem Sieg der Revolution mini|Papst Franziskus am 22. September 2015 auf dem Plaza de Marte
Am 1. Januar 1984 verlieh Staatspräsident Fidel Castro der Stadt Santiago für die besonderen Verdienste ihrer Bürger um die Revolution als einziger Stadt Kubas den Ehrentitel Heldenstadt der Republik Kuba. Das offizielle Motto der Stadt, das Teil des Stadtwappens ist, lautet: „Gestern rebellisch, heute gastfreundlich, immer heldenhaft“. Das historische, aus der spanischen Kolonialzeit stammende Stadtwappen trug das Motto: „Sehr ehrwürdig und sehr loyal“.
Am 25. Oktober 2012 richtete der Hurrikan Sandy im gesamten Stadtgebiet und Umland Santiagos große Schäden an; seit 1580 bebte in Santiago mindestens fünfzehnmal die Erde (das letzte große Erdbeben am 3. Februar 1932 hatte die Stärke 6,2 Grad auf der Richterskala), da vor der Küste Santiagos die Karibische Platte verläuft.
Bisher besuchte am 26. März 2012 Papst Benedikt XVI. und am 22. September 2015 Papst Franziskus die Stadt. Im Jahre 2015 feierte Santiago de Cuba seine 500-jährige Stadtgründung. Aus diesem Anlass wurden viele Häuser in der Innenstadt von der Regierung saniert.
Politik Der aktuelle Bürgermeister von Santiago de Cuba ist Raúl Fornés Valenciano. Seine Stellvertreterin ist Yanedis Echavarría Batista (beide PCC). Die Stadt wird von der Stadtversammlung der Volksmacht (Asamblea Municipal del Poder Populär) verwaltet, deren Vorsitzender Fornés Valenciano ist. Großen Einfluss auf die Geschicke der Stadt hat auch der erste Sekretär der Kommunistischen Partei (PCC) der Provinz Santiago (Primer Secretario del Partido en la Provincia), Lázaro Fernando Expósito Canto.
Städtepartnerschaften mini|Logo der 500-Jahrfeier 2015
Cartagena de Indias, Kolumbien Esmeraldas, Ecuador Lissabon, Portugal Maracaibo, Venezuela Montego Bay, Jamaika Oakland, Vereinigte Staaten Rosario, Argentinien Sabaneta, Venezuela Sankt Petersburg, Russland Santiago, Mexiko Santiago de Compostela, Spanien Santiago de los Caballeros, Dominikanische Republik
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|links|600x200px|Karneval in Santiago de Cuba
Santiago de Cuba lässt sich als kulturelles Zentrum von Kubas Osten beschreiben, das über eine breite Palette an Kultur und Sehenswürdigkeiten verfügt, beispielsweise Museen, Paläste, öffentliche Plätze im kolonialen Stil, Alleen, Kirchen, Kino, Theater und den alljährlichen Karneval im Juli. In vielen kolonialen Bauten befinden sich heute Museen. Die kubanische Regierung legt ein besonderes Augenmerk auf guten Zugang zu kulturellen Veranstaltungen, weshalb die Eintrittspreise in den Museen und Festivals meist sehr niedrig sind.
Plätze und Stadtviertel Parque Céspedes mini|Blick vom Dachgarten des Hotels „Casa Granda“ auf den Parque Céspedes und die Casa de Velázquez, rechts davon das Rathaus von Santiago de Cuba