mini|Krönungsporträt Georgs III., gemalt von Allan Ramsay (1762) rahmenlos|class=notpageimage|rechts|Unterschrift von Georg III. Georg III. Wilhelm Friedrich (; * in London; † 29. Januar 1820 auf Windsor Castle) war von 1760 bis 1801 König von Großbritannien und Irland, danach bis zu seinem Tod König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland. Im Heiligen Römischen Reich regierte er als Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, seit dem Wiener Kongress als König von Hannover (1814). Außerdem war er bis ins Jahr 1801 der letzte britische Monarch, der sich infolge des Hundertjährigen Krieges als König von Frankreich bezeichnete. Während des Ersten Koalitionskriegs war er kurzzeitig auch König von Korsika (1794–1796).
Georg war der dritte britische Monarch aus dem Haus Hannover, doch der erste, der in Großbritannien geboren wurde und dessen Muttersprache Englisch war. In seine Herrschaftszeit, die länger war als die jedes britischen Monarchen vor ihm, fallen der Gewinn der französischen Kolonien in Kanada und der französischen Besitzungen in Indien (1763), aber auch der Verlust eines großen Teils der nordamerikanischen Kolonien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783). Die über zwei Jahrzehnte dauernden Koalitionskriege gegen Frankreich endeten 1815 mit der Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo; auch konnte die britische Dominanz auf den Weltmeeren ausgebaut werden (Näheres im Artikel Britisches Weltreich).
Die zweite Hälfte seiner Herrschaft war von einer zunächst sporadisch auftretenden und schließlich permanenten psychischen Erkrankung geprägt. Verschiedentlich wurde angenommen, dass sie Folge einer Stoffwechselstörung (Porphyrie) war. Auch eine bipolare Störung wird als möglich diskutiert. 1810 hatte sich sein Geisteszustand dermaßen verschlechtert, dass 1811 sein ältester Sohn als Prinzregent eingesetzt werden musste, der die Amtsgeschäfte übernahm; dieser trat dann 1820 als Georg IV. die Thronfolge an. Wegen seines relativ bescheidenen Lebensstils und seiner Vorliebe für das Landleben erhielt Georg III. den Spitznamen Farmer George („Bauer Georg“).
Leben Kindheit und Jugend mini|Der künftige König Georg III. (rechts) mit seinem Bruder Eduard und seinem Lehrer Francis Ayscough, gemalt von Richard Wilson (ca. 1749) Georg wurde am Morgen des 4. Juni 1738 im Norfolk House in London geboren. Er war ein Mitglied des Fürstengeschlechts der Welfen, zu seinen Vorfahren gehörte unter anderen Heinrich der Löwe. Sein Vater war Friedrich Ludwig von Hannover, seine Mutter war Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg. König Georg II. war sein Großvater. Da Prinz Georg zwei Monate zu früh geboren war und seine Überlebenschancen gering schienen, wurde er noch am selben Tag von Thomas Secker, dem Bischof von Oxford, getauft.Hibbert: George III – A Personal History. S. 8. Einen Monat später folgte eine öffentliche Taufe im Norfolk House, erneut durch Secker. Seine Paten waren König Friedrich von Schweden, sein Onkel Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Großtante Sophie Dorothea von Hannover, Königin in Preußen, die alle Stellvertreter entsandten.The London Gazette, 20. Juni 1738, Ausgabe Nr. 7712, S. 2
Georg erwies sich als gesundes, zurückhaltendes und schüchternes Kind. Die Familie zog an den Leicester Square, wo Privatlehrer ihn und seinen jüngeren Bruder Eduard unterrichteten. Laut Briefen der Familie konnte er als Achtjähriger sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch lesen und schreiben sowie aktuelle politische Ereignisse kommentieren.Brooke: King George III. S. 23–41. Er war der erste britische Monarch, der eine systematische wissenschaftliche Bildung erhielt. Neben Chemie und Physik gehörten Astronomie, Mathematik, Französisch, Latein, Geschichte, Musik, Geografie, Handel, Landwirtschaft und Verfassungsrecht zu seinem Lehrplan, aber auch Tanzen, Fechten und Reiten. Sein Religionsunterricht war vollständig anglikanisch.Brooke: King George III. S. 42–44, 55.
Friedrich Ludwig starb am 31. März 1751, woraufhin der Titel des Duke of Edinburgh an seinen Sohn fiel. Der neue Herzog war nun Thronfolger und erhielt dementsprechend den Titel Prince of Wales. Seine Mutter misstraute ihrem jähzornigen Schwiegervater Georg II., der mit ihrem Ehemann zerstritten gewesen war und seinen Sohn und Erben jahrelang vom Königshof ferngehalten hatte; aus diesem Grund lebte Georg von seinem Großvater getrennt. Großen Einfluss in Georgs Kindheit übte der Earl of Bute aus, der spätere Premierminister.Brooke: King George III. S. 51–52, 55.Hibbert: George III – A Personal History. S. 24–25.
Heirat und Familienleben mini|Benjamin West, Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz, 1779, Royal Collection 1759 war Georg in Lady Sarah Lennox, die Schwester des Duke of Richmond, verliebt, doch Lord Bute riet ihm davon ab, mit ihr eine engere Beziehung einzugehen.Brooke: King George III. S. 71–72. Georg und seine Mutter widersetzten sich dem Vorhaben des Königs, ihn mit Herzogin Sophie Caroline Marie von Braunschweig-Wolfenbüttel zu verheiraten.Ayling: George the Third. S. 36–37.
Nach dem Tod seines Großvaters am 25. Oktober 1760 trat Georg die Nachfolge an und wurde König von Großbritannien, König von Irland sowie Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“). Daraufhin wurde in den verschiedenen europäischen Herrscherhäusern nach einer geeigneten Gemahlin gesucht. Am 8. September 1761 heiratete der König in der Chapel Royal des St James’s Palace Prinzessin Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz, die er erst am Hochzeitstag kennengelernt hatte. Zwei Wochen später wurden beide in der Westminster Abbey gekrönt. Georg hatte nie eine Geliebte (im Gegensatz zu seinem Großvater und dessen Söhnen) und das Paar führte offenbar eine glückliche Ehe. Zusammen hatten sie fünfzehn Kinder – neun Söhne und sechs Töchter. Außerdem kaufte er 1762 für sie das Buckingham House (auf dem Grundstück des heutigen Buckingham Palace) als Rückzugsort für die Familie.Ayling: George the Third. S. 85–87. Seine anderen Residenzen waren Kew Palace und Windsor Castle, während er den St James’s Palace lediglich für offizielle Zwecke nutzte. Er unternahm kaum größere Reisen und verbrachte sein gesamtes Leben im Süden Englands. Von 1789 bis 1805 war er einmal jährlich in Weymouth im Urlaub und machte diesen kleinen Ort als eines der ersten Seebäder Englands bekannt.Ayling: George the Third. S. 578.
Über einhundert Jahre nach Georgs Heirat mit Sophie Charlotte kursierten Gerüchte, er habe bereits am 17. April 1759 eine Quäkerin namens Hannah Lightfoot geheiratet. In diesem Falle wäre er ein Bigamist gewesen und sämtliche Kinder aus der Ehe mit Charlotte wären als illegitim erklärt worden. Doch es stellte sich heraus, dass Lightfoot gar nicht mit ihm hätte verheiratet sein können. Sie war bereits seit 1753 die Gattin von Isaac Axelford und starb im Dezember 1759, womit aus einer im April 1759 geschlossenen Ehe gar keine Kinder hätten entstammen können. Die angebliche Heirat wurde 1866 in einem Gerichtsprozess gegen Lavinia Ryves, die Tochter der Hochstaplerin Olivia Serres, erwähnt, die sich als „Prinzessin Olive“ ausgegeben hatte. Eine vorgelegte Heiratsurkunde erwies sich als Fälschung.Dokumente im Zusammenhang mit dem Fall Lavinia Ryves, The National Archives, abgerufen am 5. Oktober 2012.
Erste Herrschaftsjahre mini|Mezzotinto von Georg III., nach einem Gemälde von Thomas Frye (1762) Obwohl Politiker aller Parteien Georgs Amtsantritt zunächst begrüßt hatten, waren seine ersten Herrschaftsjahre von politischer Instabilität geprägt, hauptsächlich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Siebenjährigen Krieges.Hibbert: George III – A Personal History. S. 86. Er bevorzugte Minister aus den Reihen der königstreuen Tories, weshalb die Whigs in ihm einen Autokraten sahen. Bei seinem Amtsantritt generierten die Ländereien der Krone relativ wenig Einkommen. Georg gab die Kontrolle über die Crown Estate an das Parlament ab und erhielt im Gegenzug eine jährliche Zivilliste, um die Kosten für den königlichen Haushalt und die Zivilregierung zu bestreiten. Behauptungen, Georg habe die Einkünfte verwendet, um Unterstützer mit Bestechungsgeldern und Geschenken zu belohnen, werden von Historikern in Frage gestellt.Watson: The Reign of George III, 1760–1815. S. 88. Das Parlament beglich die während seiner Herrschaftszeit auf drei Millionen Pfund angewachsenen Schulden und erhöhte mehrmals den Betrag der Zivilliste. Georg unterstützte die Royal Academy mit großen Beträgen aus seinem Privatvermögen und spendete mehr als die Hälfte seines persönlichen Einkommens für wohltätige Zwecke.Brooke: King George III. S. 214–215, 301. mini|Die Musikstunde, 1762 käuflich erworben von König Georg III. Als bedeutendste Ankäufe für seine Kunstsammlung gelten 1762 Die Musikstunde von Jan Vermeer und mehrere Canaletto-Bilder mit dem Erwerb der Sammlung seines Konsuls in Venedig Joseph Smith.Katharine Baetjer, J. G. Links: Canaletto. Metropolitan Museum of Art 1989, (Digitalisat), S. vii Allerdings blieb er mehr als Sammler von Büchern in Erinnerung. Die von ihm begründete King’s Library stand Gelehrten offen und bildete die Grundlage für eine neue Nationalbibliothek.Ayling: George the Third. S. 195–198.
Im Mai 1762 wurde die Whig-Regierung von Lord Newcastle durch eine Regierung abgelöst, an deren Spitze der schottische Tory Lord Bute stand. Butes Gegner verbreiteten das verleumderische Gerücht, er habe eine Affäre mit der Mutter des Königs, und nutzten anti-schottische Vorurteile unter den Engländern aus.Brooke: King George III. S. 147.Watson: The Reign of George III, 1760–1815. S. 93. Das Parlamentsmitglied John Wilkes veröffentlichte die Wochenzeitung The North Briton, um Bute und dessen Regierung anzugreifen. Wilkes wurde wegen aufrührerischer Verleumdung verhaftet, konnte aber nach Frankreich fliehen. Er wurde aus dem House of Commons ausgeschlossen und in Abwesenheit verurteilt.Brooke: King George III. S. 146–147. Im April 1763 trat Lord Bute nach Abschluss des Pariser Friedens, der den Krieg beendete, zurück. Dies ermöglichte es den Whigs, unter der Führung von George Grenville wieder die Macht zu übernehmen.
Im selben Jahr erließ die Regierung auf Anordnung Georgs die Königliche Proklamation von 1763, welche die Ausdehnung der nordamerikanischen Kolonien westlich der Appalachen einschränkte. Ziel der Proklamation war es, die Kolonisten zu Verhandlungen mit den Ureinwohnern zu zwingen. Dadurch sollten Landkäufe rechtmäßig durchgeführt werden können, was wiederum die kostspieligen Kriegshandlungen wegen Landkonflikten an den Grenzen reduzieren sollte. Die Proklamationslinie, wie sie bald hieß, war bei den amerikanischen Kolonisten unbeliebt und führte zu einer noch größeren Entfremdung von der britischen Regierung.Watson: The Reign of George III, 1760–1815. S. 183–184. Da die Kolonisten bis dahin fast keine Steuern bezahlen mussten, hielt es die Regierung für gerechtfertigt, sie an den Kosten für militärische Operationen zum Schutz vor Aufständen der Ureinwohner zu beteiligen. Zentrales Anliegen der Kolonisten war nicht die Höhe der Steuern, sondern die Frage, ob das Parlament ohne Zustimmung der Amerikaner Steuern erheben dürfe, da die Amerikaner nicht im Parlament vertreten waren („No taxation without representation“).Black: George III – America’s Last King. S. 82. Im März 1765 führte Grenville das Stempelgesetz ein, mit dem auf sämtliche Druckerzeugnisse in den nordamerikanischen Kolonien eine Gebühr erhoben wurde; dadurch sollte ein Teil der Kosten gedeckt werden.Watson: The Reign of George III, 1760–1815. S. 184–185. Grenville versuchte, Georgs Befugnisse einzuschränken. Der König bat William Pitt den Älteren, das Amt des Premierministers zu übernehmen, jedoch ohne Erfolg. Er entschied sich dann für den Marquess of Rockingham und entließ Grenville im Juli 1765.Ayling: George the Third. S. 122–133.
mini|George III. gemalt von Johann Zoffany (1771)