Das Tagebuch der Anne Frank (Originaltitel The Diary of Anne Frank) ist eine US-amerikanische Literaturverfilmung von George Stevens aus dem Jahr 1959. Der Film geht dem Schicksal von Anne Frank, hier verkörpert von Millie Perkins, und ihrer Familie nach. In tragenden Rollen sind Joseph Schildkraut, Shelley Winters, Richard Beymer und Gusti Huber zu sehen.

Nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Albert Hackett und Frances Goodrich, das auf dem Tagebuch der Anne Frank basiert, entstand ein bewegendes Drama, das bis heute zu den Klassikern des Films gehört, und mit drei Oscars prämiert wurde.Das Tagebuch der Anne Frank (1959) s.S. jpc.de Das von Goodrich und Hackett für die Bühne geschriebene Stück war mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. s.S. digitallyobsessed.com (englisch). Abgerufen am 12. November 2018.

Handlung Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Otto Frank sucht das Haus in Amsterdam auf, in dem er sich zwei Jahre lang auf engstem Raum mit seiner Familie versteckt hielt. Die Erinnerungen, die schwer auf ihm lasten, holen ihn ein, ganz besonders, als er Annes Tagebuch in den Händen hält. Als er darin liest, fühlt er sich zurückversetzt in die damalige Zeit, beginnend mit dem Tag, als er sich mit seiner Familie, den Töchtern Anne und Margot und seiner Frau Edith, und der befreundeten Familie Van Daan (in der Realität Van Pels) sowie dem Zahnarzt Dussell (in der Realität Pfeffer) im Haus des Geschäftsmanns Kraler auf dem Dachboden einer Gewürzfabrik versteckt hielt. Seine seinerzeit 13-jährige Tochter Anne erlebte hier ihre erste Liebe zu Peter, dem Sohn der Van Daans und sie hielt in ihrem Tagebuch alles fest, was sie beschäftigte, getragen von der Hoffnung, dass alles gut werde, „weil die Menschen in ihren Herzen doch gut“ seien. Die Zeit war angefüllt mit drangvoller Enge, panischer Angst und auch mit Spannungen und Konflikten, die sich zwangsläufig zwischen Menschen ergeben, die keine Möglichkeit haben, dem anderen auszuweichen. Und über allem hing die Todesangst einer Entdeckung durch die Gestapo.

Zwei Jahre lang harrten sie zu acht in der bedrückenden Enge ihres Verstecks aus, bis am 4. August 1944 kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie das Versteck entdeckt wurde und sie alle doch noch in die Vernichtungslager deportiert wurden. Miep Gies war zu diesem Zeitpunkt unterwegs, um Nahrung etc. für ihre Schützlinge zu organisieren und Kraler befand sich aufgrund einer Operation im Krankenhaus. Als die Gestapo das Bücherregal, hinter dem sich das Achterhuis verbarg, durchbrach versuchte Otto Frank zu trösten, indem er meinte: „In den letzten zwei Jahren haben wir in Angst gelebt; jetzt können wir in Hoffnung leben,“ während Anne in einem Voiceover den letzten Eintrag in ihrem Tagebuch vorliest: „Und so scheint es, dass unsere Zeit hier vorbei ist. Sie haben uns einen Moment gegeben, um unsere Sachen zu holen. Wir können uns alle eine Tasche nehmen und Kleidung hineinpacken … nichts anderes. Also, Liebes Tagebuch, es scheint, als müsste ich dich zurücklassen. Auf Wiedersehen. PS: Bitte, bitte, … Wenn du dieses Tagebuch finden solltest, bewahre es für mich auf. Ich hoffe, dass …“

Otto Frank erzählt Miep Gies und Harry Kraler, dass alle tot seien: seine Frau, die Van Daans, Dussell und Margot und er erst gestern erfahren habe, dass auch Anne nicht überlebt hat. Er schlägt das Tagebuch seiner Tochter auf und zitiert ihren Satz, dass sie daran glaube, dass die Menschen in ihrem Herzen doch gut seien, und meint: „Sie beschämt mich.“

Produktion Filmrechte Laut einer Nachricht in der Daily Variety wollten Garson Kanin, der die Broadway-Produktion des Stückes leitete, sowie Milton Sperling von Warner Bros., ebenfalls die Filmrechte erwerben, wurden aber von Buddy Adler von 20th Century Fox überboten. Adler soll sodann laut der Fachzeitschrift der Filmindustrie The Hollywood Reporter mit William Wyler über eine Verfilmung verhandelt haben. Im Februar 1957 kam dann allerdings ein Vertrag mit George Stevens zustande.

Produktionsnotizen, Dreharbeiten Produziert wurde der Film im Zeitraum 5. März bis 11. August 1958 von George Stevens Productions im Verleih von 20th Century Fox. Weitere Szenen wurden am 24. November 1958 gedreht. Die Filmaufnahmen entstanden in Amsterdam in der Provinz Nordholland in den Niederlanden sowie in den 20th Century Fox Studios in Los Angeles. Stevens wollte den Film eigentlich nicht in Cinemascope drehen, weil er befürchtete, die Breitbildaufzeichnung würde das Gefühl von Platzangst untergraben, das für den Film erzeugt werden musste. Da Spyros Skouras, der Chef des Studios, auf dieses Verfahren bestand, beschlossen Stevens und der Kameramann William Mellor, den Raum auf die Mitte des Bildes zu beschränken. Dafür entwickelte Mellor ein Beleuchtungssystem, das Leuchtstoffröhren, Filter und Gaze verwendete, um ein natürlicheres raumähnliches Licht zu erzeugen, anstatt hochintensive Studiobeleuchtung zu verwenden. Zudem ließ Stevens vertikale Balken installieren, die angeblich die Dachhalterungen darstellen sollten. So bot sich das visuelle Bild eines engeren Raums, der den Proportionen, die für den Film zu beachten waren, angemessener war.

Dem Film stand ein geschätztes Budget von 3 Mio. Dollar zur Verfügung.

Auch wenn das Bühnenbild, das in den Fox-Studios entstand, dem Hinterhaus von 1941 bis 1944 als wenig ähnlich gilt, da es wie nur ein Raum und nicht wie mehrere Zimmer dargestellt wurde, entstand auf dem Studiogelände eine exakte Nachbildung der Gewürzfabrik, wobei drei der vier Räume übereinander gebaut waren. Die Außenaufnahmen entstanden jedoch an Originalschauplätzen in Amsterdam. In der Szene zu Beginn, als „Otto Frank“ (Joseph Schildkraut) die Prinsengracht 263 des Filmes betritt, geht er in das heute noch existierende Anne-Frank-Haus, das erst später in ein Museum umgewidmet wurde. Im Vorspann des Films heißt es: „Das Filmen von Szenen in dem Haus, in dem Anne Frank ihr Tagebuch geschrieben hat, wurde durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Amsterdam ermöglicht.“

Shelley Winters musste für die Rolle der Frau Van Daan 25 Pfund zunehmen, wovon sie im Laufe der Dreharbeiten 15 wieder verlieren musste. In dieser Rolle musste die damals 38-jährige Schauspielerin zudem um circa 20 Jahre altern. Belohnt wurde sie mit einem von drei Oscars, die der Film erhielt.The Diary of Anne Frank (1959) Articles bei TCM (englisch)

Tagebuch Die Untergetauchten werden im Film nur von Miep Gies und Harry Kraler geschützt und versorgt, in der Realität waren Bep Voskuijl, Johannes Kleiman, die Anne sehr gerne mochte, und Beps Vater Johan Voskuijl und Jan Gies (der Mann von Miep) ebenfalls involviert. Anne Frank hörte im März 1944 übers Radio die Aufforderung der niederländischen Regierung, dass die Menschen, die Kriegstagebücher geschrieben haben, diese für eine Veröffentlichung nach Kriegsende retten sollten. Sie beschloss daraufhin, ihre Tagebucheintragungen als Roman umzuschreiben und gab ihren Mitbewohnern und Helfern Pseudonyme. Die Familie ließ das Tagebuch bei ihrer Festnahme im August 1944 im Hinterhaus zurück. Miep Gies war es, die die Unterlagen einsammelte und versteckte und später Otto Frank übergab. Um den Wunsch seiner Tochter, Schriftstellerin zu werden, doch noch zu erfüllen, entschied Otto Frank sich zur Veröffentlichung. Im Juni 1947 veröffentlichte der niederländische Verlag Contact eine bearbeitete Version von Annes Tagebuch unter dem Titel Het Achterhuis (das Hinterhaus). Etwa 30 % von Annes ursprünglichen Eintragungen wurden ausgelassen. Otto Frank hatte bestimmt, dass die Tagebücher nach seinem Tod dem Niederländischen Institut für Kriegsdokumentationen (NIOD) zukommen sollten. Dort wurde die Datierung der Dokumente durchgeführt und Anne Franks Handschrift auf ihre Echtheit überprüft. 1986 veröffentlichte NIOD eine komplette Ausgabe des Tagebuchs unter dem Titel De Dagboeken van Anne Frank. Die deutsche Übersetzung erschien 1988 unter dem Titel Die Tagebücher der Anne Frank. Dieses Werk enthält auch die Teile, die in der Fassung von 1947 weggelassen worden waren, sowie historische Hintergründe und Fakten zum Leben von Anne Frank.

Besetzung Diane Baker war zur Zeit des Drehs 20 Jahre alt, ihre historische Rolle Margot Frank drei Jahre jünger. Richard Beymer war ebenfalls 20 Jahre alt, Peter Van Daan zwei Jahre jünger, als er im KZ Mauthausen starb. Millie Perkins war bei den Dreharbeiten knapp 20 Jahre alt, sechs Jahre älter als die reale Anne.

Ursprünglich war Audrey Hepburn für die Darstellung der Anne Frank vorgesehen, doch sie lehnte aus mehreren Gründen ab. Zum einen nahm sie ein anderes Filmprojekt wahr, und zum anderen hatte sie als Kind im besetzten Holland gelebt und die Gräuel der Nazis selbst gesehen. Damit indirekt noch einmal konfrontiert zu werden, war ihr zu viel. Hepburn, die einen Monat vor Anne Frank geboren wurde, fühlte sich mit 30 Jahren außerdem zu alt, um noch glaubhaft einen Teenager darstellen zu können.The History of the Academy Awards: Best Picture – 1959, siehe Kap. „The Diary of Anne Frank“ s. S. nighthawknews.wordpress.com (englisch)

Da viele Menschen ein bestimmtes Bild vor Augen haben, wenn sie an Anne Frank denken, musste man jemanden finden, der ihrem Aussehen möglichst entsprach aber auch ihren schwer fassbaren Geist verkörpern konnte. Talentscouts sahen sich mehr als 10.000 Mädchen auf der ganzen Welt an, bevor Stevens sich dann für Millie Perkins entschied, ein 19-jähriges Model ohne Schauspielerfahrung. Unter den getesteten Mädchen sollen sich auch Janet Margolin und Tuesday Weld befunden haben. Nina Foch soll für die Rolle der Miep Gies in Betracht gezogen worden sein, Maureen Stapleton für die Rolle von Mrs. Van Daan. Richard Trask, Eric Berne und Joseph Yardin waren für die Rolle des Peter Van Daan im Gespräch. Joseph Schildkraut, Gusti Huber und Lou Jacobi übernahmen die Rollen, die sie bereits auf der Bühne während 717 Vorstellungen gespielt hatten. Millie Perkins gab in dem Film ihr Debüt.The Diary of Anne Frank notes bei TCM – Turner Classic Movies (englisch) Susan Strasberg, die die Rolle der Anne Frank am Broadway gespielt hatte, wollte Stevens für die Filmversion nicht haben.

Soundtrack Berg op zoom, traditionelle Weise Geschichten aus dem Wienerwald, op. 325 (Tales from the Vienna Woods) von Johann Strauss (Sohn),gesummt und getanzt von Millie Perkins und Joseph Schildkraut Erika, Musik: Herms Niel 5. Sinfonie (c-Moll, op. 67, auch bekannt als Schicksalssinfonie) (Symphony No. 5 in C Minor)von Ludwig van Beethoven, gespielt im Radio Hanukkah, traditionelle Weise von Frances Goodrich und Albert Hackett In Naam van Oranje, traditionelle Weise

Synchronisation Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1959 in den Ateliers der Ultra-Film Synchron GmbH Berlin. Synchronregie führte Josef Wolf, der auch das Dialogbuch verfasste. Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 351

Rolle Darsteller SynchronsprecherAnne FrankMillie PerkinsGertrud KückelmannOtto FrankJoseph SchildkrautPaul KlingerAuguste van DaanShelley WintersEleonore NoellePeter van DaanRichard BeymerDieter KleinEdith FrankGusti HuberRuth HellbergHerr van DaanLou JacobiBenno Sterzenbach Margot FrankDiane Baker Renate DanzHarry KralerDouglas SpencerSiegfried SchürenbergMynher Albert Dussell Ed WynnAlfred Balthoff

Laufzeit, Veröffentlichung