Projekt 205 mit dem Decknamen Moskit () (deutsch: „Moskito“), von der NATO als Osa-KlasseDer Name Osa () bedeutet Wespe. bezeichnet, war eine Klasse von Flugkörperschnellbooten der Zeit des Kalten Krieges aus sowjetischer Produktion. Osa wurden in zahlreiche Staaten exportiert. Es gab im Wesentlichen zwei Baureihen der Klasse, wobei das Projekt 205U im Vergleich zu der älteren Version über modernere Raketen verfügte.
Geschichte Die Boote wurden von 1957 bis 1958 unter der Projektnummer 205 entwickelt. Bis dahin hatte es weltweit keine vergleichbaren Entwicklungen gegeben; es musste auf vielen Gebieten Neuland betreten werden. Die Konstrukteure mussten beispielsweise klären, wie sich der Start aller vier Raketen gleichzeitig auf den Bootskörper auswirkt, oder ob Raketen und Artillerie gemeinsam eingesetzt werden können. Während die Boote schiffbaulich gelungen waren, gab es im späteren Einsatz immer wieder Motorenprobleme. Die Feuerleitanlage erwies sich als sehr störanfällig. Baubeginn war 1960 auf der Leningrader Werft Primorsk. Insgesamt wurden 140 Boote des ersten Bauloses von Projekt 205, der „Osa-I-Klasse“, gebaut.
Anfang der 1960er-Jahre stellten mehrere Länder des Warschauer Paktes, aber auch nichtsozialistische Länder Boote dieses Typs in Dienst. Zu diesem Zeitpunkt verkörperten sie die Weltspitze. Die Boote der verschiedenen Marinen unterschieden sich teilweise in der Bewaffnung und Technik. Insgesamt wurden über 400 Boote der beiden Baureihen hergestellt, von denen der Großteil (etwa 300) bei der sowjetischen Marine verblieb. Zusätzlich wurden rund 120 weitere Einheiten in Lizenz in der Volksrepublik China hergestellt.
Zu Kampfeinsätzen der Osa-Klasse kam es in verschiedenen Konflikten. Zwar waren die Boote zur Zeit des Sechstagekrieges zwischen Israel, Syrien, Ägypten und Jordanien aktiv, traten aber nicht in Erscheinung. Erst im nachfolgenden und über Jahre andauernden Konflikt (Abnutzungskrieg) kam es am 21. Oktober 1967 vor Port Said zur Versenkung des israelischen Zerstörers Eilat (ex-HMS Zealous (R39)) durch ägyptische Schnellboote der älteren Komar-Klasse, die mit Flugkörpern vom selben Typ SS-N-2 Styx bewaffnet waren, wodurch auch die Osa-Boote bei der NATO Beachtung erlangten.
Weitere Einsätze fanden im Bangladesch-Krieg zwischen Indien und Pakistan statt. Dort griffen drei indische Osa-Boote im Rahmen der Operation Dreizack am 3. Dezember 1971 den Hafen von Karatschi an und versenkten die pakistanischen Schiffe PNS Muhafiz und PNS Khyber; die PNS Shajahan wurde schwer beschädigt. Ein weiterer Raid dieser Art fand am 8. Dezember statt und führte neben der Versenkung des panamaischen Frachters Gulf Star zur Beschädigung weiterer Schiffe sowie der Zerstörung des Treibstofflagers.
Ein weiteres markantes Ereignis war die Schlacht von Latakia während des Jom-Kippur-Krieges am 7. Oktober 1973. Hierbei versenkten Raketenschnellboote der israelischen Marine insgesamt fünf Schiffe der syrischen Marine, darunter ein Osa- und zwei Komar-Boote. Zwei Tage später versenkten israelische Raketenschnellboote drei ägyptische Boote der Osa-Klasse in der Schlacht von Baltim. Ein viertes Boot konnte entkommen. In beiden Fällen ließ der Einsatz von Düppeln und elektronischen Gegenmaßnahmen die Gegenangriffe ins Leere laufen.
Weitere Schnellboote der Osa-Klasse kamen im Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 auf irakischer Seite zum Einsatz und stellten eine wichtige Komponente des „Tankerkriegs“ dar.
Technik Rumpf mini|Raketenschnellboot Projekt 205 (OSA-1-Klasse)
Die Osa war ein kombiniertes Verdrängungs-Gleitboot mit einem voll geschweißten Schiffbaustahl-Bootskörper. Die Bootsauf- und -einbauten bestanden vorwiegend aus Aluminium und waren sowohl geschweißt als auch genietet und verschraubt.
Antrieb mini|Reihensternmotor
Zum Antrieb besaß das Boot drei Diesel-Sternmotoren vom Typ Swesda M503A. Diese Reihensternmotoren hatten sieben Blöcke mit je sechs Zylindern. Sie waren wassergekühlt, besaßen eine Turboladercompoundaufladung und hatten jeweils 4000 PS (2942 kW) Leistung. Die maximale Umdrehungszahl lag bei 2500 Umdrehungen pro Minute. Die Steuerbord- und Backbordmaschine befanden sich im Bugmaschinenraum, die Mittelmaschine war im Heckmaschinenraum untergebracht. Zur Erzeugung der Bordspannung von 220 V Gleichstrom standen drei Hilfsdiesel zur Verfügung; einer im Bugmaschinenraum und zwei im Heckmaschinenraum.
Bewaffnung mini|Raketenstart
Das Boot konnte mit vier zielsuchenden Seezielflugkörpern P-15 (SS-N-2A) bestückt werden. Die Reichweite der Raketen betrug bis zu 25 sm (etwa 46 km). Auf der Osa-II-Klasse waren zusätzlich zwei Vierfachstarter für leichte Luftabwehrraketen des Typs Strela-2 (NATO-Bezeichnung SA-N-7 „Grail“) installiert.
Das Boot besaß je eine automatische 30-mm-Zwillings-Schnellfeuerkanone AK-230 auf der Back und auf dem Achterdeck. Sie konnten sowohl über ein optisches Visier als auch per Waffenleitradar gerichtet werden und dienten zum einen als Selbstschutz (Flugabwehr) als auch zur Bekämpfung anderer Schiffseinheiten.
Das Boot war in zehn Rumpfkammern (auch „Abteilung“ genannt) unterteilt, von denen drei nicht nebeneinander liegende Kammern geflutet hätten sein können, ohne dass das Boot gesunken wäre.
Modifikationen Während der Bauzeit wurde die Klasse mehrfach modernisiert. Die meisten Modifikationen wurden im NATO-Code unter Osa II zusammengefasst, Ausnahmen sind in der Liste aufgeführt.
Projekt 205P (): NATO-Code Stenka-Klasse, Patrouillenboot mit U-Jagd-Fähigkeit, Projekt 205U (): Seezielflugkörper vom Typ P-15U (SS-N-2B), Projekt 205M (): Seezielflugkörper vom Typ P-15M (SS-N-2C) und neuere Diesel vom Typ M-504, Projekt 205MA(): Slepen, Testboot mit AK-176, siehe unten, Projekt 205MR: verbesserte Seezielflugkörper, vermutlich modernisierte P-15M, Projekt 205K (): (eventuell auch Projekt 205A) Modernisierung der Osa-I-Boote auf den Standard vom Projekt 205M, Projekt 205Ch: Projekt 205M mit 400-V-Wechselstrom-Bordnetz anstelle des sonst verwendeten 220-V-Gleichstroms, Projekt 205Z: Umrüstung zu Zielen für die Raketenausbildung nach 1980, Projekt 205.4 (()): (eventuell auch Projekt 205ER) in den späten 1990er-Jahren modernisierte Version mit acht bis zwölf Kh-35-(SS-N-25)-Seezielflugkörpern. Ein Boot wurde auf diese Variante umgerüstet.
Testboot der Slepen-Klasse Ein einzelnes Boot des Projekts 205 wurde 1970 mit einem doppelläufigen 57-mm-Geschütz AK-725, einem 30-mm-Luftabwehrgeschütz vom Typ AK-630/MR-123 und dem Prototyp des Feuerleitradars Bass Tilt ausgerüstet, um diese Konfiguration für das Projekt 1124 zu testen. 1975 wurde dieses Boot (oder ein weiteres Boot der Osa-Klasse) umgerüstet. Das AK-725 wurde durch ein 76-mm-Geschütz AK-176 ersetzt. Dieses Boot diente als Test für die Matka- und Nanuchka-III-Klasse. Bei beiden Versionen wurde das hintere AK230 beibehalten.
Boote des Projekts 205 mini|Ein Boot der Osa-II-Klasse auf hoher See mini|Osa-II-Flugkörperschnellboot der vietnamesischen Marine
+ Osa I Staat Anzahl Anmerkungen rand|40px Ägypten 10 Boote vier davon im Jom-Kippur-Krieg verloren 40px Benin 2 Boote rand|40px Bulgarien 3 Boote 40px VR China 4 Boote dazu 120 in Lizenzfertigung als Typ 021 (NATO: Hola/Houdong/Huangfeng) 40px DDR 15 BooteAutorenkollektiv des Verbandes: Schnellbootsverband Gefechtsbereit. zum 25. Jahrestag der Gründung, für die Angehörigen des Verbandes siehe unten rand|40px Indien 8 Boote (englisch) siehe unten rand|40px Irak 4 BooteWeyers Flottentaschenbuch 1990/91 alle verloren rand|40px Jugoslawien 10 Boote 2 Boote von Kroatien erbeutet rand|40px Nordkorea 12 Boote rand|40px Polen 13 BooteKutry rakietowe projektu 205 in der polnischsprachigen Wikipedia siehe unten 40px Rumänien 6 Boote rand|40px Sowjetunion rand|40px Syrien 8 Boote
+ Osa II Staat Anzahl Anmerkungen rand|40px Äthiopien 4 Boote davon eines in Eritrea rand|40px Algerien 9 Boote 40px Angola 6 Boote rand|40px Bulgarien 6 Boote rand|40px Finnland 4 Boote siehe unten rand|40px Indien 8 Boote (englisch) siehe unten rand|40px Irak 6 Boote alle verloren rand|40px Demokratische Volksrepublik Jemen rand|40px Kuba 13 Boote 40px Libyen 12 Boote 40px Somalia 2 Boote rand|40px Sowjetunion rand|40px Syrien 12 Boote 40px Vietnam 8 Boote
Im Jahre 1996 erhielt Lettland entsprechend einer Regierungsvereinbarung mit Deutschland fünf Boote aus dem Bestand der ehemaligen Volksmarine. Zuvor waren in der Neptun Werft Rostock die Ari- und Raketenbewaffnung abgerüstet worden. Drei Boote wurden zu Wachbooten umgebaut und die anderen zwei zur Ersatzteilgewinnung verwendet.
Volksmarine der DDR mini|Zwei Boote der Osa-Klasse der Volksmarine
Die Boote der Osa-I-Klasse wurden bei der Volksmarine als „Raketenschnellboote“ oder kurz als „RS-Boote“ bezeichnet und waren auf Rügen in der 6. Flottille gruppiert. Die ersten zwei Boote wurden 1962 in Dienst gestellt. Weitere sieben folgten 1964 und jeweils drei 1965 und 1971. Die 1971 in Dienst gestellten Boote ersetzten die drei ältesten Boote, die in die Schulbootsabteilung überführt worden waren. Bis auf das fünfte in Dienst gestellte Boot mit dem Namen Dr. Richard Sorge erhielten alle Boote bei ihrer Indienststellung Namen von Roten Matrosen der Ereignisse in der Friedensbewegung in der ehemaligen deutschen Hochseeflotte 1917, dem Kieler Matrosenaufstand und der Novemberrevolution.
Im Mai 1964 nahmen die ersten beiden in Dienst gestellten Boote Max Reichpietsch und Albin Köbis am praktischen Raketenschießabschnitt vor Baltijsk teil. Dieses Raketenschießen, an dem später nur noch je ein Boot teilnahm, fand bis 1989 jährlich statt. 1981 begann die planmäßige Außerdienststellung der Boote 205/2, 3 und 6 aufgrund beginnender Materialermüdung und eines hohen technischen Verschleißes nach fast 20 Jahren Dienstzeit. Die restlichen zwölf Boote sollten 1:1 durch moderne Raketenträger, wie die kleinen Raketenschiffe der Tarantul-I- und Sassnitz-Klasse, ersetzt werden. Dieses Vorhaben scheiterte an fehlenden Finanzmitteln und die Boote der Osa-I-Klasse mussten weiter in Dienst gehalten werden. Erst 1990 mit dem Auflösen der Volksmarine konnten die mittlerweile völlig verschlissenen Boote außer Dienst gestellt werden.
Die Schnellboote waren in den 1980er-Jahren zu je vier Booten in einer Abteilung gruppiert, die jeweils in der 1., 3. und 5. Brigade eingegliedert waren.
Entsprechend einer Regierungsvereinbarung erhielt die Marine Lettlands 1993 nach Demontage der Rohrartillerie- und Raketenbewaffnung in der Neptun-Werft die letzten drei, 1971 angeschafften Boote (205/13, 14, 15) als Wachboote. 1995 folgten zwei weitere (205/10, 11), die als Materialreserve dienten. Die Bundesmarine war an einer Übernahme der Boote nicht interessiert. Die restlichen Boote wurden komplett verschrottet.
Besonderheiten bei der Volksmarine Die ersten an die Volksmarine gelieferten Raketenschnellboote wurden noch ohne Waffenleitanlage ausgeliefert. Erst 1965 erfolgte in Tallinn eine Nachrüstung mit der Waffenleitanlage MR-104 für die Rohrwaffen. Die Waffenleitanlage für die Flugkörper nannte sich MR-101. Ferner waren einige Boote mit radaraufklärenden Geräten versehen, das heißt, sie konnten empfangene Radarsignale analysieren, die dem gesendeten Gerät als quasi elektronischer Fingerabdruck zuzuordnen sind.
Da die elektrischen Geräte der DDR mit 220 Volt Wechselstrom funktionierten, an Bord aber nur Gleichstrom zur Verfügung stand, wurden die Boote zusätzlich mit einer 220-V-Wechselstromanlage ausgestattet. So konnten an Bord auch elektrische Geräte benutzt werden, die nicht zur fest eingebauten Ausrüstung gehörten. Mitte der 1980er-Jahre rüstete die Volksmarine ihre RS-Boote mit Täuschkörper-Wurfanlagen aus. Sie dienten zur Abwehr von angreifenden Flugkörpern.