mini|Elisabeth Bergner, 1928mini|Elisabeth Bergner (1935) Elisabeth Bergner (geborene Elisabeth Ettel; * 22. August 1897 in Drohobycz in Galizien, Österreich-Ungarn; † 12. Mai 1986 in London) war eine österreichisch-britische Theater- und Filmschauspielerin. Sie gelangte in den 1920er-Jahren als Theater- und Stummfilmschauspielerin zu großer Bekanntheit.
Als Jüdin floh sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus dem deutschsprachigen Raum und feierte danach vor allem in Großbritannien noch Erfolge. Für ihre Darstellung in dem Film Verlaß mich niemals wieder erhielt sie 1936 eine Oscar-Nominierung.
Leben Bergners Eltern waren Emil Ettel und seine Frau Rosa, geb. Wagner – beide waren eher säkulare Juden. In der Familie lernte sie als Hauslehrer den Medizinstudenten (und später berühmten Gruppentherapeuten) Jacob Moreno kennen, dem sie später den Anstoß zuschrieb, an die Bühne zu gehen.M. Heymann, Elisabeth Bergner – mehr als eine Schauspielerin, Berlin 2008, S. 12 f. Ihre Ausbildung erhielt sie an privaten Schauspielschulen sowie von 1912 bis 1915 am Konservatorium in Wien. Sie debütierte im Jahr 1915 am Theater in Innsbruck, später folgten Auftritte in Zürich (1916/17, Stadttheater), Wien (1919/20, Neue Wiener Bühne), München (1920 bis 1922, Münchner Schauspielhaus und Staatstheater am Gärtnerplatz) und Berlin (ab 1921). Während ihres Aufenthaltes in Zürich lebte Bergner mit der deutsch-französischen Dichterin Claire Goll zusammen. In Zürich saß sie auch als Modell für den Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der sich unglücklich in sie verliebte. Unwissentlich hatte Bergner dadurch einen „beträchtlichen Teil der modernen Skulptur beeinflußt“, sie fungierte als Inspiration für Constantin Brâncuși und Félix Henri Giacomotti. Ihre erste Filmrolle erhielt sie im Jahr 1922 als bucklige Schneiderstochter in Der Evangelimann. Der Durchbruch gelang ihr 1923 unter Victor Barnowsky mit dem Shakespeare-Stück Wie es euch gefällt am Lessing-Theater in Berlin. Damit wurde Bergner die am meisten gefeierte Bühnenschauspielerin Berlins. mini|Elisabeth Bergner mit O. E. Hasse (1960) Elisabeth „Lisl“ Bergner hatte zahlreiche Beziehungen zu Männern. Mit dem österreichischen Schriftsteller Albert Ehrenstein hatte sie eine Liebesbeziehung.Géza von Cziffra: Der Kuh im Kaffeehaus Knaur TB 1049, Seiten 228/229. Ab 1924 arbeitete sie ausschließlich mit dem Regisseur Paul Czinner zusammen, der auch privat ihr Partner wurde. Ihr größter Stummfilmerfolg wurde Fräulein Else.
Als Juden mussten sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zuerst nach Wien und dann nach London fliehen, wo sie auch heirateten. Sowohl den Umstieg von der Stummfilmzeit zum Tonfilm als auch die sprachliche Anpassung an ihre neue Wirkungsstätte schaffte sie mühelos. Bereits im Jahr 1934 spielte sie Katharina die Große unter der Regie ihres Mannes. Der Film wurde allerdings in Deutschland verboten. Ein Jahr später erhielt sie für ihre Rolle in Verlass mich niemals wieder ihre einzige Oscar-Nominierung. mini|Michael Heltau und Elisabeth Bergner, 1981 Im Jahr 1940 emigrierten Bergner und Czinner nach Hollywood, doch Bergners einziger Hollywood-Film Paris Calling (1941) war kein großer Erfolg. Sie verlegte den Schwerpunkt ihrer Arbeit wieder auf die Bühne. Nach dem Ende des Krieges arbeitete sie in New York unter anderem bei dem deutschsprachigen Theater Players from Abroad, bis sie 1950 nach England und 1954 nach Deutschland zurückkehrte, wo sie als Theater- und Filmschauspielerin erfolgreich wirkte.
Am 12. Mai 1986 verstarb Elisabeth Bergner im Alter von 88 Jahren. Ihre Grabstätte befindet sich im Golders Green Crematorium in London.knerger.de: Das Grab von Elisabeth Bergner
mini|Berliner Gedenktafel in Dahlem
Ehrungen Im Jahr 1962 wurde ihr der Schillerpreis der Stadt Mannheim und 1982 in Venedig der Eleonora-Duse-Pokal verliehen. Im Jahr 1994 wurde der Elisabeth-Bergner-Weg im Mannheimer Stadtteil Käfertal nach ihr benannt. Im Jahr 2000 wurde im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing der Elisabeth-Bergner-Weg nach ihr benannt. In Berlin-Steglitz ist an der Schildhornstraße ein Park nach ihr benannt.Grüne Oasen in der Stadt – Parks haben Geburtstag. In: Berlin-Kalender 1997, Hrsg. Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 110/111. Am 12. Mai 2016 wurde ihr zu Ehren in Berlin-Dahlem, Faradayweg 15, am Eingang ihres ehemaligen Wohnhauses (1925–1933) eine Gedenktafel angebracht.„Ganz Berlin war in sie verliebt“: Gedenktafel für Elisabeth Bergner in Dahlem enthüllt, (StadtrandNachrichten, 12. Mai 2016). 2016 wurde im Münchner Stadtteil Echarding die Elisabeth-Bergner-Straße nach ihr benannt.
Trivia Elisabeth Bergner gilt als Vorbild für die Gestalt der Schauspielerin Dora Martin in Klaus Manns Roman Mephisto.Paul Hühnerfeld, Das Phänomen der Familie Mann - Gedanken anläßlich zweier neuer Bücher von Klaus und Monika Mann, in: DIE ZEIT, 23.8.1958; Armin Eichholz, Mephisto-Spektakel - Who is who? Die Familie Mann schlägt durch, in: Münchner Merkur, 27.5.1980; beide Zeitungsartikel sind auch wiedergegeben bei Eberhard Spangenberg, Karriere eines Romans - Mephisto, Klaus Mann und Gustaf Gründgens, München: Verlag Heinrich Ellermann, 1982, auf S. 155 und S. 201; Marcel Reich-Ranicki, Thomas Mann und die Seinen, Stuttgart: DVA, 1987, S. 197.
Filmografie (Auswahl) 1923: Der Evangelimann 1924: Nju 1926: Der Geiger von Florenz 1926: Liebe 1927: Doña Juana 1929: Fräulein Else 1930: Ariane 1932: Der träumende Mund 1934: Katharina die Große (The Rise of Catherine the Great) 1935: Verlaß mich niemals wieder (Escape me never) 1936: Wie es euch gefällt (As You Like It) 1937: Melo (Dreaming Lips) 1939: Träumende Augen (Stolen Life) 1941: Paris Calling 1958: Stunde der Wahrheit (TV) 1962: Die glücklichen Jahre der Thorwalds 1963: Geliebter Lügner (TV) 1968: The Jewish Wife (TV-Serie A Touch of Venus) 1970: Der Todesschrei der Hexen (Cry of the Banshee) 1970: Der Kurier des Zaren (Strogoff) 1971: Release (TV-Serie Take three Girls) 1973: Der Fußgänger 1975: Nachtdienst (TV) 1978: Der Pfingstausflug 1982: Feine Gesellschaft – beschränkte Haftung 1982: Der Garten (TV)
Auszeichnungen 1936: Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin in Verlaß mich niemals wieder 1962: Schillerpreis der Stadt Mannheim 1963: Filmband in Gold (Beste Hauptdarstellerin) für Die glücklichen Jahre der Thorwalds 1965: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 1979: Ernst-Lubitsch-Preis für Der Pfingstausflug 1982: Eleonore-Duse-Preis der Stadt Venedig 1983: Ernst-Reuter-Plakette der Stadt Berlin 1984: Silbernes Blatt der Dramatiker Union; Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1985: Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Berlin 1985: Hans-Otto-Medaille der DDR
Autobiographie Elisabeth Bergner: Bewundert viel und viel gescholten … Elisabeth Bergners unordentliche Erinnerungen. Bertelsmann, München 1978, ISBN 3-570-01529-7.
Literatur Claire Goll: Ich verzeihe keinem. Eine literarische Chronique Scandaleuse. Scherz, Stuttgart 1976. . Renate Berger: Die Schauspielerin Elisabeth Bergner – Ein Leben zwischen Selbstbehauptung und MeToo. Schüren, Marburg 2022, ISBN 978-3-7410-0410-0.
Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 1: A–I. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 104. Siglinde Bolbecher, Konstantin Kaiser (Hrsg.) … Unsere schwarze Rose. Elisabeth Bergner. Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Wien. Wien 1993, ISBN 3-85202-104-9. Arthur Eloesser: Elisabeth Bergner. Williams, Charlottenburg 1926. Margret Heymann: Elisabeth Bergner – mehr als eine Schauspielerin. Vorwerk 8, Berlin 2008, ISBN 978-3-940384-13-3. (mit Inhaltsverzeichnis) Beate Hochholdinger-Reiterer: Vom Erschaffen der Kindfrau. Elisabeth Bergner – ein Image. Wien: Braumüller 1999. ISBN 3 7003 12431. Raimund Hoghe: »Ja, fürchten dürfen sie sich nicht«. Die Schauspielerin Elisabeth Bergner. In: Raimund Hoghe: Wenn keiner singt, ist es still. Porträts, Rezensionen und andere Texte. Verlag Theater der Zeit, Berlin 2019. ISBN 978-3-95749-233-3. (mit Inhaltsverzeichnis). S. 70–77. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 68 f. Wolfgang Jacobsen: Elisabeth Bergner – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 7, 1986. Anne Jespersen: Tödliche Wahrheit oder raffinierte Täuschung. Die Frauen in den Filmen Elisabeth Bergners. In: Michael Omasta, Brigitte Mayr, Christian Cargnelli (Hrsg.): Carl Mayer, Scenar[t]ist. Ein Script von ihm war schon ein Film – "A script by Carl Mayer was already a film". Synema, Wien 2003, ISBN 3-901644-10-5. C. Bernd Sucher (Hg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 1995, 2. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 62 f. Klaus Völker: Elisabeth Bergner – Das Leben einer Schauspielerin. Ganz und doch immer unvollendet. (Beiträge zu Theater, Film und Fernsehen aus dem Institut für Theaterwissenschaften der Freien Universität Berlin 4). Ed. Hentrich, Berlin 1990, ISBN 3-926175-72-9. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 351. Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 96 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8. Gespräch mit Elisabeth Bergner, Komm, ich werf dir die Sonne. In: Birgit Lahann: Hausbesuche. Zu Gast bei Künstlern, Stars und Literaten . Engelhorn, Stuttgart 1985. ISBN 978-3-87203-005-4. (mit Inhaltsverzeichnis)
Weblinks
(mit Fotogalerie)
FemBiografie mit Zitaten, Links und Literaturangaben
Interview mit Elisabeth Bergner 1973 (anlässlich ihrer Dreharbeiten zu Maximilian Schells Film „Der Fußgänger“ in München) Beatrix Novy: Die zarte Diva Kalenderblatt, Deutschlandradio Kultur, 12. Mai 2011 Elisabeth Bergner auf Künste im Exil Elisabeth-Bergner-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
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