Die Wirtschaft der Volksrepublik China gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt und spielt eine zentrale Rolle im internationalen Handel und in globalen Wertschöpfungsketten. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IMF) erreichte das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2025 etwa 19,4 Bio. US-Dollar, womit das Land rund 19 % des globalen nominalen BIP ausmachte. Gleichzeitig lag der Anteil Chinas am Welt-BIP auf Basis der Kaufkraftparität ebenfalls bei etwa 19–20 %. Diese Werte spiegeln die führende Rolle Chinas in der weltweiten Wirtschaftsleistung wider.
Das Wirtschaftssystem der Volksrepublik China wird offiziell als sozialistische Marktwirtschaft bezeichnet. Diese Bezeichnung ist seit einer Verfassungsänderung im Jahr 1993 in Artikel 15 der Verfassung verankert. Das System verbindet marktwirtschaftliche Elemente wie Wettbewerb, private Unternehmensformen und Preisbildung mit einer weiterhin bedeutenden Rolle des Staates. Staatseigene Unternehmen nehmen insbesondere in strategischen Sektoren wie Energie, Telekommunikation, Finanzwesen und Schwerindustrie eine zentrale Stellung ein. In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur wird die chinesische Wirtschaftsordnung daher häufig als staatsgeprägte oder staatsdominierte Marktwirtschaft charakterisiert.
Die Wirtschaftsstruktur zeigt eine zunehmende Bedeutung des tertiären Sektors; Dienstleistungen und moderne Industrien tragen zunehmend zum Wachstum bei, während Investitionen und der Immobiliensektor aktuell eine geringere Wachstumsdynamik aufweisen. Chinas Außenhandel bleibt ein starker Wachstumsmotor: 2025 verzeichnete das Land – trotz globaler Unsicherheiten – weiterhin deutliche Exportzuwächse.
Seit den 2010er Jahren steht die chinesische Wirtschaft vor einem strukturellen Wandel. Angestrebt wird eine stärkere Ausrichtung auf Binnenkonsum, technologische Innovation, Dienstleistungen und nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig sieht sie sich Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, einer hohen Verschuldung einzelner Wirtschaftssektoren, regionalen Disparitäten sowie handelspolitischen Spannungen mit wichtigen Wirtschaftspartnern gegenüber.
Historische Entwicklung
Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 wurde eine zentral gelenkte Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild aufgebaut, die auf Verstaatlichung von Industrie und Landwirtschaft sowie staatliche Produktionsvorgaben beruhte. Kampagnen wie der Große Sprung nach vorn (1958–1961) und die Kulturrevolution (1966–1976) führten zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen und Produktivitätsverlusten. Mit der Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping ab 1978 begann schrittweise die Einführung marktwirtschaftlicher Elemente, darunter die Entkollektivierung der Landwirtschaft, die Zulassung privater Unternehmen und die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen. In den 1990er Jahren wurde das Konzept der sozialistischen Marktwirtschaft offiziell verankert und der staatliche Sektor reformiert. Der Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 beschleunigte die Integration Chinas in die Weltwirtschaft und trug zu einer Phase anhaltend hoher Wachstumsraten bei. Seit den 2010er Jahren verlangsamt sich das Wachstum, während die Wirtschaft einen strukturellen Wandel hin zu stärkerem Binnenkonsum, Dienstleistungen und technologischer Innovation durchläuft.
Wirtschaftsstruktur Die Wirtschaftsstruktur der Volksrepublik China hat sich seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik Ende der 1970er Jahre grundlegend gewandelt. Während die Volkswirtschaft in den 1950er und 1960er Jahren stark agrarisch geprägt war, entwickelte sich China seit den 1990er Jahren zu einer industriell dominierten Exportwirtschaft. Seit den 2010er Jahren gewinnt der Dienstleistungssektor zunehmend an Bedeutung, sodass sich die Wirtschaftsstruktur schrittweise in Richtung einer stärker konsum- und dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft verschiebt.
Sektorale Struktur Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes entfielen im Jahr 2024 auf den Primärsektor (Landwirtschaft) rund 7 % des Bruttoinlandsprodukts, den Sekundärsektor (Industrie und Bauwesen) etwa 37 %, den Tertiärsektor (Dienstleistungen) rund 57 %.
Trotz des Bedeutungszuwachses des Dienstleistungssektors bleibt der Industrieanteil im internationalen Vergleich hoch. Die Weltbank weist darauf hin, dass China weiterhin eine der größten industriellen Produktionskapazitäten weltweit besitzt, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe.
In beschäftigungspolitischer Hinsicht ist der landwirtschaftliche Sektor weiterhin bedeutender als sein Anteil am BIP vermuten lässt, wenngleich die Urbanisierung und der Strukturwandel den Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten langfristig reduzieren.
Eigentumsformen und Unternehmensstruktur Kennzeichnend für die chinesische Wirtschaftsstruktur ist die Koexistenz staatlicher, kollektiver und privater Unternehmen. Staatseigene Unternehmen (State-Owned Enterprises, SOEs) nehmen insbesondere in strategischen Sektoren wie Energie, Telekommunikation, Finanzwesen, Verkehr und Schwerindustrie eine zentrale Stellung ein. Eine eigene Behörde, die Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen, kontrolliert diese Staatsunternehmen. Gleichzeitig hat der private Sektor seit den 1990er Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und trägt maßgeblich zur Beschäftigung, Innovation und Exportleistung bei. Seit Mitte der 2010er werden Staatsunternehmen wieder stärker gefördert, da sie für wirtschaftliche Stabilität eingesetzt werden können.
Regionale Disparitäten Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas weist deutliche regionale Unterschiede auf. Küstenprovinzen wie Guangdong, Jiangsu und Zhejiang sowie Metropolregionen wie Shanghai und Shenzhen verzeichnen im langfristigen Vergleich höhere Pro-Kopf-Einkommen und stärkere Industrialisierung als viele Binnen- und Westprovinzen. Zur Verringerung dieser Disparitäten verfolgt die Zentralregierung seit den 2000er Jahren Programme zur Förderung des westlichen und zentralen Landesteils (Chinas Go-West-Strategie). Wirtschaftsleistung der einzelnen Provinzen Die wirtschaftliche Leistungskraft der einzelnen Provinzen bzw. regierungsunmittelbaren Städte oder autonomen Regionen ist sehr unterschiedlich. Die folgende Tabelle gibt die regionalen BIP-Daten des Jahres 2022 wieder und die Anteile der verschiedenen Wirtschaftssektoren am BIP. mini|hochkant=1.5|Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung in Prozent des nationalen Durchschnitts 2022, Grüntöne = über dem Landesdurchschnitt, Rottöne = darunter +Wirtschaftsleistung (BIP) in absoluten Zahlen und pro Kopf der Bevölkerung,sowie Anteile der Wirtschaftssektoren am BIP in absoluten Zahlen und Prozent(Absolutzahlen in 100 Mio. Yuan)Verwaltungs-einheitBIPgesamtPrimär-sektorSekundär-sektorTertiär-sektorBIPpro Kopf(in Yuan)% Primär-sektor% Sekundär-sektor% Tertiär-sektorPeking41.6111126.60534.894190.3130,3 %15,9 %83,9 %Tianjin16.3112736.0399.999119.2351,7 %37,0 %61,3 %Hebei42.3704.41017.05020.91056.99510,4 %40,2 %49,4 %Shanxi25.6431.34013.84110.46173.6755,2 %54,0 %40,8 %Innere Mongolei23.1592.65411.2429.26396.47411,5 %48,5 %40,0 %Liaoning28.9752.59811.75614.62268.7759,0 %40,6 %50,5 %Jilin13.0701.6894.6286.75355.34712,9 %35,4 %51,7 %Heilongjiang15.9013.6104.6497.64251.09622,7 %29,2 %48,1 %Shanghai44.6539711.45833.097179.9070,2 %25,7 %74,1 %Jiangsu122.8764.95955.88962.028144.3904,0 %45,5 %50,5 %Zhejiang77.7152.32533.20542.185118.4963,0 %42,7 %54,3 %Anhui45.0453.51418.58822.94373.6037,8 %41,3 %50,9 %Fujian53.1103.07625.07824.956126.8295,8 %47,2 %47,0 %Jiangxi32.0752.45214.36015.26470.9237,6 %44,8 %47,6 %Shandong87.4356.29935.01446.12286.0037,2 %40,0 %52,8 %Henan61.3455.81825.46530.06262.1069,5 %41,5 %49,0 %Hubei53.7354.98721.24127.50892.0599,3 %39,5 %51,2 %Hunan48.6704.60319.18324.88573.5989,5 %39,4 %51,1 %Guangdong129.1195.34052.84470.935101.9054,1 %40,9 %54,9 %Guangxi26.3014.2708.93913.09352.16416,2 %34,0 %49,8 %Hainan6.8181.4181.3114.09066.60220,8 %19,2 %60,0 %Chongqing29.1292.01211.69415.42390.6636,9 %40,1 %52,9 %Sichuan56.7505.96421.15729.62867.77710,5 %37,3 %52,2 %Guizhou20.1652.8617.11310.19052.32114,2 %35,3 %50,5 %Yunnan28.9544.01210.47114.47161.71613,9 %36,2 %50,0 %Tibet2.1331808051.14858.4388,4 %37,7 %53,8 %Shaanxi32.7732.57515.93314.26482.8647,9 %48,6 %43,5 %Gansu11.2021.5153.9455.74144.96813,5 %35,2 %51,3 %Qinghai3.6103801.5861.64460.72410,5 %43,9 %45,5 %Ningxia5.0704082.4492.21369.7818,0 %48,3 %43,7 %Xinjiang17.7412.5097.2717.96168.55214,1 %41,0 %44,9 %China gesamt1.210.20788.345483.165638.69885.6987,3 %39,9 %52,8 % Bemerkung: Sämtliche Angaben der obenstehenden Tabelle sind dem China Statistical Yearbook 2022 entnommen. dort sind die nationalen und die provinzbezogenen BIP-Angaben in separaten Tabellen aufgeführt. Bei Aufsummierung der Provinz-Zahlen ergeben sich Zahlen, die von denen des nationalen BIP abweichen (Abweichung < 1 Prozent). Möglicherweise handelt es sich um Rundungsfehler.
Industrie und Schlüsselbranchen Die Industrie bildet weiterhin einen zentralen Pfeiler der Wirtschaftsstruktur der Volksrepublik China. China ist seit den 2010er Jahren einer der weltweit größten Industriestandorte und verfügt über umfassende Produktionskapazitäten entlang nahezu aller industriellen Wertschöpfungsketten. Das verarbeitende Gewerbe trägt erheblich zur Wertschöpfung, Beschäftigung und Exportleistung bei. Zu den wichtigsten Industriebranchen zählen: Maschinen- und Anlagenbau, Elektronik- und Informationstechnologie, Automobilindustrie (insbesondere Elektromobilität), Stahl- und Chemieindustrie, Bauwesen und Infrastruktur.OECD: OECD Economic Surveys: China, Dezember 2025.
China ist der größte Automobilmarkt der Welt und einer der führenden Produzenten von Elektrofahrzeugen und Batterietechnologie. Im Bereich erneuerbarer Energien – besonders bei der Produktion von Solarzellen und Windkraftanlagen – nimmt China eine führende Stellung ein.
Verarbeitendes Gewerbe Das verarbeitende Gewerbe bleibt trotz der strategischen Förderung des Dienstleistungssektors ein zentrales Element der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Exportstruktur.OECD: OECD Economic Surveys: China, Dezember 2025.
Maschinenbau Der Maschinen- und Anlagenbau zählt zu den tragenden Säulen der chinesischen Industrie. Produziert werden unter anderem Werkzeugmaschinen, Baumaschinen, Energieanlagen, Schienenfahrzeuge sowie industrielle Ausrüstungen für Exportmärkte. Die Branche profitierte insbesondere von großangelegten Infrastrukturinvestitionen im Inland sowie Ausland. Gleichzeitig verfolgt die Regierung das Ziel, die technologische Eigenständigkeit in hochwertigen Industrieanlagen zu erhöhen.Barry Naughton: The Chinese Economy: Adaptation and Growth. MIT Press, 2018.
Elektronik China ist einer der weltweit größten Produzenten von Unterhaltungselektronik, Telekommunikationsgeräten und Computertechnik. Zahlreiche multinationale Unternehmen betreiben Produktionsstätten im Land. Gleichzeitig sind chinesische Unternehmen in Bereichen wie Smartphones, Netzwerktechnik und Komponentenfertigung global präsent.Patrick McGee: Apple in China: The Capture of the World's Greatest Company. Simon & Schuster Ltd, 2025.
Textilindustrie Die Textil- und Bekleidungsindustrie spielte eine zentrale Rolle in der frühen Phase des exportgetriebenen Wachstums. China entwickelte sich seit den 1980er Jahren zum weltweit größten Textilproduzenten und -exporteur. In jüngerer Zeit verlagerte sich ein Teil der arbeitsintensiven Produktion in Länder mit niedrigeren Lohnkosten, während in China höherwertige Segmente und technische Textilien an Bedeutung gewannen.
Automobilindustrie (inkl. Elektromobilität)