mini|Kleines Shōgibrett mini|Spielsteine () mini|Großes Shōgibrett in Tokio, 2018 Shōgi (japanisch , veraltet auch: //) ist die japanische Variante des Schachspiels.
Schach kam vom Kaiserreich China über Korea oder über Birma und Malaysia zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert nach Japan. Das Shōgi hat sich in Japan zu vielfältigen Varianten verändert. Es gab verschiedene Brettgrößen von 3 mal 3 bis hin zu 36 mal 36 Feldern und etwa achthundert Spielfiguren (Taikyoku-Shōgi; „Ultimatives Shōgi“). Heute werden noch das unten vorgestellte Shōgi und die Varianten Chū-Shōgi („Mittleres Shōgi“) und Tori-Shōgi („Vogel-Shōgi“) gespielt. Die gebräuchlichste Brettgröße war und ist neun mal neun Felder.
Es gibt einige markante Unterschiede zu anderen Schachvarianten:
Die Shōgi-Spielsteine (, Koma) haben keine Farbe: Ihre Zugehörigkeit zu einem Spieler wird durch die Richtung, in der sie auf dem Spielfeld stehen, angezeigt. Wenn ein Stein geschlagen wird, kann der schlagende Spieler ihn später als eigenen Stein wieder ins Spiel bringen. Erreicht eine Figur den Startbereich des Gegners, kann sie befördert werden: der flache, fünfeckige Spielstein wird umgedreht, so dass die auf der bisherigen Rückseite abgebildete Figur mit erweiterten/geänderten Zugmöglichkeiten erscheint. Wird eine Figur geschlagen, macht das die Beförderung rückgängig.
Obwohl das japanische Schachspiel sich weit von den kontinentalasiatischen Schachspielen (indisches Schach Chaturanga, chinesisches Schach Xiangqi) entfernt hat, gibt es deutlich erkennbare Gemeinsamkeiten. Die Zugmöglichkeiten der Figuren König, Streitwagen (Turm), Läufer, Springer und Soldat (Bauer) ähneln denen anderer Schachspiele.
Spielregeln Wie bei Spielen der Schachfamilie üblich, sitzen sich zwei Gegner an einem Brett gegenüber und führen abwechselnd einen Zug aus. Das Shōgibrett hat 81 gleichfarbige Felder, die in neun Reihen (quer) und neun Linien (längs) angeordnet sind. Ziel des Spieles ist es, den gegnerischen König mit den eigenen Spielsteinen (auch kurz „Stein“ oder „Figur“) mattzusetzen. Ein König ist dann mattgesetzt, wenn der Spieler es nicht mehr verhindern kann, dass sein König im nächsten Zug geschlagen wird. Wegen der Möglichkeit, Figuren wieder einzusetzen, geht eine Shōgipartie selten unentschieden aus.
Steine und Zugvorschriften Ein Zug wird ausgeführt, indem die zu ziehende Figur mit der Hand hochgenommen und auf dem Zielfeld wieder abgesetzt wird. Auf welches Zielfeld eine Figur ziehen kann, hängt von deren Zugvorschriften ab. 220x124px|mini|Shogi Figuren und Züge Stein zieht auf dieses Zielfeld Stein zieht beliebig weit in diese Richtung Stein Japanischer Name Zug Stein Japanischer Name Zug König (ōshō = König) und (gyokushō = Juwelengeneral) ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○Alle angrenzenden Felder. — Turm (hisha = Fliegender Streitwagen) ● ● ● ● Horizontal und vertikal beliebig weit Drache (ryūō = Drachenkönig) ○ ● ○ ● ● ○ ● ○Turm + König. Läufer (kakugyō = Schrägläufer) ● ● ● ●Diagonal beliebig weit Pferd (ryūma oder ryūme = edles Ross) ● ○ ● ○ ○ ● ○ ●Läufer + König Goldener General (kinshō = Goldener General) ○ ○ ○ ○ ○ ○ Horizontal, vertikal oder vorwärts diagonal — Silberner General (ginshō = Silberner General) ○ ○ ○ ○ ○Diagonal oder vorwärts vertikal Beförderter Silber (narigin = Befördertes Silber) ○ ○ ○ ○ ○ ○ Wie ein goldener General Springer (keima = Lorbeerpferd) ○ ○ Zwei Felder nach vorne und dann eines seitwärts, kann andere Figuren überspringen Beförderter Springer (narikei = Beförderter Lorbeer) ○ ○ ○ ○ ○ ○ Wie ein goldener General. Lanze (kyōsha = Wohlriechender Streitwagen) ● Beliebig weit nach vorne Beförderte Lanze (narikyō) ○ ○ ○ ○ ○ ○ Wie ein goldener General Bauer (fuhyō = Fußsoldat) ○ Ein Feld nach vorne Beförderter Bauer (tokin = Vergoldeter) ○ ○ ○ ○ ○ ○ Wie ein goldener General.
Stein zieht auf dieses Zielfeld Stein zieht beliebig weit in diese Richtung
Der Schachspieler Werner Golz machte das Shōgi im deutschsprachigen Raum einem größeren Kreis bekannt. Er entwickelte für Shōgi-Interessierte ohne Kenntnisse der japanischen Sprache eine leicht verständliche ideografische Darstellung der Spielfiguren. Die Oberseite dieser Spielsteine zeigt die Zugmöglichkeiten der Originalspielsteine, die Unterseite die der Umwandlungsfiguren, soweit vorhanden.
+ Shōgi-Ideogramme nach Werner Golz Shōgi-Figur deutsche Entsprechung Ideogramm Umwandlungsfigur deutsche Entsprechung Ideogramm Gyokushō König Datei:Gyoku,König.png - - - Hisha Turm Datei:Hisha,Turm.png Ryūō Drache: gekrönter Turm Datei:Ryo=Turm befördert.png Kakugyō Läufer Datei:Kaku=Läufer.png Ryūma Pferd: gekrönter Läufer Datei:Uma=Läufer befördert.png Kinshō Goldgeneral Datei:Kin,Goldgeneral.gif - - - Ginshō Silbergeneral Datei:Gin=Silbergeneral.png Narigin beförderter Silbergeneral Datei:Nari-Gin-beförderter Silbergeneral.png Keima Springer Datei:Kei,Springer.gif Narikei beförderter Springer Datei:Nari-Kei-beförderter Springer.png Kyōsha Lanzenreiter Datei:Lanzenreiter.png Narikyō beförderter Lanzenreiter Datei:Nari-Kyo-beförderter Lanzenreiter.png Fuhyō Bauer Datei:Fu,Bauer.png Tokin beförderter Soldat Datei:To-Kin=beförderter Bauer.png
Außerhalb Japans verwendet man auch häufig Spielsteine mit aufgedruckten FIDE-Figurensymbolen (König, Turm, Läufer, Springer, Bauern). Gold- und Silbergeneral bezeichnet man durch die alchemistischen Zeichen für Gold/Sonne (ʘ) bzw. Silber/Mond (☽), die Lanze wird durch einen in Zugrichtung weisenden Pfeil symbolisiert. Die Umwandlungsfiguren (Drache = gekrönter Turm, Pferd = gekrönter Läufer, sonstige = beförderte Silbergeneräle, Springer, Lanzen(reiter), Bauern) werden durch rot eingefärbte Ausgangsfiguren dargestellt.
Grundstellung mini|links|Shogi Grundstellung FIDE-Steine mini|Grundstellung des Shōgi
Jeweils die drei der neun Reihen, die dem Spieler am nächsten sind, bilden dessen Startzone. Die Startzone ist auch gleichzeitig die sog. Beförderungszone seines Gegners. Eine Reihe ist, wie im europäischen Schach, komplett mit Bauern besetzt. Allerdings ist dies nicht die zweite, sondern die dritte Reihe. In der zweiten Reihe befinden sich nur ein Läufer (zweites Feld von links) und ein Turm (zweites Feld von rechts). Diese stehen den entsprechenden Figuren des Gegners jeweils diagonal gegenüber. Sieben Felder der zweiten Reihe sind zu Spielbeginn leer. In der Mitte der ersten Reihe steht der König. Auf den vier Feldern vom Rand bis neben dem König befinden sich auf jeder Seite Lanze, Springer, Silbergeneral und Goldgeneral.
Beförderung Wenn der Zug einer Spielfigur innerhalb der Beförderungszone (den hintersten drei Reihen in der gegnerischen Bretthälfte) beginnt, endet oder komplett in dieser Zone stattfindet, kann diese Figur befördert werden. Die Beförderung wird durchgeführt, indem die Spielfigur vor dem Aufsetzen auf dem Zielfeld umgedreht wird. Damit liegt jetzt die Unterseite oben, und für die Figur ändert sich die Zugvorschrift. Der Zug, in dem die Figur befördert wird, muss noch nach der Zugvorschrift für die nicht beförderte Figur erfolgen. Die meisten beförderten Figuren (für Silbergeneral, Springer, Lanze, Bauer) ziehen dann wie der Goldgeneral. Nur Turm und Läufer weichen davon ab, sie werden gekrönt, d. h. der Turm kann dann einen Schritt diagonal, der Läufer einen Schritt orthogonal ziehen.
Auf die Beförderung kann verzichtet werden, wenn die nicht beförderte Figur vom Zielfeld aus noch ein mögliches Zielfeld für einen weiteren Zug zur Verfügung hat. Zum Beispiel muss eine Lanze, die auf die hinterste Reihe gezogen wird, befördert werden. Zieht sie jedoch auf die vorletzte Reihe, muss sie nicht befördert werden, auch wenn das letzte Feld von einer eigenen Figur besetzt ist: Die eigene Figur kann wegziehen oder geschlagen werden, wodurch der Lanze wieder ein Zug ermöglicht würde.
Eine Beförderung bleibt erhalten, bis die beförderte Figur geschlagen wird. Die Rückbeförderung einer Figur durch einen Zug auf dem Brett ist nicht möglich.
Schlagen mini|Spielsituation auf einem Brett, wie es in Deutschland typischerweise bei Turnieren verwendet wird. Neben dem Brett sind die Komadai zur Ablage der auf der Hand befindlichen Figuren zu sehen.
Statt mit einer Figur auf ein freies Feld zu ziehen, kann man auf ein Feld ziehen, auf dem eine gegnerische Figur steht. Dadurch ist die gegnerische Figur geschlagen. Der schlagende Spieler nimmt die gegnerische Figur vom Brett. Die Bewegungsregeln beim Schlagen sind genauso wie beim normalen Zug, einschließlich der Möglichkeit, die schlagende Figur zu befördern (im Gegensatz zum europäischen Schach, wo die Bauern spezielle Schlagzüge haben).
Die geschlagene Figur ist nicht aus dem Spiel, denn sie kann in einem späteren Zug vom Spieler, der sie geschlagen hat, als eigene Figur wieder eingesetzt werden. Man sagt, der schlagende Spieler bekommt die Figur „auf die Hand“. Die Figuren auf der Hand müssen für den Gegner jederzeit einzeln und unbefördert sichtbar sein. Sie dürfen also nicht in der Hand gehalten, sondern müssen abgelegt werden. Zur Ablage der Figuren werden sogenannte Komadai verwendet. Ein Komadai ist traditionell ein Ständer, der für diesen Zweck neben dem Brett aufgebaut ist. In Europa werden eher quadratische Holzplättchen verwendet oder es wird ganz darauf verzichtet und die Figuren ohne besondere Vorrichtung rechts neben dem Brett abgelegt.
Das Schlagen wird durchgeführt, indem zuerst die gegnerische Figur vom Zielfeld genommen und dann die eigene Figur wie bei einem normalen Zug auf das Zielfeld gesetzt (und im Falle einer gleichzeitigen Beförderung dabei umgedreht) wird.
Zieht ein Spieler so, dass er im nächsten Zug den gegnerischen König schlagen könnte, bietet er dadurch Schach (analog zum europäischen Schachspiel). Der Gegner muss diese Drohung mit seinem folgenden Zug abwehren. Kann die Drohung nicht abgewendet werden, ist der König matt und der Schach bietende Spieler gewinnt.
Einsetzen Hat der am Zug befindliche Spieler Figuren auf der Hand, kann er eine davon einsetzen. Dies geschieht alternativ zu einem Zug einer bereits auf dem Brett befindlichen Figur. Dazu nimmt der Spieler eine Figur aus der Hand und setzt sie auf ein beliebiges freies Feld auf das Brett. Die Figuren werden immer unbefördert eingesetzt, können aber im weiteren Spielverlauf nach den gleichen Regeln wie alle anderen Figuren befördert werden. Beim Einsetzen gibt es bestimmte Einschränkungen zu beachten. So dürfen Figuren nur so eingesetzt werden, dass sie danach theoretisch auch noch einen legalen Zug haben (also Bauer und Lanze nicht auf die letzte, Springer nicht auf eine der beiden letzten Reihen). Ein Bauer darf auch nicht auf einer Linie eingesetzt werden, auf der sich bereits ein unbeförderter Bauer des gleichen Spielers befindet. Es ist erlaubt, mit dem Einsetzen einer Figur ein Schachgebot abzuwehren oder Schach zu bieten. Das direkte Mattsetzen durch Einsetzen eines Bauern ist allerdings nicht erlaubt.
Schlagen und Einsetzen sind vollständige Züge, danach ist der Gegner wieder an der Reihe.
Unentschieden Wiederholt sich eine Stellung vier Mal (mit den gleichen Figuren auf der Hand und dem gleichen Spieler am Zug), was sennichite genannt wird, so endet das Spiel unentschieden. Wurde die Stellungswiederholung allerdings durch wiederholtes Schachgeben erzwungen, verliert der Spieler, der Schach gegeben hat, denn das Geben von Dauerschach ist im Shōgi verboten. Im Gegensatz zu Schach ist beim Shōgi auch das Vereinbaren von Unentschieden in offiziellen Spielen nicht gestattet.