mini|Krimtschakische Synagoge in Karasubasar (zwischen 1900 und 1910) Die Synagoge in Bilohirsk in der Autonomen Republik Krim in der Ukraine gilt als der größte Sakralbau der Krimtschaken, die heute keine Synagoge mehr besitzen, sowie als größte Synagoge der Krim.
Geschichte Bilohirsk, das bis 1944 Karasubasar hieß, galt als das Zentrum der Krimtschaken und der Karäer, die hier seit dem 14. Jahrhundert ansässig waren. Eine erste Synagoge erbauten sie im Jahr 1516. Die Karäer erhielten im Jahr 1595 verschiedene Privilegien durch den Krim-Khan, die von seinen Nachfolgern mehrfach bestätigt wurden. Ihre Zahl nahm aber allmählich ab und stattdessen wurde die Krimtschaken die größte jüdische Gemeinde. Von 1866 bis 1899 hatte Ḥayyim (Chaim) Hezekiah Medini, der oberste Rabbi der Krim, seinen Sitz in Karasubasar. Dort auch zu weiteren wichtigen Rabbinern der jüdischen Gemeinden von Karasubasar.
Neben der krimtschakischen gab es aber auch weiterhin eine karäische und ein aschkenasische Gemeinde in Bilohirsk. Für das Jahr 1853 sind eine krimtschakische und eine aschkenasische Synagoge belegt, 1870 berichtet Franz Remy von vier Synagogen in Karasubasar. Die Karäer, die seit den 1860er Jahren keine offiziell registrierte Kenessa besaßen, so dass die nächstgelegene in Feodossija zu finden war, erhielten erst 1901 wieder eine eigene Synagoge. Im 20. Jahrhundert kam es zum Niedergang der Gemeinden: 1897 waren 3144 der 13.000 Bewohner Juden. Ein Teil der Gemeinde folgte Chaim Hezekiah Medini nach Tel Aviv, wohin er 1899 ging und eine Synagoge gründete, die bis 1981 bestand. Aufgrund einer Hungersnot vor dem Hintergrund des Russischen Bürgerkriegs und anderer Faktoren zogen in den frühen 1920er Jahren weitere Krimtschaken nach Palästina. Aus Karasubasar zogen sie zudem vermehrt auch in größere Städte der Krim – wie Simferopol und Kertsch – um. Die im Jahr 1926 gezählten 1043 krimtschakischen Juden von Karasubasar machten 16 Prozent aller Krimtschaken der Krim aus. Im Jahr 1939 waren es nur noch 429, von denen mehr als die Hälfte fliehen konnten, bevor die Wehrmacht Karasubasar besetzte. Am 10. Dezember 1941 wurden 76 Juden erschossen. Am 17. und 18. Januar 1942 wurden 468 Juden aus Stadt und Umgebung mit Gaswagen ermordet. Die als Arbeitskräfte verbliebenen Juden wurden später getötet.
Die Synagoge, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebaut oder neu errichtet wurde, wurde von der Sowjetunion in den 1920er Jahren geschlossen und in ein Lagerhaus verwandelt. Zudem wurde sie um das Jahr 1941 durch eine Sprengung schwer beschädigt. Danach wurde sie von den Reemtsma Cigarettenfabriken zu einem Tabakpunkt umgebaut, von dem aus die Zigarettenfabriken in Simferopol und Feodossija beliefert wurden. Heute befindet sich im Gebäude die Abteilung für ansteckende Krankheiten des Städtischen Krankenhauses.
Baubeschreibung und Bedeutung Die Synagoge wurde im maurischen Stil, einer bei Synagogen häufiger anzutreffenden Sonderform der orientalisierenden Architektur errichtet. Zwei Türme flankierten den Risalit im Eingangsbereich. Die Türme wurden von Zinnenkränzen gegliedert und besaßen je eigene Dachtürme. Die großen Fenster in den Obergeschossen der Türme und des Eingangsrisalits waren jeweils rund und mit einem Buntglas-Davidstern verziert, der einen Durchmesser von etwa zwei Metern besaß. Die Turmportale waren ebenso rundbogig wie einige der Fenster. Heute sind die Fenster mehrheitlich modernisiert. Über dem flachbogigen Hauptportal befand sich eine spitz nach oben zulaufende Nische, bekrönt wurde der Risalit von einem verzierten Giebel. Trotz der schweren Zerstörungen gilt sie heute als am besten erhaltene Synagoge der Krimtschaken.
Die Synagoge galt als die schönste der Krim. Bei der Sanierung des Krankenhaus-Gebäudes im Jahr 2021 entdeckte man Reste der jüdischen Dekoration, darunter zwei Davidstern-Fensterrahmen. Sie wurden allerdings wieder verborgen. Andere Buntglasfenster wurde bei der Sanierung zerstört. An der Fassade befindet sich eine Gedenktafel, die nicht mehr komplett lesbar ist.
mini|Aschkenasische Synagoge von Karasubasar. Von drei der „Ka'al“ ( bzw. къа'ал) genannten Synagogen der Krimtschaken sind noch Überreste auf der Krim bekannt. Insgesamt soll es allein in Karasubasar fünf Synagogen gegeben haben. Die ehemalige aschkenasische Synagoge von Karasubasar ist ebenfalls als Gebäude erhalten.
Siehe auch Krimtschaken Aschkenasim Liste von Synagogen in der Ukraine
Weblinks
Einzelnachweise
Bilohirsk Bilohirsk Bilohirsk Kategorie:Barockbauwerk in der Ukraine Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Sakralbau auf der Krim Kategorie:Sakralbau in der Autonomen Republik Krim Kategorie:Umgenutztes Bauwerk in der Ukraine Kategorie:Profanierte Synagoge Kategorie:Orientalisierende Architektur Kategorie:Rajon Bilohirsk