mini|Deutschland 1947: die vier Besatzungszonen, das Gebiet Groß-Berlins, die sich unter polnischer und sowjetischer Verwaltung befindenden deutschen Ostgebiete und das von Deutschland politisch unabhängige Saarland Die Besatzungszeit in Deutschland zwischen 1945 und 1949 war eine Phase zwischen dem Zusammenbruch des NS-Staats am Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der zwei deutschen Staaten, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Im Kalten Krieg gehörten sie zwei konkurrierenden Machtblöcken an.

Die Lage nach Kriegsende mini|Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937

Der Historiker Lutz Niethammer zählt die Jahre von der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und der Niederlage des Deutschen Reiches bis zur Neuorganisation beziehungsweise der Gründung zweier deutscher Staaten als Teile der deutschen Nation und damit den Beginn der 40-jährigen Geschichte deutscher Teilung zu den „kompliziertesten Abschnitten der deutschen Geschichte […], einem interdependenten Prozess, an dem alle Weltmächte beteiligt waren“.Lutz Niethammer: Deutschland danach. Postfaschistische Gesellschaft und nationales Gedächtnis. Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 1999, S. 18.

Situation vor der Besetzung Die Staatsorganisation des Deutschen Reiches war schon vor dem Zusammenbruch nicht mehr voll funktionsfähig. Nachdem die Hauptsiegermächte die Obersten Reichsbehörden und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aufgelöst hatten, waren Bevölkerung und nachgeordnete Verwaltung weitgehend auf Selbstorganisation zurückgeworfen. Noch lange im Exil, bezeichnete Thomas Mann 1945 die Deutschen als „dies unglückselige Volk“. Die Westwanderung von 12 bis 14 Millionen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen und der Zerfall der deutschen Wirtschaftsräume verschärften das soziale Elend.

Übernahme der Regierungsgewalt durch die Alliierten

mini|Erkennungsflagge für deutsche HandelsschiffeTatsächlich gab es im besiegten Feindstaat (lt. US-american Directive of Occupation JCS 1067) nur die Flaggen der Besatzer in den jeweiligen Zonen/Sektoren. Per Beschluss der Alliierten hatten deutsche Schiffe ab 1945 den Stander C des Signalflaggenalphabets zu führen. „C“ stand für „Capitulation“ und wurde in demütigender Absicht festgelegt. Costa Rica erhob Einspruch, da es selber ein ähnliches Erkennungszeichen als Nationalflagge führt. So wurde der Stander C am fliegenden Ende rechtwinklig eingeschnitten. Nach Gründung der beiden deutschen Teilstaaten 1949 entfiel diese Praxis (siehe auch Flagge Deutschlands 1945–1949). Ausgehend von seinem Gebietsstand von 1937 wurde das besetzte Deutschland aufgeteilt. Dies geschah auf Beschluss der Alliierten auf der Konferenz von Jalta (2. bis 11. Februar 1945). Im Potsdamer Abkommen erkannten die Westalliierten an, dass die Rote Armee die von ihr eroberten deutschen Ostgebiete (Oder-Neiße-Gebiete), die rund ein Viertel des deutschen Staatsgebietes ausmachten, inzwischen direkt an Regierungsstellen der Volksrepublik Polen beziehungsweise der Sowjetunion vorbehaltlich einer Friedensregelung zur Verwaltung übergeben hatte. Letztere wurden der Russischen SFSR, der größten sowjetischen Unionsrepublik, eingegliedert. Der nördliche Teil Ostpreußens gehört deshalb heute zu Russland, die restlichen Ostgebiete gehören heute zu Polen.

Die verbliebenen zwei Drittel des Reichsgebiets wurden – mit Ausnahme Berlins und einiger kleiner Gebiete an der Westgrenze – in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Amerikanische Besatzungszone Britische Besatzungszone Französische Besatzungszone Sowjetische Besatzungszone

mini|Viersektorenstadt Berlin

Am 5. Juni 1945 übernahmen die Oberbefehlshaber der Vier Mächte (USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion) durch die Berliner Erklärung die oberste Regierungsgewalt über Gesamtdeutschland. Diese lag beim Alliierten Kontrollrat mit Sitz in Berlin.

Für Groß-Berlin erfolgte eine gemeinsame Besetzung der Alliierten und die Einrichtung der Alliierten Kommandantur für die Verwaltung des Stadtgebietes, wobei die Stadt selbst ebenfalls in vier Sektoren aufgeteilt wurde, welche jeweils einem alliierten Besatzungsregime unterworfen waren.

Vereinbarungsgemäß räumten bis Anfang Juli 1945 die Briten und die US-Amerikaner Thüringen und Anhalt sowie den Westen Sachsens, Mecklenburgs und der Provinz Sachsen, um sie der sowjetischen Besatzungsmacht zu überlassen, während sich die Rote Armee aus den drei Westsektoren Berlins zurückzog. Am 10. Juli rückten französische Besatzungstruppen in das Saarland ein, das von den US-Truppen verlassen wurde., abgerufen am 1. Oktober 2015.

Die ersten Länder wurden im Juli 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet; allerdings verfolgte die Sowjetunion dabei einen Einheitsstaat, in dem die Länder lediglich Verwaltungseinheiten sein sollten. Auch die Briten organisierten ihre Zone in Nordwestdeutschland eher zentralistisch. Die Amerikaner hingegen verfolgten in Süddeutschland ein föderalistisches Konzept, nach dem die Länder auch eine wichtige politische Rolle spielen sollten.

In der Atlantik-Charta, der Casablanca-Konferenz, der Konferenz von Teheran und der Erklärung von Jalta hatten die Alliierten die verschiedenen Strategien teilweise schon ab 1943 ausgearbeitet, als man von einem absehbaren Sieg über das nationalsozialistische Deutschland ausging. Trotzdem wurden die wechselhaften Ergebnisse der Besatzungspolitik sowohl von den Besatzungsmächten als auch von den Deutschen über lange Zeit als Provisorien betrachtet. Erst mit der Blockbildung im Kalten Krieg wurde aus Vorläufigem – vor allem aus der deutschen Teilung – scheinbar Endgültiges.

Potsdamer Konferenz

mini|Sitzend von links nach rechts: der neue britische Premierminister (und Nachfolger Churchills nach dessen überraschender Wahlniederlage) Clement Attlee, US-Präsident Truman und der sowjetische Generalissimus Stalin auf der Potsdamer Konferenz mini|U.S. Department of State, Karte vom 10. Januar 1945: Germany – Poland Proposed Territorial Changes – Secret („Vorschlag zur Gebietsveränderung – Geheim“). Vier Vorschläge des amerikanischen Außenministeriums, genutzt während der Konferenzen von Jalta und Potsdam.Foreign relations of the United States: diplomatic papers: the Conference of Berlin (the Potsdam Conference), 1945 1, 2

Mitte Juli waren Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin in Deutschland, um in einer Dreimächtekonferenz der Hauptalliierten auf höchster Ebene über das weitere Vorgehen zu beraten. Als wichtigste Ergebnisse wurden am 2. August 1945 beschlossen: die Demokratisierung Deutschlands die Dezentralisierung seiner Wirtschaft die Einrichtung eines gemeinsamen Kontrollrates für Deutschland als Organ gemeinsamer Besatzung der Siegermächte, das u. a. die Einheit Deutschlands als Wirtschaftsgebiet bewahren sollte die Demilitarisierung des Landes die Denazifizierung (Entnazifizierung) der Deutschen die Einrichtung eines Internationalen Militärtribunals (→ Nürnberger Prozesse) die faktische Abtrennung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, indem sie unter einstweilige polnische Verwaltung gestellt wurden

Die Forderung nach einem „ausgeglichenen Wirtschaftsleben in ganz Deutschland“ wurde schon bald durch die Auseinanderentwicklung der Wirtschaftsverhältnisse in den besetzten Zonen (auch eine Folge der zunehmenden Konfrontation der politischen Blöcke im Kalten Krieg) Makulatur.

Über die sowjetischen Reparationsforderungen kam es bei der Konferenz bereits zu einem ersten Eklat mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Feierlichkeiten zum Sieg über Japan begingen die Alliierten aber noch gemeinsam vor dem Brandenburger Tor. Im September 1945 wurde mit dem Wanfrieder Abkommen ein geringfügiger Gebietstausch zwischen amerikanischer und sowjetischer Besatzungszone vereinbart.

Kriegsgefangene mini|Deutsche Kriegsgefangene beim Minenräumen, Stavanger, August 1945. Norwegen zwang nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit als Minenräumer, bis zum 29. August 1945 kamen dabei 275 von ihnen ums Leben.

Insgesamt befanden sich 1945 elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft, fünf Millionen von ihnen kamen recht schnell wieder in Freiheit. In den letzten Wochen vor dem Kriegsende ergaben sich allein den Amerikanern vier Millionen deutsche Soldaten. Die Amerikaner hatten schwerwiegende logistische Probleme, diese riesige Zahl an Kriegsgefangenen ausreichend mit Lebensmitteln, Medikamenten und Unterkünften zu versorgen. Im Frühjahr 1946 wurde dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz schließlich erlaubt, Besuche abzuhalten und den Kriegsgefangenen in der amerikanischen Zone begrenzte Mengen an Nahrungsmitteln zukommen zu lassen.Staff, , 2. Februar 2005. (Zu Deutschen in amerikanischem Gewahrsam 1945 siehe Rheinwiesenlager.)

Über 700.000 Kriegsgefangene stellten die USA den Franzosen zum Wiederaufbau ihres Landes zur Verfügung. Frankreich zwang etwa 50.000 zur hochriskanten Zwangsarbeit als Minenräumer.Zwangsarbeit als Minenräumer – „Rudi war total durchlöchert“, in: einestages vom 27. August 2008, Der Spiegel 35/2008. Einige mussten unter harten Bedingungen im Bergbau arbeiten. Viele konnten erst 1948 in die Heimat zurückkehren. Für solche in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war die Aussicht zu überleben schlecht – etwa 30 Prozent starben. Die letzten kamen erst 1956 nach Deutschland zurück, die so genannte Heimkehr der Zehntausend.

Displaced Persons mini|Fleckfieber-Krankenlager im ehemaligen Offizierskasino, DP-Camp Belsen, 1945

Nach dem Krieg gab es in den westlichen Besatzungszonen 6,5 bis 7 Millionen so genannte displaced persons (DP), also ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und osteuropäische Arbeiter. Jüdische Überlebende waren eine relativ kleine Gruppe von etwa 50 bis 75 Tausend Menschen. Nach Pogromen in Osteuropa im Sommer 1946 flüchteten nochmals 150 bis 200 Tausend Juden in die westlichen Besatzungszonen. Die Betreuung (Unterbringung, Verpflegung und Kleiderzuteilung) erfolgte unter Militäradministration zunächst in DP-Lagern die teilweise umfunktionierte Gefangenen- und Konzentrationslager waren. Die Insassen hatten Anspruch auf Essensrationen mit mindestens 2000 Kilokalorien (kcal) pro Tag, während der örtlichen Bevölkerung nur 1200 kcal zugestanden wurden. Als durch den Harrison-Report vom August 1945 die Missstände in den Lagern offenbart wurden, kamen die Lager unter die Verwaltung der internationalen Hilfsorganisation UNRRA und private Hilfsorganisationen wie das Joint Distribution Committee (JDC), die Quäker, YMCA und YWCA und kirchliche Organisationen halfen.

Die Rückführung der Displaced Persons in die Ostblockstaaten war aus ideologischen Gründen und weil viele Gefangene und Zwangsarbeiter als Kollaborateure angesehen wurden schwierig. In den jüdischen Lagern wuchs der Zionismus und die meisten dieser Lager konnten in den Jahren 1949 bis 1951 nach dem Palästinakrieg und der Lockerung der amerikanischen Einwanderungspolitik aufgelöst werden. Das letzte DP-Lager in der Bundesrepublik konnte erst 1957 aufgelöst werden.Juliane Wetzel: Displaced Persons (Dps), Historisches Lexikon Bayerns, publiziert am 26. März 2013, abgerufen am 9. November 2021.

Trümmer- und Kulturfrauen

mini|Berliner Trümmerfrauen etwa 1947 mini|Straßenbahn mit Behelfsverglasung vor einer Ruine, Potsdam 1945

Am 29. Mai 1945 wurde die Meldepflicht für alle Frauen zwischen 15 und 65 Jahren in Berlin eingeführt. Die Arbeit als „Trümmerfrau“ brachte bessere Lebensmittelkarten ein. Frauen, die in den ersten Nachkriegsjahren die Hauptlast des Wiederaufbaus in deutschen Städten trugen, entwickelten in dieser Zeit ein neues Selbstverständnis und -bewusstsein. Auf dem Land gab es die sogenannten Kulturfrauen, Baumpflanzerinnen, die die von Bomben zerstörten oder wegen Brennholz gerodeten Wälder wieder aufforsteten. Auf der alten 50-Pfennig-Münze wurde ihnen ein Denkmal gesetzt.