Der Amiga 1200 (A1200) ist ein 32-Bit-Heimcomputer des amerikanischen Technologiekonzerns Commodore International aus West Chester, Pennsylvania, Vereinigte Staaten, der im Oktober 1992 auf den Markt gelangte.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 72. Im unteren Marktsegment sollte er den erfolglosen Vorgänger Amiga 600 (kurz A600) ablösen.
Der als Tastaturcomputer ausgeführte A1200 ist mit einem auf getakteten Hauptprozessor des Typs Motorola 68EC020, einem Arbeitsspeicher von (Chip-RAM) sowie einem Festspeicher von (ROM) ausgestattet, der das Betriebssystem nebst grafischer Benutzeroberfläche enthält. Das Modell ging aus dem für den Multimedia-Bereich konzipierten High-End-Rechner Amiga 4000 hervor und gehört damit zur dritten und letzten Generation der Amiga-Computer, die mit dem leistungsfähigen AGA-Chipsatz ausgestattet wurde.Boris Kretzinger: Commodore: Aufstieg und Fall eines Computerriesen. Skriptorium-Verlag, Morschen 2005, S. 89.
Der Einführungspreis des A1200 lag in den Vereinigten Staaten bei Jimmy Maher: The Future Was Here: The Commodore Amiga. MIT-Press, Cambridge 2012, S. 77. In Deutschland belief sich die unverbindliche Preisempfehlung auf (nach heutiger Kaufkraft ca. Euro). Bis Ende 1993 wurden 95.500 Exemplare auf dem deutschen Markt verkauft.Michael Kukafka: Amiga - Quo vadis? Der Werdegang eines Kultcomputers. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 54. Nach dem Konkurs von Commodore im April 1994 wurde die Produktion des A1200 zunächst für rund ein Jahr ausgesetzt. Ab Mai 1995 wurde der Rechner dann technisch nahezu unverändert von der deutschen Firma Amiga Technologies (einer Tochterfirma von Escom) neu aufgelegt. Nach der Insolvenz von Escom 1996 wurde die Produktion des A1200 endgültig eingestellt. Die genaue Anzahl der weltweit bis zu diesem Zeitpunkt abgesetzten Einheiten ist nicht bekannt.
Mit dem Ende des A1200 reduzierte sich die Zahl der auf dem Markt noch konkurrenzfähigen Systemplattformen auf zwei, nämlich die marktbeherrschenden IBM-PC-Kompatiblen bzw. MS-DOS-Kompatiblen (nach 1995 meist Windows-PCs) sowie die Rechner der Macintosh-Reihe von Apple.
Geschichte Entwicklung 145px|mini|Spielekonsole CD³² Im Sommer 1991 übernahm der ehemalige IBM-Manager Bill Sydnes auf Betreiben des damaligen Geschäftsführers Mehdi Ali die betriebswirtschaftliche Leitung der Entwicklungsabteilung von Commodore International.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 69. Unter Sydnes’ Ägide geriet der im März 1992 als Nachfolger für das Erfolgsmodell Amiga 500 (kurz A500) bzw. den leicht verbesserten Amiga 500 Plus (kurz A500Plus) vorgestellte Amiga 600 zum Flop. Grund hierfür waren schwere Designfehler: So fehlte dem A600 ein numerischer Ziffernblock, die Tastatur war unergonomisch und aufgrund des winzigen Gehäuses sowie fehlender Schnittstellen war der Rechner kaum ausbaufähig. Obendrein lieferte der A600 kaum bessere Leistungsdaten als der A500Plus, da beide Modelle bereits mit dem ECS-Chipsatz ausgestattet waren.Jörg Allner, Kerstin Allner: Computer Classics: Die Highlights aus 30 Jahren Heimcomputer. Data-Becker, Düsseldorf 2003, S. 146.
Da Sydnes mit übertriebener Eile bereits die Einstellung der Produktion des zwar veralteten, aber immer noch recht populären A500 sowie des A500Plus veranlasst hatte, um dem A600 keine hausinterne Konkurrenz zu bereiten, stand Commodore plötzlich ohne konkurrenzfähigen Amiga-Heimcomputer da.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 70f. Im Mai 1992 beauftragte Sydnes Greg Berlin, der u. a. bereits an der Projektierung des Commodore 128 teilgenommen hatte, aber lediglich mit der Entwicklung eines neuen High-End-Rechners, aus dem der Amiga 4000 hervorging.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 71. Diese Entscheidung offenbarte Sydnes’ noch aus seiner Zeit bei IBM stammende Blindheit für das untere Marktsegment, aus dem Commodore jedoch traditionell seine Kundschaft rekrutierte. Als das neue High-End-Modell im September 1992 planungsgemäß die Serienreife erlangte, war Sydnes bereits entlassen worden und die Entwicklungsabteilung begann unverzüglich mit der Arbeit am Entwurf einer Heimcomputer-Version des Amiga 4000.
Im Zentrum der Planungen für den neuen Rechner stand die Verwendung des AGA-Chipsatzes. Das Gehäuse mit integriertem 3½-Zoll-Diskettenlaufwerk war vom A500 inspiriert. Nach dem Vorbild des gescheiterten A600 sollte der neue Rechner ebenfalls über eine externe PCMCIA-Schnittstelle sowie einen AT-IDE-Pfostenstecker zum Anschluss einer internen 2½-Zoll-Festplatte verfügen. Außerdem entschied sich das Entwicklerteam für die Verwendung eines relativ leistungsfähigen, aber gleichzeitig kostengünstigen Hauptprozessors, den man im Motorola 68EC020 fand. Um die erweiterten Grafikfähigkeiten des AGA-Chipsatzes voll zur Geltung zu bringen, wurde die als intuitives Betriebssystem dienende grafische Benutzeroberfläche der Vorgängermodelle zum AmigaOS 3.0 weiterentwickelt.
Auf Basis des Amiga 1200 entwickelte Commodore 1993 eine CD-ROM-Spielekonsole namens CD³², die allerdings letztlich erfolglos blieb.Winnie Forster: Spielkonsolen und Heimcomputer 1972–2009. Gameplan, Utting 2009, S. 111.Christian Zahn, Boris Kretzinger, Enno Coners: Die Commodore Story. CSW-Verlag, Winnenden 2013, S. 114.
Markterfolg Die im A1200 verwendeten Hauptprozessoren wurden von Motorola produziert. Da Commodore aus einem Mangel an Liquidität die konzerneigene Halbleiterproduktion bei MOS Technology zu diesem Zeitpunkt bereits stark hatte zurückfahren müssen, wurde die Herstellung des AGA-Chipsatzes extern an Hewlett-Packard vergeben. Bis Weihnachten 1992 wurden aber nur ca. 100.000 AGA-Chipsätze ausgeliefert, obwohl rund 200.000 Vorbestellungen für den A1200 vorlagen, die vor allem aus Westeuropa kamen. Die von Commodore mit dem neuen Rechner erwirtschafteten Gewinne hätten also deutlich höher ausfallen können, sofern man es geschafft hätte, eine hinreichende Anzahl an Geräten zur Befriedigung der durchaus starken Nachfrage überhaupt herzustellen.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 74. Die langen Lieferzeiten verärgerten viele potenzielle Kunden. So wurde das Weihnachtsgeschäft des Jahres 1992 für Commodore zu einer Enttäuschung, da obendrein der bereits in großen Mengen produzierte A600 nach der Markteinführung der neuen Amiga-Modellreihe mit AGA-Chipsatz als technisch veraltet galt und sich zunehmend zum Ladenhüter entwickelte.Michael Kukafka: Amiga - Quo vadis? Der Werdegang eines Kultcomputers. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 52.
Mit der fortschrittlichen AGA-Architektur und dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gelang es dem A1200 jedoch, dem A500 allmählich den Rang abzulaufen. So überstiegen die Verkaufszahlen des neuen Low-End-Modells im Sommer 1993 erstmals die des einstigen Verkaufsschlagers. In Europa schaffte es der A1200 schließlich bis zur Insolvenz von Commodore immerhin, in puncto Marktanteile den Apple Macintosh vom zweiten Platz zu verdrängen, wenngleich es nicht gelang, die zu diesem Zeitpunkt bereits zementierte Marktdominanz der MS-DOS-Kompatiblen anzutasten oder gar zu brechen.
Um den Verkauf des seit dem Konkurs von Commodore im Vorjahr nicht mehr produzierten Rechners anzukurbeln, wurde der A1200 ab Mai 1995 von Escom massiv in allen Filialen der US-amerikanischen Schnellrestaurant-Kette McDonald’s beworben. Escom verkaufte bis Dezember 1995 in Westeuropa allerdings lediglich 20.000 weitere Einheiten des Rechners und blieb damit weit hinter den eigenen Verkaufsprognosen zurück. Eine weitere Quelle berichtet allerdings von immerhin 40.000 bis zu diesem Zeitpunkt abgesetzten Geräten.Michael Kukafka: Amiga - Quo vadis? Der Werdegang eines Kultcomputers. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 58. Ab 1996 wurde der A1200 im Verbund mit zwei Software-Paketen angeboten. Das Amiga-Magic-Paket enthielt neben Anwendersoftware im Wert von mehr als auch zwei Spiele. Das Amiga-Surf-Paket umfasste einen mit einer 260-MB-Festplatte ausgestatteten A1200, ein 14,4-kBd-Modem sowie zusätzliche Software für einen Internetzugang bei einem günstigen Kaufpreis von .
Bei aller Fortschrittlichkeit des AGA-Chipsatzes war der Amiga Mitte der 1990er Jahre den damals üblichen MS-DOS-Rechnern mit der grafischen Oberfläche Windows 3.1, VGA-Grafikkarte und Soundkarte vor allem grafiktechnisch unterlegen, sodass jetzt auch zunehmend anspruchsvolle Spiele auf der viel weiter verbreiteten PC-Plattform erschienen, während nur noch wenig neue Software für den vergleichsweise kleinen Amiga-Markt entwickelt wurde.Volker Mohr: Der Amiga: Die Geschichte einer Computerlegende. Skriptorium-Verlag, Morschen 2007, S. 75. Dadurch sank vor allem die Attraktivität des Heimcomputermodells A1200. Lediglich auf dem Gebiet der Videobearbeitung konnte sich das High-End-Modell Amiga 4000 noch eine Weile lang behaupten. Es gelang Escom aber nicht mehr, mit den Amiga-Modellen der dritten Generation einen größeren Marktanteil zu erobern.
Tastatur, Gehäuse und Schnittstellen Die Tastatur des A1200 besitzt 96 Tasten und entspricht weitgehend dem damaligen Industriestandard. Sie ist in vier Bereiche unterteilt: die Haupttastatur, das numerische Tastenfeld, den Cursortastenblock sowie zehn Funktionstasten.Carina Ahren, Wilson Harp, Ross Hippely: Benutzerhandbuch: A1200. Hrsg. v. Commodore Int., Selbstverlag, West Chester 1992, S. 2–4. Neben den üblichen Sondertasten besitzt der Rechner außerdem zwei Amiga-Tasten, die links bzw. rechts der Leertaste angeordnet sind und insbesondere der Menüauswahl dienen.Carina Ahren, Wilson Harp, Ross Hippely: Benutzerhandbuch: A1200. Hrsg. v. Commodore Int., Selbstverlag, West Chester 1992, S. 2–7.
Der A1200 besitzt ein rechteckiges Gehäuse aus hellbeigem Kunststoff, das 49 cm × 24,5 cm × 7 cm (Breite × Tiefe × Höhe) misst. Der Rechner ist ab Werk mit einem internen 3½-Zoll-Diskettenlaufwerk mit einer Speicherkapazität von ausgestattet, dessen Öffnung sich auf der rechten Seite befindet. Oberhalb des numerischen Zifferblocks befinden sich drei LED-Kontrollanzeigen, die über den Stromfluss, den Status des Diskettenlaufwerks sowie die Betriebsbereitschaft der optionalen internen Festplatte Auskunft geben.Carina Ahren, Wilson Harp, Ross Hippely: Benutzerhandbuch: A1200. Hrsg. v. Commodore Int., Selbstverlag, West Chester 1992, S. 1–3. Auf der Oberseite sind außerdem zahlreiche Lüftungsschlitze ins Gehäuse eingelassen. Die Stromversorgung läuft über ein externes Netzteil, das auch den Netzschalter beherbergt.Carina Ahren, Wilson Harp, Ross Hippely: Benutzerhandbuch: A1200. Hrsg. v. Commodore Int., Selbstverlag, West Chester 1992, S. 1–16.
Auf der Rückseite verfügt der A1200 über zahlreiche Schnittstellen zum Anschluss von Peripheriegeräten. Dazu zählen zwei 9-polige Sub-D-Stecker für Joystick und Maus, ein 25-poliger Sub-D-Stecker als serielle Schnittstelle, eine 25-polige Sub-D-Buchse als parallele Schnittstelle, eine 23-polige Sub-D-Buchse für ein externes Diskettenlaufwerk, ein 23-poliger Sub-D-Stecker für das analoge RGB- bzw. das digitale RGBI-Videosignal, zwei Cinch-Buchsen für Composite-Farbvideo, eine Antennenbuchse am HF-Modulator zum Anschluss eines handelsüblichen Farbfernsehers sowie zwei Cinch-Buchsen für das Stereo-Audiosignal. Auf der linken Gehäuseseite befindet sich außerdem ein 68-poliger Standard-Steckplatz für eine 16-Bit-PCMCIA-Speicherkarte.Carina Ahren, Wilson Harp, Ross Hippely: Benutzerhandbuch: A1200. Hrsg. v. Commodore Int., Selbstverlag, West Chester 1992, S. A-2. Da die Standardisierung dieser Schnittstelle zum Zeitpunkt der Fertigungsaufnahme noch nicht abgeschlossen war, ist die verbaute Schnittstelle nicht vollständig kompatibel zum endgültigen PCMCIA-Standard.