mini|Konzert mit neuen geistlichen Liedern mini|Die Aufforderung zum Singen von neuen geistlichen Liedern kommt bereits in den Psalmen vor: Singt dem Herrn ein neues Lied ( - Ps 98, 1) - dieses alte biblische Motiv schwingt bei der Entstehung des Begriffs der modernen NGLs mit mini|Schöne „newe geistliche Lieder“ existierten bereits im 17. Jahrhundert, wie der Liederdruck von 1640 aus Innsbruck zeigt; zu einem eigenen Genre wurde der Begriff aber erst im 20. Jahrhundert Mit Neues Geistliches Lied (NGL) wird ein musikalisches Genre bezeichnet, das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufkam und folgende charakteristische Merkmale aufweist: ein (im weitesten Sinn) religiöser Text – darunter fallen u. a. liturgische, biblisch orientierte, christlich engagierte und politische Texte Zugehörigkeit zur Gattung Lied, hier insbesondere dem Kirchenlied stilistische Beeinflussung durch Popularmusik (z. B. Schlager, Beat, Blues, Jazz, Folksong, Folklore und Rock) oder an neomodalen Mustern der 1930er-Jahre orientiert in einer Art „neuem Kirchenliedstil“, für den Gottesdienstgebrauch bestimmt (auch wenn sie oft außerhalb des Gottesdienstes gesungen werden) Hauptproduzenten und Hauptvermittler sind Chöre, Posaunenchöre, Bands und einzelne Liedermacher.
Entstehung mini|Der französische Liedermacher und Priester Aimé Duval SJ (1918–1984) gilt als einer der frühen Pioniere auf dem Gebiet des Neuen Geistlichen Liedes Erste Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg Als erstes Neues Geistliches Lied gilt Seigneur, mon ami von Père Aimé Duval, erschienen 1955.
1956 führte der Kirchenmusiker Helmut Barbe sein Musical Hallelujah Billy auf dem 7. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt am Main auf. In diesem Werk verwendete er erstmals Elemente aus der Jazz-Musik. Das Echo auf diese Aufführung war – vor allem bei jungen Menschen – sehr positiv.
Père Maurice Cocagnac sang 1962 auf dem deutschen Katholikentag seine religiösen Chansons.
Allerdings hatte es der Gesang in der Kirche und im Gottesdienst nach dem Zweiten Weltkrieg nicht leicht. Eugen Eckert stellte fest: Wir haben Interview auf www.deutschlandfunkkultur.de, „Wir sind auf der Suche danach, wie wir unseren Glauben singen können“, Eugen Eckert im Gespräch mit Kirsten Dietrich, veröffentlicht am 14. März 2021, abgerufen am 23. März 2021 So war diese Zeit, nach Eckert, insgesamt eine Phase der Suche nach dem, wie man christlichen Glauben singen und artikulieren soll.
Die Künstlergruppe TAKT ab 1947
mini|Textautoren und Komponistentagung der Künstlergruppe TAKT auf dem Knivsberg (1988) Die Gruppe TAKT (für Textautoren- und Komponisten-Tagung) ist eine Künstlergruppe von Autoren und Komponisten, die nach ihrer Gründung 1947 maßgeblich an der Entstehung der Musikgattung Neues Geistliches Lied beteiligt war. Viele von Mitgliedern der Gruppe TAKT geschaffene Lieder haben Eingang in die verschiedenen Liederbücher der christlichen Kirchen gefunden. Eine eigene Auswahl hat die Gruppe zum Kirchentag in Köln 2007 herausgegeben. Das Liederbuch Singen, um gehört zu werden ist im Strube-Verlag erschienen und umfasst 119 TAKT-Lieder aus drei Jahrzehnten.
Wettbewerbe ab 1962 Richtungsweisend in der Geschichte des Neuen Geistlichen Liedes waren die vier Wettbewerbe der Evangelischen Akademie in Tutzing. Zum ersten, vom evangelischen Studentenpfarrer von München Günter Hegele initiierten Wettbewerb wurden 996 Beiträge eingesandt, die „dem von Jazz und Unterhaltungsmusik geprägten musikalischen Resonanzvermögen der Jugend entsprechen“ sollten. Im Nachgang bezeichnete die Akademie Tutzing Hegele als einen Begründer der .Schnulzenpfarrer Günter Hegele zum 90. Geburtstag, Homepage der Evangelischen Akademie Tutzing, abgerufen am 13. April 2021 Kirchenmusiker waren unter den Autoren beim Tutzinger Wettbewerb kaum vertreten. .Eugen Eckert: Zusammenhalten. Von der Kirchenmusik in der Volkssprache zum Neuen Geistlichen Lied. In: Gehalten. Lieder durch die Zeit. 30 Jahre Arbeitskreis Kirchenmusik und Jugendseelsorge im Bistum Limburg. Limburg 2001, ISBN 3-00-008253-0, S. 107
1. Wettbewerb 1962 1. Preis: Danke für diesen guten Morgen, Text und Musik: Martin Gotthard Schneider 2. Preis: Zeig uns den Weg Auszeichnung: Uns ist ein Kind geboren
„Danke“ war das erste deutschsprachige Kirchenlied, , erinnerte sich Günter Hegele später.Ein religiöser Popsong feiert Geburtstag, Beitrag von Andreas Malessa vom 5. Mai 2012 auf Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 13. April 2021.
2. Wettbewerb 1963 1. Preis: Weil du „Ja“ zu mir sagst, Text: Christine Heuser, Musik: Oskar Gottlieb Blarr 2. Preis: Bleibe bei uns Herr! („Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“), Text und Musik: Martin Gotthard Schneider 3. Preis: Lass uns spüren, Text und Musik: Alfred Hans Zoller 1. Preis Chorlieder: Gott ist unsre Zuversicht von Heinz W. Zimmermann 2. Preis Chorlieder: Von guten Mächten, Text: Dietrich Bonhoeffer, Musik: Herbert Breuer Weitere Lieder: Gott meint es gut mit dir von Martin Gotthard Schneider; Der Teufel von Dietrich Mendt; Ich zieh meine dunkle Straße von Klaus Kleinau; Funde am Weg von Ernst Fröhlich; Der Weg der Barmherzigkeit („Zwischen Jericho und Jerusalem“) von Martin Gotthard Schneider; Im Garten von Gethsemane von Jacqueline Jürgens; Wehr dich nicht von Martin Gotthard Schneider
1963 wurde die Dominikanerin Jeanne-Paule Marie Deckers als Sœur Sourire mit Dominique weltberühmt.
Der Euphorie vieler Kirchenmusiker und Chöre wurde 1965 zunächst Einhalt geboten, denn der Kölner Erzbischof Kardinal Josef Frings untersagte die Verwendung von Jazz, Negro Spirituals und „geistlichen Schlagern“ in der Kirche. Wenig später, im Mai 1966, sprach sich auch die Deutsche (katholische) Bischofskonferenz gegen diese Art der Kirchenmusik aus.
Ergänzungshefte neben dem Evangelischen Kirchengesangbuch Die Ablehnung des Evangelischen Kirchengesangbuches von 1950 durch jüngere und progressive Milieus führte in den Evangelischen Kirchen allerdings
1971 erschien als Ergänzung zum Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) das Beiheft Neue geistliche Lieder – Anhang 71 mit 25 neuen geistlichen Liedern. Diese waren auch in der Erweiterung Anhang 77. Neue geistliche Lieder mit Anhang 71 enthalten, die sechs Jahre später erschien. Unter den mehr als 70 neuen Liedern waren nun auch fremdsprachliche Lieder wie Gospels und Spirituals.https://pfarrerblatt.de/friedhelm-hans/das-neue-geistliche-lied-als-ein-insiderprodukt/ Diese Ergänzungshefte waren für alle evangelischen Landeskirchen gedacht, es fehlten noch die regionalen Bezüge.
1976 bemerkte Karl Christian Thust zur Situation damals: „In einem noch nicht erlebten Tempo löst eine ganz neue Zeit die alte ab, die selbst die jüngsten Lieder, ehe sie weiter bekannt werden konnten, als bereits überholt, einer fremden Zeit zugehörig erscheinen lässt. Das bahnt sich in den Fünfziger Jahren an und tritt im folgenden Jahrzehnt voll zutage, das wiederum von einer ganz neuen Situation geprägt ist.“Karl Christian Thust: Das Kirchen-Lied der Gegenwart. Kritische Bestandsaufnahme, Würdigung und Situationsbestimmung. Göttingen 1976, S. 19.
Verschiedene evangelische Landeskirchen erarbeiteten in den Folgejahren Sammlungen mit neuen Liedern für die Verwendung in Gottesdiensten. Die beiden hessischen Landeskirchen gaben im Jahr 1981 mit Singe, Christenheit ein „Beiheft zum Evangelischen Kirchengesangbuch“ mit 217 neuen Liedern heraus, deren Nummerierung im Anschluss an das EKG mit 601 begann. Weitere Landeskirchen folgten. In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern erschien 1982 das Ergänzungsheft Silberpfeil. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg publizierte „im Lutherjahr 1983“ (so das Vorwort) für ihre Gemeinden das Heft „Neue Lieder – ein Angebot für die Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg herausgegeben vom Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart“,Neue Lieder - ein Angebot für die Gemeinden. 1983 als Sonderausgabe für den Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hergestellt durch den Hänssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart, ISBN 3-7751-0839-4 das starke Verbreitung fand und 112 der Neuen geistlichen Lieder in den Gottesdiensten etablieren half. Weitere Landeskirchen folgten. In diesen Heften tauchten im Notenbild Gitarrengriffe auf, die signalisierten, dass die Liedbegleitung nicht nur der Kirchenorgel anvertraut sein sollte.
Liederbücher und Gesangbücher im katholischen und ökumenischen Bereich mini|Die Musikgruppe Habakuk ist bis heute ein wichtiger Multiplikator auf Kirchentagen, wenn es um das Neue Geistliche Lied geht Im katholischen und ökumenischen Bereich erschienen in dieser Zeit erste Liederbücher mit Beiträgen zu Lobpreis und Anbetung, etwa Jericho, herausgegeben von Karl Natiesta und Tom Runggaldier (1970) oder Schalom – Ökumenisches Liederbuch (1971).
Ein wichtiger Beitrag zur Verbreitung neuer geistlicher Lieder war das Liederbuch Das Lob, das 1979 von Josef Mittermair (Pettenbach) erstmals aufgelegt wurde. Das Liederbuch sammelte die gesamte Bandbreite des vorhandenen neuen geistlichen Liedgutes: die in Beatmessen verwendeten deutsch textierten Spirituals, Chansons von Maurice Cocagnac, Alfred Flury, Aimé Duval und Sœur Sourire, von Tonträgern und aus dem Radio „heruntergehörte“ Lieder wie Vater unser von Giorgio Moroder und viele andere Lieder. Die Gen-Rosso-Messe fand durch dieses Liederbuch Verbreitung, ebenso wie die Tiroler Jugend- und Kindermessen von Raimund Kreidl und die auch heute noch gerne bei Erstkommunionen gesungene Pfälzer Kindermesse von Hartmut Wortmann. Im April 2013 erschien dieses Liederbuch in der 14. Auflage.
In der Zeit der DDR ab 1975 – und auch noch nach der Wende – konnte ein jährlich erscheinendes Liedheft der Jugend zum Dreifaltigkeitssonntag etabliert werden. Diese Liedersammlungen erscheinen auch heute noch jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Herausgeber ist inzwischen die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der deutschen Bischofskonferenz.
1986: Singe Jerusalem 1992: CantateHerausgegeben vom Erzbischöflichen Jugendamt Bamberg (Alois Albrecht), Cantabo Verlag Nürnberg, ISBN 3-9803205-1-0. 2002: Liederquelle 2006: du mit uns 2007: Cantate IIHerausgegeben von der Werkstatt Neues Geistliches Lied und dem Erzbischöflichen Jugendamt Bamberg, ISBN 978-3-89889-119-6. 2008: Kindergotteslob – Weil du da bistKindergotteslob – Weil du da bist (PDF; 1 MB) neuesgeistlicheslied.de; abgerufen am 7. März 2017. 2011: Junges Gotteslob – Ein Segen seinJunges Gotteslob – Ein Segen sein. In: neuesgeistlicheslied.de, abgerufen am 7. März 2017. (GIF-Grafik, 616 × 1128 Pixel) 2013: Gotteslob
Musicals und Pop-Oratorien Neue Hoffnung schöpften die Reformer, als 1968 das Musical Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat von Andrew Lloyd Webber veröffentlicht wurde. Als dann 1970 dessen Musical Jesus Christ Superstar aufgeführt wurde, setzten sich die Bemühungen nach zeitgemäßer Kirchenmusik fort. Eine Melodie Webbers fand 2013 den Weg ins Gotteslob der katholischen Kirche. Unter der Nummer GL 188 ist Webbers „The Last Supper“ aus Jesus Christ Superstar mit einem neuen deutschen Text versehen, den Raymund Weber 2009 geschaffen hat: Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen. Nimm uns selber an mit Brot und Wein. Dieses Lied wird innerhalb einer katholischen Messe zur Gabenbereitung vorgeschlagen.
2018 zog die Evangelische Kirche nach und präsentierte im Liederbuch Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder - plus diese Melodie mit einem Text von Frieder Dehlinger: Finden wir Verschiedene zusammen, arme Reiche, heimatlos daheim.Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder – plus, München 2018, Strube Verlag VS 4049, ISBN 978-3-89912-211-4, Nr. 137
Jugendchorbewegung