mini|hochkant=1.1|Lucky Luke, Rantanplan, die Daltons und Jolly Jumper. Wandgemälde in Brüssel mini|hochkant=1.1|Lucky Luke im Duell mit den Daltons, im Hintergrund Jolly Jumper (Figuren in einem Freizeitpark in Ankara, 2007)

Lucky Luke (Aussprache meist englisch: [lʌki luːk]; französisch: [lyki lyk]) ist die Titelfigur einer seit 1946 erscheinenden belgischen Comic-Serie des Zeichners Maurice De Bevere alias Morris. Sie ist mit mehr als 30 Millionen verkauften Alben in Deutschland die erfolgreichste Comic-Serie im Alben-Sektor nach Asterix und der bekannteste und erfolgreichste Western-Comic weltweit. Zu seiner Popularität haben neben den Comics auch Kinofilme, Zeichentrickserien und Merchandise-Artikel beigetragen, wobei natürlich eine Wechselwirkung besteht.

Bis 1955 schrieb Morris die Geschichten noch selbst. Danach verfasste René Goscinny die Texte. Seit Goscinnys Tod 1977 wechseln die Autoren. Vor der Albenveröffentlichung erschien die Serie lange Zeit als Fortsetzungen im Magazin Spirou, danach vor allem in Pilote. Die erste deutsche Übersetzung erschien Ende 1958. Der letzte Lucky-Luke-Band von Morris erschien 2002, ein Jahr nach dessen Tod. Seitdem wird die Serie vom Zeichner Achdé gestaltet.

Handlung Die Comic-Geschichten handeln von den Abenteuern des einsamen Cowboys Lucky Luke, der im Wilden Westen für Recht und Ordnung sorgt. Dabei hat er es unter anderem mit diversen berühmten oder berüchtigten Wildwest-Legenden („Revolverhelden“), Indianerstämmen, der US-Kavallerie, verfeindeten Clans, schwierigen Siedlern, hitzköpfigen Dampfschiffern und vielen Banditen (aber v. a. den vier Daltons) zu tun. Einige Abenteuer finden auch außerhalb von Texas in anderen US-Bundesstaaten, Mexiko und Kanada statt. Am Ende der meisten seiner Abenteuer reitet Lucky Luke genregemäß auf seinem treuen Pferd Jolly Jumper dem Sonnenuntergang entgegen und singt sein Lied I’m a poor lonesome cowboy and a long way from home.

Hauptfiguren mini|hochkant=0.9|Lucky Lukes Schatten im Belgischen Comiczentrum

Lucky Luke verkörpert den einsamen, rast- und heimatlosen Helden, der Verbrecher jagt, Armen und Benachteiligten hilft und immer auf der Seite des Gesetzes steht. Seine größte Begabung ist es, den Colt „schneller als sein eigener Schatten“ ziehen zu können. Ansonsten ist er eher wortkarg und macht kein Aufhebens um seine Heldentaten. Die eingenommenen Kopfgelder stiftet er für wohltätige Zwecke, und danach verschwindet er schnell und unauffällig. In den Lucky-Kid-Bänden werden die Abenteuer des Waisenkindes als kleiner Junge mit seinen Freunden sowie seiner Pflegemutter, der Saloon-Betreiberin Martha, und dem Sheriff Elias, bei denen er im Ort Nothing Gulch aufgewachsen ist, dargestellt.

mini|Jolly-Jumper-Figur in einem Freizeitpark in Ankara

Jolly Jumper ist das Pferd Lucky Lukes und von Anfang an dessen treuester Begleiter. Lucky Luke lernt den Schimmel als Kind Lucky Kid im Band Am Fluss der rosa Biber kennen, als er noch ein Fohlen ist. Jolly besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten und rettet seinen Herrn oft aus schwierigen Situationen. Er kann allein einkaufen gehen, sich beschlagen lassen und selbstständig Wäsche aus dem Waschsalon abholen, nimmt am liebsten „keinen Kaffee in den Zucker“, kann Schach spielen, Schlösser aufbrechen, Knoten lösen, auf Bäume klettern, senkrechte Felswände erklimmen (mit dem Reiter auf seinem Rücken), auf dem Hochseil gehen, schneller als sein Schatten laufen und sich selbst satteln. Seit der Geschichte Sur la piste des Dalton (dt. Den Daltons auf der Spur) nimmt der Leser auch an Jolly Jumpers Gedanken teil, da dort auch erstmals ein „sprechender“ Hund auftaucht. Die oft zickigen Kommentare des Schimmels zu den Geschehnissen sind berüchtigt. Wenn Jolly Jumper zwischendurch nicht gebraucht wird, geht er schon mal angeln.

Rantanplan ist der Wachhund des Gefängnisses, in dem Lucky Lukes Erzfeinde, die Daltons, ihre Haftstrafen verbüßen. Seinen Aufgaben als Wachhund sowie als Spürhund von Lucky Luke kommt er nicht wirklich nach. Er tut fast grundsätzlich das Falsche, verwechselt meist Freund und Feind, Lob und Tadel sowie die Richtung der Fährten, die er verfolgen soll. Lucky Luke lernt jedoch im Laufe der Zeit, die Schwächen des Hundes zu deuten, womit er letztendlich doch eine Hilfe darstellt. Rantanplan hatte 1960 in der Geschichte Den Daltons auf der Spur seinen ersten Auftritt. Eigenständige Geschichten werden in den Rantanplan Strips und seiner eigenen Serie Rantanplan geschildert.

mini|Dalton-Figuren in Samsun

Die Dalton-Brüder (siehe Hauptartikel: Die Daltons) Joe, William, Jack und Averell, nach Größe gestaffelt wie Orgelpfeifen, stellen Lukes hartnäckigste Gegenspieler dar. Sie rauben meist Banken und Postkutschen aus und terrorisieren die Bürger. Es handelt sich um die Vettern der legendären Dalton-Brüder, die Lucky Luke in der Geschichte Hors-la-loi (dt. Die Gesetzlosen) ausgeschaltet hat. Da Morris in der Folgezeit oft gebeten wurde, die Daltons trotz ihres Todes am Ende der Geschichte erneut auftreten zu lassen, schufen er und Goscinny schließlich die noch dümmeren Vettern, die immer wieder aus dem Gefängnis ausbrechen, doch jedes Mal von Lucky Luke eingefangen werden. Eines ihrer charakteristischen Merkmale ist die schwarz-gelb quergestreifte Sträflingskluft, die sie oft auch in der vorübergehenden Freiheit weiter tragen. Joe, der kleinste und gemeinste Dalton, ist der zu cholerischen Anfällen („Lucky Luke! Lucky Luke! Lucky Luke!“) neigende Anführer der Bande. Während William und Jack („Gaaanz ruhig, Joe!“) eher blass bleiben und so austauschbar erscheinen, dass sie gelegentlich selbst von den Autoren selbst verwechselt werden, zeichnet sich der lange Averell („Wann gibt’s denn was zu essen?“) durch einen gesegneten Appetit und eine gewisse Gutmütigkeit aus. Während sich in einem Band das auf seine drei Brüder ausgesetzte Kopfgeld immer weiter steigert, ist seines absurd gering und sinkt so weit, dass er gar nicht mehr gesucht wird. Die Brüder werden erstmals kurz in dem Album Lucky Luke contre Joss Jamon (dt. Lucky Luke gegen Joss Jamon) vorgestellt (William noch unter der Kurzform seines Namens, Bill) und feiern ihr eigentliches Debüt im nachfolgenden Band Les cousins Dalton (dt.: Vetternwirtschaft). In einigen späteren Geschichten taucht auch Ma Dalton, ihre Mutter, auf. Sie zieht Averell den anderen Brüdern vor und beschützt ihn. Außerdem legt sie öfters den tobenden Joe übers Knie.

Historische Bezüge und Anspielungen Morris, Goscinny und die anderen Textverfasser entwarfen ein Lucky-Luke-Universum mit eigenen Regeln, in dem die Figuren orts- und zeitunabhängig agieren. Persönlichkeiten des Wilden Westens, die einander in Wirklichkeit wahrscheinlich nie begegnet sind, treffen in den Geschichten aufeinander und erleben gemeinsame Abenteuer. Selbst wenn man die historischen Hinweise aus Oklahoma Jim beachtet, um damit Lucky Lukes Geburtsjahr zu extrapolieren, muss man erkennen, dass er in anderen Alben zu jener Zeit bereits erwachsen und höchst umtriebig war. So spielt Der singende Draht 1861 und damit zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs, die Aussage eines Großvaters in Stacheldraht auf der Prärie hingegen impliziert, dass dieser bereits Jahrzehnte zurückliegt. Viele Abenteuer greifen also historische Begebenheiten oder Figuren auf, ohne sie dokumentarisch wiederzugeben. Meist sind die Geschichten zwischen den 1860er und 1890er Jahren angesiedelt.

An historische Personen angelehnte Figuren Die Daltons – Bob, Grat, Bill und Emmett – ehemalige Marshals, die zu Verbrechern wurden (Die Gesetzlosen, Erwähnung in Die Rückkehr der Brüder Dalton, Vetternwirtschaft, Erwähnung in Meine Onkel, die Daltons – Die Eskorte). Billy the Kid, bekannter Verbrecher und mehrfacher Mörder (Steckbrief in Die Gesetzlosen, Lucky Luke gegen Joss Jamon, Billy the Kid, Die Eskorte, Belle Starr, Der Mann aus Washington, Kurzauftritt in Jesse James). Calamity Jane, bekannte Wildwest-Heldin (Steckbrief in Die Gesetzlosen, Calamity Jane, Die Jagd nach dem Phantom, Die Daltons in der Schlinge, Lucky Luke gegen Joss Jamon, Erwähnung in Billy The Kid). Jesse James, sein Bruder Frank James und ihr Spießgeselle Cole Younger, bekannte Verbrecher und Mörder (Jesse James, Kurzauftritte (nur Jesse James) in Lucky Luke gegen Joss Jamon, Steckbrief in Die Gesetzlosen, Billy The Kid und Belle Starr). Roy Bean, Saloonbesitzer und selbsternannter Richter (Der Richter, Bild in Die Daltons in der Schlinge). Belle Starr, bekannte Räuberbraut (Belle Starr). Soapy Smith, amerikanischer Geschäftsmann und Gauner (Am Klondike). Wyatt Earp, selbsternannter Marshal, seine Brüder Morgan Earp und Virgil Earp sowie die Clanton-Sippe Old Man Clanton und seine Söhne Billy Clanton und Ike Clanton (O.K. Corral; der hier als dritter Sohn auftretende Frank hat kein historisches Vorbild, obwohl Old Man Clanton vier Söhne hatte, Erwähnung nur von Wyatt Earp in Oklahoma Jim und Ein Mann wie Wyatt Earp). Doc Holliday, Earps Freund, Zahnarzt, Spieler, Revolverheld und seine Helferin Big Nose Kate (O.K. Corral). William F. Cody, alias Buffalo Bill, Büffeljäger und Showmann (Der singende Draht, Der Pony Express, Der Daily Star, Eine Wildwest-Legende, Der Mann aus Washington, Kurzauftritt in Die Daltons in der Schlinge). Annie Oakley, US-amerikanische Kunstschützin (Kurzauftritt in Eine Wildwest-Legende) Sitting Bull, Indianerhäuptling der Hunkpapa Lakota Sioux (Kurzauftritt in Eine Wildwest-Legende) Joshua Norton, amerikanischer Geschäftsmann mit Kaiser-Tick (als Smith in Der Kaiser von Amerika). Isaac Charles Parker, „Hanging Judge“ (in Belle Starr). George Maldon, Henker (in Belle Starr). Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA (in Der singende Draht, Lucky Luke gegen Pinkerton, Erwähnung in Der Mann aus Washington und O.K. Corral, Abbildung auf einem Fleißkärtchen mit Porträts amerikanischer Präsidenten in Oklahoma Jim). Andrew Johnson, 17. Präsident der USA (Erwähnung in Der Mann aus Washington). Ulysses S. Grant, 18. Präsident der USA (Die Brücke am Ol’ Man River, Erwähnung in Belle Starr, Erwähnung in Der Mann aus Washington und als Usurpator in Der Kaiser von Amerika). Rutherford B. Hayes, 19. Präsident der USA (in Sarah Bernhardt, Hauptfigur in Der Mann aus Washington). Horace Greeley, Zeitungsverleger und Politiker (in Der Daily Star). Black Bart, Postkutschenräuber (in Die Postkutsche). Mark Twain, US-amerikanischer Schriftsteller (in Die Erbschaft von Rantanplan, Der Mann aus Washington). Jack London, US-amerikanischer Schriftsteller (in Der Daily Star, Am Klondike, kurz in High Noon in Hadley City). Frederic Remington, amerikanischer Maler und Bildhauer (Hauptfigur in Der Kunstmaler). Sarah Bernhardt, französische Schauspielerin (in Sarah Bernhardt, Erwähnung in Eine Wildwest-Legende). Brigham Young, Mormonenführer (in Der singende Draht). William Hepburn Russell, Gründer des Pony-Express (in Der Pony-Express). Edwin L. Drake, erster US-Amerikaner, der erfolgreich nach Erdöl bohrte (in Im Schatten der Bohrtürme). Adolphe und Arthur Caille, Erfinder des Spielautomaten „Black Cat“ (in Der einarmige Bandit). Edward F. Beale, Leiter des US-Army Camel Corps (in Die Kamel-Mine). Hadschi Ali, arabischer Kameltreiber (in Die Kamel-Mine). Louis-Adélard Sénécal, Präsident zweier kanadischer Eisenbahnlinien (in Schikane in Quebec). Levi Strauss, Erfinder der Jeans (in Schikane in Quebec, Das gelobte Land). James Eads, Ingenieur (in Die Brücke am Ol’ Man River). Hiawatha, Indianerhäuptling (in Der Kunstmaler). Mattie Silks, eigentlich Martha Ready, Bordellbesitzerin (als Saloongirl in Am Klondike). Sigmund Freud tritt nicht direkt auf, wird am Ende des Bands Die Daltons und der Psycho-Doc jedoch erwähnt. Allan Pinkerton, schottischstämmiger Detektiv (in Lucky Luke gegen Pinkerton, Pinkertondetektive in Jesse James). Washakie, Häuptling der Shoshonen (in Der singende Draht).