rahmenlos|rechts|hochkant=0.7|Wappen derer Berens von Rautenfeld. mini|hochkant|Wappen des Adelsgeschlechts Berens von Rautenfeld. Berens von Rautenfeld ist der Familienname eines, wahrscheinlich aus Preußen stammenden, deutsch-baltischen Adelsgeschlechts. Sie siedelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Riga an und wurden 1752 geadelt und 1797, mit dem Erhalt des estländischen Indigenates, in die Estländische Ritterschaft aufgenommen. Mehrere Familienmitglieder zogen später nach Deutschland und leben heute auch unter dem Namen „von Rautenberg“. Es werden im Folgenden nur die männlichen Nachkommen genannt.
Geschichte Der erste namentlich Genannte dieses Geschlechts, und somit Stammvater der Berens von Rautenfeld, in Livland soll der Kaufmann und Kommerzienrat Heinrich Berens von Rautenfeld (* 1699 in Königsberg/Preußen; † 1778 in Riga) sein. Er stammte offensichtlich aus Königsberg in Preußen und erwarb 1735 das Bürgerrecht in Riga. Ob Heinrich und seine Vorfahren tatsächlich aus Königsberg stammten ist nicht eindeutig belegt, seine Vorfahren sind auch nicht eindeutig identifiziert worden. Wahrscheinlich war sein Vater der Braumeister Johann Berens (auch Berends oder Behrentz), andere Quellen führen einen preußischen Kapitän namens Carl Berens von Rautenfeld an. Das für Heinrich Berens ausgestellte Adelsdiplom aus der Wiener Reichshofkanzlei datiert von 8. Mai 1752. Es zeigt an, dass sie aus Utrecht stammen sollen und der Großvater als General in den Diensten des Prinzen von Oranien gestanden haben soll.
Heinrich Berens heiratete 1737 Catharina Hedwig Krüger, die Tochter des Ratsherren Eberhard Krüger. Heinrich gelangte zu einem angesehenen Bürger Rigas und wurde 1749 zum Ältesten der Großen Gilde und 1752 zum großfürstlichen russischen und holsteinischen Titular-Kommerzienrat ernannt. Ebenfalls im Jahre 1752 erhielt er in Wien den Reichsadelsstand mit dem Adelsprädikat „von Rautenfeld“. In der Folgezeit, sein Adelsstand erlaubte dieses, kaufte er nacheinander die Rittergüter Kastran, Ronneburg-Neuhof und Schloss Ronneburg, die er 1778 seinen Söhnen vererbte. Seine fünf Söhne waren: Eberhard (1738–1810), Heinrich (1740–1815), Johann Georg (1741–1805), Carl (1747–1809) und Ludwig Wilhelm (1748–1797). Eberhard hatte 1772 ein eigenes Handelsunternehmen gegründet und wurde 1773 zum Ratsherrn in Riga gewählt. Er ist der Stammvater des Hauses Ringmundshof. Heinrich kaufte 1784 Schloss Adsel, welches sein Sohn Reinhold Detlof (1771–1824) bereits 1818 verkaufte. Das von ihm gegründete Haus Adsel ist 1928 mit Roman Paul (1894–1928) im Mannesstamm erloschen. Johann Georg (1741–1805) trat in eine militärische Laufbahn ein und wurde Generalleutnant in der Kaiserlich-russischen Arme. Er ist der Stammvater des Hauses Groß-Buschhof. „Er wurde am 14. Februar 1780, auf dem Landtag der estländischen Ritterschaft, der dortigen Adelsmatrikel einverleibt“Materialien zu einer ehstländischen Adelsgeschichte, nach der bey der lezten Matrikul-Commission angenommenen Ordnung. Nebst andern kürzeren Aufsätzen etc.: 18.19, Band 18 von Hupel, August Wilhelm: Nordische Miscellaneen, Verlag verlegts Johann Friedrich Hartknoch, 1789, Original von Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisiert 10. Okt. 2012, S. 320–322., Stand 21. Januar 2018. Carl Gotthard (1747–1809) war ein Jurist und wurde Kreishauptmann des Kreises Wenden, später Ordnungsrichter. Er erhielt sein Indigenat 1797 unter der Registrierungsnummer 243 und hatte keine Nachkommen. Ludwig (1748–1797) war Offizier und Stammvater des Hauses Kastran. Mit dem Tod seines Sohnes Heinrich Friedrich (1793–1867) erlosch 1867 das 4. Haus.
Das Geschlecht der Berens von Rautenfeld wurde 1786 in das Adelsgeschlechtsbuch der Rigaschen Statthalterschaft eingetragen und erhielt 1797 das Indigenat mit den Registrierungsnummern 241, 243, 244 und 245. Der Generalleutnant Georg Berens von Rautenfeld wurde 1800 unter der Registrierungsnummer 326 immatrikuliert. In späteren Jahren, insbesondere nach den Zwangsevakuierungen und Vertreibungen der Deutsch-Balten nannten sich einige Familienmitglieder nur als „von Rautenberg“.
Stammtafel Haus Ringmundshof Eberhard (* 1738 in Riga; † 1810 in Riga), Herr auf Ronneburg-Neuhof und Arrohof, Indigenat 1797 unter der Registrierungsnummer 245, Ratsherr in Riga ⚭ Maria Elisabeth von Koskull (1749–1774) Heinrich Carl (* 1767 in Riga; † 1831 in Riga), Herr auf Ronneburg-Neuhof, russischer Gardeleutnant ⚭ Anna Dorothea Adam (1792–1826) Heinrich Eberhard (* 1822 auf Lindenruh (lettisch: Bieriņi) südwestlich von Riga; † 1895 auf Ringmundshof), Herr auf Ringmundshof, Alt-Rahden und Appricken (Kurland), Kreisdeputierter von Riga ⚭ 1. Ehe Theophile Levy (1822–1881), 2. Ehe Livonia Carlile (1860–1925), aus der 1. Ehe stammen: Heinrich (* 1850 auf Ringmundshof; † 1896 auf Lindenruh), Herr auf Lindenruh, Physiker ⚭ Margarethe Carlile (* 1863 auf Ringmundshof) Heinrich August (* 1882 – † 1923 in Riga), Herr auf Lindenruh Hans (1883 – 1912 auf Lindenruh) Paul Eberhard (* 1886), Herr auf Reggum Max (1887 – 1920 Jakobstadt), Herr auf Reggum, Freiwilliger der Baltischen Landwehr Karl Wilhelm (1891 – 1892 auf Lindenruh) Eberhard Eduard (* 1854 auf Ringmundshof; † 1918 in Riga), Dr. med. in Riga ⚭ Justine Hesselberg (* 1865 in Wilna; † 1933 in Würzburg) Friedrich Otto Eberhard (* 1889 in Riga), Dr. phil. ⚭ in Berlin Else Martens (* 1884) Karl Eberhard (* 1922 in Würzburg) Karl August (* 1857 auf Ringmundshof; † 1919 in Riga), Herr auf Ringmundshof, Georg Eugen (1860 – 1904 auf Ringmundshof) Max Eduard Julius (* 1862 auf Ringmundhof; † 1920 in Bad Elster), Herr auf Alt-Rahen (Kurland) ⚭ Elisabeth von Vietinghoff-Scheel (1868–1899) Nicolai Hans (* 1890 auf Ringmundshof; † 1912 in San Remo) Kurt (* 1893 in Appricken; † 1915 gefallen bei Goissons)Verlustliste: Brandenburgisches Jäger-Bataillon Nr. 3 (Jäger-Sturm-Bataillon Nr. 3): Leutnant BERENZ von RAUTENFELD Kurt, 13. Januar 1915, Crouy, 2. Komp. , aufgerufen am 22. Januar 2018 Hans Erich (* 1863 auf Ringmundshof; † 1885 in Riga) Friedrich Hugo (* 1885 auf Ringmundshof), Herr auf Ringmundshof ⚭ Dagmar von Rautenfeld (a.d.H. Adsel) (* 1889) Friedrich Konstantin (* 1913 auf Ringmundshof) Wolf Hugo (* 1915 in Riga) Johann-Georg Friedrich (* 1919 in Neu-Brandenburg; † 1932 in Naumburg/Saale)
Haus Adsel mini|Schloss Adsel Heinrich (* 1740 in Riga; † 1815 auf Adsel), Herr auf Schloss Adsel, Indigenat 1797 Registrierungsnummer 244 ⚭ Dorothea Bauer (1744–1814) Heinrich (* 1770 in Riga; † 1821 auf Adsel) Reinhold Detlof (* 1771 in Riga; † 1824 in Lubbert-Renzen), Herr auf Schloss Adsel, russischer Major ⚭ Margarethe Nothelfer (1774–1861) Carl Friedrich (* 1813 in Wattram; † 1890 gefallen bei Taiwola) August Eberhard (* 1823 in Lubbert-Renzen; † 1908 auf Korwenhof), Ordnungsrichter Carl Hieronymus (* 1814 in Wattram; † 1874 in Riga) Paul Heinrich (* 1865 auf Korwenhof), Dr. phil., Zolldirektor in chinesischen Diensten Alexander Eberhard (* 1867 auf Korwenhof; † 1935 in Tuckum), Katasterbeamter, Freiwilliger der Baltischen Landwehr ⚭ Franziska Treller (* 1868 in Kassel) Roman Paul (* 1894 auf Hübbenetshof; † 1928 in Berlin), mit ihm erlischt die männliche Linie. Horst Herbert (* 1901 in Baldone; † 1919), gefallen als Freiwilliger der Baltischen Landwehr.
Haus Groß-Buschhof Johann Georg (* 1741 in Riga; † 1805 in Leipzig), Herr auf Groß-Buschhof, russischer Generalleutnant, Indigenat 1800 mit der Registrierungsnummer 326 ⚭ 1. Ehe: Elisabeth von der Wenge genannt Lambsdorff (1749–1782), 2. Ehe: Franziska von Thonis, verwitwete Lezzano (1754–1826) Peter Heinrich Reinhold (1776–1841), Herr des Pfandgutes Buschhof ⚭ 1. Ehe: Elisabeth Wewell (1781–1816), 2. Ehe: Johanna Regina von Rautenfeld a.d.H. Adsel (1780–1827) Eduard Carl (* 1811 in Janischki bei Mitau; † 1893 in Jakobstadt), Herr des Pfandguts Buschhof ⚭ Julie Koslowska (1827–1899) Konstantin (* 1845 auf Buschhof; † 1921 in Rinteln/Weser) Herr des Pfandguts Buschhof ⚭ Marie von Mengden (* 1860) Viktor (* 1846 auf Buschhof; † 1918 in Riga), Hofgerichtsassessor ⚭ Elisabeth Helmsing (1852–1923) Viktor Eduard Erhard (* 1876 in Riga; † 1935 in Berlin), Kaufmann ⚭ Cara von Loudon (* 1879) Arndt Viktor (* 1906 in Dorpat; † 1996 in Berlin), Kameramann Klaus (* 1909 in Dorpat; † 1982 in München), Kameramann Dr. Ralf Klaus (* 1946 Lübeck), Pharmazeut und Chemiker Christoph Ralf Andreas (* 1978 in München) Catharina Sophia Charlotte (* 2012 in São Paulo) Victor Claus Arved (* 2015 in São Paulo) Constanze (* 1980 in München) Götz Berens von Rautenfeld (* 1913 in Katharinenberg; † 2001 in São Paulo), SS-Obersturmbannführer Gudrun Sigrid (* 1940; † 2017 in São Paulo) Roland Ulrich (* 1943) Herta Rosemarie (* 1947) Peter (* 1858 auf Buschhof; † 1920 in Libau), Dr. med, ⚭ Mathilde Kapp (1860–1887) Egon Bruno (* 1892 in Libau), russischer Rittmeister, Landwirt ⚭ Emma Kapp (* 1904) Peter Harald (* 1937 in Riga) Harald Nikolai (* 1893 in Libau; † 1975 in Loccum), Diplomat und Aktivist ⚭ Gertraud Schuller (* 1914) Dieter Harald (1938 in Berlin) Georg Gustav Adolph (* 1778 in Riga; † 1847 in Russland), russischer Kapitän ⚭ Johanna von Loudon (1783–1826) Karl Georg Theodor (1805 – 1826 in Riga) Karl Magnus Ludwig (1781 – 1803 in Riga) Johann Alexander (* 1789 in Sankt Petersburg; † 1832 auf Curaçao), Herr auf Merijoki (Finnland), russischer Rittmeister ⚭ Ernestine Schmidt (1782–1881)
Haus Kastran Ludwig Wilhelm (1748 – 1797 in Riga), russischer Oberst, Estländisches Indigenat 1780, Livländisches Indigenat 1797, Registrierungsnummer 241 ⚭ Gertrude Clodt von Jürgensburg (1764–1785) Heinrich Friedrich (* 1783 in Riga; † 1867 in Pickfer), Herr auf Kastran und Pickfer ⚭ Charlotte von Baranoff (1784–1835), im männlichen Stamm erloschen.
Besitzungen In Livland waren die Rautenfelds Besitzer der Güter Lindenruh (lettisch: Bieriņi) südwestlich von Riga, Ronneburg-Neuhof, Schloss Ronneburg, Kastra mit Smerle, Schloss Adsel, Sudden, Lubbert-Renzen und Korwenhof, ebenso Arrohof und Woiseck. In Estland besaßen sie Pickfer, in Kurland Appricken, Alt-Rahden, Alt-Abgulden und das Pfandgut Groß-Buschhof.
Schloss Ronneburg Die Ronneburg (lettisch Raunas Pils) östlich von Cesis (deutsch Wenden) an der Handelsstraße nach Pleskau (russisch Pskow) wurde 1262 zunächst als provisorische Befestigung begonnen. In verschiedenen Bauperioden wurde die Anlage erweitert. Im 14. Jahrhundert wurde sie aufgrund innerer Spannungen im Land stark befestigt und erhielt im 15. Jahrhundert feuerwaffentaugliche Wehrtürme. Nach dem Livländischen Krieg verlor sie jedoch gegenüber der Burg Wenden (lett.: Cesis) an Bedeutung. Im II. Nordischen Krieg 1655–1661 zwischen Polen, Schweden und Litauen wurde die Burg zerstört. Nur die Mauern des Haupthauses haben die Zeiten überdauert.Lost Places & Unlost Places Baltikum Livland (Lettland, Estland): Die Ronneburg Digitalisat
Schloss Adsel