Das Dampfturbinenschiff America war ein Passagierschiff, das für die United States Lines gebaut wurde. Es war für den Verkehr auf der Nordatlantikroute vorgesehen und wurde unter anderem als Militärtransporter und Kreuzfahrtschiff genutzt. 1994 riss sich die America während eines Sturms vor den Kanarischen Inseln von den Leinen ihres Schleppers los und strandete in einer Bucht an der Westküste Fuerteventuras. Das noch erhaltene Bugteil war lange Zeit eine Touristenattraktion, befindet sich allerdings seit März 2007 fast vollständig unter der Wasseroberfläche. Es liegt auf .Die American Star vor Fuerteventura auf lostplaces.de (Stand 24. März 2010)
Spätere Namen für dieses Schiff waren: USS Westpoint (AP-23), Australis, Italis, Noga, Alferdoss und American Star.
Bau Das Dampfturbinenschiff America wurde von William Francis Gibbs im Auftrag der United States Maritime Commission (MARCOM) entworfen. Am 22. August 1938 wurde das Schiff in der Werft Newport News Shipbuilding and Dry Dock Company in Virginia auf Kiel gelegt. Es war das erste Schiff, das im Zuge des 1936 beschlossenen Neubauprogramms des Merchant Marine Act gebaut wurde. Gut ein Jahr später, am 31. August 1939, erfolgte der Stapellauf. Das Schiff wurde von Eleanor Roosevelt, der Ehefrau von Franklin D. Roosevelt, getauft. Einen Tag nach dem Stapellauf begann der Zweite Weltkrieg. In derselben Werft wurde nach der America die United States gebaut, die durch die Erringung des Blauen Bandes berühmt wurde.
Bei den ersten Testfahrten offenbarte sich ein Problem der Konstruktion: Der hintere Schornstein, der als einziger für den Rauchgasabzug benutzt wurde, konnte den Abgasrauch nicht von den Decks fernhalten. Deshalb wurden er und der vordere „Dummy“, der einen Notstromgenerator beherbergte, um fünf Meter erhöht. Dies verbesserte auch das Profil des Schiffs. Die America wurde am 2. Juni 1940 der Reederei übergeben.
Kriegszeit
mini|links|Die America als Westpoint, 1945
Das Schiff konnte nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, anders als geplant, nicht für den Nordatlantik-Dienst eingesetzt werden. Stattdessen befuhr es als Kreuzfahrtschiff amerikanische Gewässer sowie die Westindischen Inseln in der Karibik. Um in den neutralen Gewässern nicht mit einem Schiff einer kriegführenden Nation verwechselt zu werden, wurden die Seiten mit ihrem Namen und einer großen amerikanischen Flagge bemalt. Die erste Kreuzfahrt führte am 10. August 1940 von New York zu den Westindischen Inseln.
Nach dem Kriegseintritt der USA wurde das Schiff 1942 von der US Navy übernommen und zum Truppentransporter umgerüstet. Hierfür erhielt es den Namen USS Westpoint. Die Umrüstung dauerte lediglich elf Tage. Die Westpoint konnte 7.678 Passagiere befördern. Außerdem wurden vier Single 5 inch Dual-Purpose Guns, vier 3 inch/50 Naval Guns und acht Maschinengewehre des Kalibers .50 installiert. Von 1941 bis 1946 beförderte das Schiff als Truppentransporter über 350.000 Menschen und fuhr eine Strecke, die der Länge von ungefähr 15 Erdumrundungen entspricht. Es überstand die Kriegszeit ohne größere Beschädigungen.
Die Zeit im Liniendienst mini|Die America in Bremerhaven, 1958 United States Lines (1946–1964)
Am 22. Juli 1946 wurde das Schiff aus dem Transportdienst entlassen und der United States Lines zurückgegeben. In ihrer Bauwerft wurde die nun wieder umbenannte America überholt, was rund 6,9 Millionen Dollar kostete. Von nun an hatte sie eine Tonnage von 26.314 BRT und fasste insgesamt 1.689 Personen. Ab dem 14. November befuhr sie die Strecke New York–Le Havre und übernahm somit den für sie ursprünglich vorgesehenen Transatlantik-Dienst. Außerdem lief sie die Häfen Southampton, Cobh und, ab dem 3. November 1951, auch Bremerhaven an. Als ihre Nachfolgerin, die bauähnliche United States, am 3. Juli 1952 zu ihrer Rekordfahrt aufbrach und das Blaue Band gewann, geriet die America ein wenig in den Schatten ihrer Halbschwester. Ab 1960 musste sie aufgrund des Erfolges der Transatlantik-Flüge zeitweise wieder als Kreuzfahrtschiff dienen. Im September 1963 musste die America wegen eines Streits mit Gewerkschaftsvertretern über sanitäre Einrichtungen auf dem Schiff ihre Fahrten vorübergehend einstellen. Bis Februar 1964 lag sie in Hoboken vertäut, nahm dann aber ihren Dienst wieder auf. Okeania SA (1964–1978) mini|links|Die Australis 1967 Da sich die geschäftliche Situation der United States Lines verschlechtert hatte, wurde die America im November 1964 für 4.250.000 Dollar an die Okeania SA verkauft, ein Tochterunternehmen der Chandris-Gruppe. Die America wurde in Australis umbenannt und in Piräus zu einem Einklassenschiff für 2.258 Passagiere mit 26.485 BRT umgebaut. Außerdem erhielt sie einen weißen Anstrich und blaue Schornsteine, die auf den Seiten ein großes Χ (Griechischer Buchstabe Chi) darboten. Am 20. August 1965 trat sie ihre erste Reise unter neuer Reederei von Piräus nach Sydney an. Ab dem 16. Oktober desselben Jahres fuhr sie eine Route rund um die Welt, von Southampton durch das Mittelmeer nach Australien und Neuseeland, weiter nach Mexiko, durch den Panamakanal und die Karibik, bis sie wieder in Southampton ankam. Die Anfälligkeit der weißen Bemalung gegen Rost und Schmutz veranlasste den Reeder, gegen Ende 1967 den Rumpf grau/rot streichen zu lassen. In diesem Zusammenhang wurde außerdem der hintere Mast entfernt. Am 22. Oktober 1970 brach in der Küche des Schiffs ein Feuer aus, das erst nach neun Stunden gelöscht werden konnte. Dabei wurde die Australis so schwer beschädigt, dass sie auf den Fidschi-Inseln mehrere Tage repariert werden musste, bevor die Reise fortgesetzt werden konnte.Nachträge Wracksuche: "American Star" - der Mythos lebt … Von 1969 bis 1976 fuhr das Schiff unter der Flagge Panamas. Während dieser Zeit beförderte sie mehr Passagiere als jeder andere Liner. Durch den Boom der Flugreisen verlor das Schiff jedoch an Bedeutung und begann, wieder Defizite einzufahren. Am 18. November 1977 trat sie die letzte Fahrt auf dieser Route an. Danach wurde sie zurückgezogen und in Timaru, Neuseeland, vertäut.
Die Ära als Kreuzfahrtschiff Venture Cruise Lines (1978) Anfang 1978 wurde das Schiff an die American Cruise Line verkauft, die den Firmennamen dann in Venture Cruise Lines änderte. Die Australis kam am 19. Mai in New York an und wurde wieder in America zurückbenannt. Außerdem erhielt sie eine Überholung und einen blauen Anstrich. Die Verdrängung betrug nunmehr 26.353 BRT. Venture Cruise Lines beabsichtigte, das Schiff für kurze Kreuzfahrten einzusetzen. Zwei Fahrten fanden statt, die erste davon am 30. Juni 1978 nach Martha’s Vineyard. Anschließend wurde das Schiff jedoch wieder außer Betrieb genommen. Die America war zwar von außen in einem guten Zustand, die Verhältnisse im Inneren jedoch waren katastrophal. So waren unter anderem Teile des Schiffs noch nicht fertiggestellt worden und Sanitäreinrichtungen noch nicht funktionsfähig. Außerdem waren die Matratzen alt und Ungeziefer im Überfluss vorhanden. Zu guter Letzt war das Schiff überbucht, wodurch die Kunden noch mehr abgeschreckt wurden. Der finanzielle Schaden, den die Reederei durch diesen Vorfall erfuhr, zwang sie, die America in New York aufzulegen. Kurz darauf, am 20. Juli 1978, ging die Reederei in Konkurs.
Okeania SA (1978–1980) Am 28. August 1978 versteigerte ein US-amerikanisches Amtsgericht die America für eine Million Dollar wieder an die Chandris-Gruppe, die es als Italis für die Okeania SA registrieren ließ. Das Schiff erhielt in Eleusis, Griechenland, eine Generalüberholung, bei der unter anderem der vordere Schornstein entfernt wurde. Der Grund für diese Maßnahme war die bereits weit vorangeschrittene Korrosion. Außerdem erhielt das Schiff dadurch ein neues, moderner wirkendes Profil, wodurch sich die Eigentümer höhere Einnahmen erhofften. Die veralteten Maschinen bedurften ebenfalls einer dringenden Überholung bzw. Erneuerung, welche jedoch niemals vollzogen wurde. Bereits zu jener Zeit war die Italis eines der letzten dampfbetriebenen Schiffe dieser Größenordnung.
Ab der Mitte des Jahres 1979 begann die Italis mit Mittelmeerkreuzfahrten. Zumeist transportierte sie Lateinamerikaner, die von Barcelona kamen. Am 12. September 1979 wurde das mittlerweile 41 Jahre alte Schiff in Eleusis aufgelegt.
Aufliegezeit und Ende
Inter Commerce Corporation (1980–1984) mini|links|Die in Eleusis aufgelegte Noga, 1986 Im Mai 1980 wurde das Schiff an die Inter Commerce Corporation, eine Tochtergesellschaft der Cie Noga d’Importation et d’Exportation (Panama), hinter der Schweizer Interessenten standen, verkauft. Das in Noga umbenannte Schiff war für den Einsatz als schwimmendes Hotel vorgesehen. Der Plan wurde jedoch nie realisiert.
Silver Moon Ferries (1984–1992) Das Schiff lag viele Jahre in Eleusis auf. Im September 1984 wurde es an die Silver Moon Ferries verkauft. Die Noga wurde in Alferdoss (arabisch für Paradies) umbenannt und lag weitere Jahre fest verankert in Eleusis. Man wartete darauf, dass der Preis für Schrott stieg, damit eine Verschrottung gewinnbringend wäre. Ende der 1980er Jahre wurde die Alferdoss an einen Schrotthändler verkauft. Dieser machte ein Angebot von zwei Millionen Dollar für das Schiff. Nachdem er eine Million Dollar angezahlt hatte, wurde begonnen, die Rettungsboote und deren Davits mit Gabelstaplern von Deck zu räumen. Der Schrotthändler trat allerdings von seinem Angebot zurück, und so blieben der Silver Moon Ferries die Million Dollar und ein Schiff ohne Rettungsboote.
Im Jahr 1988 brach über Nacht ein Bilgenrohr, wodurch Wasser in den Rumpf eindringen konnte. Am nächsten Tag wurden der Steuerbordanker gehoben, der Backbordanker gekappt und das Schiff auf Grund gesetzt, um einen Untergang zu vermeiden. Später wurde das Schiff leergepumpt, repariert und zurück an seinen Liegeplatz gebracht.
Chaophraya Developement Transport Company (1992–1994) 1992 wurde die Alferdoss für zwei Millionen Dollar an die Chaophraya Developement Transport Company verkauft, die das Schiff in American Star umbenannte. Der Liner wurde trockengelegt, und es wurde festgestellt, dass der Schiffsrumpf in einem den Umständen entsprechend guten Zustand war. Nun sollte der Ozeanriese zu einem schwimmenden Hotel vor der Insel Phuket in Thailand umfunktioniert werden. Hierzu wurden die Propeller entfernt, um den Widerstand im Wasser zu verringern, und der Schornstein wurde umlackiert.
Der ukrainische Schlepper Neftegaz 67 sollte die American Star von Eleusis nach Thailand ziehen, kehrte jedoch bereits einen Tag nach dem Beginn der Reise wieder in den Hafen zurück, da ein starker Sturm die Fahrt verhinderte. Am 31. Dezember 1993 trat die American Star dann ihre letzte Fahrt an.Bill Lee: SS America: Königin der amerikanischen Handelsmarine. Auf explorermagazin.de.
Strandung mini|Die auseinandergebrochene American Star am 8. März 1995, 14 Monate nach der Strandung mini|Das Wrack der American Star im Jahr 2003 mini|hochkant|Frontansicht, 2004