JonDo war ein Web-Anonymizer, der von der JonDos GmbH weiterentwickelt wurde. Das Projekt wurde im August 2021 eingestellt. Der Name ist eine Anspielung auf John Doe – der englische Platzhaltername für unbekannte Personen. Der Dienst ging aus dem Java Anon Proxy (da Java ein Warenzeichen von Sun Microsystems ist und nicht mehr verwendet werden durfte, wurde in der Regel nur das Akronym JAP benutzt) des Projektes AN.ON hervor, an welchem die Technische Universität Dresden, die Universität Regensburg und das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein geforscht haben. Nachdem die staatliche Förderung des Projektes 2006 ausgelaufen war, gründeten einige Projektmitarbeiter JonDos als Startup-Unternehmen und führten so den Dienst fort. JonDo wird als freie Software unter der dreiklauseligen BSD-Lizenz verbreitet.
Funktionsweise Der Nutzer trägt in die zu anonymisierende Anwendung (insbesondere den Webbrowser) die lokale Adresse des JonDo-Clients als Proxy-Server ein. Dieser Client kümmert sich um die Kommunikation mit den Mixen der gewählten Kaskade – insbesondere übernimmt er die dafür notwendige Verschlüsselung. Dazu tauscht der Client mit jedem Mix der Kaskade vertraulich einen eigenen geheimen Schlüssel aus, so dass der einzelne Schlüssel nur genau einem Mix und dem Client bekannt ist. Mit diesen geheimen Schlüsseln werden nun zu sendende Daten mehrfach verschlüsselt und diese mehrfach verschlüsselten Daten an den ersten Mix der Kaskade geschickt. Während diese Daten nun die Kaskade durchlaufen, entschlüsselt jeder Mix diese Daten mit dem jeweils ihm bekannten geheimen Schlüssel. Nachdem der letzte Mix dieses Verfahren durchgeführt hat, sind für ihn die Klartextdaten sichtbar (falls keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung darauf existiert) und er sendet sie an den beabsichtigten Empfänger. Antwortdaten sendet der Empfänger an den letzten Mix der Kaskade. Die Mixe verschlüsseln in Empfangsrichtung nun nacheinander die Antwortdaten mit dem jeweiligen geheimen Schlüssel. Nachdem das Antwortpaket rückwärts die Kaskade komplett durchlaufen hat und vom ersten Mix an den JonDo-Client gereicht wurde, entschlüsselt dieser das Paket entsprechend mehrfach und reicht die entschlüsselten Daten dann an die Anwendung weiter.
Anonym gegenüber externen Beobachtern ist man innerhalb der Nutzergruppe der gleichen Mixkaskade. Stärker benutzte Kaskaden erzeugen also eine größere Anonymität. Die Anonymität gegenüber den Betreibern der Mixe hängt dagegen von der Anzahl der Mixe in der Kaskade und dem Vertrauen in deren einzelne Betreiber ab, dass sie nicht zusammenarbeiten. Nur wenn alle Mixe einer Kaskade zusammenarbeiten, lassen sich die nur dem ersten Mix bekannten Quell-IP-Adressen der Anfragen den nur dem letzten Mix bekannten angefragten Webseiten zuordnen, so dass sämtliche Nutzeraktionen deanonymisiert wären. Da Strafverfolgungsbehörden oder andere staatliche Institutionen eine solche Zusammenarbeit der Mixbetreiber erzwingen können, ist eine internationale Diversität der Mixbetreiber einer Kaskade ebenfalls vorteilhaft für die Anonymität.
Vor- und Nachteile des Anonymisierungsmodells JonDo basiert – im Gegensatz zu einigen anderen Anonymisierungsdiensten wie beispielsweise Tor – auf dem Konzept fester Mixkaskaden. In der Theorie ist dieses Modell auch bei Komplettüberwachung des zu Grunde liegenden Netzwerkes sicher. Im Tor-Netzwerk kann im Vergleich dazu jeder seinen Rechner als Anonymisierungs-Knoten bereitstellen. Tor ist daher anfällig für groß angelegte Überwachungssysteme auf Basis großer Serverfarmen, mit denen ein US-Geheimdienst im großen Stil das Anonymisierungsnetzwerk mitbetreibt.Softonic: Anonym Surfen: Tor, JonDo, VPN und Web-Proxies im Vergleich. Artikel vom 31. Juli 2013. Bei der praktischen Implementierung für einen Echtzeitanonymisierungsdienst ergeben sich aber auch bei JonDo Probleme, da nicht alle nötigen Mixfunktionen (ausreichend gut) durchgeführt werden können. Deshalb ist das praktische Angreifermodell deutlich eingeschränkter: Sicherheit kann nur gegen Angreifer erreicht werden, die das Netzwerk lokal an einer Stelle überwachen können. Dagegen sind insbesondere Angreifer, welche sämtliche Kommunikation vor dem ersten und hinter dem letzten Mix einer Kaskade abhören können, in der Lage, die Aktionen der Benutzer dieser Mixkaskade komplett nachzuvollziehen. Vereinfacht wird die Situation für derartige Angriffe, da es nur eine sehr begrenzte Anzahl von Mixkaskaden gibt, so dass eine Präsenz für den Angreifer nur an wenigen Punkten erforderlich ist, um sämtliche über JonDo abgewickelte Kommunikation zu deanonymisieren. Eine Erhöhung der Anzahl der Mixkaskaden als Gegenmaßnahme ist problematisch, da das Grundmodell davon ausgeht, dass möglichst viele Nutzer gleichzeitig über eine Mixkaskade aktiv sind, um die Anonymitätsgruppe groß zu halten – mehr Mixkaskaden würden die Nutzergruppen pro Kaskade kleiner machen.
Auf der anderen Seite bietet das Mixkaskadenmodell mit der überschaubaren Anzahl an Mixbetreibern den Vorteil, dass eine intensivere Überprüfung der Betreiber stattfinden kann. Somit ist hier eine höhere Sicherheit gegenüber den Mixbetreibern selbst gewährleistet (im Gegensatz z. B. zu den Tor-Node-Betreibern).
Mixbetreiber JonDos setzt ausschließlich auf zertifizierte Mixbetreiber.JonDos: Voraussetzungen für den Mixbetrieb. Abgerufen am 21. November 2010. Diese müssen sich gegenüber mindestens einer der momentan zwei Zertifizierungsstellen (JonDos, AN.ON)JonDos: . Abgerufen am 21. November 2010. identifizieren und einen Betreibervertrag eingehen. Sinn dieses Vertrages ist sowohl die Sicherstellung der Anonymität der Nutzer als auch die Unabhängigkeit des Mixbetriebs von JonDos. Auf diese Weise können Kaskaden von unabhängigen Mixen aufgebaut werden, ohne dass eine Zentralinstanz wie JonDos oder eine andere der Zertifizierungsstellen Verfügungsgewalt über diese Mixe hat.
Es existiert ein internationales Spektrum an Mixbetreibern, wobei der Schwerpunkt auf Deutschland liegt.JonDos: . Abgerufen am 3. April 2011. Der Betrieb erfolgt sowohl durch Privatpersonen als auch durch Firmen und Organisationen, insbesondere aus dem Bereich des Datenschutzes. Unter den Betreibern befinden sich die ursprünglichen Projektpartner des AN.ON-Projektes (Technische Universität Dresden, Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein), JonDos selbst, der Landesverband Bayern der Piratenpartei Deutschland u. a.
Bezahlmodell Da der Verkehr über einen Mix erheblich ist, so dass nicht wie z. B. bei Tor bereits ein Breitbandanschluss ausreichend sein kann, stellt sich die Frage der Finanzierung des Mixbetriebs. Auf der einen Seite ermöglichen Sponsoren einige kostenlose Kaskaden. Diese sind aber oftmals stark ausgelastet, so dass dort die Geschwindigkeit dann unter ISDN-Niveau liegt.
Auf der anderen Seite kann man über den Kauf eines Volumentarifs kostenpflichtige Kaskaden nutzen, welche in der Regel deutlich höhere Geschwindigkeiten bieten. Zusätzlich ist hinter den kostenpflichtigen Kaskaden in der Regel ein SOCKS-Proxy (statt nur eines HTTP-Proxys) geschaltet, so dass darüber deutlich mehr Funktionen anonymisiert werden können als nur das Websurfen. Auch vom Standpunkt der Anonymität bieten sich dort einige Vorteile, da diese Kaskaden länger sind als die kostenlosen und international verteilte Mixe integrieren, so dass z. B. nationale Strafverfolgung dort ins Leere läuft.JonDos: . Abgerufen am 3. April 2011. Allerdings sind auf diesen Kaskaden deutlich weniger Nutzer aktiv, was den Anonymitätsgewinn wieder etwas schmälert, da die Anonymitätsgruppen klein sind. Die Abrechnung des verbrauchten Volumens geschieht über ein pseudonymes Einmalkonto. Der Erwerb des Kontos ist u. a. über vollständig anonyme Zahlungsverfahren, wie Paysafecard, möglich, so dass dem Betreiber keine persönlichen Informationen bekannt gegeben werden müssen.
Im Frühjahr 2010 kam es auf Grund des Bezahlmodells zu Streitigkeiten zwischen den Mixbetreibern, was dazu führte, dass einige Anbieter kostenloser Kaskaden ausgestiegen sind, unter anderem die German Privacy Foundation. Da der mit Abstand größte Teil des über JonDo abgewickelten Verkehrs trotz Bezahlmodells auf die kostenlosen Kaskaden entfällt, arbeitet das Projekt nicht kostendeckend. Um die Einnahmen zu erhöhen, wurde die Nutzung der kostenlosen Kaskaden u. a. durch Absenkung der dort maximal möglichen Geschwindigkeit von 100 kbit / s auf 30 bis 40 kbit / s weniger attraktiv gegenüber den kostenpflichtigen Kaskaden gemacht. Bei derartig niedrigen Geschwindigkeiten sahen einige Anbieter kostenloser Mixe aber keine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit mehr gegeben und haben ihr Engagement für JonDo deshalb beendet.
Der Download und die Nutzung der nötigen Software ist in jedem Fall kostenlos.
Software JonDo wird als Installer-Version für Microsoft Windows (98, ME, 200x, XP, Vista, 7), Mac OS X und Debian-basierte Linux-Distributionen zum Download angeboten. Für andere Betriebssysteme steht eine pure JAR-Datei bereit, so dass dort JonDo ebenfalls läuft, falls eine passende Java-Laufzeitumgebung vorhanden ist.JonDos: . Abgerufen am 3. April 2011. Darüber hinaus gibt es mit ANONdroid eine App für Android, die die Nutzung der Anonymisierungsdienste auch auf mobilen Geräten ermöglicht.JonDos: ANONdroid Version 00.00.008. Abgerufen am 23. Dezember 2011.ANONdroid auf Google Play. Abgerufen am 23. Dezember 2011.
Da auch die Konfiguration des Webbrowsers entscheidend für den anonymen Zugriff auf das Internet ist (Cookies, HTTP-Header, Plugins, …), werden zusätzlich vorkonfigurierte Profile für Mozillas Webbrowser Firefox zum Download angeboten. Diese werden als JonDoFox bezeichnet. Für Windows kann auf Basis von PortableApps auch eine komplett vorkonfigurierte, transportable Version des Firefox heruntergeladen werden.JonDos: . Abgerufen am 3. April 2011.
Neben dem JonDo-Client steht auch die Serversoftware für InfoServices und Mixe (letztere nicht in Java, sondern in C++) quelloffen und kostenlos zur Verfügung.JonDos: Liste der angebotenen Programm-Quellen. Abgerufen am 21. November 2010.
Strafverfolgung