Kapstadt (, isiXhosa iKapa) ist eine der größten Städte Südafrikas. Seit 2004 beherbergt sie den ausschließlichen Sitz des südafrikanischen Parlaments. Kapstadt ist die Hauptstadt der Provinz Westkap und der Kernort der City of Cape Town Metropolitan Municipality, die Metropolgemeinde um Kapstadt. Als von der Statistik erfasster Ort (Main Place) hatte Kapstadt im Jahr 2011 433.688 Einwohner.Statistics South Africa: Cape Town. auf www.statssa.gov.za (englisch).
Seinen Namen erhielt Kapstadt nach dem Kap der Guten Hoffnung, das etwa 45 Kilometer südlicher liegt. Um das Kap mit felsigen Untiefen gibt es starke Winde und widrige Meeresströmungen; es war eine gefährliche Region für Segelschiffe auf dem Seeweg nach Indien. Kapstadt war die erste Stadtgründung der südafrikanischen Kolonialzeit; deshalb wird es gelegentlich als „Mutterstadt“ (afrikaans: Moederstad, englisch: Mother City) bezeichnet.
Geografie Lage Kapstadt liegt im Südwesten der Republik Südafrika unmittelbar an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans.
Berühmt ist Kapstadt unter anderem durch sein Wahrzeichen, den Tafelberg. Seine markante, plateauförmige Oberfläche dominiert zusammen mit Signal Hill, Lion’s Head und Devil’s Peak die Skyline der Stadt.
Klima Kapstadt hat ein Warm-Sommer-Mittelmeerklima (Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger: Csb). Das Klima Kapstadts ist durch seine Lage am Atlantik geprägt; es gibt nur mäßige Temperaturschwankungen. In den Sommermonaten Dezember bis Februar liegen die monatlichen Höchstwerte um 24 bis 25 °C, die Tiefstwerte sinken im Mittel nicht auf unter 16 °C. In den Wintermonaten Juli und August fallen die Höchstwerte auf etwa 17 °C, die Tiefstwerte liegen bei etwa 10 °C. Die Winter sind in den niedrigen Lagen frostfrei. Im Winter fallen mit durchschnittlich rund 70 mm je Monat deutlich mehr Niederschläge als im Sommer mit unter 20 mm.
Geschichte mini|Historische Karte (um 1896) mini|Kapstadt von Robben Island aus mini|Kapstadt-Stadion, Green Point
Das Gebiet, das heute als Kapstadt bekannt ist, war ursprünglich von den San und Khoikhoi besiedelt. Im Jahre 1652 ging der Niederländer Jan van Riebeeck in der Tafelbucht an Land und gründete dort eine Versorgungsstation für die Handelsschiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oost-Indische Compagnie; kurz: VOC) auf dem Seeweg nach Indien. Der Ort war gewählt worden, weil sich eine geschützte Bucht als natürlicher Hafen anbot. Die Niederländer vertrieben die Ureinwohner, die bisher das Gebiet besiedelt hatten, und erbauten umgehend zu ihrem eigenen Schutz das Fort de Goede Hoop (heute Castle of Good Hope). Da sich die Ureinwohner weigerten, mit den Eroberern Handel zu treiben und für sie zu arbeiten, importierte die VOC Menschen aus ihren Handelsgebieten in Madagaskar, Indien, Malaysia und Indonesien, um sie als Sklaven zu halten. Da nicht nur ein Mangel an Arbeitskräften, sondern auch an Frauen in der noch jungen Kolonie herrschte, wurden die Sklavinnen in doppelter Hinsicht ausgebeutet: für Arbeit und sexuelle Beziehungen. Die daraus resultierende Durchmischung von Europäern, Sklaven und den afrikanischen Ureinwohnern ist der Ursprung der heutigen farbigen Bevölkerungsschicht (Cape Coloureds).
Während der 150-jährigen niederländischen Herrschaft wuchs die Siedlung zu einem bedeutenden Hafen heran. Der Hafen Kapstadt wurde auch die Taverne des Meeres genannt, da er Rast und Aufenthalt für die vielen Schiffe bot, die zwischen Europa und Asien verkehrten. Als die VOC am Ende des 18. Jahrhunderts nahezu bankrott war, wurde die Stadt eine leichte Beute für britische Imperialisten, die ihr Einflussgebiet in dieser Region erweitern wollten. Nach der Niederlage der Niederländer gegen die Briten im Jahr 1806 am Bloubergstrand, etwa 25 Kilometer nördlich von Kapstadt gelegen, wurde die Kolonie am 13. August 1814 zur Britischen Kronkolonie erklärt und die Sklaverei abgeschafft.
Die Entdeckung und der erstmalige Abbau von Diamanten und Gold auf dem Highveld im Inneren des Landes in den Jahren zwischen 1869 und 1890 veränderte Kapstadt sehr schnell. Die Stadt war nun nicht mehr die einzige und dominierende Großstadt der Kolonie, erlangte aber als größter Hafen des Landes Reichtum und Wohlstand, während sich immer mehr Industriebetriebe in der Stadt ansiedelten. Zu dieser Zeit erwirtschaftete der damals in Kapstadt lebende Premierminister der Kapkolonie, Cecil Rhodes, große Profite mit seinem Konzern De Beers, noch heute der größte Diamantenförderer der Welt.
Die Beulenpest im Jahr 1901 diente der damaligen Regierung der Kolonie als Vorwand, die Rassentrennung einzuführen. Die schwarze Bevölkerung wurde in zwei Gebiete abgeschoben, eines nahe den Docks am Hafen und das andere in Ndabeni an der Ostseite des Tafelbergs. Mit der damals katastrophalen Gesundheits- und Hygienesituation in diesen Stadtvierteln befasste sich die Ärztin und Gesundheitspolitikerin Jane Elizabeth Waterston.
Nach dem Wahlsieg 1948 der National Party wurden die ohnehin beschränkten Rechte der nicht-weißen Bevölkerung Kapstadts weiter beschnitten, unter anderem durch Vertreibung in zentrumsfernere Stadtteile, in denen sie nach Hautfarbe getrennt lebten. Die Maßnahmen führten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Gerichtsverhandlungen, mit denen der Apartheid-Staat seine Politik durchsetzte.
Jahrzehntelang versuchte die weiße Regierung, schwarze Elendssiedlungen zu entfernen, da diese als Ursprung für Widerstandsbewegungen gegen ihr Apartheid-Regime angesehen wurden. Ein prominentes Beispiel hierfür in Kapstadt ist der District Six. Der Stadtverwaltung war dieses Viertel mit seiner sehr bunten ethnischen und religiösen Mischung und dem quirligen Leben entlang der Hanover Street, die für ihre Jazzkneipen bekannt war, ein Dorn im Auge. Nachdem man absichtlich das Viertel hatte verkommen lassen, wurde es aufgrund „unhaltbarer hygienischer Zustände“ 1966 als Sanierungsgebiet deklariert. Die Bewohner wurden auf neu gegründete Townships wie Gugulethu, Nyanga, Mitchells Plain und später Khayelitsha verteilt, die im Gebiet Cape Flats errichtet wurden. 1984 wurden die letzten Häuser abgerissen. Heute ist ein Großteil der Fläche Brachland oder wird von der 1982 gegründeten Cape Peninsula University of Technology genutzt.
Ein letzter Versuch wurde im Jahr 1986 unternommen, als etwa 70.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden sollten. Da auch diese radikalen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten, beugte sich die Regierung und begann, die Lebensverhältnisse in den Armenvierteln zu verbessern.
Am 11. Februar 1990, nur Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis, hielt Nelson Mandela seine erste öffentliche Rede seit Jahrzehnten vom Balkon des Rathauses von Kapstadt, in der er den Beginn einer neuen Ära in Südafrika ankündigte. Kapstadt hat sich seit dem Ende der Apartheid grundlegend geändert. Die Grundstückspreise entwickelten sich rasant, das Stadtzentrum ist sicherer und viele Stadtviertel wurden mittels großzügiger Sanierungsprogramme entwickelt.
Trotzdem lebt die Mehrheit der Einwohner Kapstadts noch immer in denselben, nun nach Einkommen getrennten Stadtvierteln der Cape Flats und leidet nach wie vor unter denselben wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Problemen. Abgesehen von einer sich bildenden kleinen farbigen und schwarzen finanziellen Oberschicht lassen die erhofften sozio-ökonomischen Verbesserungen auf sich warten. Probleme wie AIDS und eine hohe Kriminalitätsrate sind weiterhin ungelöst.
Bis 2004 war Kapstadt während der Sommermonate Sitz des südafrikanischen Parlaments. Seither tagt das Parlament ganzjährig dort.
Im Juni 2012 fand in Kapstadt eine Versammlung von Angehörigen der Khoisan-Gemeinschaft statt, um ihrem verstorbenen traditionellen Herrscher Dawid Kruiper zu gedenken. Er war ein aktiver Repräsentant seiner ethnischen Gruppe der San gewesen und hatte sich für deren Minderheitenrechte sowie für den Erhalt der eigenen Sprache engagiert. Die gemeinsamen früheren Vorfahren waren vor der Einwanderung von Bantu, Europäern und Asiaten die Bewohner in weiten Teilen Südafrikas und benachbarter Länder. Im Verlauf dieser Veranstaltung kam es zur Anregung, Kapstadt künftig in ihre Sprache umzubenennen. Sie solle künftig //Hui !Gaeb heißen. Das bedeutet so viel wie „Wo sich die Wolken versammeln“. Aus ihrem historisch abzuleitenden Selbstverständnis heraus betrachten sie alle anderen in Südafrika lebenden demografischen Gruppen als „Fremdstämmige“.South African History Online: New Khoisan name for Cape Town, 25 June 2012. auf www.sahistory.org.za (englisch).Sapa: ‘//Hui !Gaeb’ – the new Khoisan name for Cape Town. Meldung des Mail & Guardian vom 27. Juni 2012, auf www.mg.co.za (englisch).
Bevölkerung Einwohnerzahl Kapstadt hat als von Statistics South Africa definierter Ort (main place) gemäß Volkszählung 2011 rund 434.000 Einwohner. Die Definition, welche Wohngebiete zur Kernstadt gezählt werden, wird bei jeder Volkszählung neu festgelegt, weshalb sich erhebliche Abweichungen ergeben können. So betrug die Fläche der Kernstadt bei der Volkszählung 2001 496,70 km², während 2011 nur ein Gebiet von 400,28 km² zur Stadt Kapstadt gerechnet wurde. Seitdem gelten Athlone, Belhar, Epping Industria, Grassy Park, Matroosfontein, Muizenberg und Philippi als eigene Orte.
Volkszählung: 1891 1985 1991 2001 2011 Einwohnerzahl: 51.251 776.617 854.616 827.218 433.688
Bevölkerungsgruppen Im Main Place Kapstadt lebten gemäß Volkszählung 2011 44,6 % Coloureds, 32,3 % Weiße, 15,8 % Schwarze, 3,4 % Inder bzw. Asiaten und 3,9 % sonstige.
Die Volkszählung 1891 ergab für die Stadt Kapstadt die folgende Verteilung der Bevölkerungsgruppen: 49,5 % Weiße, 49,4 % Coloureds (33,3 % Khoikhoi und 16,1 % Malaien) sowie 1,1 % Schwarze (Bantu).
Sprachen Erstsprache in Kapstadt war zu 67,7 % Englisch, zu 22,5 % Afrikaans und zu 4,7 % isiXhosa. 4,7 % gaben als Erstsprache eine „andere“, d. h. in Südafrika nicht landesweit anerkannte Sprache an.
Religion Kapstadt ist zweifache Bischofsstadt: Es besteht das römisch-katholische Erzbistum Kapstadt mit der St.-Mary’s-Kathedrale als Mutterkirche und die Diözese Kapstadt der Anglican Church of Southern Africa, deren Hauptkirche die St. Georges Cathedral ist. Daneben sind zahlreiche weitere christliche Konfessionen in der Stadt vertreten, so etwa die Zion Christian Church, die Baptist Union of Southern Africa, die Methodist Church of Southern Africa oder die Presbyterian Church of Africa. Neben dem Christentum ist der Islam die zweitgrößte Glaubensrichtung mit einer relativ langen Geschichte.South African History Online (SAHO) – History of Muslims in South Africa: 1652 - 1699 by Ebrahim Mahomed Mahida (), abgerufen am 3. Januar 2020 Die Auwal-Moschee gilt als älteste Moschee Südafrikas. Auch Synagogen für die jüdische Bevölkerung sind vorhanden. Ebenso gibt es Hindu-, Buddhisten- und Baha'i-Tempel.
Kapstadt und die Folgen der Apartheid mini|Computergeneriertes Bild der Kap-Halbinsel; es zeigt das Kap der guten Hoffnung am rechten unteren Rand, darüber die False-Bay. Kapstadt selbst befindet sich mittig am unteren Bildrand. mini|Khayelitsha an der N2 (2015)