El Hierro 70px       120px|rand 300px|Karte und Lage der Insel Lage von Hierro innerhalb der Kanaren 330px|zentriert|Karte BasisdatenLand: SpanienInselgruppe: Kanarische InselnProvinz: Provinz Santa Cruz de TenerifeGeografische Lage: Fläche: 268,71 km²Einwohner: ()Bevölkerungsdichte: 44 Einw./km²Hauptstadt: ValverdePräsident der Inselregierung: Alpidio Armas (PSC-PSOE)Webseite: Inselregierung Satellitenbild 250px|El Hierro El Hierro [] (hierro: spanisch für ‚Eisen‘; abgeleitet vom früheren Namen Ferro) ist die westlichste der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Sie gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife. Mit 3,59 Prozent Anteil an der Landfläche des Archipels ist sie die kleinste der sieben traditionellen Inseln mit eigener Verwaltung. El Hierro ist 1458 Kilometer vom spanischen Festland (Cádiz) entfernt, hat eine Fläche von 268,71 km² und Einwohner (Stand: ) was einer Bevölkerungsdichte von 44 Einwohnern/km² entspricht. Die Insel wurde im Jahr 2000 zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt. Da El Hierro durch den Massentourismus nicht erschlossen ist, haben viele Orte der Insel ihren ursprünglichen Charakter erhalten.

Verwaltung El Hierro gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife in der seit 1982 bestehenden Spanischen Autonomen Gemeinschaft Canarias (Kanarische Inseln) und damit seit 1986 zur EU. Die Hauptstadt der Insel ist Villa de Valverde in der Gemeinde Valverde, die Landessprache ist Spanisch.

El Hierro besitzt einen eigenen Inselrat, den Cabildo Insular, und wurde am 15. September 2007 in drei Municipios (Gemeinden) mit eigener Stadtverwaltung gegliedert: Valverde, La Frontera und El Pinar. Diese sind Mitglied im Interessenverband der Gemeinden der Kanarischen Inseln Federación Canaria de Municipios (FECAM).Homepage der FECAM (spanisch) Zum Präsidenten des Inselrates von El Hierro wurde 2019 Alpidio Armas González von der PSOE gewählt.

Zwischen 1913 und 2007 war die Insel lediglich in die beiden Gemeinden Valverde und La Frontera gegliedert. Nachdem im Oktober 2006 erste Bestrebungen zur Ausgliederung von El Pinar aus La Frontera aufkamen, wurde El Pinar im September 2007 schließlich selbständig und damit dritte Gemeinde der Insel.

hochkant=1.3|mini|Gemeinden von El Hierro

mini|Gebäude der Inselregierung in Villa de Valverde Präsidenten der Inselverwaltung Nr. Name Beginn Ende Partei 1. Tomás Padrón Hernández 1979 1991 Agrupación Herreña Independiente (AHI) – Coalición Canaria (CC) 2. Venancio Acosta Padrón 1991 1991 AHI – CC 3. Inocencio Hernández González 1991 1995 Partido Socialista Obrero Español (PSOE) 4. Tomás Padrón Hernández 1995 2011 AHI – CC 5. Belén Allende Riera Mai 2011 September 2011 AHI – CC 6. Alpidio Armas González September 2011 2015 parteilos 7. Belén Allende Riera 2015 2019 AHI – CC8.Alpidio Armas González2019bis heutePartido Socialista Obrero Español (PSOE)

Geschichte

Erste Besiedlung Phönizische Seefahrer waren vermutlich zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. die ersten Menschen, die die Kanarischen Inseln erreichten. Archäologische Funde zeigen, dass dort bereits zu dieser Zeit erste Siedlungen gegründet wurden. In der Folgezeit gab es wirtschaftliche Verbindungen zum Mittelmeergebiet. Spätestens im 3. Jahrhundert v. Chr. wurden Menschen aus dem Gebiet nördlich und südlich der Meerenge von Gibraltar auf den Kanaren angesiedelt. Auf einigen Inseln fanden Archäologen Reste von Salinen und einer Produktionsanlage für Purpur aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Der Kolonialisierungsprozess ist nicht auf allen Inseln gleich verlaufen. Die ältesten auf El Hierro nachgewiesenen Funde in der Cueva de La Lajura stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.

Zeit der isolierten Entwicklung

Die durch archäologische Funde belegte Anwesenheit von römischen oder romanisierten Seefahrern auf der gesamten Inselgruppe endete im 3. Jahrhundert n. Chr. gleichzeitig mit der Krise des Römischen Imperiums. Da die Bimbaches, die Ureinwohner der Insel El Hierro, weder Werkzeuge zum Bau von seetüchtigen Schiffen noch nautische Kenntnisse besaßen, bestanden keine Verbindungen zu den Einwohnern der anderen Kanarischen Inseln. In den folgenden rund 1000 Jahren bis zum 14. Jahrhundert entwickelte sich auf El Hierro eine eigene Kultur der Bimbaches.

Unterwerfung der Ureinwohner durch Europäer Seit europäische Seefahrer und Händler in der Mitte des 14. Jahrhunderts den Seeweg zu und von den Kanarischen Inseln problemlos zurücklegen konnten, kam es immer wieder zu Überfällen auf die Ureinwohner, die gefangen und als Sklaven im Mittelmeerraum und auf der Iberischen Halbinsel verkauft wurden. Im Jahr 1393 fing eine Expedition eine große Anzahl von Inselbewohnern; unter ihnen war Augerón, ein Bruder des Königs der Insel. Kurz vor der Ankunft des Franzosen Jean de Béthencourt sollen bei einer weiteren Expedition 400 Personen gefangen worden sein. 1405 landete Jean de Béthencourt im Auftrag des kastilischen Königs Heinrich III. im Süden El Hierros in der Bahía de Naos. In der Chronik „Le Canarien“ wird u. a. die diplomatische und militärische Vorgehensweise bei der Unterwerfung der Bimbaches dargestellt. Ein Bruder des Königs Armiche, den Jean de Béthencourt auf dem Sklavenmarkt in Aragonien gekauft hatte, diente als Vermittler.

Dem König wurde freies Geleit zu den Gesprächen zugesichert. Als er sich dann mit Jean de Béthencourt traf, ließ dieser ihn und seine 111 Begleiter festnehmen und als Sklaven verkaufen. Auf der Insel wurden 120 französische Siedler angesiedelt. Diese unehrliche Aktion wird im Le Canarien damit entschuldigt, dass auf diese Art der Widerstand auf der Insel ohne Kämpfe gebrochen werden konnte.

Entwicklung unter der Herrschaft der Krone von Kastilien Nach der Unterwerfung der Bevölkerung der Inseln Lanzarote, Fuerteventura und El Hierro und vergeblichen Versuchen der Eroberung anderer Inseln verließ Jean de Béthencourt im Dezember 1405 die Kanaren und übertrug die Herrschaft Maciot de Béthencourt. Am 15. November 1418 übertrug Maciot de Béthencourt die herrschaftlichen Rechte an den Kanarischen Inseln im Namen von Jean de Béthencourt unwiderruflich auf den Grafen von Niebla, Enrique de Guzmán. Der Graf bestätigte Maciot de Béthencourt als Hauptmann und Gouverneur der Inseln. In den folgenden Jahren gingen die Eigentumsverhältnisse an den Kanarischen Inseln durch Schenkung, Kauf und Erbschaft immer wieder auf andere Lehensmänner des Königs von Kastilien über. Nach dem Übergang der Lehensherrschaft der Insel El Hierro auf Hernán Peraza (El Viejo) unternahm dieser eine Neueroberung der Insel, mit der Hilfe von 300 Männern, die von den Inseln Lanzarote und Fuerteventura stammten. Die Bimbaches mussten kapitulieren und wurden anschließend, soweit sie es nicht schon waren, getauft. Im Jahr 1452 erbten Inés Peraza de las Casas und ihr Ehemann Diego García de Herrera y Ayala die Herrschaftsrechte auch auf der Insel El Hierro. Unter der Herrschaft der Familie Peraza-Herrera wurden neue Kolonisten aus Kastilien angesiedelt. Ein Bericht aus dem Jahr 1632 stellte fest, dass es zwar noch Ureinwohner gebe, die Sprache aber seit Beginn des 17. Jahrhunderts verschwunden sei.

Christoph Kolumbus Auf seiner zweiten Reise steuerte Christoph Kolumbus nach La Gomera auch noch El Hierro an, um frisches Wasser und Nahrungsmittel zu laden. Er wollte auf günstigen Wind warten, der seine Flotte von 17 Schiffen schnell westwärts ziehen lassen sollte. Nach 19 Tagen auf El Hierro, am 3. Oktober 1493, blies sie ein kräftiger Passat von der Bahía de Naos aus in die Neue Welt.

Ehemaliger Nullmeridian mini|hochkant=1.5|Ferro-Meridian und Greenwich-Längengrade In der Antike galten die Kanarischen Inseln als das westliche Ende der Welt. Claudius Ptolemäus legte daher um 150 den durch die Kanaren verlaufenden Meridian als Nullmeridian fest. Später wurde diese Festlegung auf die westlichste Insel El Hierro präzisiert. Es entstand der Ferro-Meridian, nach dem sich die geographischen Koordinaten zahlreicher Navigations- und Landkarten vom 16. bis ins 19. Jahrhundert richteten. Damit wurde die Insel im Volksmund auch Isla del Meridiano oder Isla del Meridiano Cero genannt. Erst als 1884 der Meridian von Greenwich als Nullmeridian international festgelegt worden war, begann seine Bedeutung zu schwinden.

Verbannungsinsel Im 19. Jahrhundert wurde El Hierro für Madrid interessant. Unbequeme Politiker, Militärs und Freigeister verbannte man auf dieses Eiland. Die Inselbewohner profitierten auch davon, denn Leandro Pérez, aus politischen Gründen verbannt, war der erste Mediziner auf der Insel. Er wurde von der Bevölkerung geachtet.

Weg zur Neuzeit Im Juli 1899 vernichtete ein Großbrand das Rathaus von Valverde und das darin befindliche Inselarchiv, das seit 1553 geführt worden war. Viele bedeutende Dokumente über die Geschichte der Insel gingen verloren. Etwa zu dieser Zeit brach eine Pockenepidemie aus, und lange Dürre folgte auf starke Regenfluten. 1912 entstanden die beiden Gemeinden Valverde und La Frontera. Jede Insel, so auch El Hierro, darf sich seitdem selbst verwalten. Es wurde das Cabildo Insular, die Inselregierung eingerichtet. Der Erste Weltkrieg ging an der Insel spurlos vorüber. Während der Zweiten Republik (1931–1936) wurden der Hafen ausgebaut, Straßen angelegt, die Wasserversorgung verbessert und Schulen erweitert. Auch der Zweite Weltkrieg brachte El Hierro wenig Unheil, im Gegensatz zu den anderen Inseln.

Emigration Die verschiedenen Auswanderungswellen hatten ihre Gründe in politischen Krisen und Dürre- und Hungerjahren. Ziele waren unter anderem Kuba, Venezuela und Puerto Rico. Noch 1949/1950 stachen von El Hierro aus kaum hochseetaugliche Segelschiffe ohne Motoren zur Atlantiküberquerung in See. Einige Auswanderer kehrten später wieder zurück.

1948 zwang erneut eine Dürre eine große Anzahl von Einwohnern zur Auswanderung. Die Brunnen auf der Insel waren ausgetrocknet, die Landwirtschaftsprodukte verdorrten, Kühe und Schafe starben. Don Tadeo Casañas auf Hierro bemerkte eines Nachts, dass durch das undichte Dach Wasser tropfte; die Sträucher auf seinem Dach hatten den Nebel zu Wasser kondensieren lassen. Er erinnerte sich an Erzählungen über die Ureinwohner auf Hierro, die an ihrem heiligen Baum, dem Garoé, Wasser auffingen, das aus dem Nebel kondensiert war. Tadeo riet seinen Nachbarn, Sträucher oder Platten auf ihren Dächern anzubringen, um so Wasser aus dem Nebel zu „melken“. Er rettete sie so vor dem Verdursten.Ander Izagirre: Tadeo Casañas, el ordeñador de nubes que salvó a la gente de El Hierro. Tadeo Casañas, der Wolken-Melker, der die Menschen von El Hierro rettete‘. In: elmundo.es. 11. Dezember 2015, abgerufen am 21. November 2020 (spanisch).

Irreguläre Migration Im Oktober 2023 verlangte El Hierro Hilfe von der EU zur Bewältigung der zunehmenden irregulären Migration. Auf den spanischen Kanaren seien in den ersten zehn Monaten 2023 fast 32.000 Migranten gelandet. Dabei sei unklar, warum immer öfter das kleine El Hierro angesteuert werde.

Zivile Raketenbasis und militärische Radaranlage In den 1990er Jahren gab es Pläne der spanischen Regierung und der autonomen Regierung der Kanarischen Inseln, eine zivile Raketenbasis auf der Insel zu installieren. Die Europäische Weltraumbehörde (ESA) in Paris plante, etwa zwei Forschungssatelliten pro Jahr in den Weltraum zu senden, es soll jedoch auch Pläne für bis zu 15 Starts gegeben haben. Aus Sicherheitsgründen hätte man zum Startzeitpunkt benachbarte Dörfer evakuieren müssen. Das hatte massive Proteste der Inselbewohner zur Folge. Sie wollten die einzigartige Natur und ihre Umwelt schützen. Im Februar 1997 lehnte ein Sonderausschuss des kanarischen Parlaments das Vorhaben mit großer Mehrheit ab.